Ausgabe 
19.12.1914
 
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Beilage zur Obcrhesfischen L-lkszcitimg Nr. 295

__ Äußtn, Samstag den 19. Pez mßer 1914.

Vom Weltkrieg.

Separat- oder Kollektivsrieden.

In der Post erhebt der sreikonscrvative Führer Freiherr t. Zedlitz, ferne Stimme gegen die Idee eines Separat, friedens. Nach seinem Vernehmen soll vor einiger -Zeit in einsluhreichen »reisen eine Sonderverständiguiig mit Eng. Eland angeregt worden sein, diese Anregung aber seim- dientermahen gänzlich von der Vildsläche verschwunden" Dafür werde einen, Separatfrieden bald mit Frankreich' bald mit Nustland das Wort geredet. Herr v. Zedlitz finde: beides erklärlich, denn die Franzosen würden von allen unseren Gegnern weitaus am wenigsten gebäht, man empfind" mit ihnen eher Mitleid, zwischen Deutschlandnd Ruhland bestunden aber keine Interessengegensätze von so weitreichen, der Bedeutung, dah sie einen so schweren Krieg rechtfertigten. Herr v. Zedlitz stellt aber fest, dah sich in Frankreichoch keine Friedenssehnsucht zeige und dah die Kriegslage Oester­reichs erkennen lasse, dah auch die Frucht eines be- friedigenden Friedens mit Ruhland noch nicht reif sei.

Der konservative Politiker ivendet sich darum entschieden gegen jedes Spiel mit dem Gedanken eines Sonderfriedens das Zweifel an unserem Vertrauen in einen vollständigen Sieg wecken und von dem ablenke» könnte, was vor allem nottue, von der Konzentration aller Kraft ans die siegreiche Durchführung des Krieges bis zuni vollen Erfolge im Osten wie in, Westen.

Zugleich finden wir in Berliner Blättern einen Artikel der Times abgedrnckt. der trotz zugestandener Fehler der Verbündeten ihren vollen Sieg voraussagt, da 250 Millionen ganz abgesehen von den auhereuropäischen Hilfskräften über 115 Millionen Menschen eben siegen mühten.Tie närrische Sucht nach Frieden," sagt die Times,muh auf- hören, bis das Ziel völlig erreicht ist."

Tatsächlich besteht zur Zeit keine Aussicht, dah das Ab­kommen der verbündeten Gegner, wonach sie nur gemeinsani Frieden schliehen wolle», gesprengt werden könnte. Ter Ge­danke, sich mit Ruhland schlecht oder recht zu vertragen, »in dann mit ganzer Kraft gegen den Westen vorzugehen, ent­behrt zudeni jeder Volkstünilichkeit. Mit der Einleitung deutsch-rusfischer Friedensverhandlungen würde sich in, Volk zweifellos der entschiedene Wille geltend machen, gleichzeitig auch dein Kampf im Westen, den die zivilisierten Völker .Europas gegeneinander führe», ein Ende zu bereiten. Aber all diese Betrachtungen bleiben einstweilen mllhig, da ja stur Zeit bei keinem der Gegner die Neigung besteht, einen Separatfrieden einzugehen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Krieg eines Tages auf alle» Schauplätzen gleichzeitig durch einen allgemeinen Frieden abgeschlossen werden. Bis dahin kann aber noch lange Zeit vergehen. Entweder muh eine der beiden Mächte­gruppen so geschlagen sein, dah sie aus eine günstige Wendung nicht mehr hoffen kann, oder aber der Wunsch nach einem Ende vor der letzten Entscheidung inuh, auf beiden Seiten gleichzeitig und in gleichem Mähe wachsend, so stark werden, dah ein Abbruch des Kainpfes unter ehrenvollen Bedingungen für beide Teile möglich wird. Auf eine solche Entwicklung wäre aber nur dann zu rechnen, wenn die Kriegsereignisse einen Lauf nähmen, der sich ins Endlose hinzuziehen droht. Solange die Gefahr besteht, dah deutsche Friedensbestrebun- gen von den Gegnern als Zeichen der Schwäche gedeutet werden und bei ihnen, statt gleichgerichteter Strömungen gleicher Stärke zu erzeugen, die Kampflust nur noch steigern könnten, bleibt das Problem eines Friedensschlusses vor der alleräuhersten Entscheidung leider unlösbar. Den! Frieden wollen hierzulande vielleicht alle, aber den Frieden, der eine» Sieg der Feinde bedeutet, will keiner!

Aufklärung über dennackten Flieger".

Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, ein eng­lischer Flieger habe einen kriegsgesangenen deutschen Soldaten gc- znumgen, imckcird sein Flugzeug »\ besteigen und mit ihm über die deutschen Stellungen zu fliegen, die er dem Engländer verrat«, lollie. Di« eidliche Vernehnning dieses Mamies hat nun zwar er­geben. dah er nrnht nackend Niegen nrusslc. sonbcrn nur gezwungen wurde, vor der Abfahrt seinen Rock autzzuziehcn. Der denilckx Toi- dot, der wider allen KriogSbrauch und in brutalster Weise zur JciliKrfmie an dem gegen deutsche Truppen gerichteten Flug ge­zwungen wurde, ist der Krioqssreiwillige Erich Collies, zurzeit in; tmem Lazarett in Leipzig-PIagwitz. Dens über seine Erlebnisse aus-> genommene gerichtliche Protololl lautet wörtlich:

Leipz-g-Piogwitz. den M. New. 1014.

A» einem Abend zivvckte» !l uich 10 Uhr wurde ich m der biegend zwischen Merken, und Nachtigall sBelgien) oon einer eng­lischen Vorposten ab tcilurig gefangen genommen. Das Ta nun km»,: ich nicht mehr izena« »rngeben. EL war. glaube ick». Endej Oktober, beftitmnt weih ich, dah es an einem Zonntag abend ge­wesen ist.

Ich wurde etwa 2 bis 3 Stunde,, Ion» hinter die Schützcn- linie auf einen Bnvotplatz geführt und dort an einen Vaum an- gebunden. Aus dein Marsehe dorthin ivurde ich von einem ieii»d- lichei, Loldate» zweimal mit dem Gewehrkolben in de» Rücken gestoheu Am Montag vormitteig etiva aegcn 8 oder !49 Uhr wurde ich von dem Bom» wieder losgebundeil.

^ hier wurde die Vernehmung unterbrochen, roeil Collies hohes Fieder hatte und von einer weiteren Ausrret>gu»g eine Ver- schlünmerung seines ZusdandL- zu befürchten war. Bei seiner Vernehmung am 4. De*nnber fährt er dann in seiner Lehildernng wie folgt fort:

Nachdem ich von dem Baum losgebunden worden ivar. wurde jch zu einer Gruppe höherer Offiziere geführt. Einer von ihnen, der fliehend deutsch sprach, fragte mich danach aus. wo die Stel­lung unserer sehweren Artillerie sei, wo der Generalstech steh«, wo -chusenlimen seien, was für Truppen vorhanden seien und wo. d,e Munrtionskolonnen sich bcsänöen. Ich gab über alle Fragen tun st. mbem ,ch irgend etwas erfand, da ich das, ivas ich ausgeiragt wunde, nicht wuhte. Wenn ich etwas wühl«, sagte ich >» die Wahrheit.

Noch Beendigung des Berchörs wurde mir auk Befehl eine;- in^ck-rgfftziers durch zwei Soldaten, bn zu meiner Beivockm, g! «tthi'gt warei», der Wafsenrvck ausgezogen. Weswegen das ge

iehai». 'tonnte ich mir mcht denken. Fch Hab« den Wafsenrock wie wieder z»> feilen bekomm.-u Fch wurde in Begleitung des Fl,egcr- ofti.z,er- nach dem Flugplätze gestihrt: dvrt musste ich mit dem Fliegerpshzier den Flu.zappar« Iviieizten Vorher Hane nur der Oftlzirr aus einer Skizze dir One erst bezeichnet, durch die er fahrei ivollie und haike mrr beichten, ihm bie Truppe»» die an diesen Orten sia.iden. zu vernaicu.

Wir waren etwa 4 bt» 5 Stuiiden in der Lust. Nach uuferrr -andung ivurde ich wieder verhört. Fch oerfuchic es- jetzt, mir damit zu hclie». dah uh mch, annvoNete. Da umrdr ich aus Be sehl des mick» verhör<mdr» Lstiziers von Rannsehaftrn solange ins Gesickn geichlagrii. bis ch, envas sagte. Fch sagte dann teils Er- sundenes, teils Un>voi,res.

^ Am nächsten Tage lDienolags mutzte ich wiedernt dem ,eiiegerosfi.zier aufsteigen. Er halte mtr vor dem Aussirigen he- sohlen, an den Stellt», wo er Schlesien fahre» würde. Bomben zu iverse» und tni Weigerungssalle gednoin. mich mit dem Revolver zu rrschietze». Fch warf die Bomt>en an den mir angegebenen Stelle» nicht. Der Fliegervfsizier holte mit der Bombeach mir aus. als ivollie er sic »ach mir iehleuderii. tat rs aber nicht. Nach nuferer Landung wurde ich wieder verhört, und. wenn ich wicht giitwurteii wollte, solang« in das Gesicht geschlagen, bis ich eine Aiitwark gab 2ln, Mittwoch und Donnerstag wiederholten sich die Flüge. Am Donnerstag wurde der Flugapparat von eiuem t^esckwss getrosten und zum Laudcii genötigt. Dem Flieger gelang di« Landung in «Niger Entfernung von unseren Trupp«,. Während er eine Zeit weqgmg, in» Wasser zur Aiihluna seines Apparates zu holen, flol> ich und gelaugte, ohne datz ich durch seine Schüsse verletz! worden wäre, zu den Unirigeii,

Wir waren icdesmol c»va 4 bis 5 Stunden kn der Lust und zwar in einer Höhe von 2200 bis 2500 Meter: das konnte ick, von einem Höhenmesser. der in dem Flngopparat angebracht war. mit Genanigkeit lesen. Es Ivar bitterkalt und es herrschte ein sckiarser scktiieidender Luftzug. Der Fliegcrostizicr ivar mit voller Uni­form. Pelz mid Ledermantel bekleidet und lzatte auhcrdem Mund- uud Augeuschutz. Fch trug di« volle Fußbekleidung, Hose und Unterhose, 2 bamnivollene Eigentzimshemden >md eine rote wollene Zacke. Fch ftor «isietzlich und empfand Stiche in der linke» Seite und Brust und die Augen schmerzten stark.

Zu essen bekani ich während meiner Gesongenschait täglich etiva Mi Pfund Brot noch der Landuiig. Zu trinken bekam ich überhaupt nichts. Fch litt stark an Durst und bi« Nahrung war ungenügend.

Versuche, meine Lage durch Bitte» zu verbessern, schlugen fehl. Jedesmal, wenn ich etwas sagen wollte, ivurde ich an-ze- salireii, ich sollte schiveigen und nur antworten, wenn ich gefragt würde.

Fch erkrankte. wahrscheinlich infolge der mir widerfahren«! harte» Behandlung au Nippeirsellentzlindnna. Lungenkatarrh und an rlzeumatischen Schmerzen am ganzen Körper. Heute bin ick, das erste Mai wieder aus Fch cinpsindc oder noch rheumalischc Schmerzen und Slick»: aus der Brust.

Der Arzt sagt, es würde ungesäiir »och 3 Monate dauern, bis ich wieder hergestellt wäre.

Callics wurde das Protokoll vom 28. November 1814 und das Protokoll von heute vorgelosen, er aenehmigl« beide Protokolle als richtig und er wurde zu seinen Auslagen vorschrisismätzig ver­eidigt.

Er dckräsligte die Richtigkeit der inüichsichen Verhandlung uitd der Niederschrift durch seine Unterschrift, gez. T r e ch s« l. gez Erich E a l I s e s. gez. Schneider.

Das Protokoll trägt solgenden Zusatz:

Die Aitgab«! des Collies machten einen durchaus glaubwür- digeu Eindruck. Er war vor feiner kiornehmung unier Hinweis auf den zu leistenden Eid und >mter Vcrivarnuug vor jeder llebcr- treibung eindringlich crinahiN word«i. sich stveng an di« Wahr­heit zu Halden. »e,. Drechsel.

Dieses Protokoll liefert zunächst den Beweis »iir eine schwere Versetzung des «negsrechts seitens der Engländer, den,, in den,, Protokoll der zivciten Haager Friedcnskonserenz heitzt es unter .Ordnung der Clcsctze und Gei'räuche des Landkrieges" im Artikel 23 ausdrücklich:Den «riegsührenden ist ebcnsalls untersagt, Ange­hörige der Gegcnparici zur Teilnahme an den tleiegsniiternehmun.

gen gegen ihr Land zu zwingen." 28e,!crhin Iwgl aber auck, in dem iUrrbaltei, der beteiligten Engländer eine tm!.vlxire Grainainkeit. Zu der Tortur der Kälte und des Hunqers kan, noch di« Gcsahr. von .deuiick,«, Kirgein" geiroft«, .zu werden. Es erscheint säst ivie «in Wtnider, da» Callics mit dem Leb«, daoongekvinuwn ist.

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AmerikanischeNeutralität".

Der Franks. Ztg. wird geschrieben: Rach der Pougiü Keepsie News-Prejz vom 11. November mies Eouncillor' Jereniiah A. O'Leury ans tstewvork in einem öffentlichen Vortrag in Pongh Keepsie darauf hin, das; die Regierung der Vereinigten Staaten den Transport indischer Truppen über die kanadische Paeificbahn durch de» amerikanischen BnndeL- staat Maine, also iiber Gebiet der Vereinigten Staaten, ge­duldet liabe. So ungeinuierlich diese Betwuptiing klingt, ist sie keiiieslvegs unioahrjcheinlich. Es ist bekannt, das; indische Truppen in .Halifax eingeschisft Nwrden sind. Um dorthin^ zu gelangen. Ixrben sie die Hanptlinio der kanodisckfen Pacific-^ Eisenbahn benutzen müssen. Diese fübrt nun aus einer Strecke von etwa 200 Kilometer durch amerikanisches Gebiet,: eben den Staat Maine. Die Bebauptnng des Herrn O'Learn ist auch in andere amerikanische Zeitungen ausgenommen, ..Iso scheinbar nicht in Wasinngton widerlegt nwrden. Wem: sie der Wahrheit entspricht, so wirst sie ein eigentiimlichtzij Lickt auf die Neutralität Amerikas.

Washingion, 10. Dez, (WB. Nichtamtlich.) Das Reulersche Bureau meldet: Es ist ein Wettbewerb für acht neue Uuter- s c c d o o»e ausgelchriebe» worden, wovon eine» ei» Deplacement von 925 Tonennd eine Schnelligkeit von 21 Knoten haben soll. Nur zwei Bewerber sind ansgelreten. Die Electrie Boat C o. bot den niedrigsten Preis für ein grosses Unterseeboot mit 1 350 000 Dollar. Lake Subniariiie Co. de» niedrigsten Preis für das kleinste Unterseebot zur Haleiiverleidigung mit 370 000 Dällar für ein Schiss von 28« Tonne».

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Wfflen die Vergiftung des WeilinachtösesteS durch s,«nlo°en Völkerhast

ivendet sich ein Nationalliberaler, Herr Breithanpt, in den Nativ nalliberalen Blättern. F der sehr angebrachten und beherzens werten Mahnung sagt Herr Breilhaupt:

Cs ist nicht so schwer, den Krieg der Weihnachtestubc fern- znhalten, wie manche Cltern dcntcn möge». Wir dlirse» »nt nur nicht verleite» lassen, nationale,, Hass undationale Rache, obwohl sie im blutigen Handqemenge eine Notwendigkeit, als Gruudtvu unseres Wcihnachtssestes anklingen zu lassen. Wer seinem Kind Cicschenke macht wie z. B karikierte englische oder russische Hampel- Männchen, der versündigt sich a» der Zukunft nicht nur unserer Fugend, sondern an der Zukunst unserer gesamlen Menschheit. Das sollten wir aber gerade z» Weihnachten vermeide». Niemals ist der Gedanke an die Menschheit, an die Gleichheit ihrer LebcuS- rechte und an Glück Io mächtig, al» an dem Tage, da nach alten, MenschheitSglanben, der Erlöser der Welt geboren wurde. Nie­mals fühlen wir so viel neue schüpscrischc »rast, air zu der Zelt, da nach allem Mythos unsere« Volkes, der Frühling seinen Einzug hält, mit neuem Licht, neuen Farben, ne»er Wärme. Beniitzk» wir diesmal mehr wie i» den vergangenen Fahren das Weihnachts- fest, das GeburtSsest der Menschheit, unsere Fugend zu würdigen, selbstbewusste» Menschen»,m zu erziehen. Die Vergangenheit de, Weltgeschichte schreibt nicht» darüber, war die Völker in gegen­seitiger Verkennung vernichtet, sondern sic berschtet nur darüber, welche Stufe »atsonalcr Gestnnung auf dem Wege z» menschliche, Kullur die Ltölker erreicht haben. Dass unsere Fugend aus diesem Wege ein gutes Stück weilerkomme, dass sic die neue,, Kralle frucht­bar verwertet, in Arbeit, Gemeinsamkeit und Friede», dazu möge uns dieses Weihnachtslest verheisen."

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