Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
3ST. 153
Gedenktage.
>ni. 1789 Fr. Joh. Overbeck, Maler, geb.— 1813 Karl Steinhäuser, Bildhauer, geb., Bremen. — 1866 Schlacht, bei Keniggräh.
vie (frnte -es Zahres 1913 im Hrolihmog-" tum Hessen.
lieber die Ernte des Jahres 1913 gibt die Statistik des: deutschen Reiches interessante Ausschlüsse, ans der nach- s.ehende, das Großhcrzogtum Hessen besonders interessierende Angaben entnommen sind.
A. Weizen.
Im Jahre 1913 wurden 31692 Hektar mit Winter- weizen und 1b96 Hektar mit Sommerweizen angcbaut, die einen Ertrag lieferten von 86 308 Tonnen Wintenveizen — 2,79 und 3959 Tonnen Sommerweizen — 2,48 Tonnen auf den Hektar. Im Jahresdurchschnitt 1903/12 wurden nur cr- rielt 2,26 Tonnen Winterweizen und 2,14 Tonnen Sommerweizen auf den Hektar. Den meisten Winterwcizen erzielte Rheinhessen mit 2,99, dann folgt Oberhessen mit 2,72 und Starkenburg mit 2,46 Tonnen auf den Hektar. Bei dem Sommerweizen ist die Reihenfolge Rheinhessen 2,73, Ober- hcsscn 2.54 und Starkenburg 2,25 Tonnen auf den Hektar. Ter Reichsdurchschnitt betrug 1913 beim Winterwcizen 2,35 gegen 2,01 in den Jahren 1903/12 und beim Sommerweizen 2 39 gegen 2.14 in den Jahren 1903/12. Den meisten Weizen erntete Schleswig-Holstein mit 3,25 und den wenigsten Bchern und Elsaß-Lothringen mit 1,74 Tonnen aus den Hektar. ' » • " ' -
v. Rüggen.
Im Großherzogtum Hessen wurden 1913 72 077 Hektar mit Winterroggen und 174 Hektar mit Soiiimerroggen bestellt, die einen Ertrag lieferten von 170 782 Tonnen Winterroggen und 292 Tonnen Sommerroggen oder 2,37 Tonnen und 292 Tonnen Sommerroggen oder 2,37 Tonnen Winterroggen und 1,68 Tonnen Sommerroggen auf den Hektar gegen 2,04 Tonnen Winterroggen und 1,52 Tonnen Sommerroggen in den Jahren 1903/12. Die Reihenfolge ist beim Winterroggen Rhcinhessen 2,80, Oberhessen 2,21 und Star- kenbnrg 2,14, beim Sommerroggen Starkenburg 1,79 und Oberhesscn 1,43 Tonnen auf den Hektar. In Rheinhessen Ivurde kein Sommerroggen gebaut. Der Reichsdurchschnitt betrug beim Winterroggen 1,92 gegen 1,71 in den Jahren 190312 und beim Sommerroggen 1913 1,34 gegen 1,19 irt den Jahren 1903/12. Den meisten Roggen erntete Braun- ühweig mit 2,52 und den wenigsten Württemberg mit 1,57 Tonnen auf den Hektar. * '< • . I.
0. Gerste. .
In Hessen wurden 1913 45 909 Hektar mit Gerste bestellt. die einen Ertrag lieferten von 122 155 Tonnen — 2,66 i' vi'ii 2,25 Tonnen auf den Hektar in dne Jahren 1903/12.
7 ic Reihenfolge ist: Rheinhessen 2,96, Starkenburg 2,55 und " berhesscn 2,29 Tonnen auf den Hektar. Der Rcichsdurch- i.hnitt betrug 1913 2,22 gegen 1,95 in den Jahren 1903/12. Tie meiste Gerste wurde geerntet in Braunschweig mit 2,77 und die wenigste in Westfalen mit 1,63 Tonnen auf den Hektar. v *
D. Hafer. _ > .
Mit Hafer wurden bestellt 52 995 Hektar mit einem Er-
Freitag. den 3. Juli 1914.
7
.Jahrgang
osfcrn Throrruaycrpaares.
Durch den plötzlichen Tod des Erzherzogs Franz Fcrdi- dies die Fürstin Sophie, die in, Juli 1901 geboren wurde.
nand und seiner Gemahlin der Herzogin von Hohenberg, sind die drei Kinder derselben zu Waisen geworden. Es sind
Fürst Maximilian, der 1 Jahr jünger ist und Fürst Ernst der seht gerade 10 Jahre alt geworden ist.
trag von 134 473 Tonnen — 2,54 gegen 2,08 Tonnen auf den Hektar in den Jahren 190312. Die Reihenfolge ist: Rheinhessen 2,95, Oberhessen 2,55 und Starkenburg 2,31 Tonnen auf den Hektar. Der Reichsdurchschnitt betrug 1913 2,19 und 190312 1,86 Tonnen airf de» Hektar. Die beste Haferernte hatte Braunschweig mit 2,97 und die geringste Württemberg mit 1,75 Tonnen auf de» Hektar.
■L. Kartoffeln.
63 814 Hektar wurden mit Kartoffeln bestellt, die einen Ertrag lieferten von 1134 274 Tonnen oder 17,77 gegen 13,50 Tonnen auf den Hektar in den Jahren 190312. Davon waren krank 32 740 Tonnen — 2,9 Prozent gegen 4,1 Prozent in den Jahren 190312. Die Reihenfolge ist: Rheinhessen 18,71, Oberhessen 17,68 und Starkenburg 17,37 Tonnen auf den Hektar. Der Reichsdurchschnitt betrug 1913 15,86 in den Jahren 190312 13,2 l Tonnen auf den Hektar. Die meisten Kartoffeln wurden in Mecklenburg-Schwerin mit 19,54 und die wenigstens mit 10,56 Tonnen auf den Hektar in Württemberg geerntet. -- < - -- ' ’
' lk. Klee. .» ,
21827 Hektar wurden 1913 in Hessen mit Klee bestellt, die einen Ertrag lieferten von 142 811 Tonnen — 6,54 gegen 5,78 Tonnen auf den Hektar in den Jahren 190312. Die Reihenfolge ist: Starkenburg 6,60, Oberhessen 6,52 und Rbeinhessen 6,50 Tonnen auf den Hektar. Der Reichsdurchschnitt betrug 1913 5,63 und 190312 4,82 Tonnen auf den Hektar. Den meisten Klee erntete Lippe mit 7,80, den wenigsten Mecklenburg-Strelih mit 3,76 Tonnen auf den Hektar. ' ' s > •<
> G. 2 n ä er ne. 1 _ \.
8101 Hektar wurden 1913 in Hessen mit Luzerne bebaut mit einem Ertrag von 59 381 Tonnen — 7,33 gegen 6,36 Tonnen auf den Hektar in den Jahren 190312. Die Reihenfolge ist Oberhessen 8,92, Rheinhessen 7,07 und Star- kenburg 6,77 Tonnen auf den Hektar. Der Reichsdurchschnitt betrug 1913 6,62 und 190312 6,01 Tonnen auf den Hektar.
Die meiste Luzerne hatte Schaumburg-Lippe mit 9,96 und die wenigste Mecklenburg-Strelih mit 4,77 Tonnen auf den Hektar.
kl. Wiesen (Heu, Grummet, Ohmd).
93 665 Hektar Wiesen waren 1913 in Hessen vorlianden, die einen Ertrag lieferten von 511969 Tonnen — 5,6? gegen 4,94 Tonnen auf den Hektar in den Jahren 190312. Die Reihenfolge ist Starkenburg mit 5,71 und Oberhessen und Rheinhessen mit je 5,58 Tonnen auf den Hektar. Der Reichsdurchschnitt betrug 1913 5,25 und 190312 4,68 Tonnen auf den Hektar. Die crtragsreichsten Wiesen batte Lippe- Detmold mit 7,66 und die unergiebigsten Anhalt mit 3,20 Tonnen auf den Hektar.
Aus der vorstehenden Uebersicht geht klar und deutlich hervor, daß die Ernte des Jahres 1913 sowohl im Größt,er- zogtum Hessen, wie im ganzen Reiche besser, teilweise sogar erheblich besser gewesen ist, wie im Durchschnitt der Jahre . 190312 und zwar ohne Ausnahme bei allen Früchten. h ' <«-! ? iir - ) i
5 Ans der Heimat.
1. ' * Feiedberg, 3. Juli. Am Sonntag, den 28. Juni hielt d!e
Zimmern,crfter Innung für de» Kreis Friedberg ini Saalbau ihre IX. ordentliche Znnungsversammlung ab. Um \y, Uhr crofsnete der Obermeister Wilh. Füller die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, ganz besonders wurde hierbei des Kollege» lüg. hofniann von Rodheim gedacht, der in der vergangenem Woche in feiner Gemeinde zum Bürgermeister gewühlt wurde, wozu ihm von der Bcrsammlung ein kräftiges „balz Holz Holz her!" ausgebracht wurde. Ferner werden »och die gesandten Glückwünsche des Kollegen Euler ans Butzbach bekannt gegeben, der gleichzeitig der Bcrsammlung die Photo-
Cchittiiikniiirkt ii, VerW
Montaa, den (i. Juli 1914.
Das grüne Aula.
Spionage-Roman von August Weißl.
65 (Fortsetzung).
Herr Professor, Sie werden ja jedenfalls über die näheren Umstände orientiert sein. Was bestimmte Ihre Frau, jur die Gräfin zur Polizei zu gehen.
Das ist nicht so erstaunlich, als es aussieht, meinte der Professor, Sie müssen nämlich wissen: die Gräfin und meine Frau kennen sich seit ihrer Kindheit. Sie sind in derselben Straße ausgewachsen, waren sozusagen Nachbarskinder und haben, wie das in Italien, wo sich das ganze Leben auf der Gasse abspielt —
In Italic»? unterbrach Doktor Martens den Professor. Ihre Frau ist also eine Italienerin? „
Jawohl, ans Neapel —
Pardon, daß ich abermals unterbreche, aber etwas stimmt ;.i wohl nicht. Die Gräfin di Campobello ist doch Ameri- läncrin. So viel ich weiß, heißt sie mit ihrem Mädchen- ,-r.nwn Gibson, und ihr Vater soll ein vermögender Minenbesitzer in Chicago sein.
Ach, warum nicht gar! Keine Rede davon! Sie ist in Neapel geboren, wurde später von Gibson adoptiert, daher Amerikalegende. Meine Frau, die aus sehr bescheidenen Verhältnissen stammt, ist mit ihr in Neapel auf der Straße , ».hergelaufen, als sie beide noch kleine Mädchen waren. Da- t er auch diese Freundschaft. Sie haben trotz der Verschicden- I eit ihrer Veranlagung bisher immer treu zueinander geleiten. Offen gestanden, paßt nur der Verkehr für meine Frau nicht. Eine reiche Weltdame und eine einfache Prass, rssra» sollten eigentlich nicht miteinander gehen, denn >ie Verschiedenheit der Ansprüche, Gewohnheiten und des Milieus tragen Disharmonie in die Familien. Und dann «ich: Diolctta hat eine wilde, abenteuerliche Jugend hinter sich. was mir ihre Gesellschaft für nieine Frau auch nicht sehr wünschenswert macht. Aber schließlich, ich leb« drei Viertel meine« Leben» Im Oaboratoritim. meine Frau ist
soviel allein, und wenn sie einen Verkehr hat, bei dem sie sich wohl fühlt und der ihr behagt, so darf ich wohl schon a»4 Rcchtsgefühl nichts dagegen cinwenden.
Der Professor machte eine Pause. ^
; Doktor Martens erinnerte ihn: i -
- Sie wollten wegen des Armbandes —
Ja, ich bin ganz abgekommen. Also, vor drei oder vier Tagen fragte mi chmeine Frau beim Nachtmahl: „Du, was muß man tun, um einen verlorenen Gegenstand von der Polizei wieder zu bekommen?" ...Hast du was verloren?" fragte ich. „Nein, aber Violetta. Ich habe ihr versprochen, den Gegenstand für sie zu beheben." Und nun erzähfte mir meine Frau, daß die Gräfin vor zwei Stunden furchtbar aufgeregt gekomnien sei und sie beschworen habe, einen Freundschaftsdienst für sie zu tun. Sie habe sie gebeten, das Armband, das sie genau beschrieben, für sie aus dem Fund- bureau zu holen, und hinzugefügt: „Du ahnst nicht, welche Sorge du mir vom Herzen nimmst, wenn du es tust." Meine Frau hatte natürlich eingewilligt und bestand darauf, ihr Wort zu halten, trotzdem ich sie darauf aufmerksam machte, daß dieses Vorgehen eigentlich inkorrekt sei und ihr daraus große Unannehmlichkeiten erwachsen könnten. Sie lief richtig dreimal ins Fundbureau, bis sie endlich das verdammte Armband ganz stolz nach Hause brachte.
Könnte« Sic mir sagen. Herr Professor, fragte der Kommissär, wo sich das Armband jetzt befindet? Ihr« Frau sagte, daß sie es zu einem Juwelier gegeben habe.
Na ja, da hat man's. In Lügen verstrickt sic sich auch noch wegcn der dummen Geschichte. Das ist näintich alles nicht wahr. Ist natürlich nur eine Ausrede, um ihre Freundin nicht zu verraten. Ich selbst mußte der Gräsin telephonieren, daß das Armband bereit liege. Bevor ich ins Laboratorium hinunterging, kam Violetta, und meine Frau übergab chr den Schmuck.
Haben Sie Ihre Frau nicht gefragt, weshalb denn die Gräfin nicht selbst zur Polizei ging?
Natürlich habe ich fte gefragt.
Und welchen Grund gab Ihre Frau Gemahlin dafür an? fragte der Kommissär.
Echte Weibergcschichtcn, brummte der Professor verdrießlich. Alte Liebesgeschichten. Den Weibern ist ja nicht wohl, wenn sie nicht kleine Geheimnisse haben. Tie Gräfin will wegcn ihres Mannes nicht, daß ihr Name mit dem Armband in Verbindung gebracht werde. Im Medaillon befindet sich nämlich das Bild ihres früheren Bräutigams, eines jungen, italienischen Offiziers, von dessen Existenz der Graf angeblich keine Ahnung hat.
Also, Herr Professor, fragte Doktor Martens und stand auf, uni sich zu verabschieden, Sic können nur als Mann dafür garantieren, daß das Armband seiner rechtmäßigen Eigentümerin zugcführt wurde?
TaS kann ich. Herr Kommissär. Ich selbst war Zeuge, wie meine Frau das Armband ihrer Freundin einhändigte.
Das nur zu konstatieren, war meine Pflicht.
Ter Professor geleitete den Kommissär artig bis zu der Türe.
Beim Abschied bat er noch:
Nicht wahr, Herr Kommissär, die Sache ist damit erledigt. Meiner Frau und mir erwachsen doch keine Unannehmlichkeiten?
Gewiß nicht, Herr Professor. Meine Mission ist in dem Augenblicke zu Ende, da Sic dafür cinstchen, daß das Armband sich im Besitze seiner wirklick)«» Eigentümerin, bei Gräfin di Eampobello, befindet.
Neunzehntes Kapitel.
Seit die Baronin Sternburg ihre Schwester zu Gas? hatte, fand sich Baron Spohr fast täglich mit irgend einer Ausrede im Hause ei». Seine schönsten Stunden waren cs, wenn er mit dem reizenden Mädchen ungestört plaudern konnte, plaudern von einer Zukunft, wie sie eben nur Glück- liche in ihren Träume» ersinnen.
(Fortsetzung MbP- /


