Beilage zur „Neuen Tageszeitung."
-r. <»<» | Donnerstag, den 19. Wärz 191^. | 7 Zahrga«U
Gedenktage.
19. März. 1851 Fricdr. Franz III., Grobherzog von Mecklenburg, gcb. — 1862 Wilh. Friedrich v. Schadow, Maler, t- — 1881 Arnold Duckwitz, Bürgermeister von Bremen gest.
Hellische tandeslsypotlselrenvank.
Dem soeben erschienenen Geschäftsbericht der vom Staate ,iea> ündelen und geleiteten Hessischen Landes-Hypothekcn- mk in Tarmstadt für da? Jahr 1913 entnehmen wir fol-
Der Gesamtbestand an unkündbaren Til- nngsdariehen ist auf zirka 13 156 Stück im Betrage - ’ rund 171% Millionen Mark gestiegen. Bon diesem Be» sind rund 66% Millionen Mark zu etwa 3'% Prozent -"ien. der Rest von rund 165 Millionen Mark zu etwa 4% '°rn-ent Zinsen ansgcliehen. Die Vermehrung im Jahre 1913 beträgt etwas über 11 Millionen Mark.
Der Umlauf an Pfandbriefen und Kom - rnunal-Obligationen hat sich auf 170 Millionen Mark erhöht.
Andere als T i l g u n g s d a r l e h e n hat die Bank auch in, Berichtsjahre nicht gewährt. Die Höhe der Tilgung darf jei Hypothek-Darlehen nicht unter % Prozent, bei Kommu- ral-Darleben nicht unter 1 Prozent betragen. Der Wert der linkiindbarkeit der Darlehen offenbarte sich nach dem Ge- ßsüstsbericht den Anleihern gerade in der Zeit ansteigender Pleldvertenernng, weil bei der Bank eine Zinsfnßsteigcrung «nid die Erhebung von Prolongationsprovisioncn ausge- jchlossen sind. Die planmäßigen Tilgungen aus dem Bestand an Hypothekendarlehen haben für 1913 bereits die Summe von rund 856 660 M erreicht.
Dab die Tätigkeit der Bank gerade den kleinen Leuten >md dem Mittelstände wieder in besonderem Maße zugute kam. lassen die Angaben des Geschäftsberichts über die Stllckerlnng der Darlehen und über Stand und Gewerbe der Anleiher erkennen. Nahezu % aller Hypothek-Darlehen kommen auf Beträge bis zu 5000 M, nahezu % auf solche bis zu 10 600 M. Auf Handwerker und sonstige Gewerbetreibende sowie auf Arbeiter entfallen über die Hälfte, auf Landwirte nahezu % aller Darlehen. Rund 876 066 Mark aus Hypothek-Darlehen fanden zur Errichtung von Kleinwohnungen Verwendung.
PreuKilcher Landtag.
Abgeordneten hau».
In der am Dienstag fortgesetzten Beratnng de» Eisen- kabn Etat» schlug Abg. v. Quast stons.s «ine Aenderung de» Vertrages mit der Reichspost vor, der den preutzischen Eisenbahnen ein großes Minus bringe; dadurch könnten di« 72 Millionen Steuerzuschläge überflüssig werden. Dt« preußisch-hessische Betriebsgemeinschast habe sich durchaus bewährt und niüsie beibcholten werden. Die Verstaatlichung aller deutschen Bahnen, die seinerzeit an dem Widerstand der süddeutschen Staaten gescheitert sei, ließe sich heute nicht mehr durchführen.
Eisenbahnminister ». Breitenbach wandte sich gegen die gestrigen Behauptungen des Abg. Stroebel (Soz), daß ein Konjunkturwechsel zur Entlastung von Personal führe. Es sei
der Stolz der Verwaltung, daß da» nicht der Fall sei. Herr Stroebei möchte doch auch seine Behauptungen beweisen, daß Preußen den andern deutschen Bahnen unlautere Konkurrenz bereite. Wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt werden könnten, so solle doch der nach Einführung der Schlafwagen 3. Klasse berücksichtigt werden.
Abg. Eerhardus (Ztr.) gab dem Wunsche Ausdruck, daß bei Neuanlagen darauf geachtet werden möge, daß nicht Sackgasten entstehen, die den örtlichen Verkehr sehr erschweren. Auch die Enlschädigungspslicht der Eisenbahn bei solchen Neuanlagen dürfe nicht zu engherzig gehandhabt werden.
Abg. Dr. Röchling (Natt.) betonte, daß das Eisenbahnministerium tunlichst unabhängig gestaltet würde vom Finanzministerium, darum sei die Verlängerung de» Abkom- mens geboten.
Abg. Eraf M o l t k e (kons.) verlangt« eine vermehrte Einführung von Ausnahmetarisen nach den Seestädten, um unseren Handel und die Industrie konkurrenzfähig mit dem Ausland« zu erhalten.
Der Eisenbahnminister hatte gegen die Ausdehnung der Vororttarise große Bedenken. Die Ausdehnung de» Vorortverkehrs hätte mancherlei technische Schwierigkeiten und würde viele Neubauten bedingen. Es müsse von Fall zu Fall vorgegangen werden.
Abg. Münsterberg (Fortschr.) trat sür eine vermehrte Ausgabe von lbesellschafts- und Sonntagssahrkarten «in.
Daraus schloß die Besprechung.
Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrags der Vudgetkommission aus Verlängerung des Finanzabkommens »us zwei Jahre.
Bei den Ausgaben erbat Abg. Dr. Schmitt- Düsseldorf (ZK.) die Errichtung einer Eisenbahndirektion in Düsseldorf.
Abg. W a l l b a u m (Hosp. b. d. Kons.I forderte die Schaffung mehrerer etatsmäßiger Stellen für Zugführer.
Abg. D e l t u » (Fortschr.) trat sür eine schnellere Bcsördr- rung der technischen Hilfskräfte ein.
Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr: Fortsetzung.
Schluß 5 Uhr.
Hochwasser, Sturm n. Hnwetter.
Aus allen Gegenden werden uns Unfälle genicldet, die durch das Hochwasser und die orkanartigen Stürme verursacht worden sind. Rhein, Main, Neckar, Lahn, Nidda und viele andere Flüsse und Bäche führen Hochwasser, sind über die Ufer getreten und haben stellenweise große Länderstrecken in Seen verwandelt.
Nachgerade nehmen die Ueberschwemmnngcn im Niddatal von Vilbel talwärts bis Nied einen solch gefahrdrohenden Charakter an, wie er seit langen Jahren nicht beobachtet wrirde. Zwischen Praunheim und Hansen sind bereits in imnier breiter werdendem Bett auf die Felder und Wiesen die Wasser ergossen. Zwischen B o ck e n h e > in und Hausen überflutet das Hochwasser die Landstraße in einer Breite von 200 Metern und einer Tiefe von 50 Zentimetern. Da das Wasser noch andauernd im Steigen begriffen ist, mußte die für den Fußgängerverkehr eingerichtete Notbrücke gestern wiederholt verlängert werden. Hauser selbst ist bis jetzt von den andrängendcn Wassermnssen verschont geblieben, dafür aber steigt das Grundwnsser aus der Tiefe hervor und richtet in den Kellern und vor allem in den Mistbeeten der Hausener Gärtnereien und der ganzen Landwirtschaft großen Sck>aden an. Die Sämereien und Frühgemüse in den Beeten sind vielfach völlig vernichtet. Das Hofgut Praunheim erleidet an seinen zerstörten Weizenfeldern bedeutende Einbußen. An die Frühjahrsbestellu'ig. die jetzt bald beendet sein könnte, ist vorerst gar nicht zu den-
Jum Pflugeisen.
Roman von M. Prrgge-BrooL 56 (Fortsetzung).
Schon manche, di«, am Leben verzagend, zu mir kamen, bat meine Anstalt nach kurzer Zeit an Leib und Seele gesund gemacht. Möchten Sie mit mir kommen?"
„Ich bleibe in meines Heinz' Nähe, bis . . ." Marl) vollendete nicht.
Fcnchtwangen verstand sie auch so. Bewegt drückte er ihre Hand.
„Hoffentlich nicht auf Wiedersehen!" sagte er. „Machen Sie es gut: es liegt in Ihrer Hand, ob Sie gesund und j-hrem Jungen eine Mutter sein werden, oder ob Sie sich elbst verlieren. Denken Sie nach und lassen Sie Mut, sonst vird . . ."
Er sckyittelte den Kopf und ging.
Mary sah ihm seufzend nach.
„Ich kann doch nicht", sagte sie zu Erna, die sich über sie beugte. „Ihr wißt ja nicht, wie mir zumute ist."
Das ahnte freilich keiner. Rosemarie nicht auSgenom- men, obschon sic die Einzige war, die den rapiden Kräfte- verfall der Schwägerin wahrnahm. Der Besuch des Professors hatte sie verdrossen. Sie war es nicht gewöhnt, daß man sie nicht beachtete. Dennoch besprach sie sich mit dem Doktor und gab in der Küche an, daß man den Anordnungen der Schwester widerspruchslos gehorche. Sie versprach sich freilich nichts davon. Mary wies nach wie vor zurück, was sie hätte stärken können.
Sie wurde unruhiger in dieser Zeit und lag nicht mehr so teilnahnislos auf ihrem Bett. Erna, die sie aufopfernd pflegte, hätte ihre Apathie lieber ertragen, als dieses rastlose Wandern in der Nacht, das von neuem begann. Umsonst wollte die Schwester sie mit Gewaü zurückhalten. Mary »>lgte ihr nicht. Der Doktor machte ihr die herbsten Vor- Z“Jl e “T b b 5° 6,t ' fcint Besuche einzustellen, wenn sie ihm
mehr Ebre mache. Er begann den. Zustand seiner Va-
tientin für bedenklich zu halten und stellte sich eines Tages Wieder im Oberstock ein.
„So geht cs nicht weiter, Fräulein Rosemarie", begann er. „Sie müssen mir helfen. Frau Sebald verkommt in ihrer Einsamkeit. Wird sie ihrem trostlosen Zustande nicht entrissen, so befürchte ich das Schlimmste."
„Ich habe keinen Einfluß", wehrte Rosemarie.
Der Doktor sah sie zornig an.
„Darum handelt es sich nicht. Ich sage Ihnen, Gefahr ist im Verzüge. Frau Sebald muß an« ihrem Trübsinn heraus, sonst geht sie zugrunde."
„Die Diagnose habe ich ihr längst gestellt. Schädel Ich hätte mehr von ihr erwartet. Daß sie beim ersten Schicksalsschlage versagt, das ist eine Schwäche, sür die ich kein Verständnis habe."
„Sie sind hart, Rosemarie", antwortete der alt« Doktor traurig.
„Nicht hart, sondern gerecht. Verlangen Sie im Ernst, daß mich Marys Schicksal aufregt, nachdem ich meinen Heinz bcrgcben mußte? Für ihn habe ich gelebt, ihm meine ganze Jugend geopfert, jetzt klammere ich mich an seinen Sohn. Er soll mir alles ersetzen."
„Und lasten die Frau, das Liebste, was Ihr Bruder nur besaß, zugrunde gehen?"
„Ich kann ihr nicht helfen. Aber raten Sie, — was soll ich tun? Ich bin zu jedem Opfer bereit, selbst wenn es, wie ich fürchte, nichts nützt."
„Geben Sie Ihrer Schwägerin das Kind zurück. Zwingen Sie sie, sich mit ihm zu beschäftigen. Sie muß von ihren Gedanken abgelenkt werden."
Rosemarie senkte ihr Haupt.
„Ich kann nicht, Doktor, Heinz gehört mir. So lange seine Mutter unfähig ist, ihre Pflicht zu tum trete ich sür sie ein. Dos bin ich meinem Bruder schuldig."
„Sie sollen ihr das Kind ja auch nicht ausliefern. .Hel- sen Sie ihr nur, sich wieder an ihm zu fteuen. Wenn sie den kleinen Bengel siebt, der täalüb niedlicher wird, kommt
sie von ihrer fixen Idee, ihrem Heinz folgen zu müssen, ab. Versuchen Sic's, es ist die höchste Zeit."
Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern entfernte sich init raschen Schritten.
Rvsemarie versank in Gedanken. Sie wußte nicht, was sie tun sollte. Mary ging zugrunde, so oder so. Sie tat ihr leid, aber helfen konnte sie ihr nicht. Vielleicht, wenn sie sie zu Fcuchttvangen gab, Er hatte zwar kein sest's Versprechen gegeebn. Doch Rosemarie war überzeugt, er würde sein möglichstes tun. Und wenn auch dnS nichts hals? Eia grausamer Zug erschien in ihrem regelmäßigen Gekickst „Dann muß sie sterben," sagte sie hart. „Warum ist sie so s^ach und läßt sich vom Schicksal erschlagen?"
Sie ging inS Kinderzimmer, um nach Heinz zu sehen.
Da Mary täglich elender wurde, versuchte die Bürger- - Meisterin energisch einzugrcisen. Eine Zeitlang saß sie jeden Nachmittag bei der unglücklichen Frau, bemübt, ilire Wahn- ideen zu bekämpfen. Leider mußte sie Anfang Mai in ei» böhmisches Bad reisen und die Nichte ihrcin Geschick über- lassen. An eine Besserung glaubte keiner mehr. Nur den Doktor ließ es keine Ruhe. Ihn dauerte das schöne GcsPövf, daS so kläglich unterging. Heimlich lvandte er sich noch einmal an Feuchtwangen und bat ihn um Rat. Die Antwort folgte umgehend.
„Jetzt muß sie auS ihrer Umgebung fort, — und da» unvcrzüglich, wenn es nicht schon zu spät ist."
Wüte: mochte der treue Freund sich auf den Weg zu Rosemarie Sebald. Sie empfing ihn, den kleinen Hein, auf deni Schoß.
„Ist er nicht süß?" ftagte sie, den Buben stolz Prosen- ticrend.
„Und seine Mutter sttrbt", antwortete er traurig.
Rosemarie erschrak. Aber sie konnte es nicht bindert daß ein befreiender Atemzug sich ihrem Busen entrang.
(Fortsetzung folg«!


