Ausgabe 
3.2.1914
 
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?!r. 28

Beilage zurNeu en Tageszeitung".

Dieusiag. den 3. Februar 1914.

)aisrannq

Gedenktage.

Z. Februar. 1721 öltnerol Wilh, von Seidlrtz geb, 1805

Minister v. Manteuffel geb. 1800 F. Meirdclsfohu.

Bartboldy geb. 1815 Ernst Adam v. Wildrubriich geb.

ZUM Petroleum Dttonopo!.

DasKasseler IafleW«tt" bringt i» ftintm Handrlstetl ei. r«n inteiessanten Artikel ,.3um Petrolerrm Monopol", den wir zrim Abdruck bringen, um zu »eigen, wie sich dem Monopol die grötzten Schwierigkeiten enigegensiellen durch dt« Vertrustung der Pctrolcumgewinnung

Wohl selten haben sich der Durchführbarkeit einer Kesetz- cntwurse» so unüberwindliche Schwierigkeiten entgegengestellt, al, demjenigen für rin Reichs.Petrolerrmrnonopol Denn trotz >weler langwieriger Kommissions-Lesungen blieben die grund- legendsten Aragen. welche di« Preis« bestimmten und di« Ver­sorgung regeln sollten, ungelöst. Anfänglich hasste man. die Versorgung des Reiches mit Leuchtöl unter Ausjchlutz der ame­rikanischen Standard Oil Company ermöglichen zu können. Im Lause der Zeit haben sich jedoch die Verhältniff« hinsichtlich der Produktion und de» Absatzes in den für den Leuchtölbezug in Frage kommenden Ländern derart gestaltet, daß es heul« ein Ding der Unmöglichkeit ist, die für Deutschland erforderlichen Pr-troleummengen ahn« die Standard OU Eoinpany z» bejchrf- frn. Haben doch di« jüngsten Ereignisse am Petroleummarkt zu, Genüg« gelehrt, datz das angeblich an Erdölen überaus reiche Rutzland nicht einmal in der Lag« war. seinen eigenen Vcdars zu decken. Er mutzt« sogar dazu übergehen, ganz erheb, lrch« Quantitäten amerikanischen Heizprtroleums auszukausen rnd was gewitz viel sagen will di« zollfrei« Einfuhr von »loh- und Heizpetroleum zulasten. Ferner ist auch aus di« Lie< kerungen sciken« Oesterreichs, dessen Produktion beständig zn- nickgebe, kaum noch und auf solch» »US Rumänien im Gegensatz ,»r urjprünglichen Annahme nur noch ln erheblich beschränktem Platze zu rechnen. Die Leuchtvl-Ausbeul« der Steaa Romana. in welcher di« Deutsche Bank interessiert tst, hat im letzten Jahr te»e Erhöhung erfahren. Dies« Gesellschaft dürft« mit unge- mhr 100 000 Tonnen auch wohl da, einzige rumänisck^ Unter- nehmen bleiben, weches einem deutschen Monopol liefern würde, lwar existiert in Rumänien noch ein« grotz« Gesellschaft, di« Taman« Amerivana, deren Produktion von Jahr zu Jahr sieigt. Vom Reiche wird offenbar angenommen, datz e» auch dicje Produktion als sichere Lieferung jür den Reichsbedarf de­rb,lfichtigen kann. Da es sich hierbei aber um ein« Tochter-Ge.

; pickaf, der amerikanischen Standard Oil Company handelt, alrd man kaum damit rechnen können, datz di« gehegten Hosf- ruagen in Erfüllung gehen werden. E» bleibt dem Reich dann eben nur übrig, die ungeheure Menge de« ungedeckte» Bedarfs von 650 000 Tonnen Leuchtöl aus Amerika zu beichasfen. Di« Erwartung, hiervon einen grotzen Teil von amerikanijchn so. genannte» unoblmngigen Eesellichasten geliefert zu erhalten, hat jedoch in jüngster Zeit lnsosern «inen argen Stotz erlitten, als derariig« Gesellschaften, wie zum Beispiel di« Texas Oil Com­pany aus Ivelche man besondere Hoffnungen gesetzt hatte, sich mit der Standard Oil Company verbunden haben und somit al« Lieseranten für ein deulschs Monopol ausscheiden bürsten. Jeder unbefangen« Kenner und Beurteiler wird sich der Einsicht «Ich, verjchliehen können, welch unberechenbarer Schaden cnt- j-ehen wird, wenn man aus blotze Hoffnungen und Voraussctz. unzen hin die Versorgungssrage al» gelöst betrachten will. Es mich deshelb Sache de, Reich,»,«« sein. »or,rt»il»fr«i dies« e, äte Frag« qründltch zu »rifen und kbarantie» sür die Vcr-^

sorgungsnwgltchkeiten zu verlangen. Wenn dies« aber nicht vor­handen sein sollten, wird nicht daran }u zweifeln sein, datz der Reichstag im Interest« der deutschen Verbraucher lieber auf das ganze «besetz verzichtet.

(fniif dts LianptMts Pirüöifc.

iiirrf) die Verlegung de« Graditzer Hauptgesn'its nach AI tose Id gewinnt dies alte beriihnrke Zuckststntte für die Provinz Heflen-Nassm, erhöhte Bedeutung. Do.» Kradiber Gestüt reicht in seinen Anfängen in da» Jabr >68» zurück, al? Kurfürst Johann Georg TTT. von Sachsen an den bei Tor- gau in der Provinz Sachsen belegnen Vorwerke» Repitz, Vleesern und Grabitz eine Stuterei anlegte. Die Gradiber Ställe erlangten vor den anderen bald überragende Bedeu- tung und wurden 1723 dem König Atignst dem Starken von Sachsen zum Landesgestüt ausgestaltet, Al? Gradib 18,5 an Preusten überging, waren seine Ställe verödet, sämtlich,' Pferde bi? auf eine Stute, hatte Nat'vleon geraubt. Die Vrentzische Negierung beaustraatc den damalige» Oberland- ftallnieifter von Jagow mit der Wiedererrichtung des Ge- stüt?. Dieser bat in jahrzehntelanger Arbeit Grdditz neben Trakehne» zu dem bedeutendsten Gestüt Deutschland» er- bobeu. Al? eigentlicher Schöpfer de? modernen Gradib gilt jedoch Graf Lrbndorff, der von 186 g hjz p»r wenigen Jahren liier glänzende Zuckiterfolge dadurch erzielte, dasi er nech dem Grundsätze bandelte, nur Vollblutbenasle erster Klaffe können wirklichen Nutzen britigeli. Für Riesciisninmen führte er die edelsten Patertiere dem Gestüt zu, Es fei mir an die in allen Züchterkreisen bekannten .iSniofte Tb' Palmer, lsba- mnnt. Et, Gatien und Eariraae erinnert. Tedes dieler Tiere kostete rund 300 000 M. Aitch der berühmte Nennstall ist Graf Lebndorss» Werk. .Hervorragender Wert wird von jebcr auf die fehlerfreie Pescha!kenbeit der Zuchttiere gelegt. Jährlich zog Gradib10 Bollblutfoblen. die el? Zwei- iabrige znin erstenmal die Nennbobnen betraten, um als Drei- und Vi"riäbrige die Höbe ihrer Leistungsfähigkeiten zu erreichen. An? züchterischen Gründen zog inan dann da? Material von der Nennbabn zurück. Tie Hennste gibt Gradib fast ansnabnislo? an die Gestüte ab. während die Stuten zu Zuchtstnecken Verwendung finden Da? nnaeeianete Me!c- rial wird ans den bekaimten Gred!><er Psllbkntnuktionen verkauft, bei denen Preise bi? zu 10 MO .ff für ein Tier keine Seltenw-it sind. Zn Gradib gehören noch drei Güter, ans denen Stnt'oblyn gezogen werden. Die Auktionen bringen der Gestütskaffe jährlich 100 -120 000 ein.

So erhält Hessen-Nassau durch die Ansiedlnng des kbrstiits in Alleseld eine neue wirtschaftliche Quelle ersten NangeS. deren Segen in wenigen Jahren int entlegen­sten Torle 311 spüren ift und der heimischen Pferdezucht znn> - grötzte» Vorteile gereicht. rh. j

5fr öfflinn der arolffn fnirtiiöiriiiMlwoilif. !

3 u. fi ?»:>:», ?. Febr Am henttgen Montag beginnen in der Rickt'bauptstadt die ! Verhandlungen der ..grotzen Landwirtschaftlichen Wick-e", zu der ! sich alljährlich tausend« und asirrmnsend, von Landwirten aus ollen Teilen des Reiches und auch aus dem Ausland« in Ber­lin zysammcnfinden. Beanspruche» die Berolilnzen her Be, tretrr eines so niiheigen Bcrrrfszwesger, wie es die Lav.d'viit

tt^itinunsetemBateg^nd^st^choi^i^i^da^Inlereste^er

breitesten Oessentlichkoit. so wird diese, noch dadrtch gesteigert', datz zu den Erörlerungcn rein bcruslicher Art auch solckn: pol!.' tiirtifr Ratur treten, und zwar im Rahme» der grotzen Heerschau die auch in diesem Jahre der Bund der Landwirte I» seiner bn-neralversammlung veransiallel. die wegen des zu erwarte,,, den grotzen Andrang«, wieder nach der mach.igen Ho des Zlrkns Busch einbcrusen ist. - Ginge,e.Ic, wird die L.wdwir,. schaftllche Woche drirch eine Sitzung der Vorstände de, -pieutzs. schen Landmirtschastslau-m,.» In de, in erster Linie Vorlagen de, Preutzischen Landes Q sttomiekolleglnms eiurtcit werde,, sollen. Di« Landwirlschajtr! nnniern selt-st haben ols Vera- tungstherna ausgestelltZrvccke uud Ziel« des Schutzverbande, für den deutschen Grundiesii," (Beiichtersraltcr Präsident a. D. von d,r Borght) und al, beioudero zettgemätz ..Da, Lust- Verkehrsgesetz" lBerichterstatter Instizrat Dr. Rendtorff). lln. mittelbar anschljctzend hält das Prentzisihc Lantesökonontielol» legium im Sitzungssaal! des Atgeordnetenhauscs die erst« Tag­ung der 15. Sitzungepciiodc ab Die übercu, rcichbaliige Ta- gesordnuug sicht IN a die Besprechung folgender Fragen vor Die Förderung des Wohnungsbaues auf dem Lande mit be soliderer Berücksichtigung der Ge1dsi.schassi.ug" sReserenle» Landrat a. D. v. Izlitzing sktederzauche, Erz. v Buch Enrinzow Landcsdirektor v. Winterfeldl Menst»),Die Hebung der Ar heilsltijiunqen als Mittel grg-n d,n Arbeibrmong.-l" <Neie rent, Pros. Arrehoe),Die Bekam,>sung de, Arbeitslast gleit durch Urbarmachung von Oedlonü uud Sckzaffung von Ansied lungen" IReserentcn: Schriftsteller Hon, Ostwald-Zrhlendorf und Landrat a. D. v. Klitzinq Rtcderzouche). Unter den weile-

26enn man's rc<f»t bedenkt, ist Kathreiners Malzkaffee doch der beste. Er hat sich seit 25 Jahren bewährt. Der Gehalt macht'o!

... I, UHrein. , I». . . .JXT.'."T3.*re J3D

Zum Ptlnyrisen.

Noinan von M. Prigge-Brook.

13 (Fortsetzung).

.Sn» wird nie wieder gut", sagte sie trostlos.Ich will sh» nie. »ie wieder sehen."

Ohol" Jakob Eblcrs setzte daS Licht, das er trug, aus der Hand und starrte das Mädchen an.

Das wäre unrecht. Kind. Ein Mann kann sich schon einmal bcsckstvrpscn, er braucht darum noch kein Triinkeir. lold z» sein. Sprich Dich morgen mit Schmidt aus. da Tu Um doch einmal heiraten willst."

Sprich nicht von ihm. OheimI" Rosernaric zilterle. Still suchte sie ihr Zimenir aus. Als sic es früh verlieb, da überreichte ilir Monika einen Brief.

Herr Schmidt bat verreisen müssen", bestellte sie.Ec wird aber z»i» Begräbnis zurück sein."

Nosemaric ergriff den Brief mit spitzen Fingern und warf idu in die Ecke ihres Schreibtisches. Lesen? Was Walter schrieb, konntcn nur Worte seirrl Was nutzten ihre Worte! Sic hatte die Weisheit des Sprickgvortes erfohren: Jui Wein ist Wghrbeitl Tie Wahrheit kanirle sie nun. Im Herzen bitteres Weh über ihre tote Liebe, schlich sie hinüber i ihres Großvaters HouS. uni Abschied von ihm zu nehme,u Tante Luise war schon dort.

Denke Dir nur, Kind, datz Shmidt abgereist ist.nr- t.st Tu das nick - wunderlich?"

Las; gilt «ein, Tantchen", antwortete sie Ntirde.Cs schadet weiter »icküs. da inetn Geheinmis gelval'rt lliebT

Sieb da", sagte die Tante und zackte sich ihr Test. F, 'genlachte sie nicht.

siioieniarie litt unbeschreiblich. In den Schmerz »in den Vezstorbemgi misck-le sich das dumpfe Gesübl des Ge- täuscht...us von dem. >cs!.n Liebe ihr Leben wie mit einer Krone ges.hutückt. Ter kurze Wonnctranni war ausge- träumt, das Ziilrauen dahin, lind wenn auch die zert'ctcne Liebe in slilte-i Stunden aufznleben versuchte, ihr zuflüstcrte, es«s;» ein sicher Traunt, fo kamen andere Stunden, in

denen sie cs mir zu gut verstand, das; alles Wahrheit ge­wesen. Alles, alles, nur Walters Liebe r.ichl. Schmidt selber tat das möglichste, die Kluft airszusiiAon, die il»> von seiner Lübsten schied.

Hartnäckig klammerte er sich an ihr Wort das sie ver­pfändet. Er laste sie nie. denn er uiiifje sie lieben, auch wen» sie ihn zurückstatze. Teu unseligen Vorfall jener Nacht bat er sie, zu verzeihe». I» Wahrheit bade der Schmerz um sie, die unwürdige Slclluag. die man >hn> im Pslugciscu an­gewiesen. ihn in den Zustand gchrachl. Tatz er im adligen kein Trunkenbold »nd ihin selbst diese Szene n», peinlichü n war, brauche er Nofeuiarie wohl Nicht erst zu versichern. So­viel werde sic ihn trotzdem keime». Diese Briese folgten ein­ander in kurzen Abständen, Nofeuiarie beanffvurlete keinen von ihnen. Luise, die sic verstohlen beobachtete, begriff da? Mädchen nicht, das den so heis: Geliebten einer Unbesonnen- luit lvegeir kaltherzig von sich stictz. Nur aus des Obmt drin­gende Bitte enthielt sie sich jeder Frage, jeder Einini;ch»ng. in, stillen hoffend, daß alles wieder zurecht komme. Hüte die gute Seele gesehen, wie Rosernaric kämpfte und litt, wie sie in der Einsamkeit ihres Zinniiers Autwo'. t ans Antwort schrieb, »nt die fertigen Bog"" wieder z» zerreisien, ibre Zu­versicht wäre geschnvunden.

So schob sie de» Mädchen- Blaiie. ihr m-ränderle? Wesen zum Teil a»f die Erregung der letzten Tage. Zw» Glück für Roicinaric halle die Taute viel zu tun, >"'d konnte sich nicht allzuviel um ihr Pflegekind tümu.ern. Edler? tat cs an ihrer Statt. Mit einer Znrtbe't, die niemand, selbst Nose- marie nicht, dem alte» Herrn zugetrant, machte er sich» zum Anwalt des Verbannten, den ein strenges Verbot der Stadt fern hielt.

So wenig er eine Verbindung seines Lieblings riut Walter Schnridt wünschte, nngcrechl sollte Roscmorie nicht gegen den sein, dem sie ihr Herz gcschentt. Dazu kannte er dies Herz viel zu genau, um nicht zu wissen, bevor es auf­gab. mutzte Klarheit bcrrsckirn. Er machte sich deshalb zum Anwalt des Fernen, stellte dem M idchen vor. datz Worte, rn Trunkenheit ausoelvrolbcn. keine loülttgkcit traben. Sie lretz

lün ruhig reden, ihr fernes Gesicht erbleichte nur mehr da­bei. als sie in müder Abwehr sagte:

Ach Ohm, da? ist'» ja auch nicht allein. Ich habe es schon vorher gesiffilt, er liebte mich doch nickst so, wie ich ge­liebt werden will, wie ich ihn l,"bte." Grotze Tränen rollten über Roses schmal geworbene Wangen. Ehlers strich tröstend ühcr den blonden Kopf.

Last gut sein, Rolcniarie>l>cn, das gibt sich alles, wenn sonst nichts zu sagen wäre."

TaS ists, Ohm, »nd es ist noch was anderes dabei. Tu hast recht. Meine Liebe zu Dlalter hat mich von nieineni Weg abgesührt. Ich hatte mein Wort vergessen und Heinz. TaS straft sich und darum" sie sah ihn flehentlich an darum bitte ich Tich, sprich nicht mehr von ihm. Ich must vergessen, und eS wird mir schwer,"

Ehlers batte das Herz nicht, ein zweites Mal auf da? Gespräch zurückzukommen, und als nach Wochen die sebulich er>varlete Aii:knst über Schmidts Vorleben in Ebina rin- 1 ;df und der Alle sein? Ahnung bestätigt sab. legte er den Brief leichtere» Herzens in seine Privatfchatullc. im stillen sich, datz «Ile- ciledigt war, Tenn Walter Schmidt wäre nach all 'iu lein Mann sür Rofemarie gewesen: er batte es schwarz aus weist.

Eine Spirleruatur. die Sebald» freigebige Hand einst tu» Untergange gerettet, hielt er sich gerade so lauge, bis die Aiislösuu» dl? Geichästs Lcbcnskragc fiir ihn wurde. Daun schnitc er ' urch Europa ein, im Ht'zen entschlossen, sich dort zu», an - - .u Male die rcicknm Sebaldschen Mittel zugänglich zu >-.

Sein*' -e-.r tot, Jakob Ehlers rin Greis, der Erbe «in unni, r siger Knabe. Tatz er neben ihm eine särön.' Tochter fand, 1,-nlte seine Gedanken in eine andere Babn. Ohm Ehlers loimlc sich lebhaft vorstellen, wie reizvoll dem Wagelustigen daS Spiel gedünkt, bei dem sein Herz siiellücht doch deteilmt war. Wer konnte das wissen . . .

sForilesiunq felgt )