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Samslay. den 17. Januar L?N l
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Ileberstcht.
— Geh. Rat Professor Dr tfröni« von bcr Universität ftt Frribrirg i. Hr. hat non Strittet«, die nickst genannt Sein wollen, die Summt von lüfi IHK) Jl für Krkd-Sbrhanvlung ethalteu.
— Nach einer vergnügten Feier in der Wohnung des S^rtillerlehauptmaniiS Hausmann in Kraka», wurde dieser von dem Oberleuinani Siegler bclcidigt. Der Haupimann Hansmnnn ries daraus seinen Burickstn ins Zimmer und drückte ihm seinen Revolver mit dem Bcsrhle in die Hand, »en Oberleutnant niederzuschiesieu, was der Bursche auch !at. Der Hanptmann und der Bursche wurden verhaftet.
— In Stockholm fand gestern die Erössuung des Reiche läge» statt. Die Thronrede enthält, nach Mitteilungen der „Berliner Morgenpost", vor allem wichtige Borschläge über den Ausbau der Landesverteidigung. Hierzu wird in Ver- hindnng mit einer Nesorm der KriegsgeseKgebimg die Ein- iühriing einer besondere» Wehrsieuer aus größere Einkommen und Vermögen geplant.
— Wie die „Semaine religieuse" meldet, ist der Abbck Lrinirr von dem Bischose von Lille a sacris suspendiert war- den, da er trotz wiederholter Aussorderung sich weigerte, sei» Mandat im französischen Parlament nieder zu legen.
— Tie Verhandlungen des gemischten Schiedsgerichts lm Rio Tinto lstebiet wurden ohne Ergebnis abgebrochen. Tas d.reits größtenteils von der neuen Streikbewegung ersaßt« Minengebiet geht damit einer abermaligen Lahmlegung entgegen.
— Dem energischen Vorgehen der Regierung in Johanne bürg ist es zu danken, daß die Streilbcwegung »iedcrgc lungcn ist und daß allenthalben Ruhe herrscht.
Immer noch Jabern!
Wir konnten mitteilcn, daß dem Obersten v. Renter über 15 000 Glückwuusch-Tepeschen zugcgangen sind, ganz ungerechnet der unzähligen Zuschriften, die er anläßlich seines Ehrentages erhalten hat. Esanz besonders wissen alte Soldaten, die in den Reichslanden gedient haben, den Man- ncsmnt de8 wackeren Obersten zu schätzen, denn sie kennen aus Erfahrung, was sie von der verhetzten und verbissenen Bevölkerung zu halten haben.
Bis aufs Blut werden deutsche Soldaten im Elsatz von den Französlingen gereizt, jeder Militärsmann ist Freiwild fiir bübische Ncrhöhung: in Metz, Mülhausen, Kolmar, Zabern kann sich säst kein deutsck>er Soldat ans der Straße zeigen, ohne Gefahr zu lausen, in gcnicinster Weise beschimpkt zu werden. In Metz wurde gegen einen im Dienst befind- I ckien ilnterofsizier ei» Mordversuch verübt, eine Rotte -Pöbels stieß ihn in die Mosel. Die „Tägliche Rundschau" Ist soeben eine ganze Anzahl von Bubenstreichen, die in den letzte» Fahren in und um Metz an deutschcn Militärpcrsonen verübt wurden, veröffentlicht. Selbst in der Stadt Zaber» mit der angeblich so sriedlicki gesinnten Bevölkerung sind binnen Jahresfrist, nämlich vom September 1912 bis zum November 1913, nicht weniger als sechs Uebersälle aus Angehörige deS Jnsantcric-Negiments Nr. 99 zu verzeichnen gewesen, wozu noch zwei Uebersälle mit Schüssen und Stein- würsen aus den Schießstnnd- und PatronenhauSposten in Pfalzburg kommen, wo bekanntlich ein Bataillon des Regiments garnisonirrt. Am 2l. September 1912 wnrde der Sergeant NanS abends aus dem Nachhausewege mit starken Knütteln niedergeschlagen, im Februar 1913 wurden acht Uateroslizierc nachts auf dem Heimwege von einer Rotte überfallen und mit Steinwürfen verletzt. Bald darauf wurde der Zahlmcisteralpiraist Prüfer aus dem Nachhanse- nege nachts hinterrücks überfallen, nachdem ihm schon vorher von einer Rotte von Burschen der Weg verlegt, er angerem- relt »nd beschimpft worden war: der Versuch, den Zahl- lucisteraspiranten in den Kanal zu werfen, scheiterte. Am 7. April 1913 wurde der Musketier Nccker aus der Straße von einer Rotte hinterrücks überfallen und ickzwe, verprügelt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem Unteroffizier Sickseld ani 9. Oktober, nachdem ihn zuvor mehrere Bursche» gehänselt hatten. Am 9. November endlich wurden die Musketiere Schlauch und Klein vor einer Wirtsihaft von lieben ein- heimischen Burschen unter dem Schlachtruf: „Dreckige Schwoben, werft die Schwaben in den Kanal!" angefallcn. Ta die beiden Musketiere sich kräftig zur Wehr setzten, hatten i» diesem Falle die Angreifer den Schaden. Das sind acht Fälle in Jahresfrist, die gerichtlich festgcstellt sind: weitere Fälle ließen sich unschwer Nachweisen. Und wenn nun einmal ein Offizier seiner Entrüstung über diesen hinterlistigen l äierillakrieg gegen das Militär, dem von den bürgerlick>en Gewalten der entsprechende Schutz versagt wird, in drastiger Weise Ausdruck gibt, schreit die Mehrheit des Reichstages in hvsieriick>er Wut: ..Ans Kreuz mit ihm!"
Gott sei Dankt Die Verhandlungen des KrieaSaerichts
iiuw-n Mginipm, die Augen geöffnet, und diejenigen, die richten wollieii, sind selbst gerichtet wordeii.
Wochen schau.
Zabern. — Oesirrrrichische Pnrlnmentsnötk. — Dir deutsche Militörinispon. — Differenzen in der Triple Entente. — Tie Buren gegen die Ctrcithetzer.
Zabern und kein Endel Nach den Gerichten wird der Faden in den Parlamenten weiter gesponnen. Wirkungsvoll setzte das preußische Herrenhaus ein. in tem peramentvollrr und dabei durchaus würdiger Weile ver wahrte sich Graf Bork v. Wartenbiirg, ein Enkel des berühmte» Hrldeii aus deii Befreiungskriegen, gegeii die Zu rückictzung Preußens und gegen das Ueberhandiiehiinn des demokrniischcn Geistes voni Reichet,», her. Nicht minder drullich folgte der vieiisiische Landtag. Hockzersieiilich Uw die klare und entichiedcne Sprache des nationalliberalen Abgeordneten Dr. Rocksting, der mit Ernst und Wärme de» nationalen Standpunkt vertreten hat nnd weit abrückte von den Reichsseinden, die in Zabern und in dem ganze» Re:ck>s- lande ihr Unwesen trieben. WaS er nicht gesagt hat. fügte mit nicht miß'iivcrstehender Dciillichkeit Herr v. Hende- brondt »nd der Lasa hinzu, dessen Reden sich zu einer gründlichen Anscinandersktziiiig mit der Reichsregierung und den Parteieii gestaltete. Wahrhaft beschämend nehmen sich dagegen die Verhaiidliingen deS Lai'dtogcS der Republik Elsaß- Lothringen aiiSz sie haben so recht denen recht gegeben, die in der Einführung der Verfassung in den Reichslonden nach ibrer jetzigen Gestalt ein nationales Unglück erblickt haben. Tie Vertreter aller Parteien diese? Parlamentchens waren einig in Inschutznahme der Pöbclherrschasi nnd die Vertreter der RrichSreaieriing wagte» teils nicht, dagegen a„f- zuiiiiicken, teils stellten sie sich offen in die Dienste der Knöpf. lerS und PeiroteS, Wolf nnd Konsorten. Wie gewaltig blühte sich der Herr Büraernieister Knövller von Zabern aut, er. d-r sich „krank" im Detle wälzte. n>» der Pöbel auf den Straßen revolllerte, überb-st sich in Beschtmtckungon denllcher Palriole», ersetzte. woS ihm in feiner St"di an ToZeakt fohlte, durch Monfheldeninm und er fand leinen Beifall. Würdig stand ihm der Mühlhäicker Devnlck, der ..Fortkchritt- ler" Trumm zur Seile, der ans Haß gegen alles denlfche Wesen leine Rede in dem verdorbensten Müblhäiiser Platt vorbrnchie und derart gegen den Regiernngstilch gestikulierte, daß ihm eine Zwangsjacke vonnöten gewesen wäre. Einen Lentngnt mit zehn Mann! ist der Wunsch, der angestchis solcher Verhältnisse allein berechtigt wäre.
Wacklig ist anch die Situation de? österreichischen Mini- steriums. Im Parlament tauchen erneute Schwierigkeiten auf, sogar Ollstrukston ist zu verzeichnen und allgemein ist man der Ansicht, daß die Dauer des Kabinetts Slürnkh keine lange mehr sein kann. Man hält ihn schon lange lür ahgesäar. und es läßt sich nicht leugnen, daß er nicht der Mann ist. nm in der inneren Politik Oellerreich? .K'ärnng z» schaffen. Wer aber soll das traurige Erbe Übernehmen?
Wie Zabern für Deutschland, ist der Balkan für die gesauste Welipolitik nach immer dasjenige Th", »a. das die Gemüter bewegt. ES ist la eine alle Erfahrung, daß gerade in der Orientpolilik der Versuch gemacht wird, im Trüben zu fischen, und man konnte anch jetzt wieder ei» Lisdlein davon singen. Welche Jntrincn haben sich nicht um die dentlche Militärmilsion abgespielt. Nach anfänglichem Fiasko sind sie jetzt von Erfolg gekrönt, man hat die Türke« mürbe ge- niackst durch die Androhung finanzieller Repressalien, und so blieb für die Mackstbaber am Goldenen Horn nichts anderes übrig, als nachzngeben. So hat man den» davon Abstand gcnamnien. dem deutschen General anch das Kommando des Konstontinopeker ArineekorpS zu übertragen. Er wurde lediglich zum Generalinspcktenr der türkischen Armee ernannt. Wobl als Pflaster für die Mißhelligkeiten, die Herr Lima» von SanderS gerade beim Antritt seines Dienstes wenig angenehm berühren mußten, ist er vom Kaiser Wilhelm zum General der Kavallerie befördert worden, nnd da »ach den Verträgen die deutschen Offiziere, die als Reorganisatoren berufen worden sind, in der türkischen Armee einen Grad höher stehen sollen, als ihr deutscher Rang, so ist er zu gleicher Zeit vom Sultan zum türkischen Marschall befördert worden. Ob nach den gemachten Erfahrungen nochmals eine deutsche Miliiärnnssion nach der Türkei gesendet wird, sollten sich unser keilenden Stellen sehr überlegen, eS handelt sich da nm eine reckst undankbare Aufgabe.
In der Orient- und Mittelmccrpolitik hat es in den letzten Monaten nicht an Differenzen innerhalb der Triple- Enteiste gefehlt, die eine Aussprache leitender Persönlichkeiten angezcigt erlchcinen ließen. Aus dicieni Grunde hal Herr ASauiih ans der Turchrrise nach der Riviera kurzen Aufenthalt in Paris genonimen, wo er den aus der Rückkehr nach London befindlichen Schatzsekretär Llohd George getroffen hat. Ter letzter ist vor kurzem den Franzosen recht ans die Nerven gefallen, indem er den AbrüstungSvorschlag wieder auts brachte. Das war nicht nach den Herzen
der Franzose», die lieber he»te als mvrge» lo-stchlagen mochten, es »brr allei» nicht können und mit der ilnterskützung de'r englische» Flotte unbedingt rechne» müssen. Zur Be- nchignng der Gemüter erscheint Herr Asqnith in Paris nnd wie es heißt, sollen seine Konserenzen i» erster Linie der Frage der Marineverhälinisse gegolten hoben. Franko ich wird sicki liinlickstliih seiner Rüstnna znr See einige Be- uhränkung auferlegen mülsen, da es kaum i» der Lage ist. die Riescnsnmiiie für die jüngste Verstärk»»,, der Armee auf- .'.»bringen. kas letzle Kabinett ist darüber gestürzt, ob Her« E'aillanr die schwer Ausgabe lösen wird, sielst noch iehr dabin.
Mil erfrischender Tatkrast. die mancher europäische» Regierung z»m Vorbild dienen könnte, geht die B n r e n • regiern >ig gegen die Streikhetzcr Nor. Den AuSslond der Grubenarbeiter hat eine große Ausdehmiiig erlangt und wie immer in iolckx'ii Fällrn scknirle» snziolislilckie Hetzer daS Feuer. Schließlich glaubleu die Leiter de.- Streikes offen der Regie, u»g trotzen zu kömieii und verbarrikadierten lick' i» dem Esewerkjchgslskaus zu Johuuneshurg. Allel» die Re- gieruug mochte kurzen Prozeß. An die Tausend bew>stf- nete Buren besetzten den Platz vor dein Hanse, richteten eine Ctebenpfünder-Kanone aus dasselbe und forderten äugen- blickliche ilebernabe, andernfalls würden die Kanonen sprechen, und liehe da: Die Maulhelden kanden wieder ein mal, daß die Vorsicht der bossere Teil der Tapferkeit ist und ergaben sich ohne Umstände. Sie wurden in sicheres Gewahrsam gebracht. Das ziel- und selbsttzewiiklo A»stiele» der Regierung hat den» auch den gewünschte» Erfolg gebobl nnd der totale Znsanmieiibrnch deS Streikes gilt als sicher
Der iUrrt brr üirljbffliinV in llrfitfri».
Gelegentlich der Viehzählung von 1912 ist anch wieder einmal der Wert der Viehbestände ausgenommcn worden. woS zum letzten Mole gelegentlich der Zählnng 19911 ge- schkbe» war. Für Preußen lind »immebr d'e Zol->e» für 191? veröfkenklicht worden. Es ergeben sich demnorb lür den größten denlsckzen Bundesstaat Werte in Millionen Morl:
'iSfcL.
1999
1912
Ziiiiobine + Abiiglune —
Vkerde
19«5.9
2"72 t
+ 43 30 %
Rindvieh
2319,-1
4111 .3
+ 74 99%
Schafe
140.9
1310
— 4 89%
Schweine
538,7
1178 9
-f 199 19%
Ziegen
33,6
90,8
4 - 92,20%
Jnsgcsonck betrug der Wert der preußischen Biebbe- stände seinschkießlich Eiel. Mo-'stiere, ""oistesel und Bienenl am 1. 12. 1912 -— 7777,3 Millionen Merk, gegen 47°3 1 Millionen Mark am 1. 12. 1900. Die S'eloernng beträai deninoch 395,3.9 Millionen Mark — 9-1.99 Rrozent. oder jährlich dnrchschnistlich 9.3 Prozent, sie beweist w!"der ei», mal die enorme Lcistungssähigkeit unserer heimischen Land- wirtkchast.
192. Sitzung. — Freila». den 19. Januar. 1 Uhr.
Am Ministerlische: Dr. Delbrück, Easpnr, .Kühn.
Kurze Ansrngrn.
Ab». Hofrichicr kSoz.) kragt an- III dem Reick>?kan>ke« beginnt daß eine,» iungen Mann in Köln der Bereck>lia»>>as- schei» für den Einjähria-Freiwilliaen-Miistä-dienst w>t d » Begründnng entzogen worden ist. da er ßch als Kozialdemo 'rat „in bekondiwem Maße in stnatskeindlickn'm Sinne agitatorisch belätigt" habe? Ist der Reichskanzler aen illt de, Geickiädigtcn wieder ln den Besitz der von ibm ordnungs mäßig erworbenen Berechtigiina zu brinaen?
Geiieralmajor Wild von Hohenborn: Die Angelegenbeit unterliegt noch der Prüfung im Derwnllnngswcge. Dil Beaistwortimg der Frage kann dober zurzeit nicht ertolaen
Abg. Dr. Trendel lZentr 1 stellt folgende Ankraae: Jk cs richtig, daß die Einluhi von Gerste, besonders von Flitter gerste letztjähriger Ernte aus Rußland, eine lehr große unl größere wie In anderen Jahre» ist. Ist es richtig doß groß« Mengen Gerste als Fisttergerste zu dem Gerslenzolllatz olnst Tenatnrieriing resp. Kennzeichnung als Malzgerste von de» äußeren Zollbehörden im Herbst 1913 abgeiertigt wurden die o»f Grund ihrer besonderen Beschastenheit als Mol» und Brnngerste vollständig geeignet nnd als solche zu verzollen waren, weil die rnssikche Gerste letzter Ernte trocke, geerntet wurde und vorzügliche Keimlähigkeit Hot. Ist el richtig, daß Issersie mit starkem Belatz von Flughalcr zut Einfichr gelangte, so daß der Verdacht besteht, daß letztere, zur Herabsetzung des Hektolitergewichies beigefügt wurde? Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler »» treffen, um dieser Umgehung der höheren Verzollung Einhalt ,» aebie- ten. oder von welchem Zeitpunkt an wurden eventuelle diesbezügliche Verfügungen seitens der Reichsregiernna an die äußeren Zollbehörden binausgegeben und welchen Worllani haben diese Verfügungen?
Ein Kommissar des Reichsschnhnmbks: Der Regierung ist von Umaehlpigen nichts bekannt, es ist auch »ickil nnzu-


