Die Tränen sind versiegt. Freudig breitet sie die Nrme aus, um den kotgeglaubten zu empfangen. Er lebt!— jesus lebt!— Da steht er mit dem Banner des Kreuzes, dom Zeichen des Sieges bon Golgatha, in der Rechten. Weil Er als Sieger über Sünde, od und keufel die Wal⸗ statt verließ, konnte ihn auch das Grab nicht halten. left bekommt Illaria den Ruftrag, diese Freudenbotschaft weiter zu— tragen zum Trost für alle Illittrauernden. Und oon mund zu Illunde pflanzte es sich fort: jesus, der heiland, ist Sieger und lebt! ja, das waren CLichtstrahlen für Trauernde. Traurig war Illaria Ilagdalena zum srabe gewandelt, freudig kehrte sle heim; denn sie hatte eine Begegnung mit dem lebendigen heiland erlebt.
Die se Lichtstrahlen sind auch für dich da, teure leid— tragende Seele. Wer im lebendigen Slauben an den ge— kreuzigten und auferstandenen heiland steht, hat selbst bei allem Schmerz doch jenen wunderbaren Gottesfrieden im Herzen, der höher ist als alle Dernunft. fluf ihn trifft das Wort des Dichters zu:»Du lächelst unter Tränens; denn er richtet sich auf an den Worten dessen, der selbst am Grabe des Lazarus weinte, aber auch zugleich tröftete, in— dem er sprach: i
lch bin die fluferstehung und das Leben. Der an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich,
der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Joh: 1, 28, 20 ich, was wäre das kotenfest ohne diese lebendige
Hoffnung der fluferstehung?! Nur ein wehmütiges Gedächt⸗ nis der loten, ein Wiederaufreißen kaum vernarbter Wunden. Wir aber brauchen nicht dazustehen als solche, die keine Hoffnung haben. Der Ruferstandene will auch dir heute am stillen Srabhügel oder daheim im Kämmerlein begegnen mit seinem kriedensgruße und deine kränen trocknen. Er kennt auch dich und ruft deinen amen. D, sprich auch du zu ihm:«Rabuni«, das heißt Ieister. imm ihn an als deinen persönlichen Heiland, und Sein Licht wird auch dein herz durchstrahlen.
jesu, Dir leb ich; jesu, Dir sterb ich;
jesu, Dein bin ich im Leben und im Tod!
O sei uns gnädig; Sei uns barmherzig;
Führ uns, d jesu, in Deine Seligkeit!
Cränen.
etzt am Gedächtnistage für die Toten fließen viele Tränen an den stummen Hügeln, wehmütige, bittere, sehnsüchtige Tränen, je nachdem es den Trauernden, ums Herz ist. Und mir ist's, als sehe ich einen Engel von Hügel zu Hügel Er tut wohl nach
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gehen und die Tränen sammeln. dem Wort:„Fasse meine Tränen in dein Krüglein, ohne Zweifel, du zählest sie!“
Aber es fließen so viele zu Boden, und doch ist sein Krüglein fast leer.
„Warum läßt du so viele Tränen zu Boden fließen?“ fragte ich schließlich.
„Ich darf nur die echten Perlen sammeln,“ antwortete er ernst,„aber komm mit,“ spricht er, „so wirst du's verstehen.“
Da am Hügel kniet ein Mann, er hat sein Haupt in die noch frischen Kränze vergraben und weint. Wird der Engel seine Tränen sammeln? „Nein,“ sagt der himmlische Bote, meine unaus— gesprochene Frage beantwortend.„Dieser Mann weint um den Verlust seines Weibes, weil sie ihm fehlt, weil die Häuslichkeit und die Kinder sie ent— behren, er hadert mit Gott, daß Er so grausam war, sie ihm zu nehmen, und er selbst hätte viel tun können, ihr das Leben leichter zu machen, ihren frühen Tod zu verhindern; aber er tat es nicht, er dachte nur an sich. Diese Tränen sind keine Perlen, ich kann sie nicht mitnehmen.“
Dort steht ein Sohn am Denkstein seiner Mutter. Er weiß, sein Leichtsinn hat sie ins Grab gebracht. Was hilft es, daß er jetzt das Geld ausgab, ihr das Kreuz zu setzen, daß er am Totenfest Kränze hinausträgt. Der Engel blickt ihn traurig an. Auf einmal stiehlt sich eine Träne zwischen seinen Fingern hindurch:„O Mutter, könntest du mir vergeben! O Gott, könnte ich un— geschehen machen!“ Die Träne fällt in des Engels Krüglein, und in das Herz des Verzagten ein Lichtstrahl von oben.
Dort weint eine Mutter am kleinen Hügel ihres Kindes. Sie hat es verzogen, verhätschelt, zu ihrem Abgott gemacht, jetzt ist das Leben ihr leer, nie wird sie begreifen können, daß Gott es aus ihren Händen erretten mußte, um es vor dem Verderben zu bewahren. Nein, ihr ist Gott ein grausamer Gott. Der Engel blickt sie voll Er— barmen an, aber es ist noch kein Raum in diesem Herzen für das Licht von oben.
So geht's durch die Reihen hindurch. Da kniet eine junge Frau am Grabe ihres Mannes. Auf ihren Zügen liegt ein wunderbares Leuchten. „Sieh,“ sprach der Engel,„sie hat ein Leben der Qual an seiner Seite geführt; denn er war ein Trinker und Spieler. Aber, seit sie den Heiland gefunden, hat sie nicht geruht, ihn mit Liebe zu tragen und mit Fürsorge zu umgeben. Sie hat gehofft, wo nichts zu hoffen war, sie hat geglaubt, auch wenn ihre Nächsten sagten: Er wird nie frei werden. Nun bekehrte er sich auf dem Sterbebett, und sie weint nicht um ihr verfehltes Leben und daß sie ihn gerade verliert, wo das Glück hätte beginnen können, sie weint Dankestränen, daß Gott sie erhörte und ihren Mann errettete, daß sie ihn droben wiederfinden wird und daß sie solchen herrlichen Heiland hat. Die Tränen darf ich alle mitnehmen, sie sind kostbar vor Gott.“ Da ward das Krüglein des Engels voll, und leise entschwebte er mit seiner Last.
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