schon Tag, du solltest längst von hinnen sein',“ so spricht am frühen Morgen der Schloßherr, der durch eine Tapetentür ins Schlafgemach gelangt ist. Sein Haar, das gestern noch dunkelbraun sein Haupt geziert, es ist ergraut.
Nebeneinander reiten die beiden durch den Wald. Der Kurier muß auf den rechten Weg gebracht werden. Astetrümmer, die quer im Wege liegen, sind Zeugen des nächtlichen Sturmes. Die Vöglein zwitschern ihr Morgenlied. Die friedse— ligen Wolken schwimmen durch die klare Luft, als ob Engel von einer nächtlichen Wache heim— kehrten. Kräftiger Erdgeruch entsteigt den dunklen Schollen. Da öffnet sich die Ebene. Von der Seite blinzelt der Reiter seinem Führer zu und spricht:„Damit ihr den König, dem ich eigen bin, nicht zu fürchten braucht, habt ihr mich heute Nacht verschont, ihr habt genug getan.“„Ja um des größten Königs willen, des ich eigen bin“, antwortet der fromme Edelmann,„heute war sein Dienst mir schwer. Du hast teuflisch mir mein Weib gemordet. Dich ließ ich am Leben. Doch — Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr.“
„Gebet sie her, daß wir sie töten.“ Im Jahre 1461 machten die Bürger zu Wien
einen Aufruhr und belagerten den Kaiser Friedrich ll.
auf seiner Burg. Sie richteten mit allem Fleiß das Geschütz auf diejenigen Zimmer, in denen des Kaisers Sohn und Gemahlin wohnten, so daß diese genötigt wurden, in unterirdischen Ge— wölben sich aufzuhalten. Als später dem Kaiser geraten wurde, daß er sich an den Bürgern Wiens wegen jener Belagerung rächen follte, gab er zur Antwort:„Ich bin auch ein Sünder und bitte Gott täglich um Gnade und nicht um Recht. So will ich an diesen meinen Untertanen jetzt auch Gnade für Recht ergehen lassen.“
Schnackenstiche.
Rentier L. saß gemütlich rauchend im Lehn— stuhl. Eine Schnacke setzte sich mit ihren zarten Tüßen vorsichtig an seinen Hals. Er merkte nichts. Doch allmählich entstand eine kleine Geschwulst, ein Jucken und Brennen trat ein. Die Geschwulst nahm schnell zu und nach einigen Tagen trug man den Reichen zu Grabe. Er starb an Blut⸗ vergiftung; die kleine Schnacke hatte den großen Mann totgestochen. Sieht man es solch kleinem, feinem Tierlein an, daß es so stechen kann? Wie
leise berührt uns sein zartes Füßchen, wenn so
abfertigen, die Mutter sei ausgegangen ꝛe.
ein Tierlein, vom Leichenschmause kommend, sich auf uns niederläßt. Doch wie furchtbar kann die Wirkung sein, wenn der kleine Giftstachel uns berührt!
Sie saßen beim Kränzchen. Frau N., die gerne Neuigkeiten erzählte, wollte gesehen haben, daß abends ein fremder Herr Frau E. besucht habe. Niemand zweifelte an der Rechtschaffenheit der Frau E., doch lief die Vermutung der Schwätzerin wie eine Giftschlange weiter, bis sie ins Ohr des Gatten kroch. Die Eifersucht erwachte; es gab herzzerreißende Auftritte zwischen den treuen Ehe— gatten. Die Gattin konnte den Verdacht nicht er— tragen, sie siechte dahin, eine glückliche Ehe war zerstört. Es war nur ein Schnackenstich. Prediger R. hielt wieder eine seiner ergreifenden Reden. Einem Arbeiter drangen seine Worte wie Feuer— pfeile ins Herz. Mach jetzt vollen Ernst mit deiner Hingabe an Gott, mahnte die Stimme im Innern. Jetzt oder nie, tönte es aus der Seele. Er macht sich an den Prediger heran, um ihn nach Hause zu begleiten. Gerne möchte er ihm sein Herz ausschütten; vielleicht betet er einmal mit mir, so
denkt der Erweckte. Doch was geschieht? Unter—
wegs macht der Prediger allerlei Spässe. Der Arbeiter aber geht enttäuscht von dannen. Die guten Entschlüsse, die der heilige Geist gewirkt, waren durch den Scherzgeist vertrieben worden. Der Arbeiter ging auf dem breiten Wege weiter. Es war nur ein Schnackenstich. In der Gefängnis— zelle zu N. sitzt ein Verbrecher, der sein Todes- urteil erwartet. Seines Lasters Bahn fing bei der Lüge an. Seine Mutter wollte einst in ihrer Arbeit nicht gestört werden, da mußte Karl, ihr Altester, die Besucher am Korridor mit der 8 1
eit jener Zeit ging es abwärts. Vom Lug zum Betrug ists nicht weit, und vom Betrug zum Raub und Mord sind glatte Wege. Wer hätte gedacht, daß der begabte Karl N. einmal auf dem Schaffot
enden würde? Es war nur ein Schnackenstich.
Ja die Sünde fängt klein an und endet im Ent⸗ setzen. Bitte den Herrn Jesus, daß er den Giftstachel aus deinem Herzen ziehe, ehe dein Blut in Eiter übergeht. Laß Jesu Blut seine Heilkraft an dir beweisen; denn es macht auch deinen Schaden gut, ja Christus starb auch für dich.
Jelus jst die Quelle der Weisheit.
„Er ist uns gemacht von Gott zur Weisheit.“ 1. Cor. 1, 30. Im allgerꝛeinen gelten zwar die Frommen, die Nachfolger Jesu, als die Dummen, Rückständigen, die Unaufgeklärten. Wenn man aber zum Beispiel zur Fastnachtszeit das Benehmen der Aufgeklärten auf der Straße beobachtet, und sie benehmen sich wirklich wie Narren, so bekommt man eher den Ein— druck, das sind die Dummen.
In Jesu Nachfolge wird man weise, nicht dumm.


