Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
I Samstag, den 4. Juli 1914. > 7. U\ pr 9 »a n
Gedknlrtage.
J. Juni. lüä Ctf.r. Fr. Gellcrt geb. — 1888 Th. Storm t, Xirf’iwi—-lS9t Prof- t>r ?l»giist Dillinonn, nlitestnment-
Üchcr Exegese, t. Berlin, ö. Juni. 1809 Schlucht bei Wagram. — 1812 Adelb. von Keller, Presessor, geb. — 1817 Karl Vogt, Naturforscher, geb., Kietzen. — 1884 Togo wirb unter deutfchen Schutz gestellt.
Lnr Zeit and Ewigkeit.
Da- Apostolikum .der Grundstock unseres kirchliche» Bekenntnisses.
Die kürzeste Zusammenfassung der Grundlagen unseres lstiaubens haben wir im apostolischen Glaubensbekenntnis. Dieses ist ein wesentlicher Bestandteil der beiden unserer Kirche zu Grund« liegenden Bekcnntnislalechisme». Im kleinen Ka- techir aus Luthers ist der 2. Artikel geradezu der Herz- und Lebenspunkt des Ganzen. Schon aus diesen Gründen gehört :a- Apostolikum zum unvcräuhcrlichcn Bckenntnisjtand unserer Kirche. Wir können und dürfen es weder im Katechismus uni i n Kirchenbuch freigeben, b. h ins Belieben des einzel- Pfarrers oder der einzelnen Gemeinde stellen, ob es im Nnlerricht und im Goitesdicnst, bczw. bei Taufe und Konsir- !■ ation, gebraucht oder umgangen werden will. Schon recht- i ch betrachtet wäre dies ganz ohne Frage eine Aenderung lr-io. Preisgabe des Bclenntnisstandes unserer Kirche.
Wir können aber auch aus sachlichen Gründen das Aposto- litnm nicht freigeben. Denn es ist wirklich so, wie Hermann Cremer sagt: „Die Frage um das Apostolikum ist die Frage uni die Gottheit Christi."-) Der 2. Artikel ist der Nero des aanze» Bekenntnisses. Ilnd der Nero des 2. Artikels hinwieder ist das, was Luther so unllbertresslich aussührt: Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch un'hrhatfiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, ist ti:ci ii Herr, der mich verlorene» Menschen erlöst hat, erworben > i.o gewonnen, aus das, ich sein eigen sei. — Daran hängt nicht allein de: 3., sondern auch der 1. Artikel.
Dadurch, das; die Entstehung des apostolischen Bekenntnis- ziemlich in Dunkel gehüllt ist, ist seinem Werte sür UNS gar '.ichts genommen. Soviel ist auf dem ersten Blick klar, daß sein Inhalt durchaus biblisch ist. Seine Entstehung ist von dem bedeutendsten gegenwärtigen Apostolikumssorscher, Pros. Kat- In'.uijch, bereits in das Jahr IM gesetzt worden. Das ist also 2)1311 in großer Nahe des apostolischen Zeitalters. Und das alt- i wische Bekenntnis aus dem Jahre IM ist, aus den Inhalt gesehen, fast schon ganz unser heutiges Apostolikum. Es lautet! „Ich glaube an Gott den Vater, den Allwaltenden. Und an Iesuut Christum, seinen Sohn, unsern alleinigen Herrn, der boten ist aus heiligem Geist und Maria der Jungfrau, unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist und begraben, am drit- \t. Tage auferstanden ist von den Toten, aufgestiegen ist in den
'> Cremer: Zum Kamps um das Apostolikum. S. 40.
Simmel, sitzend zur Rechten des Vaters, von wo er kommen wird, zu richten Lebende und Tote. Und an einen heiligen Geist, eine heilige Kirche, Sündenvergebung, Fleischesauserstehung." Man hat das alte Toufbekenntnis sachentfprechend einem vielästigen Baum von derselben Art und aus einer Wurzel verglichen. Auch unser heutige« Apostolikum ist ein Ast an diesem Baum. Und dieser Ast gewann eben seit dem 8. Jahrhundert als die damals in Rom gebraucht« Formel allmählich die Alleinherrschaft im Abendland«. Diese Erkenntnis ist für uns von grotzer Bedeutung. Wir sehen daraus folgendes:
1. Das Apostolikum als Ganzes ist viel älter als unsere heutige Form desselben.
2. Die Behauptung ist irrig, das Apostolikum sei nicht das Erundbekenntnis der ganzen Christenheit, weil die griechische Kirche es nicht habe) denn das in der griechischen Kirche eingebürgerte Nizaeno-Konstantinopoiitinum ist auch nur eine etwas erweiterte Apostolikumssorm. Wer das Rizaeno-Kon- stantinopolitanum bekennt, der bekennt damit eo ipso auch das Apostolikum.
3. Es ist für die verlangte Freigabe des Apostolikums nichts mit dem Argumente, datz auch in den ersten Jahrhunderten der Kirche die Tausbekenntniste nicht überall ganz gleichlautend gewesen seien. Denn einmal waren jene sämtlich Aeste am gleichen Stamme, nur „Varianten des (schon seit dem Jahre ICK) vorhandenen) alten römischen Taufbekenntnisscs", wie selbst der liberale Eoetz in seinem Religionsgesch. Volksbuch zugibt. Ferner ist es doch ein gewaltiger Unterschied, ob eine Vekennt- sorm nicht gebraucht wird, weil ste noch nicht existiert, oder ob man ste nach vielhundertjährigem allgemein-kirchlichen Gebrauche in einer Partikularkirche abschasst resp. freigibt, weil man mit ihrem Inhalt nicht mehr einverstanden ist.
4. Der Inhalt des Apostolikums geht auf die apostolische Zeit zurück. —
Pros. Cremer sagt mit Recht (a. a. O. S. 35 f. 46): Das Zentrum der ganzen apostolischen Verkündigung ist dies: Jesus Chrtstus, für uns gekreuzigt, für uns auferstanden, für uns aufgesahren und sitzend zur Rechten Gottes, für UN» von dannen wicderkommen — und dieses „für uns" bringt das „ich glaube an ihn" im Bekenntnis zum Ausdruck. Alles, was uns im Reuen Testament über die Geschichte und das Leben des Herrn überliefert ist, ist doch nur Umgebung des Kreuzes und wird erst beleuchtet und licht vom Kreuze her, und das Kreuz empfängt sei» Licht vom Auferstchungsmorgen her. Darum kann man den Jesus Christus, an den wir glauben sollen zu unserer Erlösung, nur nennen und bekennen als den Sohn Gottes, gekreuzigt, gestorben, begraben, niedcrgefahrcn zur Hölle, wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten des Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Uni die alleinige Geltung und Herrschaft dieses biblischen Christus, — darum handelt sich's im heutigen Apostolikumsstreit. Und wenn die Freigabe des Apostolikums verlangt wird, so liegt darin die Forderung, datz auch ein anderes Evangelium
Es. Bezirksfest mbH AiMctenwettstreit
des 3. Bezirks des Hessischen Athleten-Verbandes
verbunden mit dem
Stiftungsfest
des 1. Stemm- und Ring-Klubs Fricdberg am 4», 5. und 6. Juli 14114 Festplatz: Seewiese. "ML
& e ft = £ r J» n u n o:
SiNNstag, 4. Juli: Nachmittags Empfang der auswärtigen Vereine. Abends H'/t Uhr Aufstellen des Vereins am Saalbau, Abmarsch zum Festplatz. Daselbst Konzert, Eesangsvor- träge, Marmorgruppen, gestellt von Mitgliedern des fest- zebenden Vereins.
.'.rtag, !>. Juli: Morgens 6V, Uhr: Großes Wecken durch die acsamle Kapelle der Militär-Musikschule.
Morgens 8 Uhr: Beginn der Wettlämpse sür Leicht-u. Schwer -lthlctil, sowie Mannschastsläinpfe auf d. Festplaye. Nachmittags l‘/i Uhr! Aussteller, des Festzuges an der Mainzertoranlage.
Nachmittags 2 Uhr: Abmarsch bes . t'eMtziiges durch die Kaiserstrahe, Burg, nach dem Festplatze.
Begrüßung, Kriljert, TMj,MsbkWgllngen.
Nachmittags 3'/- Uhr: Ringen sämllicher Klassen im grasten Saale des Saalbaues.
Abends 8Z , Uhr: aus dem Festplatze.
Skonlnz, <>. Juli: Von II Uhr ab: Frählonzcr! aus dem Festplatze.
Nachmittags 27, Uhr: Antreten am Saalbau. Marsch nach dem Festplatze.
Nachmittags 3 Uhr: n l>ee,»l»»u »«viuge» daselbst, in sämtlichen Masten. Konzert und Tanz.
Abends 7Uhr: eie»«->>,,»,x, Vollssest undFackel-
Polonaise.
JEiiatatttsi» reise:
km Borseriaus: Hauptlarte. gültig sür die ganze Dauer des
Festes 80 Ps. (An den Kassen M. 1___) Zu den
Hauptlartcn werden, jedoch nur im Vorverlaus, für die Familienangehörigen Bcikarten zu 30 Ps. «usgegeden. _
(!,, den Kasten: Samstag Abend 30 Ps. Sonntag Mittag und Abend 50 Ps., Sonntag 'Abend 40 Ps. Montag 30 Ps. Militär ohne Chargen Eintritt frei, mit Chargen halbe Preise.
Karten im Vorverkauf bei den Herrn: Adols Schmidt, Os- -vold Türk, Ludwig Stern, W. Wichard. Emil Schneider, Friedrich Michel, Havanna Kompagnie und Emil Schaum,Friseur, Fauerbach.
Sa* Kestausschufr.
Programm
zu dem am 11., 12. und 13. Juli staltfindenden
WW" Ganturnfest "WU
des Gaues Wetterau verbunden mit 50jährig«m Jubelseft und Fahnenweihe des Turnvereins Bleichenbach.
Samstag, den 11. Juli:
Nachmittags 8 Uhr: Empfang der Wetturner.
Abends li Uhr: Kampfrichtersitzung bei Gastwirt hetz.
Abends !> Uhrr.Fackelzug durch die Straßen nach dem Festplatz. Ansprache, Konzett, Liedcrvorträge, Pyramiden usw.
Sonntag, den 12. Juli:
Morgens 8 Uhrr Weckruf.
Morgens 0 Uhr: Beginn des Wettumens.
Morgens vo» 10—1 Uhrr Empfang der Vereine.
Nachmittags IV, Uhr: Ausstellung des Festzuges, Umzug durch die Sttasten nach dem Festplatz, daselbst Begrüßung, hierauf Fest-Wciherede und Uebergabe der Fahne durch die Festjung- srauen, Weihclied des Gesangvereins „Sängerlllst", Ehrung der noch lebenden Gründer des Vereins, Turnen der Schüler, Konzert, Schauturnen, Tanz usw.
Montag, den 13. Juki:
Bormittags 10 Uhrr Friihkonzert auf dem Festplatz, Jugend- spicle und Volksbelustigung,
Nachmittags 2 Uhr: Ausstellung und Abmarsch des Fcstzuges durch die Strotzen nach dem Festplatz, Volksbelustigung, Tanz, Cchülerturnen.
Die Festmusik wird ausgeführt von der Kapelle des Hanauer Eisenbahn-Regiments Rr. 3.
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2nh.: Frieür. Karl Ott, Friedberg i. H.
als das Evangelium von diesem Jesus Christus in der Kirche heimaiberechtigt fein soll. Und dem müsten wir um unseres christlichen und kirchlichen Gcwistens willen widersprechen Mit der Freigabe der Apostolikums wären alle Bekennt uisschriften, und darum auch das Belenntnis unserer Landes lrrche, sreigcgcben, d. h. preisgegcben, denn das Apostolikum bildet aller Bekenntnisse Grundstock. Dr. Eissenlössel.
Wochenschau.
Die Mordtat IN Sarajewo. — Politisch« Folgen. — Albonisch, Sorgen. — Heer- und Marinefragen in Franlreich. — Di- Dardancllenfrage.
Gen Unstern scheint über der Donaumonarchie zu walten, der Thronfolger, der Erzherzog Franz Ferdinand, aus den man hinsichtlich der Erstarkung Oesterreich- Ungarns so grotze Hossnungcn gesetzt hatte, ist nicht mehr, ein tragisches Geschick hat ihn in dem besten Mannesalter gemein jam mit seiner Gemahlin hinweggerasft. Er siel unter der Hand eines Mordbubcn, als Opser einer Verschwörung, die ihn beseitigen wollte, weil sie in ihm den grötztcn Feind Serbien» erblickte. Gewiß hat die serbische Regierung au dem grausigen Verbrechen keinen Anteil, und ebenso verfehlt wäre cs, die Serben in ihrer Gesamtheit sür di« verruchte Tat verantwortlich zu machen, etwas anderes ist cs aber mit der grotzscrbischen Propaganda gewisser Kreis-, die in ihrer Zügellostglelt geeignet ist, noch nicht zur Reife entwickelte Köpfe zu verivirren uno in ihr Gemüt derartige Gedanlcn zu vcrpjlanzcn, wie sie in dem Komplott gegen das Leben des österreichischen Thronfol- j gers zu einem so entsetzlichen Ausdruck gelommen sind. Keinem Zweifel unterliegt es, datz eine Verschwörung bestanden hat, der Verlauf der Dttige und die Untersuchung habe» zweifellos festgestellt, datz alles auf das sorgfältigste vorbereitet war, um unter allen Umständen da» Leben des Erzherzogs zu vernichten. „Nichts bleibt mir im Leben erspart". Das waren die Worte des greisen Monarchen beim Empfang der erschütternden Trauerkundc. Tatsächlich hat wohl selten ein Monarch soviel trübe Stunden durchwachen müsse», wle Kaiser Franz Joseph, dessen Lcbcnsaben» auch noch durch das jüngste traurige Ereignis verbittert wird. Der neue Thronfolger steht erst in der Mitte der 20er und ist ein völlig unbeschriebenes Blatt, bisher nur im Heeresdienst tätig, mutz er sich in das hohe Amt erst hineinlsbcn und eine entsprechende Vorbereitung sür den künftigen schweren Herrschcrberuf erhalten, Hossentlich wird diese recht weit gediehen sein, bevor Kaiser Franz Joseph die Augen schließt, denn nichts Verderblicheres könnte cs für die Donaumonarchie geben, als wenn an ihrer Spitze ein Herrscher steht, der mit den Dingen nicht verttaut und außer Stande ist, die Zügel der Regierung in seinen Händen zu bchalien, — Welche politische Folgen die Revolverschüsse von Sarajewo haben weiden, läßt sich heute keineswegs übersehen, ste können nicht nur die innere, sondern auch die äutzerc Politik tressen. Insbesondere liegt es aus der Hand, datz man gegen die serbische Bevölkerung etwas strenger Vorgehen wird. Natürlich mit dem Erfolg, datz die Beziehungen zum Königreich Serbien sich weiter verschlechtern und unter Umständen schwere Konslilte heraufbe- schwörcn werden. Schon ist es in Bosnien zu schweren Ausschreitungen gegen das serbische Element gekommen, so datz der Belagerungszustand über das ganze Land verhängt werde» mutzte, und die Sprache der Belgrader Blätter ist auch lein« sanftmütige.
Reben der Besorgnis um die weitere Entwicklung der Dinge im südöstlichen Europa, mutz nach wie vor die Lage in Albanien den Gegenstand sorgsöltigster Beachtung crsahien. Die Situation ist augenblicklich eine trostlose, die Rebellen rücken immer weiter vor, und aus die Negierungstruppen ist kein Berlatz, ihr Führer Prenk Bib Dada hat zweisellos Verrat geübt, und die paar Freiwilligen, über die der Fürst in Du- razzo verfügt, machen das Kraut auch nicht fett. Und doch will Fürst Wilhelm getreulich ausharren, ein Mut, der einer besseren Sache würdig wäre. Ja wenn ihm wenigstens die crsor- derlichen Geldmittel zur Verfügung ständen, dann würde er wohl mit Aussicht aus Ersolg den Kamps sühren tönnen, abei in dieser Hinsicht ist er vollständig im Stiche gelassen. Die Karre da unten ist gründlich verfahren, ob die Mächte ste noch einmal aus dem Sande herauszuziehen versuchen werden, bleibt fraglich, jedenfalls hat die Londoner Konscrenz kein Meisterstück geschaffen.
Während bei un; die sommerliche Hitze der Feind der Parlamente ist, läßt man sich in Frankreich dadurch keineswegs stören. Freilich handelt es sich um die Verstärlung von Heer und Marine, und angesichts der Wichtigkeit der damit in Zusammenhang stehenden Fragen mutz man eben jenseits der Vogesen in den sauren Apfel beitzen. Da ist cs denn nicht uninteressant, datz der anfängliche Jubel, der bei der Annahme der ersten Vorlage herrschte, schnell verstummt ist, und eine recht kritische Stimmung Platz gegriffen hat. Heitzt es doch jetzt, die Kosten aufzubringen, und da stellt sich der Katzenjammer ein. Schon wird an der dreijährigen Dienstpslicht zu rütteln gesucht, obwohl man die Verlängerung erst noch vor wenigen Monaten i» den Himmel erhoben hat. Zum Vorsitzenden der Heeres kominission hat man nicht den crgeizigeo Delcassee gewählt, son dern den ehemaligen General Pedoya, dessen Bestrebungen darauf abzielen, eine dreitzigmouatige Dienstzeit zu schassen. Dagegen will man das Marincprogramm noch weiter ausbauen, und tatsächlich hat Frankreich da; notwendig, denn di- sranzö- sischc Flotte befand sich in den letzten Jahren in einem Zu stände, der Frankreich säst lächerlich machte.
Ueberhaupt kann mü» sehen, daß im Dreiverband auch nur mit Wasser gekocht wird, Russland bemüht sich augenblicklich, wenn auch von hinten herum, die Da rdanel lens rage in Fluß zu bringen. Aus eine Anfrage rm Unterhaus« oab Sl-


