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Beilage zurNeuen Tageszeitung.

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J:r. 59

Mittwoch, den 11. März 1914.

7. InljrQutut

Gedenktage.

ÖberseetsCHe Auswanderung aus den ersten europäischen Staaten.

* 102 ,*

VON 10 000 EINWOttKgf? WANOgRIBK AUS:

England Österreich ^ Uiederlanec ^

Russland DeutSChhuiri

11. März. 1897 Prinzessin Marie ttarol. zu Lippe t.

1897 H. Drummond, engl. Theol. und Naturforscher, f.

Por lsnndert Jalzren.

1. März bis 7. März 1811.

Während die österreichische Heeresleitung völlig versagte, Rillte die österreichische Politik wieder einen bedeutenden Er­folg. Metternich, der den Einfluß Rußlands und Preußens, wenn die Entscheidung des Krieges durch deren Truppen her- beigesiihrt wurde, fürchtete, wußte in dein am 1. März zu Ebaumont abgeschlossenen Bündnisvertrag die Bestirmnnng hurchzusetzen, daß keine der Mächte mit dem Feinde ein Son- derabkoiumen treffen oder einen Waffenstillstand oder Ver­trag abschlicßen durfte. Dieser Vertrag sollre auf 29 Fahre gelten.

Der bedauerliche Mangel an Selbstvertrauen Scbvar- senbergs und die geringe Unternehmungslust, die dem Obcr- stuninandicrende» anhastete, ließen die Hauptarmec, die mit stirer Ueberniacht Napoleons Heer erdrücken konnte, zu kei­nen nachhaltigen Operationen kommen. In einer Denk­schrift vom 7. März legte Schwarzenberg seine seltsanien Be- dcnken klar, die im Grunde darauf hinaussiefen, die Blücher- sckvui Unternehmungen abznlvarten und Blücher überhaupt den Ausgang des Feldzuges zu überlassen. Au, 9. März batte die Hauptarmec einige Kämpfe vor Trope? und am 5. Mörz wurde diese Stadt von den Verbündeten zum zweiten Male besetzt, nachdem Macdonald es für richtiger gehalten, der Ueberniacht zu weichen.

Napoleon, der mit Blücher abrcchnen wollte und am 4. März bei Brainc die erste Fühlung mit dem Korps Sacken von der Schlesischen Armee bekam, entwickelte eine rastlose Energie in jeder Weise. In überschwenglichen Aufrufen suchte er das Landvolk zu de» Waffen zu rufen, feuerte er die MaireS an, den Volksausstand zu unterstützen. Eine namenlose Wut packte ihn. als er erfuhr, daß Saissons von General Morean an Wintzingerode und Biilotv übergeben worden war; Morean sollte vor ein Kriegsgericht, wurde auch zum Tode verurteilt, jedoch das Urteil wurde nicht mehr vollstreckt, da inzwischen Napoleons Herrlichkeit zu Ende ging, Aui 5. März gelang es den Franzosen, Reine zu nehmen und an> 6. März ging Napoleon über die Aisne gegen Laon vor, um Blücher daselbst zu fassen, er fand aber bereits die Straße »ach Eckaonne von feindlichen Truppen besetzt.

Am 2. März erhielt Blücher die Nachricht, daß Napo­leon mit bedeutenden Kräften gegen die Schlesische Arniee heranriicke. Das war Blücher nicht unangenehm, weil da­durch die Hauptarmce entlastet wurde, Bor allem strebte nun Blücher die Vereinigung mit den Truppen Wintzinge­rodes und Bülows an, die zu seiner Hilfe von Holland her- angerückt waren. Am 4. März fand diese Vereinigung bei Saissons statt. Wie nicht anders zu erwarte», kam es am 6. und 7. März zur Schlacht bei Craonne, wohin Napoleon nnt seinen Truppen gerückt tuat. Der erste Tag brachte eine Anzahl Vorkämpfe, namentlich Neys gegen die Russen. Der zweite Schlachttag endete allerdings mit dem Siege Napo­leons, aber dieser Sieg verlor für Napoleon seine Bedeutung. Iveil er von seiner ohnehin geringen Truppenzahl fast 8999

Mann einbüßte. Auch die Verbüni len hatten 5900 Mann Verlust, was jedoch bei ihrer Gesamtstärke von 110 999 Mann kaum ins Gewicht fiel. Diese Schlacht war eine der blutigsten der Kriegsgeschichte, ein Ruhmestag sowohl der französischen wie der russische» Armee: auf beiden Seiten wurde mit be­wundernswerter Tapferkeit und heldenmütiger Zähigkeit gekämpft.

Ans der Heimat.-

* Gieße», 10. März. Am Sonntag zogen die ersten ge­flügelten Frühlingsboten, mehrere Züge Kraniche, über un­sere Stadt ihrer nordischen Heimat zu. Alt und Jung freut sich, wenn nach dem langen Winterwetter, das diesmal auch eine andauernde Kälteperiode brachte, die Anzeigen des neuen Lenzes sich mehren, wenn auch unsere gefiederten Sänger sich jetzt wieder einftellen und am 12. April die ersten Schwalben über der Lahn segeln und ihr munteres Gezwitscher hören lassen. Haselnuß und Weidenbaum stehen schon im Blütenschmuck und wenn das Wetter heute auch regnerisch und stürmisch ist, so kann dies unser fiohes Hüffen nicht beeinträchtigen, es bestätigt vielmehr des Sän­gers frohen Lenzesgruß, Der Frühling naht mit Brause», er rüstet sich zur Tat, und unter Sturm und Sausen, keimt still die grüne Saat. Die Seemöven, welche iin Nachtvinter dem Laufe der Ströme entlang ins Land ziehen und mit ihren weitgespannten Flügeln und ihrem schneeweißen Ge­fieder das Entzücken der Zuschauer erregen, wenn sie stolz aus der Wasserfläche schwimmen und sich dann plötzlich in die Lüfte erheben, sind in den letzten Jahren Nicht mehr nach Gießen gekommen. Dagegen haben sich die Kibitze, welche früher nur auf den Wiesen zwischen Rödgen und Gießen und an der Vadeuburg anzutreffen waren, jetzt auch in dem Gießener Felde, »anientlich an der Lahn, ansässig gemacht und im vorigen Herbst konnte mau Schwärme sehen von über 1990 Stück, welch« sich in der Lust, ähnlich den Krani- chen, ihre Kreise zogen, _

* Gieße», 10. März, Die Kunstausstellung am Brand hatte sich am Sonntag eines großen Besuches zu erfreuen, waren doch außer den Bildern von llöbelohde. Biedermann, Bader und Hermann Keil, welcher kürzlich seine Studien hier beendete und jetzt nach Paris übergesicdelt ist, die Werke eines der hervorragendsten Vertreters des Futurismus Franz Marc ausgestellt. Wenn jede neue Richtung auf dem Gebiete der Kunst ihre Gegner hat, so ist es gerade bei dem ersten Auftreten der Futuristen nicht zu verwundern, wenn sich diese Gegnerschaft besonders bemerkbar macht, denn noch immer hält man dasjenige Kunsterzengnis für das Beste, das in seiner Darstellung der Natur ain nächsten komnit. Wenn wir nun plötzlich vor ein Bild treten, das in saftgrün, blau und knallrot prangt und auch noch Gestalten answeist, die man ähnlich wie bei einem Vexierbild erst suchen muß. ehe sie erkennbar sind, dann ist cs wohl nicht zu verwundern, daß die meisten ob solcher Kunst die Köpfe schütteln. So hängt hier ein Bild, das den Eindruck erweckt, als ob ein­zelne Bündeln vierkantiger Hölzer in weiß, rot, grün- und blau kreuz und auer darauf gestellt und geworfen seien: auch wenn man einige Schritte zurücktritt und wieder be­trachtet, hat man dieselbe Auflassung. Man muß sich also auf dem unter dem Bilde befindlichen Zettel orientieren und richtig, da stets, dieses Kunstwerk stellt ein Gebirg dar. Während den, betrachte» zwei Danien von ferne das größt« der ausgestellten Gemälde.Mama", sagt die jüngere,dal ist ein großes Sckuff im Sturm und der dicke Stamm, der schräg durch dasselbe geht, ist gewiß der Mastbaum." Di« Maina wird aus dem EhaoS trotzdenr nicht recht klar, sie gebt näher, betrachtet den Zettel undGott bewahr, das ist ja ein Wald", gibt sie verwundert zurück. Nicht alle Bilder sind f» ganz undeutlich, wenn auch hier und da noch Zweifel be­stehen zwischen einem Kälbchen und einem Wolf, aber wen» uns Pferde in blauer und grüner Farbe entgegentreten, wenn der Himmel grün und das Gras bla» ist und die Wur­zel des Pferdcschweifes viel dicker ist, als sein unteres Ende, dann auä, deijeuige eri'.aunt, der kein ansgc'prochener

Zum Pfiugeiseu.

Roman von M, Prlgge-Brook.

1.1 (Fortsetzung).

Al? der Doktor und seine Frau nach vierwöchiger Ab­wesenheit endlich heimkehrten, saß Heinz auf Tante Rose- riaries Arm.

Der kleine Schelm erkannte die Eltern nicht und es dauerte eine Weile, bis es Mary gelang, ein Küßchen zu er­haschen. Gekränkt wandte sie sich ab.

Die Tante entführte triumphierend ihren geliebten Jungen und vertröstete Bruder und Schwägerin, wie sie sie getröstet:Er wird verständiger werden!"

Der Kleine fühlte sich jetzt im Oberstocke ebenso hei­misch wie unten. Zu Rosemaries Freude blieb es auch so, als er die Eltern längst wieder erkannte. Mary gönnte ihr das Glück, Sie saß jetzt wieder mehr bei ihren! Mann und sah ihm bei der Arbeit zu. Er setzte große Hoffnungen auf das Gelingen der Artikel, sollten sie seinen Namen doch der Ocfsentlichkeit bekannter machen. Der neue Verlag bot gün­stige Chancen.

Im Vorsaal trat Doktor Heinz der Schwester aufge­regt entgegen.

Denke Dir", sagte er glücklich,Professor Liebmann bietet niir die Dozentenstelle bei ihm in Bonn an. Ist das nicht ein großes Glück?"

Du willst nach Bonn?" rief sie erschrocken.Das kann Dein Ernst nicht sein."

Denkst Du, ich werde ewig hier bocken und zuschcn, wie man mich vergißt," unterbrach er sie leidenschaftlich. Ich gehe, Bonn ist der rechte Ort für mich. Endlich kann ich dort zeigen, >vas ich gelernt habe." iUnd unser Haus?" fragte Rosemarie leise.

Das bleibt auf dein alten Fleck, Mein Schwesterchen vertritt die Firma. Wir kontrollieren Dich von Zeit zu Zeit,"

S«s«e scherzhaften Worte taten der Schwester weh. Sie

ßiiff nach seiner Hand.Geh' nicht fort, Heinz, um Deines Kindes willen!" bat sie.Seine Heiniat muß inc Pflugeisen sein. Wie kann er lieben, was er nicht kennen lernt, was nicht zu seinen! Herzen spricht? Geh' nicht, Heinz!"

Ich komme iviedcr! Die Ferien dauern lange. Heinz tvird sich, wenn er größer ist, nach seinem Pflugcisen schnen. Einstweilen denke an mich Ich muß mich betätigen, inuß vorwärts streben, wenn ich glücklich sein will."

Sie trat an ihm vorbei in das Zimnier, in dem der Professor neben der schönen Hausfiau im Sofa saß.

Rjary stellte vor.

Die Schwägerin erwiderte den liebenswürdigen Gruß des bekannten Gelehrten durch ein hochmütiges Kopfneigen: stumm nahm sie Platz und wartete, bis Liebmann sprechen würde, tvas er trotz ihrer Abwehr bereitlvilligst tat.

Ich muß Ihnen Ihren Bruder abspenstig niachen", entschuldigte er sich liebenswürdig.

Ich hosfe, Heinz bleibt hier", antwortete sie ablehnend.

Der Professor entwickelte seine Gründe, lobte den Doktor über das Bohnenlied und schloß damit, daß er keinen liebe- ren Wunsch kenne, als ihn, seinen Schüler, zu seinem Nach­folger heran zu ziehen.

Marys Augen leuchteten. Sie war unsäglich glücklich. Der Gedanke, dieses düstere Hans, das ihr nie eine Heimat geworden, verlassen zu dürfen, ließ sie die Zukunft in dem sonnigsten Lichte sehen.

Leider ivar Heinz' Arbeitskraft nicht mehr die von einst. Er hatte sich auf der Reise nicht erholt und fühlte sich matt ipid müde. Vor Mary verbarg er seinen Zustand. Sie sollte sich nid>t sorgen. Er sorgte ja auch nicht, höchstens, da ihn die stetig zunehmende Schtväche ärgerte und be­schämte.

Zum Müdesein wirr er noch viel zu jung: noch hatte er die erste Staffel auf seinem Wege nicht erreicht und schon sollte er Nachlassen? Gewaltsam bezwang er sein Empfin­den, arbeitete angestrengter denn je, doch ohne rechtes Ge­lingen.

Der Sommer zog ins Land. Rosemarie saß im Garten, den Wagen mit dem kleinen Heinz neben sich, die Kinderfrau abseits auf einem Schemel, in die Wirrnisse ihrer Woll- strickcrci vertieft.

Der Kleine plapperte nach Kinderart, glückselig hört, die Tante ihm zu. Sic war inimer selig, wenn sie ihn für sich allein hatte, und er sich ihre Unterhaltung gutwillig ge­fallen ließ.

Das Psörtchcn klirrte, Mary trat ein. Elastisch schritt sie auf die Gruppe zu.

Bringen Sie Heinz ins Haus", gebot sic der Alten im Borübergehen.Es ist Besuch da."

Besuch?" fragte die Schwägerin, ohne sich umzusehen, scharf. Sie liebte es nickst, wenn die Verwandten den Ober­stock umgingen, um bei der jungen Frau einzukehren.

Professor Liebmann aus Bonn", antwortete Mary lako­nisch. Sic war zu ihrem Bübchen getreten und herzte und küßt? den lieben Schelm.

Was will der Frenide?" fragte Rosemarie erregt.

Sie wisse es auch nicht, versetzte Mary unbewegt.

Die Ruhe der Schwägerin reizte Rosemario und daß si« sie nickst aussorderte, initzukommen, war ihr ein Anlaß zu neuem Groll. Sie konnte sich nicht Helten, sie mochte Mary nun einmal nicht!

Die Alte schob den Wagen mit dem Kinde ins Haus, Die Mutter folgte. Rosemarie blieb einsam zurück. Es litt sie nicht mehr ini Garten. Der Gedanke an den Besuch er­regte sie. Was wollte der Fren-de und warmn verheimlichte man ihn ihr? Verstimmt ssieg sie in ihre Wohnung hin- auf, in der sie momentan allein hauste.

Luise und Erna waren noch nicht zurück. Die alte Mo­nika brachte ihr eine Einladung zu Tisch. Im ersten Augen- blick lehnte Rosemarie gekränkt ab. Doch dann besann sie sich, daß sie erfahren müsse, >vas den Professor hergef.ihrt habe. Sic rief die Alte zurück.

i,Sage, daß ich kommen werde."

(Fortlctzung sotgtl