Ausgabe 
22.6.1913
 
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Himmel. Am Fenster sitzt ein blasses Mädchen, in den Anblick des Sternes vertieft. Da trippelt ihre kleine Schwester herein mit den Worten:Ich hab' dir einen Strauß gebracht, Marie!

Fröhlich greift sie nach den duftenden Blumen, da fällt ihr ein Zettelchen entgegen, das an dem Strauß befestigt war. Darauf liest sie:Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. Diese wenigen Worte wurden bestimmend für ihr ganzes Leben. Sie ergab sich dem Herrn und weihte sich von nun an lebenslang dem Dienste dessen, der durch Sein Blut auch ihre Seele von aller Sünde reinge waschen hatte...

Wir treten in einen Palast. Umgeben von den Seinen, liegt ein Bischof auf dem Sterbebette. Ein langes Leben, das von Jugend auf dem HErrn geweiht war, liegt hinter ihm. Die Glocken rufen zum Gotteshaus, wo der Sterbende oft die Worte des Lebens verkündigt hat. Die halbge schlossenen Augen irren unruhig hin und her. Ein Geistlicher kniet neben ihm und sucht ihm Trost zuzusprechen:Hochwürden, denken Sie an die vielen guten Talen, die Sie in ihrem Leben taten!

Das kann mir jetzt keinen Trost geben, spricht der Bischof mit zuckenden Lippen,Denken Sie, hochwürdigster Herr, daran, wie oft Sie die frohe Botschaft von der Gnade Gottes in Christo Jesu verkündigt haben!

Auch das gibt mir jetzt keinen Trost! seufzte er.

Dann denken Sie an diese Worte:Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.

Da verklärte ein Lächeln das Antlitz des Sterbenden:Ja, das bringt Trost. Ich habe diese Worte schon hundertmal gelesen, und nie erschienen sie mir herrlicher als eben jetzt. Mit diesen Worten ging er heim.

Kennt ihr, liebe Leser, schon etwas von dem Trost und Frieden dieser Worte? Das Blut Jesu genügte, um den armen Hindu im glühenden Indien rein zu machen; es genügte für das junge Mädchen durch ein langes, gottgeweihtes Leben im Dienst des HErrn; es war das einzige, was dem frommen Bischof Frieden verschaffen konnte auf seinem Sterbe bette; es ist auch genug für euch. Nur wenn ihr mit diesem kostbaren Blut gewaschen seid, könnt ihr glücklich leben und selig sterben. Wollt ihr nicht auch eure Zuflucht zu diesem Blute nehmen und euch rein machen lassen von allen euren Sünden?

Eine unsellge Geburtstagsfelen

finden wir Matthäus 14. 111 beschrieben. Herodes war wohl einer der Vierfürsten; aber sein Leben war ein völlig verfehltes. Seinen Geburtstag feierte er be laden mit Sünden. Er war ein Ehebrecher. Seine rechte Gemahlin verstieß er, nachdem er auf einer Reise nach Ron die Herodias, das Weib seines Bruders Philippus, kennen gelernt und sie entführt hatte. Jetzt an seinem Geburtstage lebte er schon lange in wilder Ehe mit ihr. Wie ist manches Leben so dunkel! Wenn du auch heute nicht Geburts tag feierst, bitte, schaue zurück auf dein bisheriges Leben. Mußt du erröten? Sind dunkle Punkte da? Du sagst:Ich habe es zu arg getrieben. Aber ich erinnere dich heute an deine Sünde! Lebst du noch immer in unordentlichen, sündlichen Verhältnissen?

Bringe sie Jesu! Er allein vermag das Leben N

ordnen.Ein Christ ist ein in Ordnung gebrachter Mensch, sagte Insp. Rappard zuweilen. Herodes war auch ein vergeblich gestrafter Mensch. Seine Sünde hatte Johannes der Täufer ernst gerügt, V. 4. Deswegen legte ihn Herodes ins Gefängnis, V. 3. Ganz gewiß sind solche Prediger, die die Sünde strafen, nichtin der ganzen Stadt beliebt; denn es gibt nichts, was der natürliche Mensch weniger ertragen

kann, als wenn seine Sünden ins rechte Licht gerückt

werden. Hierin liegt die Ursache, weshalb es heute keine Kirchenzucht mehr gibt und weshalb das Pro testieren der Gläubigen gegen die Sünde alslieb loses Richten verschrieen wird. Nun, laßt es uns

lieber mit Johannes als mit Herodes halten.

Wenn auch Herodes diese Rüge uicht ertragen konnte, so wurde sie doch nicht ganz umsonst gegeben. Herodes wird an dem Tage des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen keine Entschuldigung haben. Sünder, du gehst verloren, wenn du nicht Buße tust und gläubig das Heil in Jesu ergreifst! Und warum feierst du deinen Geburtstag, da du dein verfehltes Leben vielmehr beklagen solltest.

Wir erkennen ferner an der Art, wie dieser Ge burtstag gefeiert wurde, daß die Feier eine recht un göttliche war. Es wurde zu Tisch gesessen, V. 9, doch nicht mit Johannesseelen, die die Sünden des

Herodes straften! Diese Leute brachten vielmehr dem

elenden Könige ihre Gratulationen und Huldigungen dar! Keiner, der Sünde strafte! Sie alle dachten, fühlten, lebten wie Herodes. Sie paßten in der Tat zusammen. Ein Weg ein Ziel! der breite Weg und das Verderben! Mit wem sitzest du an einem Tisch? Machst du mit der Welt mit oder bist du das Gewissen der Weltkinder? Und nun, was wurde getan bei Tische? Es wird nach König Bel

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