Einzelbild herunterladen

7. Jahrgang

Nummer 237 - Freitag, den 9. Oktober 1914.

Dirlienc er cheint icöen Werltag. Regelmäßige BeilagenDer Kauer au» Helsen",Dir Spiuuftulie". Keiuzapreis: ,v, i>e;i Voitunjtaltcn v,criel,ährl,ch 'JJif. 1,95

hei p«n Agenten monatlich 50 Pjg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anzeigen: Erundzeile 20 Pfg., lolale 15 Pig^ Anzeigen von «us:->-..rr, merren d ir h Po lna.hnatzine erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftlritung und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Fern'prechcr 48. B»sticheck-Tvnt» i'l- ! r. Franlsntt a. ?l(.

Antwervk» in Klar

©

Die letzten Kämpfe um die Festung. Wo ist der König?

ie Rußen in Lpck.

Die Kriegslage.

A:ntlichcs Telegramm.

Grones Hauptqnartier, 8. Tkt. abends. Vom westlichen Kriegsschauplatz sind Ereignisse von entscheidender Be­deutung nicht zu melden. Kleine Fort­schritte bei St. Mitziel u. am Argounen- N-aiö gemacht.

Vor Antwerpen ist das Fort Breendonck genommen. Der Angriff auf die innere Fortlinie und damit auch die Veschichung der dahinter liegenden Stadtteile hat be­gonnen, nachdem der Kommandant der Fest­ung die Erklärung abgegeben hatte» dag er die Verantwortung übernehme.

Die Kuftschiffhalle in Düsseldorf wurde von einem durch einen feindlichen Flieger geworfene Dombe getroffen. Das Dach der Kalle wurde durchschlagen und die Dülle eines in der Halle liegenden Luftlchiffcs zerstört.

Im Osten erreichte eine von Komsha anmarjchiercnde russische Kolonne Fyck.

Pit KSnipIk uui AlllimM.

Die Bcichicßung hat begonnen. Brüssel, 8. Okt. Ge­mäß Artikel 2t> des Haager Abkommens betressend die Gesetze 1-n Landkrieges lieh General o. Beseler, der Bcsehlshabcr der Belagerungsarmce von Antwerpen, durch Vermittlung der in Brüssel beglaubigten Vertreter neutraler Staaten gestern nach- mfKs- die Behörden Antwerpeus von dem Bcvorstehcn de: Beschienung verständigen Die Beschießung der Stadt hat um Mitternacht begonnen.

Fcner in Antwerpen. Köln, 8. Okt. DieKölnische Zeitung" meldet von der holländischen Grenze aus Rosindaal: Die Beschickung Antwerpens dauerte die ganze blocht. Das Feuer war so hestig, daß in Rosendaal die Häuser -iner­ten. Tausende von Flüchtlingen sind hier angelommen oder werden erwartet. Während der ganzen Nacht tonnte hier eine Fencrsglut wahrgcnommen werden; die Pctroleumbchälter des Hafens scheinen in Brand zu stehen. Der Südbahnhos brenn« cbcnsalls, der Hautpbahnhos hat glcichsalls ernstlich gelitten. Die »Rgierung hat besohlen, alle Eisenbahnzüge sür die Besör- derung von Verwundeten und Flüchtlingen bereit zu halten.

Berlin, 8. Okt. DieB. Z. am Mittag" meldet ans Köln: DerKölnischen Zeitung" zufolge müssen nach Berich­ten von Flüchtlingen in Antwerpen bereits Granaten eingeschlagen sei». Ferner wird mitgctcilt, datz in B c r- che m, einer Vorstadt Antwerpens, Granaten cingcschlagen sind.

Weitere Forts vernichtet. Amsterdam, 8. Okt, Der Maasbode" meldet aus Putte, das; die Deutschen in der vergangenen Nacht und heute früh auch über das Fort B: o c - ch e in anrllcklcn. eine andere Hecresabteilung marschierte über Wcstmalle au, Fort Wyncghcm, das in wenigen Stunden vernichtet war. Fort Wyncghem ist das erste Foit^dcs inneren Festungsgürtels. Fort Sch Voten vom äußeren Feck- ungsgüriel, nordöstlich von Antwerpen, suchte den Einmarsch auszuhaltcn, wurde aber rasch zur: Schweigen gebracht. Bei diesem gewaltigen Anrinkc» war das belgische Heer ge­zwungen, über die Schelde zurnckzuwcichen.

Antwerpen vvn Süden bis Norden umzingelt. Ans Putte an der holländischen Grenze wird berichtet, das) vor- gestern Nacht in dem nahe gelegenen Fort Braschaet, den, Artilleneübungsplatz Belgiens, eine starke Piilver.-rplostoii slattfand, daß man aber nicht wisse, inwieweit das ,rart ge­litten habe. Hiernach erstrecke» sich die deutschen Operatio­nen im Halbkreis von Süden bis zinn Norden von Slnt- werpen. t

Ter llebrrgang über die Ncthe. A m st e r d a nr, 7. Okt. Den Ucbergang über die Ncthe haben die Toiit'än."» noch einem Bericht desHandelsblad" vor allem dadneeh er- zwingen können, das; ihr Vorstoß durch die schwere Artillerie gedeckt wurde. Bei dem heftigen Artilstrieducll wurden Lire und Eontich in Brand geschossen. -Tlirch die Bresche zwi­schen Eontich und Dieurdien dringen die Deutschen vor­wärts nlid beschießen gleichzeitig die innere Fortslinie. Seit gestern sind schwere englische Schifssgeschütze in Aktion,

doch ohne große Hoffnung auf Erfolg. Das Gesucht im Süden Antwerpens dauert fort.

Panik in Antwerpen. A in st c r d a m, 8. Okt. (W. B. Nichtamtlich.)Handelsblaad" meldet: Das heftige Schic- tzcn in der letzten Nacht verursachte in Antwerpen eine starke Panik, besonders unter den niederen Klassen der Bevölker­ung. Die Bahnhöfe wurden gestürmt, die Züge nach Holland sind mit Flüchtlingen übcrfiillt. Tie Deutschen erzwangen den liebergang über die Ncthe.

Antwerpen vor dem Fall. Berlin, 8. Okt. TieB. Z. am Mittag" meldet aus Mailand: Nach einer Depesche desCorricre dclla Sera" aus Nom lasten die letzten Nach­richten annehmen, daß der Widerstand Antwerpens nicht mehr lange dauert. Man hält cs für möglich, daß sich bel­gische Truppen nach England cinschiffcn, um von dort auf cinem anderen Punkte des Kriegsschauplatzes wieder anszii- tauchen.

Flucht der Regierung. Amsterdam, 8. Okt. (W B. Nichtamtlich.)Tclegraas" meldet ans Noscndaal voin 7. Oktober: Das diplomatische Korps hat Antwerpen ver­lassen und sich auf einem Rcgicrnngsdampsec nach Ostende begeben. Die Bürgcrgarde ist entwaffnet. Nosendaal gleicht einem großen Flüchtlingslager. Ten ganzen Tag über kamen Züge aus Antwerpen an, b's nach Mitte-nackst schätzungsweise 18,000 Belgier, namentlich Frauen und Kinder, die in Kirchen, Lichtbildtheatern. Eiscnbahnschnp- Pen und Privathäusern untergcbracht wurden.

Wo ist der König? Rotterdam, 8. Okt. <W. B. Nichtamtlich.) TerNicuwe Notterdamschc Courant" mel­det: Ter König der Belgier soll nach einer, bisher nnbesta- tlgten Mitteilung leicht verwundet sein.

Ter Antwerpencc Berichterstatter desAmsterdamer Handelsblnd" meldet aus Roosendal: Mitten im Gedränge sei in Antwerpen der königliche Kraftwagen mit dem König und der Königin erschienen. Er sei über die militärische Schiffbrücke auf die andere Seite der Schelde gefahren und war bald außer Sichtweite gekommen. - Ans Sas van Gent meldet das Dias-Burcan: König Albert ist heute

Morgen 0 Uhr in Selzacte an der holländischen Grenze auf belgischem Gebiet angckonnncn.

Churchill in Antwerpen. Stock Holm. 8. Okt. ,Svds- vcnska Dogbladct" rcm 7. Oktober berichlet: Churchills Reise nach Antwerpen galt der Beratung über eine elwnigc Flucht des Königs Albert nach England. Nach dem StockholmerAsicnblodct" Icll die Besatzung Antwer­pens auf -virsportdampfer», die aus dem Fluß verankerr lie­gen, nach England und von dort nach anderen Teilen ecs Kriegsschauplatzes gebrach! werden.

Die Liigeupre ist au allem Elend schuld. DerFranks. Zeitung" wird berichtet: lüesttrn u:n halb sieben kam oer erste Zug von Flüchtlinge» in Rotterdam an. Ein Teil davon irnrde nach Schiedam gebracht, andere wurden in einem Lagerschuppen der Holland-Amerika Linie beherbergt, wo etwa 15-00 Betten in aller Eile ausgeschlagen wurden. Putte an der holländischen Grenze passierten mindestens zehntausend Flüchtlinge, manche in trostlescstein Zustand. Die Bewohner des Dorfes Dcurne bei Antwerpen waren derart von der B.fchießung überreicht, daß viele von ihnen im Nacht ie- mand nach Antwerpen flohen, wo sie jedcch nicht mehr cs,gelassen wurden. Darauf ging die trostlose Flucht nach Holland weiter, reich und arm in bunter Mischung, dann wie­der eine Schar Non..:::: ans W.zncghcm. Manche elegante Damen mit kühn geschlitzte::: 5v\ treffen ein und die Hollän­der machen bei aller H,lsib:reitschast und allem Mitgestihl .hre Bemerkungen über die extrao vzaittcn Toiletten. Die Bauern­bevölkerung führt meistens i': De'.tzzeug mit sich. So langen dies? langen Marschkolonne:: des Elends in Holland an. .oo k>ch alle Hände sleistig regen, u:.: sie nnierzubringcn. Nach dem Nicuwe Notterdamschc Courant" ist an.'i drr sranzösischc Kon­sul aus Antwerpen mit sei. n a, in Konsularchiv nach Holländisch Rosindaal geslehen Br. :rl. :::: ert ist übrigens, wie eilig man die Archive in Sicherheit bringt, so auch da? belgische Rcichsara, io. das schon vorgestern nach Ostende gebracht wurde. In'dies: : Pep'er::, dürste manches Interessante über die Borgeschichie d:s i.riegcs enthalten sein. Ein nach Holland versprengter und der! ttttcrnicrter belgstchcr Geniesoldat erzählt nach demNie me Oettcrdamsche Courant", daß er zu einer Division gehör!?, die de» Auftrag hatte, alle Kirchtürme zu sprengen, die den Deutschen als Bc- obachtungspunkte dienen lönnlen. Er teilte mit, daß schon 12 Kirchtürme in die Luft geflogen seien, als er bei Licr von sei­ner Division abirrie.

Ein aus Antwerpen hier angckommenes Ehepaar, das den besten Ständen angchört, äußerte sich mit großer Erregung da- rüt er. daß die Wahrheit über die Lage biszur letzte» Mi­

nute verborgen gehalten worden sei. Infolgedessen sei e- ihnen nicht mehr möglich gewesen, Geld oder Kleidungsstücke mitzunchmcn. Ebenso w:e ihnen sei cs Tausenden ergangen. Noch gestern habe di- 'Antwerpen«Nicuwe Eazei" die uner­hörten Schwierigkeiten einer Ilcüerschrcitung der Ncthe aus- cinandergesetzt. Das Terrain sei teilweise unter Wasser 2?sitzt und außerdem seien im Wasser verborgene Stacheldroht- sperrungcn angebracht.

Die wilden Tiere geschützt.-Die in Amsterdam eingetros- fene Frau eines Wärters des Antwcrpener zoologischen Gar­tens erzählte, man habe die Käsige der wilden Tiere in diesem Garten mit Panzerplatten versehen und die Schlangen getötet. Nachdem die bürgerliche Bevölkerung die Stadt ge­räumt hat, erwartet man, daß di- Beschießung heute nachmit­tag 1 Uhr ihren Anfang nehmen würde. Die fremden Gesandt- schastc» sind auch nach Ostende verlegt worden.

General von Bcsclcr an die Antwcrpener Garnison De? Obcrbcjehlshabcr der Bclagcrungsarmce vor Avtwer- pen hat, wie bekannt, durch eine» Flieger über Antwerpen ei­nen Aufrus an die Belgier auswersc» lassen. DieNatianal- geitung" verössentlicht nun den Wortlaut dieser Proklamation. Sie lautet:

Belgische Soldaten: Euer Blut und Heil gebt Ihr kei­neswegs sür Euer geliebtes Vaterland her, sondern fiit die Interessen Rußlands, eines Landes, das nur danach strebt, seine enorme Macht auszudehnen, vor allem aber zllr England, das in seiner niedrigen Habgier den grau­samen und noch nichi dagewcsencn Krieg herausbeschworen hat. Von Anbeginn des Krieges an haben Euere Tages­zeitungen, die im Solde von Frankreich und England stehen. mcTjt aufgcfyört, E«ch zii tietcii«,*« ttnb Circh Nver ö!C Ut* fachen des Krieges und den Auszantz" der ^Gefechte zu täu­schen. Sie lnn cs auch heute noch. Euere Armccbeschle be­weisen cs, wie man Euch betrügt. Man sagt Euch, daß man Eure Kriegsgefangenen zwingt, gegen Rußland mitzukämp- sen. Euer gesunder Verstand muß Euch aber sagen, daß die» unmöglich ist. Wenn der Tag gclommen sein wird, da Eure gejangenen Knmcrade» zurllckkehrcn. werden sie Euch sagen, mit welchem Wohlwollen sie behandelt wurden und Ihr werdet dann vor Scham erröten über die unerhörten Lügen. Jeder Tag des weiteren Widerstandes bedeutet für Euch nicht wieder gutzumachcndc Leiden und Verluste, wäh­rend Ihr nach oer llebergabe von allen wetteren Leiden er­löst sein werdet. Belgische Soldaten! Ihr habt lange ge­nug sür die Interessen der russischen Großfürsten und Ne Kapitalisten des perfiden Albion gekämpft. Euere Lage ist hpsfnungslos. Deutschland, das um seine Existenz tämpst, hat zwei russische Armeen vernichtet. Es befindet sich lein russischer Soldat mehr auf unserem Gebiet, und in Frank­reich besiegen unsere Truppen den letzten Widerstand. Wenn Ihr zu Euere» Franc» und Kindern zurückkehren wollt, so beende! diesen nutzlosen Kampf, der nur zu Euerem tlttter- gan; führen kann, dann werdet Ihr die Wohltaten eines glücklichen und vollständigen Friedens genießen, llnier- Ichrift: von Beseler, Obcrlommandant der Beiager-

»nflcarmec.

Der KricH in Galizier«.

SS t c n, 8. Okt. (W. B. Nichtatmlich.) Amtlich wird

ficiiicü'rt: Unsere Cffcnj.iv hat auch gestern da und dort tintcr Heineren Gefechten :ib?.a!l ihre Ziele erreicht.

L . einer Meldung eines von einem kühnen Fluge r.nC 'n,.! ..twückgetchtlen GeneralstabSofsiziers wird di« Verlest:gn::g der Festung von der kampfbegeistckle,'. Bclntz- nng ,,it t.-r ßrüfitcn Tätigkeit lind Umsicht geführt. Mch< rere UuLsi.'.le holen die feindlichen Linien zurückgedrängl und zahlreiche Gefangene cingcbracht. Alle Angriffe der Russen i->:d tmlcr furchlbarcn Verlusten ini Feuer der Fest-

ungcr. ::ke

zi:>a nmengebrochen.

In kr:

i ! rpathcn westlich des Wistzkowcr Sattels :st

sein F:' d

n.:st:r. Ter lei Marmaros-Sziget eingebrochene

ßCtV

... egen: die Stadt ist vergangene Nacht in um

sc»-

^gelangt.

- eirclcr des Chefs des Gcneralitobs

von Hofer, Generalmajor.

der Oefterrercher.

Berlin, 8. Okt. lW. B. Nichtanitlich.) TieNord deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zu dem anttlichen österreichischen Bericht über des Znsammenbrechcn des- fischen Angriffes auf Przemysl und dem Erfolge in den Karpathen: Tic heutigen Meldungen bestätigen, datz in Ga­lizien und in den Karpathen die östcrreichisch-ungarifchen Truppen sich in stetem Fvrtschveiten befinden. Ans ittrga-