Nr. 47
Neue Tageszeitung. Mittwoch, ocn SS. A«drnar 1914.
Seife 9
* Nidda, 25. gebr. Von heule bis 12. März findet im
Gasthaus« ,Lur Traube" ein Kursus für Säuglingspflege und Mutterschutz statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Leiterin des Kursus ist die Schwester Hedwig non Below.
* Schotten, 25. gebt. Eines eigenartigen Todes starb «in« altere grau in Gedern die bei einem Gang durchs gelb .inen Anfall erlitt, niederfiel und im tief durchgeroeichten Ackerschlamm anscheinend erstickte.
* Frankfurt n. M., 25. Febr. Konsistsrialpräsidenk Dr. Ernft-WieSbaden gab gestern auf der diesjährigen evan- ael!s-.h.lutherischen Stndtsffnodo bekannt, daß das Konsisto- riiini eine Vorlage über di > kirchliche Eingemeindung von zehn Franlfnrtcr Vororten i» den Bereich de? Kcnüstorial- bczirk-s Frankfurt in Vorbereitung habe. ES handelt sich icin die Vororte Vödelbeim. Heddernheim (znnc Wiesbadener Bezirk bisher gehörend), Bockonbeim, Berkersheim, Eckenheini, Eschersheim, Ginnheim, Prannheini, Preungesheim und Seckbach (der Easselcr Diözese Hanau zngeteilt). Die Stadtflncht der Wohlhabenden führt den genannten Vororten erhebliche Steuern zu belastet indirekt aber die alten Frankfurter Gemeinde mit immer größeren Ausgaben. Dtirch die Eingemeindung, dis den Frankfnraer Verwaltungsapva- rat bedeutend vereinfacht, erleidet da« Konsistorium Wiesbaden einen jährlichen Ausfall von 2000 M, das Easselcr Konsistorium einen solchen von 11 000 <U, Summen, die von der hiesigen Bezirkssvnode zu entschädigen wären.
* Frauksnrt a. M., 95. Febr. Im ehemaligen Land- kreise Frankftirt hat die Nidda, die seit Freitag steigendes Hochwasser führt, weite Landstrecken überflutet. Zwischen Deckenheim und Hausen gebt da? Wasser über die Land- strafte, der Straftcnbahnvcrkehr mutz vorerst dicrch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Für die Fuhgänger ist eine lange Notbrücke errichtet. In Praunheim sind mehrere Häuser von, Wasser cingeschlossen, die Keller mutzten heute früh geräumt werden. Auch in der südlichen Wettera» hat die Nidda grotze Gebiete überschwemmt. Die Gemeinde Harheim bei Vilbel ist vom Verkehr abgeschnitten. Wenn auch die Fluten bin und wieder etliche Schäden anrichten, im allgemeinen begrüßt man das Hochwasser, da es allein im Stande ist. dem überhand nehmenden Ungeziefer den Garaus zn machen.
Heffen-Naffau.
* Bad Homburg, 25. gebt. Nach vorläufigen Schätzungen wurden im Obertannus sechs Millionen Mark Kapital mehr für den Wehrbeitrag angemeldet als die amtlichen Schätzun. gen bisher annahmen.
» «ad Homburg, 25. gebt. Hier ist jetzt di« amtliche Mitteilung eingetroffen, daß das Kaijerpaar in der ersten Woche nach Ostern zu längerem Aufenthalt auf dem hiesigen Schlöffe eintrifft.
' Die Provinz Hessen-Nassau und die Maul, und Klauenseuche. Wie aus der letzten Statistik über di« Maul- und Klauenseuche hervorgeht, herrscht die Seuche im Regierungsbe. izirk Kassel immer noch in einem Kreise, und zwar im Kreis« Hanau, wo ein« Gemeind« mit einigen Gehöften von der Seuche ergriffen ist. Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist dagegen nach wie vor von der Seuche gänzlich verschont. Bedeutend unigllnstiger ist es dagegen mit der Schweineseuche und Schweinepest bestellt. Diese Seuchen sind im Regierungsbezirk Kassel noch inrnier stark verbreitet, sie herrschen in einer großen Anzahl von Gemeinden fast in allen Kreisen des Bezirks.
* Cronberg, 25. gebt. Nachdem das Scherlffche Einschie. renprojekt, das die am Südfutze des Taunus belegenen Städte iiit einer elektrische» Bahn verbinden sollte, endgültig abge- sthnt ist, hat di« granlfurter Lokalbahn-Aktiengesellschaft sich »am Staat dt» Erlaubnis zum Bau einer elektrischen Straßenbahn von Cronberg nach granlfurt nachgesucht und bereits «r- g g——s
halten. Die Bahn wird von hier st» geleitet, daß bei Rieder- urfel in di« von Oberursel kommende Linie der Gesellschaft geführt wrrd. Der Bau, der technisch leine Schwierigkeiten bietet, soll innerhalb zwei Jahren vollendet sein.
* F. C. Wiesbaden, 25. Fcbr. Fast keine Woche ver- peht, in der nicht ein oder gar niehrere Buchmacher »nb ihre Helfershelfer sich vor der hiesigen Strgfknmmer zu verantworten hohen. Nur dnnch erenivlarische Strafe» will das Gericht deshalb jetzt diesem strafbaren Treiben abbekfen. Gestern standen unter der Anklage der Beihilfe zur Buchmacher»! vor den,. Strafrichter der Glasmaler Arnold und der Zigarrenhändler Heinrich Brenner, beide von Wiesbaden. Ersteren. der in hiesiger Stadt einen erheblichen 11m- sntz erzielte und wie ihn selbst die Polizei bestätigte, als reeller W»ttvennittser bekannt war. wurde mit einem Monat Gefängnis und 1000 Geldstrafe verurteilt. Bremser, der von ihm gesammelte Wetten an Arnold weitergab, wohl- wissend, daß sie an den Buchmacher Soll» Meyer in Luzern gelangten, kam mit einer Mache Gefängnis und 300 Geld- strafe davon.
* F- C. Wiesbaden, 25. Febr. Im Fahre 1911 war der Kaufmann Fritz Wilde ans Wiesbaden mit dem Kaufmann Ernst TbieS. früher in Dortmund, jetzt in Bonn, in Der- Handlung getreten zwecks Eröftnnng eines-Lagers in Wies- baden. Wilde wurden von seinem Anstraggeber 900 ,« bar zur Beschaffung des nötigen Inventars und für 1000 M Zigarren z»m Weiterverkauf zur Verfügung gestellt. Weil
f er die Waren zum Spottpreise verkauft, keine Möbel ange- schafft, seinem Auftraggeber keinen Heller ans dem Zigar- renerlö? gegeben hat, nabm ihn die Strafkammer in fünf
* Herborn, 24. gebe. Dt« Tausendjahrfeier der Stadt ftn. d«t am 30. und 31. August d. Is. statt: sie soll in erster Linie den Charakter eines großen Heimats- und Volksfestes tragen.
* Kassel, 25. gehr. Einem Verbrechen ist man in der Nähe von Zimmersrode auf die Spur gekommen. Zwischen den Stationen Walterbrück und Schlierbach ist an der Bahnstrecke von einem die Streck« ahgehendon Bahnwärter ein halbjähriges Kind mit durchschnittenem Hals aufgrstinden worden. Der Bahnwärter meldete den Vorfall sofort seiner Vorgesetzten B«. Hörde. Die Untersuchung ergab, daß das Kind zweifellos au, dem Zug« geworfen wurde.
Aus Starkrnburg.
* Darmstadt, 21. gebt. Wir meldeten vor einigen Woche« die gestnahm« des Studenten ing. Alois Keller an der Tech«. Hochschule dahier wegen Diebstahl Er wurde dabei erwischt, wie er au, der Garderobe der Techn, Hochschule dahier ihm
| nicht gehörige Bücher entwendete. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man noch Uhreu, Bücher usw., di« ebenfalls ge- stöhlen waren. Er hatte sich deshalb gestern vor der Strafkam. mev zu verantworten. Er gibt di« Tat zu, will aber aus einem ihm unerklärlichen Zwang gehandelt haben, ander« Gründe kann er nicht angeben. Da er di« Sachen nicht verwertete, hat er tedenfall» nicht in Not gehandelt, zudem er aus achtbarer gamilie stammt. Er stand jetzt vor dem Diplom-Examen, hat sich aber fein« Zukunft verdorben. Er wird zu 5 Wochen G«. sängnis verurteilt, die durch di« Untersuchung als verbüßt erachtet werden.
* Dieburg, 24. gebt. Hier hat sich tn einer Wirtschaft et«
bei einem dortigen Bäckermeister beschäftigter Gesell« erhängt und gleichartig «inen Schutz aus einem Revolver in den Kopf hergebracht, fodaß nach kurzer Zeit fei« Tod erfolgt«. Er ist gebürtig aus Berlin, lleber di« Beweggründe zu der Tat ist man im Unklaren. Tags zuvor war er noch auf einem Maskenball und ist es möglich, daß verschmähte Liebe damit zusam. inenhängt,
* Königstädten, 24. gebt. Der 18jährig« Landroirtssohn <5. Hessen«r wollte Spatzen schießen und hatte zu diesem Zweck feine gliivte geladen. Als er in den Hof hinabging, glitt er
Versteigerung.
Wegen Aufgabe der Oelonomie kommen Donnerstag den 6. Mär, 1314, vormittags 10 ithr nachfolgende Gegenstände legen bare Zahlung öffentlich meistbietend zur Versteigerung:
2 Zweispänner voll ft. Wagen mit Ernteleitern, 1 cöalbverdeck, 1 Walze, 1 Tezimattvaae, mehrere Eggen NN» Pflüge, 1 Pfuhlfatz, l Häckselmaschine,
1 Fegmühle, 1 Dicklvurzmühle, l Vbftketter, Pferdegeschirre und Decke» sowie verschiedene andere landwirtschaftliche Geräte, ferner einige l00 Zentner Stroh und He».
Karl Jung,
_ Ostheim bei Butzbachs_
^diktaUadung.
Aus den Immobilien Gemarkung Heldenbergen gl, I. Nr. 792, 59 qm, Hoiraite das Ort und gl. I. Nr. 792,5, 50 qm, Erab- ga ten da eibit sind im Hppothetenbuch der Eemarluug Hetdenbergen noch zwei Hypotheken eingetragen und zwar für Löv Spcier Witwe zu .Oeldenverae» wegen einer ausgellagten gorde.uug von fl. 58 46 Kr. ncbst Kosten teil dem 29. Juni 187t Band II. Leite 218 Nr. 217 des Hypothekenbuchs, und für Aron Speier zu Heldenbergen wegen eines Darlehens von 100 fl. seit dem 27. August 1884 Band II. Seite 255 Nr. 254 des Hypothekenbuchs.
Die e Hypotheken sind angeblich bereits bezahlt, die Urkunden sind aber nicht mehr vorhanden.
Es werden alle Personen, die Ansprüche aus den Hypotheken bilden zu tönnen glauben, auigesordert, dies innerhalb 6 Wochen bei dem unter,eichneten Gerichte zu tun, wiorigenjalls die Hypothe- dn gelöscht weiden.
Aricdberg» den 20. gebruar 1914. ,
Eroffhertogtiches Amtsgericht.
Zur Frühjahrssaat cmplcftlc:
Sommerweizen Bl 6 jnphet per 100 kg M. 23 . svalöss Goldregenhafer per 100 kg M. 21 . svalöfs schwanenhalsgerstc per 1 h 0 kgM .21 mit Sack. Versand gegen Nachnahme.
Rudolf Rick, Heuchctticim ('Mttflu).
Verloren.
Eint goldtiie Jameinihr
mit Lederarmband-wurde gestern nachmittag aus der Kaiserstraße zu griedberg i. H. verloren. Gegen Belohnung aus der Exped. der Neuen Tageszeitung abzugeben.
°Ä, Mädchen!
fUs Land gesucht. Näheres griedberg, Kaiserstraße 33 pari.
ZaDerpallituni;.
Kamstag, de» 38. d.Mt»., nachmittag« tt'/i Uhr wird die hiesige Eemeindejagd nochmal? verpachtet und zwar in 2 Abteilungen.
Borsdors, den 23. gebt. 1914 Erotzh. Bürgermeisterei Borsdors.
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Schwalheim, bei griedberg.
an der letzten Treppenstufe aus. das Gewehr entlud sich un» dt« Ladung ging dem Unglücklichen direkt m di« Schläfe. E, war auf der Stelle tot.
* Jugenheim, 25. gebr. Wohl fein« Gemeindejagd dürfte weithin ein« solch enorm« Preissteigerung bei ihrer Neuverpachtung erfahren haben w!« die der hiesigen Gemeinde. Wahrend si« bisher nur 855 D!arl kostet«, wurden bei der letzten Verpachtung durch Herrn gr. Hch. Klippel zu Partenheim Mk. 2400 geboten.
AuS Rheinkrffcn.
* Mainz, 2l. gebt. Die von der Stadt Wiesbaden projektiert« Bahn Wiesbaden—Schierftein—Niederwalluf in Bei Lin. düng mit einer wirtschaftlich bedeutungsvollen Linie noch dem Schiersteiner Hasen beschäftigt zur Zeit eingehend die hicsige Eisenbahndireltion hinsichtlich der Möglichkeit eines Anjchluf. jes an den Staatsbahnhof Schierstein, der für die dort äuge, siedelte und anzusiedelnd« Industrie von größter Bedeutung ,st Bor allem hat zunächst die Eifenbahndirektion den Punkt eine, eingehenden näheren Prüfung unterzogen, ob sofort oder in Kürze der Staatsbahnhof Schierstein umgebaut oder höher gelegt werden muß und ist man zu dem Ergebnis gekommen, daß auch bei einer voraussichtlichen Höherlegung des Staatsbahn. Hof» der Anschluß wohl durchführbar ist. Da aber, noch weiter« gragen der Erörterung und Beratung bedürfen, sind die Verhandlungen noch nicht beendet, doch iveroen si« für die Stadt Wiesbaden zu «in«m guten Ende geführt werden.
* Mainz, 25. gebt. Das hiesig« gußartill«rieregim«nt Nr. 3 feiert am 14. Juni d. I. f«in 5vjähriges Bestehen. Die ehe. malig«» Angehörigen des Regiments werden hierzu zahlreich erscheinen, denn jeder Artillerist ftout sich daraus, das alte lieb gewonnene Regiment und das „goldene Mainz" einmal wio- der zu sehen. Am 14. Juni, einem Sonntag, ist Negimentsap. pell, Parade und gesteffen, am 15. Juni geier innerhalb be> Batterien und am 18. Juni Dampferfahrt nach dem Niederwald.
* Bingen, 24. gebt. Die grau eines hiesigen achtbaren Bürgers, di« schon längere Zeit an Schwermut leidet, entfernte sich tn Begleitung ihres Töchterchen» aus ihrer Wohnung und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt.
* Osthofen, 24. gebr. Den reichsten Kindersegen in Rhein, heffen dürfte eine hiesige Arbeiterfamilie haben. Dieser Tage bracht« greund Adebar dem glücklichen Vater das 19. Kind. Der Mann ist nicht etwa mehre« Mal« verheiratet, sondern lebt tn glücklichster erster Ehe.
Neueste uud Drahtnachrichten.
Eine ganze Familie vergiftet.
»k. Hamburg, 25. Febr. Als gestern morgen. Kunden bei dem Milchhändler Lüdders Am kleinen Schäferkamp erschienen, fanden sie die Tiir verschlossen. Man öffnete die- selbe gewaltsam und traf die aus Vater, Mutter und vier Kindern bestehende Familie noch in den Betten liegend an. Eine 19jährige Tochter war bereits tot, während Vater, Mutter und eine Tochter ohne Besinnung dalagen. Von der Polizei wurde Erkrankrcng durch Vergiftung festgcstcllt. Man nimmt an, daß Vergiftung durch Genuß verdorbener Speisen vorliegt. Mord oder Selbstmord scheint fo gut wie ausgeschlossen.
Frankfurter Wetterbericht.
Voraussage: Wolkig, zeitweise heiter, trocken, sonst stellenweise Nachtfrost, östliche Winde.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg: für den lokalen und unterhaltenden Teil: Bernhard Lenz, Friedberg: für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tagc-s- zeitung", A.°G„ Friedberg i. H.
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