bitten.
Als ich dann eines Tages drinnen saß, um Netze auszubessern, kam sie herein und setzte sich neben mich. Ihre Augen leuchteten mit so wunder— barem Glanz, daß ich nicht vertragen konnte, sie anzusehen. Sie faßte meine Hand und sagte:
„Jens, ich habe Gott um Vergebung gebeten.“
„Weshalb?“ 5
„Weil ich Seinem Namen Schande gemacht habe. Ich habe mich heilig genannt; aber es war so wenig Heiliges an mir.“
Mir wurde dabei ganz unheimlich zumute. „Und ich will auch dich um Vergebung
In größerer Qual bin ich nie gewesen. Hätte sie mich nur ausgeschimpft, das wäre viel leichter gewesen.
Von dem Tage an war meine Frau gestorben — der Sünde gestorben. Sie verstehen mich, nicht wahr, Herr Prediger?“ 5
„Ja, gewiß, aber sage mir, Jens, kam es denn nie wieder, wurde sie nicht wieder zornig?“
„Ich tat, was ich nur konnte, um sie zu reizen. Ob es wieder kam— ja, ich merkte ja wohl, besonders zu Anfang, daß es drinnen war
E das Fleisch, verstehen Sie, Herr Prediger.
Aber es war eine Kraft über sie gekommen. Ein Geist, von dem ich früher nichts gespürt hatte.
Es war, als wenn sie geborgen war— versteckt
von einer himmlischen Macht, es war ein Panzer, den meine Bosheit nicht durchbohren konnte.
Es war schwer, Herr Prediger. Sie können glauben, es ist scehwer für eine böse, unheilige Natur, tagtäglich in ein Antlitz sehen zu müssen, über dem göttlicher Friede und göttliche Freude wie ein heiliger Schleier liegen. Ich wurde immer schlechter, aber das schien sie nicht anzu⸗ fechten. Schließlich war es so weit gekommen, daß ich sie zu hassen meinte. Ich haßte den Gott, der in ihr wohnte; denn er verurteilte mich.
Das war Christentum, das konnte ich be— greifen. Sie brauchte nicht mehr zu predigen, denn sie selbst war eine Predigt. Mehrere Jahre lebte ich mit dieser Predigt zusammen, und die Predigt wurde immer schöner. Zuletzt wurde sie mir zu stark— ich mußte mich bekehren.—
Ja, so kam es.“ 8
Der König kommt. Ein Engländer reiste im Sudangebiet. Er war ein Christ und hielt eben eine kurze Mittags— ruhe in dem heißen Sand, als er plötzlich eine
leichte Berührung fühlte, und als er auffah, er⸗
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blickte er einen alten Scheich der Wüste. Bald waren sie in eine Unterhaltung vertieft. Die Mohammedaner haben ja auch eine Überlieferung, daß ihr Prophet Jesus, der ihnen der nächste nach Mohammed ist, nach dem Auftreten des Mahdi wieder kommen wird. So fragte der alte Mann den Engländer:„Kennst du den Propheten Jesus?“ Der Engländer bejahte es.„Dann kannst du mir wohl sagen, ob Er bald wiederkommen wird?“ Der Reisende sagte:„Ich weiß nicht.“ Damit war aber der Alte nicht zufrieden. Er fragte weiter:„Wird Er in einigen Monaten kommen oder vielleicht nächstes Jahr?“„Das weiß allein Gott, lieber Freund, ich kann darüber nichts sagen, aber das weiß ich bestimmt, daß Er wiederkommen wird.“ Der Scheich schaute den Engländer an und sprach:„Ich will Dir sagen, warum ich Dich danach fragte. Ich hätte so gern, daß Du mir sagtest, wie Er aussieht, daß ich, wenn Er mir in der Wüste begegnet, Sein An- gesicht erkennen und ihn willkommen heißen kann.“
Ja, das ist daheim und draußen unsere herr— liche Aufgabe, die wir vor uns haben, den Menschen zu sagen, wie das Lamm auf dem Throne aus— sieht, daß, wenn Er dann kommt, die Völker der Erde und die, die Ihn beschreiben ließen, wissen, wie sie Ihn zu begrüßen haben.
Napoleon sagte, daß in dem Augenblick der Krise in einer Schlacht alle Reserven in den Kampf geführt werden müssen. Ihr sollt Christi Streiter— scharen sein. Keiner von uns weiß, wann er zur Fahne einberufen wird. Sund wir bereit? Kennt ihr die Worte Pauli? Ich möchte sie so gern zu den meinen machen:
2. Kor. 12, 15: Ich aber will mich sehr gern darlegen und dargelegt werden für eure Seelen.
Apostelg. 20, 24: Aber ich achte der keines, ich halte mein Leben auch nicht selbst teuer, auf daß ich vollende meinen Lauf mit Freuden.
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Der Kohlenträger als Orgelspieler.
Als ich eines Abends in einer Ortschaft Noerlands sprach, zog ein dicht an der Tür sitzender Mann meine Aufmerksamkeit auf sich. Sein Gesicht war so schwarz, daß man ihn für einen Neger hätte halten können. Er trug keinen Überrock, sondern saß in einer Jacke da, deren Armel von oben bis unten zerschlitzt waren. Ob- gleich wir mitten im Winter waren, sah man
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