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2. Beilage zur „Neuen Tageszeitung."

llt. 56

Samstag, den 7 . Marx 1014 .

7

> Jahrgang

Gedenktage.

7. März. 1715 Ew. Chr. v. Kleist geb. — 1795 E. L. v. Gerlach. Oberbürgermeister von Berlin, geb. — 1843 Paul Wagner, Pharmaceut, geb.

8. März. 1838 A. LÄrronge geb. — 1840 E. W. Ed. Knorr, Seemann, geb. — 1841 CH. St. Tiedge t. — 1897 Emil Rittershaus, Dichter, t-

Eine Sonderfahrt nach dem heiligen lande.

1913.

Von Gräfin Marie zu Solins-Roedelheim.

(Fortsetzung).

Wir fuhren an köstlich duftenden Orangcngärtcn vorbei, an denen Blüten und Früchte die Baume zugleich zierten. Wir ließen uns einige von den Früchten köstlich schmecken. Sie waren die Besten, die wir auf der Reife bekamen. In diesen warmen Ländern lernt man auch erst den richtigen Durst kennen und lernt die Dankbarkeit, wenn er gelöscht wird. Die wohlgepslegten Templerkolonicn winkten, Jaffa und Sarona. Die Felder sind gut bestellt. Später kamen wir noch an der Rothschild'schen Juden-Kolonie vorbei, die auch einen gut gepflegten Eindruck machte. Auf jedem Ab- fatz der fchiästenartig ansteigenden Höhen war ein bebautes Ackerfeld. Man sah große Herden schwarzer Ziegen mit lan­gen Ohren, Hirten mit langen Röcken oder zu Pf.'rd, sie er­innerten in ihrer schönen Tracht an den jungen Joseph oder David. Auf den Bahnhöfen von Lhdda oder Ramleh gab es schon allerhand Menschen, die uns Sachen zum Verkauf auboten und andere, die uns um bakschisch angingen. Ein Dolmetscher wunderte durch den Zug, erklärte und erzählte sonderbarsten Geschichten aus der Bibel, in denen es ihm nicht darauf ankam, auch den Jakob etwa einmal zum Sohne Davids zu stempeln. Hassan erklärte uns, daß die Muha- medaner in diesen Tagen zu Mose Grab in die Wüste Juda wallfahrteten, wo es sich nach ihrer Ansicht befindet. Wenn der Tragomann solche Gebräuche der Muhamedaner oder christlicher Konfessionen erklärte, setzte er häufig dahinter: „Jede nach seine Glaube". Ei verkündete uns, daß die Sim- son Höhle bald z» sehen sei. Das Gebirge ist kahl, oft sind es enge Stellen, durch die man fährt. Je näher von Jeru- salem, je mehr runde Steine. Sie erinnern mich an Stehani Steinigung. Es ist uns hier diese Erinnerung öfter ge­kommen. So ain Stephansthor in Jerusalem und wenn wir sahen, daß Männer sofort Steine aufhoben und warfen, wenn halbwüchsige Knaben oder ein Tier nicht gehorchen wollte. Manchmal sieht man auch einen Hirten, mit dem Schäslein auf der Schulter. Dann denkt man an die Gleich­nisse und an den guten Hirten selbst. Man sieht auch auf dieser Strecke schon Weinberge. Der Wein kriecht auf der Erde, hat keinen Stock und soll so besser gedeihen.

Jerusalem war erreicht. Es war Abend geworden. Die Stadt bot von hier aus kein erhöhtes, abgeschlossenes Ganzes und es dämmerte schon.

Die vielen Wagen, ja alle Fuhrwerke, die überhaupt in Jerusalem vorhanden, wirrten sich auseinander. Ein Wagen rannte gleich gegen das Bahnhofsgebäude. Es waren arme, dünne Tierchen, und wurde ziemlich tollkühn gefahren, aber leistungsfähig, wie die Tour nach dem toten Meer beweisen sollte.

Im Hotel Fast hatte ich ein unerhörtes Glück, eine Stube mit einem Schrank, um den ich schwer beneidet wurde. Des Abends ging ich noch mit vier anderen durch die dunklen Straßen Jerusalems, Mauern, überwölkte Straßen, zwei Backofenstellen in Gewölben, von ferne ein Cafä, das war das, was man so ungefähr erblickte. Es hatte beinahe etwas unheimliches. Slber diese schöne, weiche LuftI Man hatte auch da schon die Empfindung von der großen Vergangen- heit, die in die Gegenwart, fast überwältigend hincinragt. Den nächsten Tag ging es zur Besichtigung der Grabeskirche mit ihrer wirklich schönen Fassade. Auch der erste Blick hin­ein, wirkt nicht unsympathisch. Das Innere erscheint auch da noch nicht zu überladen und ehrwürdig, nach meiner Meinung: andere Stimmen wurden jedoch auch laut da­rüber. Wenn man aber die Baulichkeit näher besieht, ist man nicht angenehm berührt von dem Getriebe an dieser heiligen Stätte. Ich schweige am liebsten ganz darüber. Legenden werden erzählt hier und dort. Man geht einzeln nach und nach in's heil. Grab. Ernst und still geht es da vor sich. Ich als die letzte mit zwei Herren von etwa 70 der einen Gruppe, kann es beobachten, mit welch ernstem A»s- druck alle' heraus kamen. Das ist eindrucksvoll. Innen wird uns nicht viel Zeit gelassen, es zu besehen, die nächste Gruppe wartet. Wir besehen andere Gräber mit kleinen Wachskerzen in der Hand. Wir steigen eine steile Treppe hinab und der Fels von Golgatha wird uns von unten ge­zeigt. Blinde Bettler belästigen uns. Oben aus Golgatha steigt man hinauf, höher als die übrige Kirche. Dort bewun­dern auch manche den geborstenen Fels. Mich ergreift ein Grauen bei den hergeleierten Erzählungen. Ich freue nüch, daß es nicht Ostern ist, und wir hier in der Kirche wenigstens nicht viel vom Streit der Konfessionen spüren und sich nickt noch mehr Menschen auf den engen Straßen drängen, wo wir schon kaum zusammen bleiben können. Ten nächsten Tag haben wir Sonntag Cantate, die Griechen haben Palmsonn­tag. Es vergeht einem hier wohl die Lust, die Eiinnertings- stätten zu vergöttern, wenn man diese Lust überhaupt hatte. Mir lag das nicht nah, aber gefreut hätte ich mich doch, hier einen weihevollen Ort zu finden. Den findet man nicht. Man weiß es vorher, aber doch ist man überrascht, es so drastisch verwirklicht zu finden. Später waren wir noch auf der GrabcSkirche, wo wir sechs Kuppeln sahen und die Größe der Kirche besser beurteilen konnten. Wir hatten einen wei­ten Blick von dort. Gern wäre ich später noch cinnial hier­her gekommen, doch dazu fehlte die Zeit. Nachher fanden sich die drei Teile der Gesellschaft allmählig in der Erlöserkirchc wieder zusamnicn. Sluf des Dragoniann's Wunsch sangen wir dort: „Wie schön leucht uns der Morgenstern", dies Lied in seiner schönen Bildersprache paßt in die orientalische Denkweise, besser, wie nianches andere, stelle ich mir vor.

Auch der Turm mit schöner Aussicht wnrdc bestiegen. Oben sind 4 kleine Altane mit interessantem, weiteni Blick. Nachher besahen wir »ns einen ganz bewachsenen Kreuz­gang, der dein ehemaligen Johanniter-Ordenshause angc- hört hatte. Es war ein poetischer Aufenthalt, gern wäre ich dort länger geblieben. — Nun begab man sich zi»n Mittag­essen. Hotel Fast macht keinen modernen, aber einen ganz gediegenen Eindruck. Vorn vor der Haustüre, zu der eine Treppe hinunter führt, warten Dragomänner, Schuhputzer und allerhand Volk, die ihre Dienste anprcisen, sobald man

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erscheint. Das Wort „Herr Kaiser", dar Name des Reise- Iciters, wirkt aber Wunder, dann fliehen diejenigen, die un­gebührliche Forderungen machen wollten und solche, die nur lässig zudringlich waren.

Am Nachmittag fuhr ein Teil der Gesellschaft nach Bethlehem. Ein Herr laS uns Karten por, ans die er Gerockschc Verse geschrieben hatte. Die Verte sind so sehr schön und in die dortige Stimmung passend, ich setze deshalb hier einen hin'

„Führt mich ein zu Zions Toren,

In des großen Königs Stadt,

Die Jehova sich erkoren Und zur Braut gekrönet hat;

Pilgernd komm ich aus der Ferne lieber Meer, Gebirg und Run,

Babels Gärten ließ ich gerne,

Zions Herrlichkeit z» schann!

Doch wehe, wo sind sic die heiligen Hallen?

O Fürstin der Städte, wie bist Du gefallen.

Wie liegst du zerschmettert !n Moder und Grauen."

Das galt Zion. Nun noch einen i'ck.r Golgatha, da? wir den Morgen schon besucht hatten, schmerzlich berührt von dem dortigen Getriebe. Darum ist mir dieser Be? doch aus dem Herzen gesprochen:

„Durch manche Länderstrecke Trug ich den Wanderstab,

Don mancher Felsenecke Schaut ich in's Tal hinab;

Doch Über alle Berge,

Tie ich ans Erden sah.

Geht mir ein stiller Hiigek,

Der Hügel Golgatha.

„Dorthin", so heißt der letzte Der? des Gedicktes: Dorthin mein Erdeupisger,

Tort halte süße Rast:

Tort wirf dem Sündeniilger Zu Füßen deine Last:

Dann geh und rühme selig,

Wie wohl dir dort geschah:

Der Weg zum Paradiese,

Geht über Golgatha.

lFortsetzung folgt).

Wochenschau.

Das Hinkcheiden d«e Kardinals Kopp — Die Gefahr im Oste». — Das Fürstentum Albanien. — England und Amerika in Mexiko.

Unter den wenigen Kardinalen deutscher Abkunft hält der Tod augenblicklich reich« Ernte. Dem Salzburger Erzbischof Katschtaler ist in dieser Woche auch Fürstbischof Dr. Kopp ge> folgt. Wie so mancher katholische Kirchenfurst aus kleinen Ver. hällnisien heroorgcgangen. hat er es durch eisernen Fleiß uni hervorragend« Klugheit bis zu einer der höchsten Staffeln der Hierarchie gebracht, und mit der Fürsorge für die kirchlichen Dinge paart« sich bei ihm das lebhaftest« Interesse für die ist, fentlichenn Dinge. Mehr wie einnial hat er dem Staat« in schwierigen Situationen hervorragende Dienst« geleistet und ebenso war er einer der ersten aus dem Gebiet« sozialer Arbeit. Sein« diplomatische Gswaiidtheit machte ihn auch geeignet, alt

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