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Freitag, den 30. 3 mm uv 10.».

i. Intjrfimii'

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Ile der sicht.

— Wie dcr Berichterstatter dcr „Libcrtä" ano Setlin r.tolöct, ist es Beiiizrls» bei seinem Aufenthalt in der dcut- l«l>ei, Hauptstadt gelungen, die deutsche Regierung zu der griechischen Ansicht in der Frage drr Inseln Ehios und My- tilrne ,« bekehren. Deutschland schlösse sich demnach in dic- >er wichtigen Frage nicht nur der Meinung GricchcnlckandS, sondern dcr Triple-Entente an.

— Wie die „Frankfurter Zeitung" aus Berlin erfährt, wiid der Maifrr über die Entlassung der Minister der Straß- burger Regierung in den nächsten Tagen entscheide».

— Tie Lederfabrik von Emil Köster in Reu Munster ist völlig uiedergebrannt. Die Polizei sperrte die Brandstätte aus eine weite Strecke ab, da grobe Bcnzinvorräte in de» einzelnen Gebäude,, lagerten. Ter Gesaiiitschadci, soll mehr alö 1 Million betragen. Der Brand hat 800 Arbeiter bc- schästiguugslos geinacht.

— Ter um Vß Uhr früh nach Königegrätz verkehrende Personenzug Rr. 731 dnrchsnhr aus noch unbekannter Ur­sache die Station Hohenbruch und stich daun mit einem Lastzüge zusammen. Hierbei wurden fünf Passagiere und t rei Bahnbrdienstkte sehr schwer verletzt. Siebzehn andere Personen trugen leichtere Berlehungcn davon. Dcr Mate­rialschaden ist zienilich bedeutend.

— Wie oii 3 Arras gemeldet wird, sind in der 11. Kom pagnie des 33. Infanterie Regiments zahlreiche Erkrankun- gen nach dem Elennst verdorbenen Fleisches vorgekommen. 25 Soldaten miihten in bedcnklich>cm Zustande ins Lazarett gebracht werden.

— Dcr englische Dampfer „Ras-calusn", der nach Acgyp- tc» mit Petroleum unterwegs war, ist ani Kap Matisu aus- grlausrn. Man befürchtet, dah das Schiss verloren ist.

— Ans Athen wird gemeldet: Tie griechische Regierung bat e« abgelrhnt, wegen der ägäischen Inseln mit der Psvrte in direkte Verhandlungen einzutrete».

— Wie ausColomba aus Eeylon gemeldet wird, find dort in den letzten Tage» sechs peftverdächtige Todesfälle vor- gekommen. Die Aufregung unter der Bevölkerung ist all­gemein. In einem Falle ist die Pest einwandfrei scstgestcllt Ivordcn.

— Telegramme ans dem Staate Badia melden, dah eine ganze Reihe von Städten durch das Anwachsen der Flüsse

ährend der Schneeschemlze überschwemmt worden ist. Biele iiser sind eingestürzt und haben zahlreiche Mensche» unter ihre» Trümmer» begrabe». Zirka 2000 Personen werden vcrinisit. Ter Verkehr ist vollkomnicn unterbrochen.

Pie (Orientfrage.

Diploniatcnmiihlcn mahlen langsam. Nunmehr ist endlich die Antwort Englands auf die von den Treibunü- mächtcn über die südalbanische und Jnselfrage überreichte Rote erfolgt. In ihrer Antwort drückt die englische Regie­rung ihre Befriedigung darüber aus, dah die Note der Treiüundmächtc dein Vorschläge der englischen Regierung prinzipiell jugestininrt hätl.'. Andererseits aber hat sie doch nach einige Ausstellungen zu machen und verlangt daher eine e,lauer« Präziston dreier Punkte: 1) Griechenland könne ii»ht verantwortlich gemacht werden für etwaige Unruhen im . piruS nach Zurückziehung der griechischen Truppen. 2) In der Frage des TodekancsoS feien wohl die Türkei und Ita­lic,, die Hauplinteressicrten. Jedoch könne nicht geleugnet Iverden, das; an der endgültigen Lösung dieser Frage olle Mächte, wie dies ja auch ans der Londoner Botschasterkon- leienz sestgcstellt wurde, mit interessiert feien, daher die Macht: bei dcr cudgiiltigcn Lösung der Todekanesossrage ihr Wart iliitziisprechcn hätten. Sckron jetzt müsse der ailch bei der Londolicr Botschastcrkonserenz ausqcsproäiene Grundsatz betont werden, dast keine Großmacht den territorialen Besitz <iller dieser Insel» «»hatten würde. 3) Tie Großmacht« käuiru überein, dast eventuell geeignet Mahregeln ergrissen werten, um eincni etwaigen Widerstand gegen die von Groß- ulächte» beschlossene Lösung zu begegnen. Natürlich wird der Bescheid dcr Drcibundmächte auch wieder einige Zeit in An- ipruch nehme,I, und so gebt dieses Spiel n .uh für längere Zeit hin und der. Inzwischen beginnen die beiden Beteiligten, nämlich Griechenland und die Türkei, bereits ungeduldig zu werden, und vom Oäotdeiien Horn koiumen Meldungen, dast die Türkei ninsangreiche Vorbereitungen treffe, die daraus >ck,ließe» lassen, dast man ersordertiä-ensalls vor eiucin noch- uialiaen Appell an die Waffen nicht zurückschrrcken würde. Vielleicht hat man mit dein Ansstreuen dieser Nachricht nur den Zlvell verfolgt, einen Truck auszuüben, immerhin aber tag die Gefahr einer neuen Komplikation reck» l>ahc. >ai- wlscn lälcint man inzwischen cingesche» zu haben, dah es licht gut täte, den Bogen allzn straff r» spannen, und so . eilst eS denn, dast Besprechungen über eine Lösung der Jnselfrage direkt zwisckicn Griechenland und der Türkei in »konstantinupel stattfindeii sollen. Der griechuiche Minister- präl'dent VcnizctoS folnie der italienische Botfchrster sollen daran icilnehmcn. Es ist an der Zeit, dast man endlich ans den, Balkan »ir Rüde ko"„»t denn auch die wirt'chaitlichm

Verhäliuisse leiden ungemein darmitcr, sowohl die der Bal- kanstaoten. als auch di- der dort iuieressierie» Mäckile. Aller­dings ist hier eine Regrlniig nockz schtvicriger, da die Ber- haiidlungen nur sehr langsam vorwärts schreiten und Eistr- jiichteleie» keine Seltenheit sind. So gelangt in der Pariser Presse bei ihren Besprechungen des Berliner Anfentbaltes des grieckliscklcu Ministerpräsidenten vcnizelo» die Ertvar- t»ng zum Ausdruck, dast Griechenland sich au das iu Paris vereinbarte Progrmnm für die Verwendung dcr SOO-Millio- nen-Anleihc halten und durch die >„ deutsche,, Schiffsbau- Werste» zu erteilenden Aufträge die griechischen Finanzen nicht ohne Notwendigkeit belasten werde. Diese kleinliche Eisersüchlclei kann zwar an den Tatsachen nichts ändern, ste ist aber bezeichnend für die in Pariser leitenden Kreisen herrschende Stimmimg.

|tnri)tHri)e (OrofjftaMliUbrr.

In dem Berliner sozialdemokratischen Zrutralocgan kann man jetzt ständig düstere, grauenvolle Schilderungen über die Not dee Arbeitslosen in Berlin nnd anderen Groß­städten finden. Ta cs uns sehr nützlich erscheinen will, dast solche Darstellungen auch aus dem Lande, besonders unter den Landarbeitern Berbreitung finden, wo die sozialdemo­kratische Presse glückliä>crwcise noch wenig verbreitet ist, wollen wir nachstehend einige Proben aus den im „Vor­wärts" gezeichneten Grostltadt-Nachtbildern herausgrcisen und ste der Lokalpresse ans dem platten Lande zur Versügimg stellen. In dcr Nummer vom 17. ds. Mts. konnte man z. B. folgendes lesen:

„Es ist Nacht, eine stirchtbare Nacht mit Sturm lind beistender Kälte. . . . Hart an den Häuserfassaden schlei­chen hier nnd da schwarze Gestalten entlang, den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, die Hände in den Taschen vergraben. Durch ibre dünnen, zerfetzten Klei­der fährt Kälte und Wind. Grausige Nacht . . . Abseits kauert eine arme gekrümmte Gestalt. In einem unge­störten Winkel, wohin nur noch ein matter Schimmer des Laternenlichtes fällt, lebnt der Mann. DaS erdfahle Ge- firfit schlaff und halberstarrt, die Arme »nter die Jacke geschoben. Nur manchmal ist ei» müdes Stöhnen hörbar. I» ilmi gurgelt und würgt es: Hunger nnd Kälte haben die Herrschaft über ihn gewonnen. Es brüllt und drängt in leincin leeren Magen, sein Kopf erbebt, als vernehme er das Klingen einer formlosen Sinfonie. Seine ge­brochene Phantasie malt stch dennoch ein Bild, ein wirk­liches Himmelreich auf Erden: wenn doch jetzt nur einer käme, ihm Brot, Wärme, ein warme? Nachtlager brächte. Aber es kommt keiner."

Doch, es kommt einer — ein Schutzmann, der den schon balb Erstarrten mit Mübe etwas wachrüttelt und ihn unter Hinweis auf das (oft überfüllte) Obdackst-^enasyl bis an die Grenze feines Revier? geleitet. Dcr „Vorwärts" aber malt weiter:

„Hunderte, Tansende solcher Szenen spielen stch wäh­rend der kalten Jahreszeit in den Mauern der Großstadt ab. Tie kapitalistische Profitwnt hat den Aermsten Nah­rung und Obdach geraubt. Die kapitalistische Geißel hat ste erbarmungslos zu Boden geschlagen. . . . Diese Un­glücklichen, die ihre kümmerliche Nahrung aus den Ab- sällcn dcr Bcsttzenden schälen, deren Heim irgendein wind­stiller Winkel oder. wenn'S hoch kommt, das Asyl ist. find die furchtbarste Anklage gegen die kapiialististhc Gcsell- sckraltsordnnng. Womit haben ste das »nmcnlchliche Los verdient, daß sic ihr qualvolle? Dasein im Rinnstein nnd hinterm Zan» führe» müssen, daß sic täglich m» Rande des Hungertodes schweben, nm ihm endlich zum Opfer zu fallen?!"

Das sozialdemokratische Zcntrakorgan stellt mm neben dieses düster« Nrchtbild aus dem großstädtischen Proleta- ricrdasein die hellerlenchicten Paläste dcr Reichen in Berlin W. D., ip denen gleichzeitig „märchenhaste Feste mit glanz- vclleii Gelagen" ftattfinden. DaS dient natürlich seinem Endziel, die Proletariermasscn aufzuwicgel» gegen die jetzige Staats- und Gcstllschastsoidnung, sic vorzubereiten zur ak- tivrn Teiluahinc an dem großen „Umsturz-Kladderadatsch."

Wir aber wolle» den Arbeitern draußen in der Provinz, ans dem platten Lande dieses Nachtbild aus der für das Auge des Nichtwissenden, Uneingeweihten trllacrilch gleißen­den Großstadt vorfiihren und ihnen sogen: „Seht, dos ist das Los, wclchcs auch euch droht, wenn ihr wie die Motten »ach der glänzenden Flamme nach der Großstadl drängt! Auch diese hungernden frierenden Gestalten, deneit ichon ein -^türk Brot und ein warme» Obdach als „Hiinmelreich ans Erden» elsceeinkn würde, die „ant Rande des Hnngcriodcs ick,weben , dem sic vielleicht „endlich doch zum Opfer fallen . die >-nd »um große» Teil vor längerer oder kürzerer Zeit vom Land- nach der Stadt gekommen, die ihnen aiS Paradies geschildert war. Wollt ihr deinsclbcn Schicksal verfalle»? Dort draußen bei euch, da gibt es keine Arbeitslosen, keine Leute ohne Dach über dein Kopse in kalter Wintcraacht. keine -eute, die Hl,»per leiden müssen, an» wenn ne -"besten wollen

-ort draußen gibt e« Heine viele leerstehende Wohnungen »- die »re Eigentümer gerne Leute ausnehnie». il.iu-n r'«" Lebensunterhalt uoiivendigen Dinge gewähren würden wenn ste jo Helfer bei ihrer Arbeit gewinne,, könnlen JImM auf de,» Lnnde »nd »ähret euch redlich! Doit kam- de, treue Arbeiter ohne Sorgen seinen, Alter entgegeusch.-,: dem, auch siir alte Leute gibt cs dort ihren Kruste» aw>e »icffcnc leichte Beschäftigung, und schließlich reicht seine hre- »nd Invalidenrente auf dem Lande nn», jhg -- cinei» nicht ungern ansgenommcncii „Prnstoiiär" in dc: Familie feiner Angehörigen oder seiner Frenndickx.st mache ii.

Penticher Reichstag.

20l. Sidung vom 2. Januar, 1 Uhr

Am Bundesratstifch: Ile. Delbrück.

Tie allgeincine Erörterung üdcr den

Etat des Reichsamts des Innern

wird fortgesetzt.

Abg. Hoesch (ko»s.): Tie Handclsvertragsslante» habaa wie wir annchnien können, nicht die Absicht, die bestehende, Verträge ohne weiteres z» verlängern. Ter große A»!- schwung unserer Volkswirtschaft, namcntlich dcr Industrie war aber nnr möglich, weil die Landwirtsckvtst ihrcrscit. Fortschritte liinchc-n konnte. Sic hat die Ergebnisse ihrer Ernten nnd die Viehbestände in den letzte» dreißig Jahren ganz erheblich gesteigert. Das ist lediglich den Schutzzöllen zu danken. Tie Angriffe des Abg Gothci» wegen der Ver­wehrung der Anbanslächen beriihen aus falschen Grundlagen nnd sind deshalb nnrichtig. Ebensowenig ist richtig, daß die innere Kolonisation den Anbau von Jutterkräntern för­dert. Aber Herr Gothcin sicht ja die Tinge ganz ander., als wir anderen Sterblichen, die i» der Landwirtschaft tätig sind. Immerhin, er ist konsequent, nnd das sckiätzen wir. Ohne die Einsuhrscheinc wären die Zölle sür die Landwirt­schaft im Osten ergebnislos geblieben, darum halten wir fest an ihnen. (Beifall rechts.) Herr Bartschnt hat stch über den Bund der Handwerkc-r in einer Weise ansgesprochen, die ich nicht als ruhmvoll ansehen kann, (llnriihe links.) Er möge seine Angriffe außerhalb des Reick-stages wiederholen. (Un­ruhe links: Rufe: ES ist ja längst gesck>cckicn!) Der Vorstoß des 1>r. Boehme gegen den Bund der Lnndwirte soll mir da- zu dienen, daS Publikum Über gewisse Vorgänge irre z» sühren. Wenn er und dcr Abg. Hestermann all-' die Wand lniigen bedenken, die in de» letzten zwei Jahren vorgeganger sind, dann werden sie sagen müssen: Alles ist eitel, selbst de, Bauernbund. Diese Reden diene» nur dazu, die Nachbar­länder aufznsoidern, mit uns den zollpolitischen Kamps aus- zunehmcn. Rußland führt das Fünszchnsachc des Werte« unserer Ausjuhr nach Rußland bei uns ei». Rußlauc braucht keine Saisonarbeitcrl wir brauchen deshalb keinc Angst zu haben, daß »ns von dorther der Arbeiterziizug aus- gchcn wird. Die Frage der innere» Kolonisation ist nicht so eilifach. Die fiskalischen Verhältnisse, die Personen der Ansiedler »sw. sind zu berücksichtigen. l>r. Boehme ist über diese Dinge absolut nicht unterrichtet. Es handelt sich tue ihn hauptsächlich um eine Verdächtigung des Großgruud- bcsitzcrs. Hier ist ein Eingriff i» die Kompetenz des Bunde .- staates Preuße» energisch znrückziiweiscn. Um die kolonisa­torischen Gesetze Bayerns hat sich der Reichstag ja auch nicht bckünnnert. Die innere Kolonisation ist von konservative. Seite in die Wege geleitet worden; sie hat keinen entschiede- »eren Vorkäinpscr als Frcihern von Wangenhci», und de-: Bund der Landwirte. Die Linke hat sic zu cinciii grobe: Sckzlagwort geinacht. (Sehr richtig! rccksts.) Uebcrhau.. haben die Konservativen sür die inner Hebung der Landivin schast seit scher die größten Verdienste. (Sehr richtis rechts.) Ter Bauernstand hätte besser getan, einen Teil de, von ihm ans die Agitation verwendc-te» Summen sür die praktische Arbeit der wirkl,ck>cn inneren Kolonisation herzu- geben. Heute leiden die Städte unter dem niassenhasten Zn- stlömen von Arbeitern und luck>ci, sie möglickist aus» Land zu schassen. Wenn das nicht niit dcr richtigen Vorsicht g-'- schiebt, werden die wenige» Bouern durch die entslchendeu tzchullasten erdrückt. Ter Minister hat genug Domänen hu- gegeben. Größere Sorge ist es, dcr Gütersckstächterej zu be- pegnen. Das Bauernlegen ist gewiß nickst sckw». Aber >s kann Verhältnisse gebe», in denen nur drr bcnackzbartc Gtvß ginndbcsttzer als Käusrr in Frage koinint. Das hat neulich erst selbst Herr Gothei» nnerkauiit. Mo» laste auch <?>>>-, tigkeit gegcniiber den Konservativen walte». (Beifall irchls.)

Prästdent 1>r. Karmps: Sie hoben vom Abg. Boebm« gesagt er b->be in einem Falle nickst ganz überzeugungstreu gesprochen. Das cntlprickst nickst den porlomentoriscktz',, Ge­wohnheiten.

Abg. H.st«rma»„ (Hojp- d. Natt): Wir müssen doinr sorgen, daß bei den nenen Handelsverträgen diejenige-: t'e- lricbSzwcige, die bisher stiestnütterlich behandelt wnch- ccjchützt werden. Darum brauchen wir den Hopfenzoll m'.o einer Schutzzoll für Obst und G.-nüise. Auch die Milck-.vr» duktio» niiiß geschützt werden. Ich habe sruber nu- a:-,