Ausgabe 
30.1.1915
 
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genden Beerdigung von gefallenen Angehörigen der deur⸗ 155 Armee den Gefallenen die Erkennungsmarken abge nommen werden, und 3. daß die Listen und Erkennungs⸗ marken jeweils unverzüglich über eine geeignete neutrale Stelle der deutschen Regierung übermittelt werden. Nach der einstimmigen Annahme dieser Entschließung wurde der seitherige zwölfgliedrige Ausschuß als Vorstand gewählt. Die Ernennung der Vertrauensmänner für die Kreise soll

8 demnächst nach geeigneten Vorschlägen erfolgen. Die Namen 1 1 der vermißten Krieger mögen deren Angehörigen mit mög⸗ ein lichst genauen Angaben an die Adresse des Rechnungsrats t sad a. D. Schu pp, Darmstadt, Dieburgerstr. einsenden.

la 1 Die Frankfurter Parteidifferenzen. Zu den gestern von uns N ach mitgeteilten Beschlüssen der Generalversammlung des Sozialdemo⸗ 00 95 kratischen Vereins Frankfurt hahen nunmehr die Vorstände der dden se Kreiswahlvereine Friedberg⸗Büdingen, Hanau⸗Gelnhausen⸗Orb, 0 1. Höchst⸗Homburg⸗usingen, Biebrich⸗Wiesbaden, die Reichstagsabge⸗

0 ordneten und Kandidaten der Wahlkreise folgende Entschließung er L gefaßt:Die jetzigen Satzungen der Preßkommission sind gemäß

ls nüt den Bestimmungen unseres Parteistatuts auf der sechsten Kon⸗ ger G ferenz des Agitationsbezirks Frankfurt a. M. im Jahre 1908 zu jf N Wiesbaden angenommen und rechtskräftig geworden. Sie be⸗ ausann stehen daher auch jetzt noch zu Recht, und können gemäß unserem

8 Parteistatut nur auf einer Konferenz unseres Agitationsbezirks g n werden. Daran ändert die Resolution der General-Ver⸗ ammlung des Sozialdemokratischen Vereins Frankfurt a. M. nichts. Nach den Satzungen der Preßkommission hat die Kom⸗ mission den ganzen technischen und kaufmännischen Betrieb der Volksstimme und der Union-Druckerei, sowie die rekationelle Leitung des Blattes zu überwachen und dafür zu sorgen, daß sämt⸗ ö liche Geschäfte und der redaktionelle Teil im Sinne und Interesse 6 der Partei besorgt werden. Dieses Recht werden wir mit allen Mitteln wahren, die uns unser Parteistatut an die Hand gibt. Berichtigend wollen wir zu unserer gestrigen Notiz bemerken, daß nicht sämtliche sieben Frankfurter Preßkommissionsmitglieder für die Einstellung eines neuen Redakteurs gestimmt haben, sondern nur zwei, die allerdings mit ihren Stimmen den Ausschlag ge⸗ geben haben.

Uebertreibungen in Feldpostbriefen. Vieles, was die im Felde stehenden Krieger von dort an ihre Angehörigen und Be⸗ kannten richten, sind gewiß oft von hohem Intevesse und geben viel⸗ fach ergreifende Schilderungen über das Furchtbare, was sie erleb⸗ ten und beobachteten. Manchmal wird aber auch Jägerlatein ver⸗ zapft, gewaltig renommiert und übertrieben. So gibt die Wiener Arb.⸗Ztg. den Brief eines Artilleriehauptmanns an seine Frau wieder, in dem es heißt:Heute bekommst Du einen ganzen Brief.

Eigentlich die Antwort auf Deine Karte, welche von den Läusen handelt. Das ist hier eine Sache! Wie in Wien Hochquellen⸗ leitung ist, so gibt es hier Läufe. Jeder hat sie. Also warum be⸗ schönigen? Eine Sorte ist ausgenommen, die Kopfläuse, die kom⸗ men seltener vor. Aber in der Wäsche, in den Decken, Kleidern, das wurlt nur so. Ich schreibe so leicht darüber; aber es ist keine

Kleinigkeit, kaunst mir's glauben. Bei dieser Gelegenheit eine en viesn Bitte: Wenn Du den Zeitungsschreiber entdeckst, der diese schönen nosser Feldpostbriefe abdrucken ließ wie 7 B.:Ha, war das ein herr⸗ osse ng; licher Kampfestag, als wir nach 36stündigem Marsche an den Feind affung x kamen!, oder vielleicht diesen Kerl, der schrieb: Hei, war das eine Kriege Lust, als die Schrapnells geflogen kamen und über uns platzten!, berker h 5 diese schicke mir her, diese beiden Esel spanne ich mir ein. Du

g 9 brauchst nicht glauben, daß wir verzagt sind, aber eine solche unver⸗ A* 4 schämte Frechheit, zu schreiben, wie der Infanterist nach 36 Stunden Die Ran. Marsch in diesem Dreck schreit:Ha, war das ein herrlicher ben gh Kampfestag! oder der andere, der nicht genug Schrapnells bekom⸗ u men kann, immer schreit:Hei, war das eine Lust, das ist doch zu r arg. Du glaubst vielleicht, daß wir heute Rum gefaßt haben und ingen it insolgedessen mein Stil derartig erzessiv geworden ist. Mit nichten. eten. 9 ber in uns allen hat sich schon eine ganze Zeit hindurch eine ge⸗ V berel a 555 55 an W 70 0 0 ber Banden eutschen beisammen und wir alle haben uns sarüber skandali⸗ oaltet 1 f iert, wie voll die Wiener Vergnsigungsanzeiger sind. Da gröhlen eingeflün diese bei Sekt Austern über die frechen Witze, die ihnen ein der gn Krüppel vormacht, und draußen liegen auf der gefrorenen Erde die n zur Kertoten armen Soldaten und können nicht begraben werden, weil der en bur Geschoßhagel fort und fort pfeift. Und diese Soldaten. die dort ihr * Leben gelassen haben, haben es ja doch auch für jene Leute auf⸗ ind denn 9 geopfert. Die Ausführungen sind zwar für Oesterreich bestimmt, iele Ge ö 5 13 7 5 aber in N a che 98 für e Uns sind 955 Natürlich schon Zeitungen zu Gesicht gekommen, die ähnliche gewagte Be⸗ * hauptungen in Feldpostbriefen der Oeffentlichkeit übergaben. Be⸗ it 35 kanntlich wird e Burt 9 1 5 ae e 25 155 Scherz⸗ ieges wort sagt: es geht aber wirklich oft über das erlaubte Maß! die Wie Getreide verloren geht. Wie der Inhaber einer Papler⸗ ßig 0 fabrik erzählt, entnimmt dieser aus dem von ihm aufgekauften 7 Stroh es handelt sich meist um Preßstroh noch Körner jährlich in Am 5 im Werte 4 8 8 1 M 45* 116 er 1 4 5 15 in Nu kauft. Das treide soll sehr ungleichmäßig gedroschen sein, da n det ls handgedroschene meist gut und ebenso das unter Verwendung großer ista 12 Lokomobilen gedroschene Getreide, während bei Verwendung klei⸗ 915 i ner Lokomobilen die schlechtesten Ergebnisse zu verzeichnen seien. 1 N Es sei vorgekommen, daß Strohmengen bis zu 2 Prozent ihres Ge⸗ gemebe, wichts Körner geliefert haben. Wenn in diesem Falle das im pernien Stroh verbliebene Getreide auch noch zu Mehl verwendet wird, so Vagel. ergibt sich doch aus diesem Veispiel, welche bedeutenden Mengen r 870 Getreide verloren gehen bei anderweiter Verwendung des Strohes. in 55 Vielleicht ließe sich durch Be 4. 9 Ir empf. vorrichtungen ein besseves Aus! reschen in Zukunft erreichen. Au 5 Neal 1 lassen sich. treffen, um 95 9 89550 9 75 a z. B. bei den von Militärperwaltungen aufgekauften Strohvorräten ungen 4 die im Stroh noch vorhandenen Körnerreste diesem zu entziehen. endet ke f Die Versorgung unserer Verwundeten mit Lesestoff. So gut zroßherd 5 für unsere Verwundeten auch lörperlich gesorgt ist, sobald sie ein⸗ Verfa mal aus der Feuerlinie heraus 9. 1 117 10 I bracht sind, so schwer mag es manchen Kranken u noch mehr in sün enden werden, die Langweile der langen Stunden, Tage und den Au, 1 Wochen zu ertragen, in denen er ans Bett oder Zimmer gefesselt age. 1 ist. Ein gutes Buch ist da ee 1 N00 1 gleichzeitig unterhält und belehrt. Neben zahlreichen rivat⸗ e personen, die aus ihrem Bücherschatz etwas gestistet haben, um bes 105 N den armen Verwundeten eine Zerstreuung zu bringen, hat sich Pr. Kite auch der deutsche Buchhandel in hervorragendem Maße, an. dem en Eng! Liebeswerk beteiligt. Der e 9 e ee 1 0 vereins hat in Gemeinschaft mit dem deutschen Verlegerverei au gen gaufeuf an die ae Buchhändler zur Spendung von liche,. Lesestoff erlassen. Auch Bibliotheken und Vereine haben ihr 1 wick Scherflein beigetragen. Eine planmäßige Zusammenfassung dieser Hude U. ebnen enge und 1 05 e 4 teilung von Lesestoff im Feld und in den Lazare en. Die König⸗ webe liche er 0 Berlin hat der Organisation fünf große Räume r auen e gestellt, in 5 15 17 den des dh 7

aufbewahrt, sortiert und gestempelt werden. e 5

1 nämlich den S er Kriegss U deutschen f StempelAus der Kriegssammlung des uts 2 1 Buchhandels. benen hatten anfänglich 4 Mädchen mit dem Len. Abstempeln zu tun. Unbeschnittene Bücher werden beschnitten und 7 11 a Buchbinde g gli ger 17 5 Weine denim em ätig. Die Zahl der eingehenden Bücher ist geradezu. An⸗ ir N fänglich langte 2 20 Wagen an und 20 Personen hatten 7 wochenlang zu tun, um alle Sendungen sachgemäß zu Senne die dai Die Bischer werden in zwei große Gruppen geteilt, von e 15 umfangreichere an die Lazarette nach den durch das Preuß 9

5 ö Kriegsministerium 1 Listen der Lazarette, die kleine ve ben ins Feld geht. Es bestehen noch eine Anzahl Provinzlalvertel⸗ 1, ö lungsstellen die die weitere Vermittelung übernehmen. So gehen genen täglich zirka 4000 Biicher hinaus. Die Sendungen sind dabei nach 1 folgendem Verhältnis zusammengestellt: 60 Prozent Unterhaltungs⸗ 4 e lektüre, 10 Prozent Kriegswissenschaft, 10 Prozent Erbauungs⸗

schriften, 10 Prozent Geschtchte und Geograpyte, 5 Prozent Zelt schriften und kleinere Schriften und 5 erschsebene Schris⸗ ele hrif Prozent verschiedene Schrif

Das Verfüttern. Unter den Bundesratsbeschlüssen befindet sich die Bekanntmachung über das Verfüttern von Roggen, Weizen, Hafer, Mehl und Brot. Nach den erlassenen Verordnungen dürfen nicht verfüttert werden: 1. Mahlfähiger Roggen und Weizen sowie Hafer, auch geschrotet, gequetscht oder sonst zerkleinert: 2. mahl⸗ fähiger Roggen und Weizen sowie Hafer mit anderer Frucht ge⸗ mischt; 3. Roggen- und Weizenmehl sowie Hafermehl, das allein oder mit anderem Mehl gemischt zur Brotbereitung geeignet ist: 4. Brot mit Ausnahme von verdorbenem Brot und Brotabfällen. Das Verfüttern von Hafer an Pferde und andere Einhufer ist ge⸗ stattet. Die genannten Erzeugnisse dürfen auch zur Bereitung von Futtermitteln, wozu auch das Schroten gehört, nicht verwendet werden. Das Quetschen, Schroten oder sonstige Zerkleinern von Hafer als Futtermittel für Pferde und andere Einhufer ist erlaub:. Die Landeszentralbehörden können das Verfsittern von Roggen und Hafer, der im landwirtschaftlichen Betrieb des Vießhalters er⸗ zeugt ist, für das in diesem Betriebe gehaltene Vieh allgemein für bestimmte Gegenden zulassen. Wer gegen das Verbot verstößt, wird mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark. oder mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft. Der Bundesrat, hat ferner eine Verordnung über die Sicherstellung des Haferbedarfs unserer Heeresverwal⸗ tung erlassen. Danach ist der für die Heeresverpfleaung von An⸗ fang Februar bis zur nächsten Ernte erforderliche Bedarf an Hafer sofort sicherzustellen und in drei Teilen an die Heeresverwaltung zu liefern. Die Verteilung der genannten Beträge auf die einzel⸗ nen Bundesstaaten erfolgt nach dem Verhältnis der durch die Erntestatistik nachgewiesenen Erträge im Durchschnitt der Jahre 1912, 1913, 1914. Hinsichtlich des Fütterns von Tieren auf Schlacht⸗ viehmärkten ist bestimmt worden, daß Rinder mit Ausnahme von Kälbern und Schafen auf Schlachtviehmärkten nur mit Nauhfutter gefüttert werden dürfen. Schweine dsirfen dagegen während des Zeitraumes von 12 Uhr mittags dem dem Markttae vorhergehen⸗ den Tages bis zum Marktschluß nicht gefüttert werden. Die Landesbehörden können diesen Zestraum abkürzen.

Metallarbeiterverband. Der Zweigwerein Gießen des Metallarbesterverbandes hält morgen nachmittag 3 Uhr seine Generalversammlung im Gewerkschaftshause ab, worauf die Mitglieder an dieser Stelle noch besonders hingewiefen werden.

Stadttheater. Einen interessanten Theaterabend verspricht die nächste Dienstag⸗Abonnementsvorstellung.Philotas von Lessing ist in Gießen noch niemals zur Aufführung gelangt und sicher darf dies Hohelled der Vaterlandsliebe und Selbstaufopserung in unsern Tagen auf besonderes Verständnis rechnen. Auch KleistsZerbrochener Krug, der seit der Eröffnungsvor⸗ stellung des neuen Stadttheaters nicht mehr in Gießen gegeben worden ist, wird gern wieder gesehen werden, zumal sich eine sehr glückliche Besetzung der Hauptrollen ermöglichen ließ.

Stabttheater Gießen. Spielplan. Dienstag, den 2. Februar, abends 8 Uhr:Philotas. Ein Trauerspiel in einem Aufzug von Gotthold Ephraim Lessing. Hierauf:Der zerbrochene Krug. Lustspiel in einem Aufzug von Heinrich von Kleist. 11. Dienstag⸗ Abonnements⸗Vorstellung. Bei gewöhnlichen Preisen lermäßigt). Ende gegen 1037 Uhr. Freitag, den 5. Februar, abends 8 Uhr: Neuheit!Grüne Ostern. Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Lee. 10. Freitag⸗Abonnements⸗Vorstellung. Bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt). Ende gegen 11 Uhr, Sonntag, den 7. Februar, nachmittags Uhr:Colberg. Historisches Schau⸗ spiel in 5 Akten von Paul Heyse. Bei Volkspreisen. Ende 6 Uhr. Abends Uhr:Die Barubaren. Lustspfiel in 4 Aufzügen von Heinrich Stobitzer. Bei kleinen Preisen. Gutscheine haben Gül⸗ tigkeit. Ende nach 10 Uhr.

y. Alten⸗Buseck. In der am Donnerstag stattgefundenen Gemeinderatssitzung teilte der Bürgermeister zunächst ein Schreiben des Kreisamts mit betreffend den Schulhaus⸗ neubau. Der Gemeinderat verharrt auf seinem Standpunkt vom vorigen Jahre, daß in dieser kritischen Zeit an den Neubau nicht herangetreten werden kann, zumal zwei vorschriftsmäßige Schulräume vorhanden sind und ein dritter Lehrer fehlt, mithin der für unbrauchbar erklärte Raum nicht benutzt zu werden braucht. Ein Gesuch des Polizeidieners um Regulierung seines Gehalts wird dahin entschieden, daß derselbe als Polizeidiener nunmehr 500 Mk. und für seine sonstigen Dienstleistungen in der Gemeinde 300 Mk. erhält, sodaß sich sein Gehalt auf 800 Mk. be⸗ läuft. Weiter wird angeregt, bei dem Kreisbauamt vorstellig zu werden, damit dasselbe den Kanal in der Schanzenstraße, der bei der Abnahme als schadhaft bezeichnet werden mußte, fetzt her⸗ tellen läßt. Der Gemeinderat hält die jetzige Zeit für sehr günstig und beauftragt den Bürgermeister, die weiteren Schritte zu unternehmen.

Kreis Aisfeld⸗Lauterbach.

g. Schwerer Baumfrevel wurde dieser Tage am den Kreis⸗ straßen Niedere Ohmen Merlau, FlensungenRupperten rod und KirschgartenWettsaasen verübt. Eine Anzahl junge Bäumchen wurden abgebrochen, an anderen die Stricke durchschnitten, mit denen sie an den Pfählen befestigt waren. sowie die Drahtschutzgitter beschädigt und te sse zerstört. Der Täter ist nicht bekannt, auf seine Ermittelung ist eine Belohnung ausgesetzt. Es gehört wirk⸗ lich ein großes Maß von Roheit dazu, devartige Sachen zu ver⸗ nichten, es wäre zu wünschen, daß der Täter gefunden und ihm eine gehörige Strafe zudiktiert würde.

Kreis Metzlar.

* Die Kreissparkasse gibt bekannt daß ab 1. Februar bis auf weiteres an den Nachmitiagen kein Geschäftsverkehr mehr statt⸗ findet. Durch die militärische Einberufung von zwei Beamten sel die Kasse zu diesem Schritt genötigt.

b. Aerztemangel in Wetzlar. Infolge der militãrischen Ein⸗ berufung mehrerer Wetzlarer Aerzte machte sich für die Kranken der Stadt und vielen Orten des Kreises Wetzlar ein empfindlicher Mangel in der Behandlung bemerkbar. Nun ist auch noch Dr. Stuhl zum Kriegsdienst eingezogen worden, sodaß nur noch Dr. Strauß zur Verfügung steht, in dessen Sprechzeit durch den großen Andrang von Kranken stundenlang gewartet werden muß. Wohl ist der Kreisarzt Dr. Braun wieder zurückgekommen, doch durch die Uebernahme des Gefangenen⸗La⸗aretts und der Behandlung von bösartigem Tuphus, wie B. selbst erklärte, dürfte er für die Behandlung der Zivilbevölkerung nicht mehr in Betracht kommen. Auch Dr. Halberg bietet bei seinem hohen Alter und der großen Krankenzisser nicht genügend Ersatz, so daß die Verwaltungsbe⸗ hörde hier bald Abhilse schafsen sollte. Nach verschiedenen Mit⸗ teilungen soll auch das neue Kriegsbvot in manchen Familien zu Krankheiten, besonders Magenbeschwerden, geführt haben.

n. Krofdorf. Das neue Schulgebäude ist dieser Tage fertig geworden und wird nunmehr in Benutzung genommen. Es ist am Ausgange unseres Ortes nach Gleiberg zu gelegen und trägt in seinen Einrichtungen der Neugeit Rechnung.

mesterwald und Unterlahn.

* Ein schlecht erzogener Fürsorgezösling. In Limburg gab es am Donnerstag einen Kampf auf dem Roßmarkte. Der 18jährige Fürsorgezögling Hartung sollte von mehreren Schutz⸗ leuten verhaftet werden, wobei sich zwischen dem Burschen und den Beamten ein verzweifeltes Rirgen entspann. Hierbei erhielt ein Beamter einen Stich in die Lunge, ein zweiter mehrere Armstiche und ein dritter eine sehr gefährliche Verletzung an den Augen. Der Bursche entkam in dem Trubel und konnte bisher nicht er⸗ wischt werden.

Von Nah und Fern.

Ein liberaler Wahlvereinssekretär als Liebesgabenmarder.

Vor dem Kriegsgericht der 38. Diviston in Erfurt mußte sich der Feldwebel und Offisziersstellvertreter Heinrich Paul Monike vom

Exsatzbatatlon des 8. Infamerirregimentz in Gera wegen recht widriger Aneignung von Liebesgaben verantworten. Der Ange⸗ klagte ist in seinem Zivilberuf Sekretär des liberalen Wahl⸗ und Bürgervereins in Gera. Nebenher bekleidete er noch eine ganze Anzahl Vertrauensposten, narnentlich in den Kriegervereinen des Bezirks Gena. Der Angeklagte hat sich Unterhosen, Taschentücher, Strümpfe in größerer Anzahl angeeignet und in seiner Wohnung versteckt, wo sie beschlagnahmt wurden. Er will nicht zurechnungs⸗ fähig gewesen sein. Monike hat sich bei seinem verwerflichen Dun so sicher gefühlt, daß er einmal in der Kantine laut renommierend ein Paar gestohlene wollene Strümpfe gezeigt hat mit den Worten: Seht mal, was ich mir flir ein Paar verpaßt habe. Als seine Verhaftung bekannt wurde, kamen Kriegervereinsmitglieder und teilten der Anklagebehörde mit, daß Monike schon vor Jachren eigentlich über ein dem Kriegerbund gehöriges Sparkassenbuch für seine Zwecke verfügt habe, inden er einen Geldbetrag von über 900 Mark abhob. Strafverfolgung kann in diesem Falle wegen Verjährung nicht mehr eingeleitet werden. Es wird vermutet, daß er mit dem Gelbe des Kriegerbundes private spekulative Geschäfte gemacht habe. Ueber einen Goistesdefelt ergab die Verhandlung gar nichts. Der Anklagevertreter führte aus, daß der Mann ehrlos gehandelt habe und seine Handlungen gemeim seien. Ein Zeuge sagte, daß Monike sich besonders für die Kriegervereinssache ge⸗ opfert habe, weil hierbei in früheren Jahren der Grundsatz ge⸗ golten habe, daß man dafür sorgen müsse,daß die Roten nicht obenauf kämen. Der Anklagevertretker beantragte ein Fahr vier Monate Gefängnis, Degradation und Versetzung in die 2. Klasse. Das Urteil lautete demgemäß. Der Vorsitzende kenn⸗ zeichnete den Liebesgabendsobstahl als eine recht gemeine Handlung, weil diese Gaben für die ärmsten Soldaten bestimmt seien. 8

Ein Kriegsfreiwilliger zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Erfurter Kriegsgericht verurteilte den Kriegsfreiwilligen, Jobfst Faust wegen tätlichen Angriffs auf einen Posten zu zehn Jahren und wegen Ungehorsams zu einem Tag Gefängnis. Der Angeklagte hatte als Soldat beim Ersatzbataillon des 95. Infanterieregiments in Gotha in der Nacht zum 4. Jamwar den Urlaub überschritten und wollte im angetrunkenen Zustande durch ein Fenster in die Kaserne dringen. Als ihn der Wachtposten daran hindern wollte, faßte ihn der Angeklagte an der Brust und ließ ihn trotz wieder⸗ holter Aufforderung nicht los. Er wurde dann nach der Wachtstube gebracht. Das Gericht nahm einen minderschweren Fall im Sinne des§ 97 dos Militärstrasgesetzbuches an und erkannte auf die Mindeststrafe. Der Verurteilte ist der Sohn eines Ingenieurs aus Bonn und hat das Einjäbrigenexamen bestamden. Ein minder⸗ schwerer Fall, dazu in der Trunkenheit begangen und 10 Jahre Gefängnis! 5

Vereins kalender. Sonntag, den 31. Januar: 3 Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr General- versammlung im Gewerkschaftshause. 5 1 Launsbach. Freie Turnerschaft. Abends ½ Uhr: Versammlung. ö Krofdorf. Arbeiter⸗GesangvereinEint racht. Abends 8 Uhr Mitgliederversammlumig im Verveinslokale. der wichtigen Tagesordnung muß alles erscheinen!

Standesamt Gießen.

Geborene. 5 Jan 19. Dem Lokomotiwheizer Johann Veith ein Sohn, Georg Fritz. Dem Buchbindermeister Hugo Sann eine Tochter. 20. Dem Seifenfabrikanten Moritz Sternberg eine Tochter. Margarete. 22. Dem Lokomotivheizer Maximilian Neuhausen ein Sohn, An⸗ ton. 23. Dem Kaufmann Ernst August Pfeffer ein Sohn, Ernst Ludwig Richard. Aufgebote.

Jan. 25. Johann Georg Amann, Steinrichter, mit Ekisabethe Bickert, beide in Gundershausen. 26. Johannes Otto Walter Schwendt, Kaufmann in Gießen, mit Johanna Margarete Auguste Neumann, in Breslau. a a Eheschließungen.

Jan. 23. August Peter Weil, Bäcker in Friedberg(Hessen), mit; Johanna Maria Wagner, in Gießen.

Sterbefälle. a Jan. 23. Wilhelm Weber, Gastwirt, 54 Jahre alt, Steinftraße 76. 24. Marie Magdalene Neidhart, geb. Klein, 80 Jahre alt, Südanlage 22. Susanne Schivan, geb. Koch, 74 Jahre alt, Löwengasse 16. Marie Weißenbach, geb. Weber, 78 Jahre alt, Mühlstraße 2. 25. Fritz Mohr, 6 Jahre alt, Landgrafenstraße 5.

Im Felde gefallen.

Sept. 19. Heinrich Hüttenberger, Geschäftsveisender, Feldwebel der Landwehr, 29 Jahre alt, Landgrafenstraße 7, bei Cernay ge⸗ fallen. Nov. 18. Otto Joseph Nahrgang, Kellner, Musketier, 19 Aa alt, Kirchenplatz 10, bei Pont de Pierre in Nordfrankreich gefallen.

Landwirtschaftlichen Institut, Musketier, 23 Jahre alt, Sonnen⸗ straße 8, bei La Bontellerie in Nordfrankreich gefallen. Dez. 3. Heinrich Schnabel, Kaufmann, Kriegsfreiwilliger, 17 Jahre alt, Selterswag 70, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska in Russisch⸗Polen ge⸗ fallen. Gustav Kutzner, Gymnastast. Kriegs freiwilliger, 17 Jahre, alt, Krofdorferstraße 22, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗ Polen gefallen. August Gorr, Kaufmann. Kriegsfreiwilliger, 17 Fahre alt, Ebelstraße 37 bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗ Polen gefallen. Adolf Heinrich Kaspar Lindenstruth. Wagner, Musketier, 21 Jahre alt, Lahnstraße 10, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska gefallen. Heinrich Theodor Christsan Walter, Kaufmann, Kriegs⸗ freiwilliger, 19 Jahre alt, Kaplansgasse 23, bei Mala⸗Duca⸗ Mierzonska, in Russisch⸗Polen gefallen. Wiltelm Balser, Maschte nenschlosfer, Kriegsfreiwilliger, 24 Jahre alt, Sonmenstraße 11, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗Polen gefallen.

gerstorbene. Frau Elise Müller, geb. Rumpf, in Gießen, 61 Jahre alt. Heinrich Kneipp, Rentner in Langsdorf, 74 Jahre alt. Löb Salomon in Wetzlar, 85 Jahre alt.

4 N Lieferung von Speisekartoffeln.

Die Lieferung von 1000 Zentevn bester Speisekartoffeln ist zu vergeben. Anlieferung kann sofort oder später erfolgen.

Angebote sind unter Angabe der Sorten bis spätestens 5. Februar ds. Js. bei dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen einzureichen. 6

Gießen, den 28. Januar 1915.

Der Oberbürgermeister: Keller.

Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt eine Sonderbei⸗ lage bei, für die wohl in weiten Kreisen Interesse vorausgesetzt werden darf. Gibt es doch mehr Buichleiden, als allgemein an⸗ genommen wird. Das Bruchheilverfahren des Dr. med. Coleman ist seit Jahren erprobt und hat sich wohl in allen Fällen bewährt, wie zahlreiche Anerkennungen beweisen. Die gesamten Dr. med. Colemanschen Bruchheilanstalten stehen unter Leitung praktischer Aerzte und verbürgen darum eine sachkundige und sorgfältige Be⸗ handlung..

Von den Apotheken ist am Sonntag, den 31. Januar, von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht

hindurch geöffnet die Engel-Apotheke.

N gema Giesen ee 8 D. Kaminka, Gießen tern de Lede Marktplatz ll. Uurmacher und Goldarbeiter.

Gießen u Umg. und des Eisen · bahn⸗Konsumpeneins. Man verlange Rabattmarten.

Nov. 19. Dr. Wilhelm Wendel Schneider, Asssistent am