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7. Jahrgang

Nummer 180

Dienstag, den 4. Angnst 1014.

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j uungsort rznedberg. Kchmfkleilung und Verlag Friedberg (Hessen), 5>anauer,trahe 12. Ferniprcchcr 48. Ps?tjcheck.Lonto Nr. <8.»9. Amt Frankfurt o. Nt.

Der Krieg nach zwei Fronten-

Nachdem Frankreich bereits am Sonntag zur Neutrali­tätsverletzung geschritten ist. hat die deutsche Reichsregierung den Kriegszustand mit der Republil hergestellt und den deut­schen Botschafter angewiesen, seine Pässe zu fordern und abzu­reisen. Wir stehen demnach im Krieg mit Rußland und Frank­reich.

Vom Westen wird gemeldet, datz die Franzosen bereits ei­nige Erenzorte auf deutschem Boden besetzt haben. Dagegen sind die deutschen Truppen an vier Punkten in Russisch-Polen eingedrungen und haben die russischen Grenzstädte Alezan- drowo, Kalisch, Czenstochau und B e n d z i n besetzt, nachdem sie die Rusien zurückgeworfen haben.

Tie Erfolge oder Mißerfolge der ersten Tage haben we­nig zu bedeuten, da in dieser Zeit sich der Aufmarsch vollzieht. Erst wenn dieser erfolgt ist, sind entscheidende Schläge zu er­warten, die so Gott will, unsere ruchlosen Angreifer derartig treffen möge, datz ihnen hinfort die Lust genommen wird, den Frieden zu stören.

Es ist davor zu warnen, unbeglaubigte» Gerüch­ten, die meist schon den Stempel der Uedertreibung an sich tragen, Glauben zu schenken. So wurde gestern die Nachricht verbreitet, datz 20 MO Serben, zusamt ihrem Kronprinz gefan­gen genommen worden seien und daß die russische Ostseeslotte unter Verlust eines deutschen Kriegsschiffes zerstört worden sei. Beide Nachrichten sind vollständig aus den Fingern gesogen.

Leute kommt der Deutsche Reichstag zusammen und es füll zu hoffen stehen, datz die erforderlichen gesetzgeberischen Magnahmen einstimmig beschlosien würden. Aus dem Ausruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes ist das nicht zu ersehe». Im unerfreulichen Gegensatz zu den loyalen Kund­gebungen einiger Parteiführer und Zeitungen ergeht er sich lediglich in den bekannten Phrasen und erwähnt mit keiner Silbe die gemeinsamen Pflichten gegen das Vaterland.

Das Schicksal des deutsche» Botschafters in Pe­tersburg hat sich geklärt. Gras Pourtales ist mit einer Anzahl Reichsdeutscher über Finnland nach Schweden abgereist, er uird in kurzer Zeit in Berlin eintrefsen.

Der deutsche Botschafter in Italien hat dem dortigen Minister des Aeutzern amtlich mitgeteilt, datz sich Deutschland mit Rußland im Kriegszustand befinde. Italien nahm davon Kenntnis und erklärte, datz Italien gemätz dem Bünd­nisvertrag eine wohlwollende Neutralität bewahren v.".de. Damit ist zu erwarten, datz es selbstverständlich ist, dah Italien seiner Bündnispflicht nachkvmmt, wenn, was fegt der Fall ist, sich Deutschland auch mit Frankreich im Kriegszustand befindet.

Wahr ist es, datz wir von einem Netz von Spionen, meist russischen, umgeben sind, und datz dieser Gesellschaft, gemätz ihres tückischen Charakters kein Mittel zu schlecht ist, datz sie es nicht anwenden würden. Es bedarf aller Aufmerksamleit, um diesem Gesindel zu begegnen. Die Nachricht, datz ein französi­scher Arzt versucht habe, die Brunnen zu vergiften, dagegen ist es Tatlache, dah ein Rüste, dazu noch ein Assistent an der Uni­versität, den Versuch gemacht hat, die Wasterleitung in Giehen mittelst Cholera-Bazillen zu vergiften, so daß im „Gietzener Anzeiger" amtlich vor dem Genuß ungekochten Masters gewarnt wird.

Man sieht, datz unseren Feinden kein Mittel zu verrucht und zu teuflisch i[t; sie wenden es an! Wir dagegen setzen den Rtut, den die Zuversicht verleiht, diesem verbrecherischen Trei­ben entgegen. Man mutz es gesehen haben, wie unsere wacke­ren Streiter sür's Vaterland dem Kriegsschauplatz entgegen­eilen, in: reisig-grün geschmückten Wagen, brennender Begierde, sich mit den Wortbrechern und Friedensbrechern zu mesten und ihnen zu zeigen, daß man Deutschland nicht unaestrast angreijt.

Auf fliege, hohes Siegespanier Bora» den kühnen Reihen!

Wir siegen ober sterben hier Den süßen Tod der Freien!

Glaitkr |)rrlöuf kr Mobilißmiilg.

Berlin, 3. Aug. (Amtl. Telegr ). Nach den bei den mi- - .-len Zentralbehörden amtlichen Nachrichten ist die Mo- ö Mischung unseres Heeres und unserer Flotte bisher ganz vor- -ä-stich'verlaufen. Alles ging wie am Schnürchen. Die Zufam- Nieuzirhulig der Einberufene», ihre Beförderung an die ange­wiesenen Plätze, kurz alles hat tadellos geklappt. Das Ver­trauen der Bevölkerung in unsere militärische Organisation ist glänz-ud gerechtfertigt.

Besondere Hervorhebung verdient die Stimmung unter den Einberufenen. Bolle Hingabe und Begeisterung, ober auch von dem Ernste der Stunde durchdrungen, sind alle der Ec- stellungsordre gefolgt. Das deutsche Bolk darf die Zuversicht hegen, datz auch die weiteren militärischen Maßnahmen in der gleichen Ordnung und Planmäßigkeit ausgesührt werden.

vcr Kailtt ordnrt fiimi alignttrintn öfitu« für Prnikit a'n.

Der Kaiser hat an den preußischen Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten folgenden Erlaß gerichtet:

„Ich bin gezwungen, zur Abwehr eines durch nichts ge­rechtfertigten Angriffs das Schwert zu ziehen und mit oller Deutschland zu Gebote stehenden Macht den Kamps um den Bestand des Reiches und unsere nationale Ehre zu führen. Ich habe mich während meiner Regierung ernstlich bemüht, das deutsche Bolk vor Krieg zu bewahren und ihm den Frie­den zu erhalten. Auch jetzt ist es mir Eewistenssache gewe­sen, wenn möglich den Ausbruch des Krieges zu verhüten: aber meine Bemühungen sind vergeblich gewesen. Reinen Gewissens über den Ursprung des Krieges, bin ich der Ge­rechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß. Schwere Opfer an Gut und Blut wird die dem deutschen Volke durch feind­liche Herausforderung ausgedrungene Verteidigung des Ba- terlandes fordern. Aber ich weiß, Latz mein Bolk auch in diesem Kamps mit der gleichen Treue, Einmütigkeit, Opfer- wiüigkeit und Entschtostenheit zu mir steht, wie es in früsie ren schweren Tagen zu meinem in Gott ruhenden Erotzoater gestanden hat. Wie ich von Jugend aus gelernt habe, aus Gott den Herrn meine Zuversicht zu setzen, so empsinde ich in diesen ernsten Tagen das Bedürsnis, vor ihm mich zu beuge» und seine Barmherzigkeit anzuruse». Ich fordere mein Bolk aus, mit mir in gemeinsamer Andacht sich zu ver­einigen und mit mir am b. August einen autzerordentlichen allgemeinen Bettag zu begehen. An allen gottesdienstlichen Stätten im Lande versammle sich an diesem Tage mein Volk in ernster Feier zur Anrufung Gottes, datz er mit uns sei und unsere Massen segne. Nach dem Gottesdienst möge dann, wie die dringende Not der Zeit es erfordert, ein je­der zu feiner Arbeit zurückkehren.

Ich erwarte, datz alle zuständigen Stellen das zur Aus­führung dieses Erlastes Erforderliche unverzüglich anord­nen werden.

Berlin im Schloß, den 2. August 1914

(gez.) Wilhelm R. (gez.) v. Trott zu Solz.

In Uebereinstimmung mit dem Kaiser hat auch der König von Sachsen 'und aller Voraussicht nach auch alle anderen Bun- dessürsten für den 5. Aug. einen Butz- und Bettag angeordnet.

Ein Aufruf dkg Krolrhrrms m Hessen.

Darmstadt, 3. Aug. Eine Sonderausgabe der „Darm­städter Zeitung" veröffentlicht folgenden Aufruf des Grotzher- zogs Ernst Ludwig:

An mein Hestenvolk! Für unser geliebtes Vaterland hat eine ernste Stunde geschlagen. Do» Osten und Westen droht der Feind in einem frevelhaft uns aufgedrungenen Kriege in die Grenzen des Reiches einzudringen. Der Kaiser hat zu den Massen gerufen. Es gilt, die höchsten und heiligsten Güter zu wahren. Ich vertraue aus die alte Hestentreue, die sich in schwerer Zeit stets bewährt hat. Ich hoffe, datz mein Bolk die großen Opfer an Gut und Blut freudig bringen wird, die jetzt von ihm gefordert werden. Meine innigsten Wünsche beglei­ten meine Hessen, die berufen sind, mit den Waffen in der Hand für Kaiser und Reich zu streiten. Wem es aber nicht beschie- den ist, ins Feld zu ziehen, der erfülle zu seinem Teil die gro- tze» Aufgaben, die den in der Heimat Bleibenden obliegen. Gottes Segen begleite unsere tapferen Streiter und bewahre unser teures Laterland.

Ein Manifest des Königs von Württemberg.

Stuttgart, 3. Aug. Der „Staatsanzeiger" veröffent­licht in einer Sonderausgabe folgendes Manifest des Königs:

An mein Volk! An mein Volk wende ich mich mit wärm­ster landesväterlicher Teilnahme, innig an jeden treuen Sohn des Landes. Insbesondere erflehe ich Gottes Segen für unser teures deutsches Vaterland und unser heißgeliebtes Württem­berg. Für die deutsche Nation gilt-es, gegen die haßerfüllten Feinde des Vaterlandes aufzustehen und in den ihr ausge­zwungenen Kampf um die höchsten Güter einzutreten. Begei­stert folgen auch wir Wllrttemberger dem Rufe des Kaisers. Mehr als je leitet uns der heimatliche, so oft bewährte Wahr­spruch: Furchtlos und treu! Große Opfer müsten in der bevorstehenden schweren Zeit gebracht werden. Mächtige Feinde greifen unsere friedliche Arbeit, unsere Unabhängigkeit, unsere Ehre an. Aber ich vertraue zuversichtlich auf den guten Geist meines Volles, das in Entschlostenheit und Hingebung hinter seinen Vruderstämmen nicht zurückbleibe» wird. Schrei­ten wir mit Mut und Kraft der Zukunft entgegen. Der all­mächtige Gott wird unsere gerechte Sache schützen.

Abbruch der diplomatischen Be zichnngen zu Frankreich.

Berlin, 3. Aug. (Amtliche Meldung). Bisher haben deutsche Truppen dem erteilten Befehle aemätz, die französische

Grenze nicht überschritten. Dagegen greifen seit gestern fran­zösische Truppen ohne Kriegserllärung unsere Grenzposten an. Sie haben, obwohl uns die französische Regierung noch vor wenigen Tagen die Innehaltung einer unbesetzten Zone von 10 Kilometern zugesagt hat, an verschiedenen Stelleir die deutsche Grenze überschritte». Französisische Kompagnien halte» seit gestern Rächt deutsche Ortschajten besetzt. Bonibenwerfende Flieger kommen seit gestern nach Baden, Bayern und unter Verletzung der belgische» Neutralität über belgisches Gebiet nach der Rheinprovinz, und versuchen, unsere Bahnen zu zer­stören. Frankreich hat damit den Angriff gegen uns eröffnet und den Kriegszustand hergestellt. Die Reichssicherheit zwingt uns zu Eegenmatznahmen. Seine Majestät der Kaiser hat die erjorderlichen Befehle erteilt. Der deutsche Botschaster in Pa­ris ist angewiesen worden, seine Pässe zu fordern.

ilrnfmlitätabnuf) krdj Frankreich.

Berlin, 3. Aug. Während sich »och kein deutscher Sol dat aus französischem Boden besindet, haben »ach anrttiehe» Mekdnnge» die Franzosen vor der Kriegserklärung kompagnie weife die deutsche Grenze überschritten und die Ortschnstei, Gottesthal, Metzeral, Markirch und Schluchtpatz besetzt. Ferner ist ein Reutralitätsbruch dadurch begangen worden, daß Iran zösijche Flieger in großer Anzahl über Belgien und Holland nach Deutschland geflogen sind.

Feindliche Flieger.

Der militärische Mitarbeiter der „Franks. Ztg." schreibt:

Die Versuche französische Flieger, durch Abwerjen von Sprenggeschosien Bahnlinien und Brückenkörper zu zerstören, haben bis jetzt mit einem Fiasko geendet, und es ist auch nicht anzunehmen, datz — Zufälle natürlich ausgenommen — auf diesem Wege viel Schaden angerichtet werde» kan». Die Gründe hierfür sind folgende: Zunächst mutz der Flieger, um einen solchen Borstotz zu unternehmen, für diese längere Fahrt eine ganze Menge Betriebsstoff mitnehmen, ist also in der Mitfiihrung von Sprenggeschosien ziemlich beschränkt. Will er NU» seinen Anschlag bei Tage aussühren, so kann er nicht zu tief herabgehen, da er ja sonst bei der militärischen Besetzung aller Brücken abgeschosien werden kann. Je höher er aber in dem Augenblick der Auslösung des Sprenggeschosies ist, desto geringer wird auch die Treffwahrscheinlichkeit, da ja die ge­wöhnliche Fallstreuung noch durch die Verschiebung des Aus- lösnngspunkles infolge der Eigengeschwindigkeit des Flugzeu­ges vergröbert wird.

Versucht er in dunkler Nacht seine Aufgabe durchzusühren. so vermindert die Dunkelheit, auch wenn er mit Scheinwerfer arbeitet, bedeutet das ruhige Zielen. Wer viel Automobil ge­fahren ist, der weiß auch, wie das Licht der Scheinwerfer die Umrisie verzerrt und verändert. Selbst wenn er daher »er­suchen sollte, im Schutze der Dunkelheit tiefer herunterzugehen und, um ein möglichst ruhiges Zielen herbeizusühren, das Ziel- objek! im Eleitsluge mit abgestelltem Motor zu passieren, ist also die Treffwahrscheinlichkeit eine recht geringe. Hierzu kommt noch das Gefühl der Nervosität, das wohl auch den mu­tigsten Flieger befällt, wenn er jeden Augenblick damit rechnen muß, aageschosien zu werden. Natürlich wird das Feuer bei Nacht gegen ein Flugzeug ebenfalls nicht gerade von großer Wirkung sein.

Ci» russischer Flieger in Krakau heruntergeschossen.

Wien, 3. Aug. In Krakau wurde ein russstckzer flu ger von den Lesterreichern gesichtet und im richtigen Vc- ment von den Truppen heruntergeschossen.

Italiens .Haltung.

Nom, 3. Ang. Die „Tribuna" nieldet: Gestern niittig begab sich der deutsche Botschaster in die Eonsulta und teilte dein Minister des Aeutzern anitlich mit, daß Deut'chland u. Rußland sich im Kriegszustand befänden. Di San Giulia- no nahni von der Mitteilung Kenntnis und erklärte, das; Italien gemäß dem Geiste und dem Wortlaute des Trei- bundvertrages Neutralität beobachten werde. Er b'iic'tc dabei die freundlichsten Gefühle für Deutschland und Oester­reich aus. Der Botschafter machte keine Mitteilung, übel die gegenwärtigen dentschfranzösifchen Beziehungen.

Schwedens Mobilmachung.

Stockholm, 3. Ang. Ter König hat zum Schutze 1 f Neutralität die Mobilisierung a,»geordnet, l) für die N - ferne und die Territorialarmee an den Küsten des Köni z: - reichs, 2) für die Streitlräfte der Insel Gothland, 3. für di Krieg-Personen der Festungen, sowie die vorzeitige Einb: rufung der Rekruten, die sich erst im nächsten Monat Hütte, stellen müssen.

Noch keine Gewißheit über Japan.

Berlin, 3. Aug. Infolge des in den Abendstunden enb item beiten bisher noch unbestätigten Gerüchtes -r-apan ..woi- lisiere aeaen Rußland, ietzie lick, eine ungeheure Menioen-