Ausgabe 
24.7.1914
 
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mimntr 171 Freitag, de» JS4. Juli 1!>14. 7. Jaljrgan»

Eie««tu S--«...ritung ' erscheint leden Werltag. Regelmäßige Beilagen ..«er L.-ncr -n- Aellen". ,,«u SpfmTftttbe". ör.« B <=pr«i*: Bei den Postanstalten °,er,el,ährl:ch Ml. 1^5 tet den Agenten monatlich 50 Pig. S>n,u l:i>t Postgebühr oder Trägerlohn. Anteilen : Grundzeile 20 Pfg lokale 15 Pfg, An,eigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort izriedbrrg. Schriftleilsng «ud Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Conto Nr. 4859. Amt Frankfurt o. M.

Uebrrsicht.

- Der östereeichische Gesandte in Belgrad, Freiherr von Giftet, äal gestern der serbischen Negierung eine Rote über- reicht, dtr «n Charakter eines Ultimatums trägt und drren> Beantwortung aus de» 25. Juli verlangt wird.

Auf den Höhen der Zagodina Planina am serbischen Ufer sind Bewegungen serbischer Truppen bemerkbar. Aus den Straßen des rechten Drinauusers sieht man Züge einrückender Reservisten. Er sind ossenbar in Serbien umfangreiche Vorbe­reitungen im Gange.

Die gestrige Konseren, in der Ulstrrsrage tagte zwei Stunden im Buckingham-Palast in London. Eine Entscheidung ist auch gestern noch nicht erzielt worden.

-- Wie dieTeibuna" mitteilt, ist das erste italienische Ge­schwader. bestehend aus den DreadnoughtsDante",Cesare" undLeonardo da Vinoi" sowie mit einem Geschwader Torpe- > dobooten mit dem Ziel Durazzo in See gegangen.

Gestern fand aus dem KriegsschiffLa France" in Petersburg ein Galadiener zu Ehren des Zaren statt, woraus gegen 11 Uhr die Abreise des sranzösischen Geschwaders von Kronstadt erfolgte.

Da«Eionarle d'Jtalia" weist in feiner heutigen Aus­gabe aus die Bedeutungslosigkeit der Reise Poincare nach Ruß­land hin und bemerkt, der Zar sei keineswegs bereit, sich zum Werkzeuge jranzosischei Revanchegedanken herzugeben. Ueber- dies sei sein persönliches Prestige seit dem Londoner Mißerfolg etwas stark verdunkelt. Rußland denke nicht daran, seiner Politik einen deutschseindlichen Stempel auszudrucken.

Aus Rewqorl wird gemeldet: Ein großer Autoomnibus mit Ki> Schulkindern, die einen Ausflug aufs Land machen wollten, stieß mit einem anderen Eesährt zusammen. Das Auto stürzte um. Dabei wurden fünf Rinder ge töet und 50 mehr oder weniger schwer verletzt.

-- Von der Regierung verproviantiert, sind die Hindus, die sich weigerten, die Rückreise anzutreten, in Begleitung eines lanadischen Kriegsschiffes von Baneouver abgefahren.

Die Zapatijten sind zurückgewoesen worden. Die Gar­nison der Stadt Mexiko ist jetzt genügend stark.

Rach den neuesten Meldungen aus Mexiko ist Earbajal bereit, eine Amnestie zu gewähren außer sür die direkt an der Ermordung Maderos Beteiligten! diesen mäste der Prozeß ge- niacht werden.

Srrliifit uni (Or|trttriif|=llnptn.

Die Urberrrichung der österreichischen Note.

Gestern Nachmittag hat der österreichische Gesandte in Belgrad der serbischen Regierung die Note überreicht, die sich mit der serbischen Propaganda in Oesterreich-Ungarn besaßt. Der Ton der Note ist sehr entschieden gehalten nud ohne Um­schweife wird der serbischen Regierung gesagt, daß sie das ver­brecherische Treiben gegen Oesterreich begünstigt. Ebenso unzweideutig wird verlangt, daß Serbien diesem Tun ein Ende bereite, indem es die Schuldigen zur Strafe zieht, den Umtrieben entgegentritt und eine öfsenlliche Erklärung ab­gibt, wonach es alle gegen Oestereich-Ungarn gerichtete Be­strebungen verurteilt.

Die Note beginnt mit den Worten!

Am 31. März 1909 hat der Königlich serbische Ge- sandte am Wiener Hofe im Aufträge seiner Negierung der Kaiserlichen und Königlichen Regierung folgende Er­klärung abgegeben:Serbien erkennt an, daß es Lurch den in Bosnien geschaffenen Zustand in seinen Rechten nicht berührt ist, und daß es sich demgemäß den Ent­schließungen anpassen wird, welche die Mächte in Bezug auf den Artikel 25 des Berliner Vertrages treffen werden. Indem Serbien den Ratschlägen der Großmächte Folge leistet, verpflichtet es sich, die Haltung des Protestes und Widerstandes, vir es hinsichtlich der. Annexion seit dem vergangenen Oktober eingenommen hat, aufzugeben- es verpflichtet sich ferner, die Richtung seiner Politik gegen­über Oesterreich-Ungarn zu ändern und künftighin mit diesem Reich auf freundschastlichem Fuß zu leben." Die Geschichte der letzten Jahre nun, insbesondere die schnieiz- lichen Ereignisse des 28. Juni, haben das Vorhandensein einer subversiven Bewegung in Serbien

erwiesen, deren Ziel es ist, von der österreichisch-unze.ri- schen Monarchie gewisse Teile ihres Besitzes loszutrennen. Diese Bewegung, die unter den Augen der serbischen Re­gierung entstand, hat in der Folge jenseits des Gebietes des Königreiches durch Akte des Terrorismus, durch eine Reihe von Attentaten und durch Morde Ausdruck gefun- Len. Weit entfernt, die in der Erklärung vom 31. März 1969 enthaltenen formellen Verpflichtungen zu erfüllen, hat die Königlich serbische Regierung nichts getan, um diese Bewegung zu unterdrücken. Sie duldete das ver­brecherische Treiben der verschiedenen gegen die Monarchie gerichteten Vereine und Vereinigungen, die schamlose Sprache der Presse, die Verherrlichung der Urheber von Attentaten und damit die subversiven Umtriebe: sie Lul-

dete eine ungesunde Propaganda im öffentlichen linier- richt und duldete schließlich alle Manifestationen, di: die serbische Bevölkerung zum Hasse gegen die Monarchie und zur Verachtmrg ihrer Einrichtungen verleiten konn­ten. Diese Duldung, deren sich die königlich serbische Re­gierung schuldig machte, hat noch in jenem Moment an­gedauert, in dem die Ereignisse des 28. Juni der ganzen Welt die grauenhaften Folgen dieser Duldung zeigten. ES erhellt, daß der Anschlag und die Ausführung des Atten­tates vom 28. Juni, des Mordes von Sarajewo in Belgrad ausgehcckt wurde, daß die Mörder die Waffen und Bomben, mit denen sie ausgestattet waren, von serbischen Offizieren und Beamten erhielten, daß sie derNarodna Obrana" angehörten und daß schließlich die Beförderung der Der- brechcr und ihrer Waffen nach Bosnien von leitenden serbischen Grenzorganen durchgesührt wurde."

Es wird dann weiter ausgeführt, daß diese Zustände eine beständige Drohung der österreichischen Monarchie bedeuteten, deshalb sehe sich diese gezwungen, von der ser­bischen Regierung

eine offizielle Versicherung zu verlangen, daß sie die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda verurteile. Um dieser Erklärung Ausdruck zu verleihen, »rüge die Königliche Regierung auf der ersten Seite ihres offiziellen Organs vom 25. Juli nachfolgende Erklärung veröffentlichen:

Die Königlich serbische Regierung verurteilt die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda, das heißt die Gesamtheit jener Bestrebungen, deren letztes Ziel es ist, von der österreichisch-ungarischen Monarchie Gebiete loszutrennen, die ihr angehören, und sie bedauert aufrichtig die grauenhaften Folgen dieser verbreche- rischen Handlungen. Die Königlich serbische Regierung bedauert, das serbische Offiziere und Beamte an der vor­genannten Propaganda teilgenommen und damit die freundnachbarlichen Beziehungen gefährdet haben, die zu pflegen die Königlich serbische Regierung sich in der Er- klärnng vom 31. März 1969 feierlichst verpflichtet bat. Die Königliche Regierung, die jeden Gedanken oder jeden Versuch einer Einmischung in die Zustände der Bewohner was immer eines Teiles Oesterreich-Ungarns mißbilligt und zurllckweist, erachtet es für ihre Pflicht, die Offiziere und Beamten und die gesamte Bevölkerung des König­reichs nachdrücklichst auftnerksam zu machen, daß sie künf- ftghin mit äußerster Strenge gegen jede Person Vorgehen Wird, die sich derartiger Handlungen schuldig machen sollte: Handlungen, denen vorzubeugen und die zu unter­drücken sie alle Anstrengungen machen wird." Diese Erklärung wird gleichzeitig durch einen Tagesbefehl Seiner Majestät des Königs zur Kenntnis der König­lichen Armee gebracht und in dem offiziellen Organ der Armee veröffentlicht werden.

Die Königlich serbische Regierung

verpflichtet sich überdies:

1. Jede Publikation zu unterdrücken, die zun: Haß oder zur Verachtung der Monarchie aufreizt und deren allge­meine Tendenz gegen die territoriale Integrität der letz- teren gerichtet ist. 2. Sofort mit der Auflösung des VereinsNarodna Obrana" vorzugehen, dessen gesamte Propagandamittel zu konfiszieren sind, und in der glei­chen Weise gegen die anderen Vereine und Vereinigungen einzuschreiten, die sich mit der Propaganda gegen Oestec- reich-llngarn beschäftigen. Die Königlich serbische Regie­rung wird die nötigen Maßregeln treffen, damit die ans- gelösten Vereine nicht etwa ihre Tätigkeit unter anderen: Namen oder in anderer Form fortsetzen. 3. Ohne Verzug aus dein ösfentliechn Unterricht in Serbien, sowohl was den ?chtrörpek alö auch was de« Lehrsissf betrifft, c? t = zu beseitigen, was dazu dient oder dienen könnte, die Pro­paganda gegen Oesterreich-Ungarn zu nähren. 4. Aus dem Militärdienst und der Verwaltung im allgemeinen alle Offiziere und Beamten zu enffernen, die der Propa­ganda gegen Oesterreich-Ungarn schuldig sind und deren Namen unter Mitteilung Les gegen sie vorliegenden Materials der Königlichen Regierung bekannt zu gebe,: sich die österreichisch-ungarische Regierung vorbehält. 5. Einzuwilligen, daß in Serbien Organe der österreichisch- ungarischen Regierung bei der Unterdrückung der gegen di: territoriale Integrität der Monarchie gerichteten sub- versiren Bewegung Mitwirken. . Eine gerichtliche Unter- suchung gegen jene Teilnehmer des Komplottes vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf serbischem Territorium be­finden. Von der österreichisch-ungarischen Regierung hierzu delegierte Organe werden an den diesbezüglichen Erhebungen teilnehmen. 7. Mit aller Beschleunigung die Verhaftung des Majors Tampowitsch und eines ge­wissen Tschiganowitsch, eines serbischen Staatsbeamten, vorzunehmen, die durch die Ergebnisse der Untersuchung kompromittier- worden sind. 8. Durch geeignete Maß­nahmen die Teilnahme der lerbilibon Behörden an der

Einschmuggelung von Waffen und Erpolsivkörper.: zu verhindern und die Organe des Grenzdienstes, die Leu Urhebern des Verbrechens von Sarajewo bei dem Ueöer- tritt über die Grenze behilflich waren, aus dem Dienst zu entlassen und streng zu bestrafen. 9. Der österreichiich- ungarischen Regierung Aufklärung zu geben über die nicht zu rechtfertigende» Aeußerungen nrehrerer serbischer Funktionäre in Serbien und in: Auslande, die ihrer offi­ziellen Stellung ungeachtet nicht zögerten, sich nach den: Attentat vom 28. Juni in Interviews in feindlicher Weife gegen Oesterreich-Ungarn ansznsprechen. 10. Die öster- reichisllunngarische Regierung ohne Verzug von der Durchführung der in den vorigen Punkten zusainmenge- faßten Maßnahmen zu verständigen.

Die österreichisch-ungarische Regierung erwartet die Antwort der königlich serbischen Regierung spätestens bis Snmstag de» 25. Juli, nachinittags 6 Uhr.

Paris, 24. Juli. Nach Meldungen französischer Blätter aus Belgrad ist man dort über die Note der österreichische» Regierung, die einen: Ultimatum durll^us gleiehkommt, sel.r beunruhigt und man befürchtet, daß es zu Reibungen schlimmster Art kommen wird. Andererseits hält man es aber auch für ausgeschlossen, daß Serbien nicht in der ge­wünschten Zeit den berechtigten Forderungen der Donau Monarchie eine Antwort erteilen wird. Man weist daraus hin, daß die Negierung in Petersburg eine strikte Neutrali- tät in der Frage bewahrt hat. Andererseits wieder w.rlt es beruhigend, daß Deutschland ans feiner Reserve bisher noch nicht heranSgetreten ist und daß man die Angelegenheit als einen rein österreichijch-serbischen Zwischenfall und nicht als einen solchen zwischen dem Dreibunde und der Triple- entente zu betrachten hat.

Pif WchgtaaglljihWhl in snbiliu-MHIliii.

Di« gestrige Stichwahl ist so ausgegange», wie nach dem Ergebnis der Hauptwahl zu erwarten war. Bürgermeister Wagner jFreis.) wurde mit Sl>72 Stimmen gewählt, wüh- rend aus Echrewe (Kons.) nur 7050 Stimmen entfielen. Die ßenoifen haben also gewohntermaßen restlos für den Freisin­nigen gestimmt, die auch noch Reserven herangezoge» haben, während die Landleute di» Erntearheit dem Wählen vorgezo- gen he-ben. Somit zieht abermals ein Höriger der Sozialde­mokratie in den Reichstag ein.

Der Frersinn stimmt wegen dieses Ausganges ein Freu­dengeheu! und will darin die Morgenröte der deutschen Linken erblicken. Rur gemach! Eine Nachwahl, bei der erfahrungs­gemäß der Radikalismus seine ganze Hilsstruppen ausmar- schieren laßt, die den Wahlkreis überschwemmen und die Wäh­le: belügen und verhetze» und die noch dazu im Sommer, wäh­rend der Ernlearbeiten, stattsindet, bietet lein Stimmungsbild, das auf Wahrheit Anspruch hätte. Bemerkenswerter ist, daß der Radikalismus bei uerschiedenen Nachwahlen der letzten Zeit einen entschiedenen Mißerfolg hatte. Daß der Liberalis mus in weltentlegene Wahlkreise gehen muß, um Erfolge zu erringeci, ist bezeichnend sür ihn.

Der Freisinn ist mit dem Ausgang dieser Wahl auf tll Mandate gekommen und damit die drittstärkste Fraktion des logenannten deutschen Reichstages geworden.

Tagesnberslcht.

Äenlscheri Reich.

:: Frachtermäßigungen aus dem Rhein-Herne-Kanal, MIk

der Eröffnung der Schiffahrt aus dem neuen Rhein-Herne-Ka- nal sollte bekanntlich sür die Persrachtung der wichtigsten Rohstoffe der Eisenerzeugung, sür Erze und Kols, ein« Tarif- ermäßigung auf der Eisenbahn einireten.» Nachdem nunmehr die ersten Schisse den Kanal befahren haben, melden sich auch dir Fnteresienlen sosorf mit Wünschen wegen dieser Tarifen- Mäßigungen. Die Eisenbahndireltion Esten teilt derRhein- Wests. Ztg." zu dieser wichtigen Frage folgendes mit: Die von der Staaiseijenbahnoerwaltung geplanten Frachtermäßigungen für Eisenerze und Koks zum Hochofenbetrieb im Ruhr-Mofel- Verkehr und in den davon berührten Bezirken werden in Gel­tung gesetzt werden, sobald die baulichen und betrieblichen Vor» bereiinngen aus dem Rhein-Herne-Kanal soweit vorgeschritten sind, daß ein regelmäßiger Betrieb auf dem Kanal völlig sicher- gestellt ist.

Oesterreich

:: Die Ergebnisse der Untersuchung von Serajewo. Die bei

dem Gericht in Serajewo gegen Prineip und Genosten wegen des a,n 2b. Juni begangenen Meuchelmordes bezw. wegen Mitschuld daran anhängige strenge Untersuchung hat bisher zu folgenden Feststellungen geführt: 1. Der Plan, den Erzherzog während seines Aufenthaltes in Sarajewo zu ermorden, ist in Belgrad von Prineip, Redelka, Tfchabrinowitfch, einem gewis­sen Milan Ischiganovie und Grabesch unter Beihilfe des Ma­jors Tampowitsch gefaßt worden. 2. Die sechs Bombe» und -I Browningpistolen nebst Munition, deren sich die Verbrecher als Werkzeuge bedienten, wurden dem Prineip und Tschabrino witjch von Milan Tschiganovie und dem Major Tampowitsch in Belgrad verickiasst und übergeben 3 . Die Bomben sind