Ausgabe 
7.12.1914
 
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meldet große griechische Truppenzusammen- ziehungenan der bulgarischen Grenze und bei Janina.

Spanische Wirtschastömisere.

Le Nouvclliste de Lyon meldet aus Madrid: Ter frühere

Finanzminister Navaro Rcvcstcr wurde vom König Alfons in Audienz empfangen, um über die wirtschafliichc Lage Spaniens Bericht zu erstatten, Er crilärte, daß eine ernsic wirtschaftliche Krisis nur zu befürchten fei, wen» sich der Krieg in die Länge ziehe. Er hoffe jedoch, das, durch geeignete Borbeugiingsmaßregeln der Eintritt einer Krisis vermieden werden könne. T,e Allge­meinheit teile aber diesen Optimismus Revcftcrs nicht, da nach aller Boraussicht die Statistik über den Ausicnhandel Spanien» für den Monat Oktober einen Rückgang der Wertzisscr um 300 Mil- lionen Pesetas aufwciscn werde.

Japans Forderung an Nmerika.

Tie Züricher Zeitung meldet aus Washington, dah die Landerwerbs - und Einwanderungsfrag e in Kalifornien durch Japan wieder ausgenommen wird. Ter Ministerrat in Tokio hat beschlossen, dir Nollständige Gleich st e l l u n g der w c i tz e n und gelben Rasse zu per- langen.

Feindliche Flieger über Freibnrg i. v.

Feindliche Flieger warfen gestern mittag in der Rahe von Freiburg im Breisgau Bomben ab. Sie scheinen es aus die Zer­störung eines Bahnüberganges abgesehen zu haben. Schaden wurde nicht angcrichtet.

Bergwerksungliick.

London. 4. Tez. (W. B. Nichtamtlich.) Tas Reutersche Bureau berichtet aus Tokio, das, aus Hekkuido ein Bergwerks- Unglück gemeldet wurde, bei dem 437 Menschen umgekommen sind.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Aus bei» Verlustlisten.

Infanterie-Regiment Nr. 116, Gießen Le OueSnoy und Tamcrq vom 31. 10 bis 2. 11.

III. Bataillon. ,

Stab. Mas. Karl Frhr. Schilling v. Cannstatt, Bruchsal, Baden, gefallen.

0. Kompagnie. Scrgt. Karl Günther, Engelroth, Kreis Lauterbach, low. Ciefr. Ludw. Hcinr. Rosenfeld, Hagen, ge­fallen. MuSk. Lconb. Paps, Pfungstadt, g c s a 11 c n. Wehr- man» Aug. Huber, Bischhcim b. Straßburg, gefallen. Wehr- man» Jof. Hache». SchünholfShanfen, Kr. Mcrfcheüc, gefallen.

Wehrm. Wilh. Marquard II, Tarmftadt, gefallen. Freiw. Hans Rumpf, Butzbach, gefallen. Res. Karl Goth, Burg­solms, fchvw. Res. Fricdr. Rcll, Kölschhausen, Sr. Wetzlar, Ichvw.

Res. Louis Ochs II. Ilbeshausen, fchvw. Wehrm. Heinrich Krug IV, Geilshausen, lvw. Wehrm. Wilh. Bolkmann, Hcuchel- heim, low. Res. Karl Klar, Wißmar, Sr. Wetzlar, lvw. Freiw. Ernst Eichenauer, Gießen, verm. Wehrm. Karl Wilh. Nickel, Eiscnroth. Tillkrcis, verm. Wehrm. Heinr. Hernt. Feh­ling, Beilslein, Tillkreis, verm. Freiw. Walter Block, Gießen vermißt.

10. Kompagnie. Ossz.-Etellv. Otto Kneipp, Langsdorf, vcrw. Ulffz d. R. Ludw. Gerhardt, Stcinbach, Kr. Gießen, vcrw.

Utffj. d. R. Wilh. Goubeand, Tanbhaufcn, Kr. Wetzlar, verni.

Ref. Karl Größer, Steinbach, Kr. Gießen, gefallen. Wehrm Hrch. Keller, Angcrsbach, verm. Wehrm. Hrch. Köhler, Angersbach, vcrw. lltsfz. d. R. Friedrich Haustein, Gundcrn- hauscn, gefallen. Wehrm. Hrch. Seel, Watzenborn, g c - fallen. Sricgsfreiw. Willy Greb, Gießen, verm. KricgS- frciw. Wilh. Wetz, Eppelsheim, Kr. Worms, gefallen. Sricgssrciw. Konr. Ploch, Romrod, vcrw. Res. Karl Lcidncr, Btllingcn, vcrw. Res. Jak. Roth, Marburg, abermals verw.

11. Kompagnie. Oblt. d. R. Wolfgang Frank, Ober-Lais, in Gcsangensch. Bizcfeldw. d. R. Hermann Knöllingcr, Groß- Gerau, gefallen. Lizefeldw. Heinrich Huhn, Haingründen, lvw. Bizcscldw. Hermann Kneipp, Langsdorf, lvw. MuSk. Schulze, gefalle». Res. Otto Mcnner, Kippcnheim, Kr. Etten- hcim, gefallen. Wehrm. Jakob Schmidt. Salzböden, Kreis Wetzlar, gefallen. Res. Karl Roth, Rodheim, Kr. Gießen, gefallen. Mnsk. Ad. Hch. Wilh. Heyer, Wölfersheim, lvw.

Utffj. d. R. Konrad Maurer, Alsfeld, lvw. Res. Wilhelm Funker, Wicscck, Kr. Gießen, lvw. Res. Emil Wagner, Trohe, lvw. Res. Heinrich Fackel, Hungen, lvw. Res. Jriedr. Stroh, Wißmar, Sr. Wetzlar, lvw. Wehrm. Foh. Hch. Eckert, Büdingen, schvw. Utfsz. d. R. Konrad Simon, Freiensteinau, Iviv. Kriegsfrciw. Karl Sauer. Geis-Ridda, lvw. Res. Wilhelm Spuck, Großcn-Buscck. Kr. Gießen, verm. Wehrm. Fr. Kg. Ludw. Noll, Gießen, verm. Res Heinrich Hardt, Albach, Kr. Gießen, verm. Wehrm. Eduard Jäger, Siockhausen, Kr. Gießen, verm. Wehrm. Heinrich Hinterlang, Klcinlinden, verm. lltsfz. d. R. Friedrich Bändel. Dutenhofen, verm. Wehrm. Karl Schäfer, Niedcrwetz, Kr. Wetzlar, verm. Res. Wilhelm Gcutcr, Oberwetz, Kr. Wetzlar, verm. Sricgssrciw. Ernst Grau, Gießen, verm. Kriegsfrciw. Karl Mandler. Krofdorf b. Coblenz, verm. KricgS- frciw. Karl Heil, Gießen verm. -- Kriegsfrciw. Karl Löwer, Lau­bach. verm. Kriegsfrciw. Ludwig Rcitschmidt, Watzenborn, verm.

Wehrmann Heinrich Schäfer, vermißt.

12. Kompagnie. Offz-Stellv. Otto Andreas Ackermann, Gießen, verm. lltsfz. d. R Friedrich konrad, Londorf, lvw. Utfsz. August Hensel. Aulcndiebach, verm. Res. Anton Paul Materne, Eisleben b. Mansfeld, gefallen. Tamb. Karl Herz- bergcr. Tauernhcim. gefallen. Musk. Wilhelm Pscilsticker, Mannheim, gefallen. Wehrm. LöuiS Christ. Georg, Tillcn- burg, gcsallcn. Res. Heinrich Lapp. Niederbiel, Kr. Wetzlar, lvw. Kriegsfrciw. Willi Listnian», Gießen, schvw. KriegS- frciw. Rudolf Köhler, Gießen, schvw. Kriegsfrciw. Albert Trindhammcr, Wetzlar, schvw. Musk. Fakob Johann Leonhard, Billmar, Kr. Oberlahn. lvw. Wehrm. Gcsr. Friedrich Straß­heim. Tornholzhanscn, Kr. Wetzlar, lvw. Res. Wilhelm Schäler. Annerod, lvw. Re>. Ernst Zecher, Gleiberg, verm. - Res. Carl Edelmann, Arbor». Tillkieis, verm. Kriegsfrciw. Karl Link, Gießen, verm.

M a s ch i n e n g c w c h r - K o ni p a g » i e. Hauptm. Friede. Ludw. Poly, Gießen, gefallen. Bizcscldw. Wilh. Hankel, Großen-Linden, ge sollen. Bizefeldw. Hcrm. Amend, Krof­dorf, lvw. lltojs. Karl Nicklans, Gießen, lvw. Gcsr. Wilh. Schomber. Beuern, schvw. Musk. Hcinr Koch, Oucckborn, schvw.

Res. Karl Meyer, Rabertshausen, Gießen, schvw. Res Karl Einhäuser, Altcnbujcck, lvw. Res. Philipp Launipach, Reiskirchcn, Kr. Gießen, lvw. Ers.-Rcs. Karl Rcgn, Fürth, gefallen. Utfsz. Georg Rau, Gießen, lvw.

Landwehr-Fnfanterie-Regiment Nr. 116, Tarmstadt, Gießen. Forsthaus Le Trou-Bricot am 3. u. 5., Souain am. und Baraque am 14. u. 14. 11. 14.

2. B a t a i l l o n.

6. Kompagnie. Bizefeldw. Otto Lack, Dorheim, Sr. Fried- verg, gefallen. Ntoff. Wilh. Liehr. Ober-Ohmen, schvw. Wehrm. Fak. Schmidt II.. Sprendlingen, Kr. Ofscnbach, gefallen.

Ge fr. Moritz Tobcncr. Hirzenhain, Kr. Tillenburg, gefallen. - Wehrm. Konrad Faust, Sandlofs, Kr. Lauteibach, schvw.

3. B a t a i I l o n. ^

Wehrm. Wilh Weitzel II. <10. Komp.), Hettenau, Sr. Fried-

derg. lvw. Gcsr. Herm. Seil (12. Komp ), Ettingshausen, Sr. Gießen, lvw.

Ausruf des ungedienten Landsturms zweiten Aufgebots.

^cr Reichsanzeiger verössentlickit eine Kaiserlickte Verordnung, wodurch der aus dem Landsturm ersten Aufgebots über- getrctene Landstunn zweiten Aufgebots zur Anmeldung zur Landsturmrolle aufgerufen wird. Gleichzeitig wird eine B - kanntmachung des Reichskanzlers bekanntgcgeben, wonach der Aufruf des Landsturms zunächst lediglich die Herbeiführung der Eintragung in die Listen br^veckt. Tie Anmeldung hat in der Zeit vom 16. bis einschließlich 20. Dezember 1914 zu erfolgen.

Eine Tchulbelchrung über Wirtschaftsführung bat der

preußische .Handelsminister für die Kriegszcit für die männ- ttche und weibücke Jugend aller Fortbildungsschulen und di? Schüler und Schülerinnen der öffentlichen Fachschulen an­geordnet, da die Bundesratsverordnungen zur Nahrungs- mittelfrage ihren Zweck nur dann erreichen könnten, wenn sie im ganzen Volke dolles Verständnis fänden und alle Kreise sich entsprechend einrichteten. Es wird besonders ou* die mannigfaltige Brotvergcudung hingewicsen.

Tie Wolluot. Wir erhoben kürzlich die Frage, Ko die Dolle bleibe und ob dem steten Steigen der Wollpreise nicht vom Staate ein Holt geboten werden könne. Jetzt beschäftigte sich dieser Tage auch der Reichsvcrband der deutschen Städte mit dieser Frage. Er will bei der ReichSrcgierung anregen, Maßregeln zu erwägen, die cs verhindern, daß die Wollpreise unangemessen steigen. Hoffentlich läßt die Regierung nickst mehr lange auf sich warten.

Aus den Familicnabcnd, den das Gießener Gewerk- schaftskartcll am 2. Wcilmachtstagc zu veranstalten beab­sichtigt, war in unserer Rümmer vom Freitag hingcwiesen. In der betreffenden Notiz waren versehentlich ein paar Worte fortgclasscn, so daß die Fassung zu Jrrtiimern Veranlassung gebe» konnte. Es hieß da: Genossinnen, welche Mitwirken wollten, möchten sich melden. Tas ist selbstverständlich durch­aus erwünscht, aber nicht nur die Mitarbeit der'Genossinnen ist willkommen, sondern ebenso diejenige der Genossen, Wer also zum Programm etwas Geeignetes beizusteuern vermag, wolle sich rechtzeitig bei Gen. Noll cinschrciben lassen.

Gefallene des Gießener Regiments. Wchnnairn

Heinrich Braun aus Taubringen. Wehrmann Karl Mandler aus Krofdorf. Reservist Karl Roth auS Hungen. Reservist Heinrich Römer aus Ettingshausen. Reservist Heinrich Stumps und Reservist Wilhelm Kühn, beide aus Wctterfcld. Reservist Heinrich Ruppert aus Ober-Gleen. Gefallene aus Obcrhessen und Nachbargebieten. Reservist Ferdinand Meister aus Gießen, Jnj.-Regt. Nr. 142. Pionier Otto Jung aus Leihgestern, Pionier-Regt. Nr. 21. Unteroffizier Karl Müller aus Reiskirchcn b. Gießen, Jnf.-Regt. Nr. 168. Hoboist Adam Stein aus Langgöns, Jns.- Rcgt. Nr. 168. Gcsr. Karl Schäfer aus Grüningen, Dragoncr-Rcgt. Nr. 21. Radfahrer Karl Decg aus Homberg a. O., Jäger-Bataillon Nr. 4. Wachtmeister Heinrich Hagner aus Oberndorf. Res.-Art.-Regt. Nr. 9, Freiwilliger August Naumann, Lehramtskandidat aus Wetzlar. ,

Französische Gefangene kanicn gestern wieder etwa 250 Mann in Gießen an und wurden i» das Barackenlager gebracht. Vielen sah man an, daß sie harte Strapazen durckz- gemacht haben müssen.

Für Eier werden jetzt Preise verlangt, wie sie noch nie dagewcscn sind. Ter Wert eines Eies entsprichst tatsächlich nicht mehr dem dafür gezahlten Preise. Um der unver­schämten, durch Großlieferanten, aber auch durch Landwirte betriebenen Preistreiberei etwas entgegcnzuwirkcn, sollte man den Konsum von Eiern möglichst cinschränken.

Ter Straßenverkehr war am gestrigen Sonntage, als den 1. in der Weihnachtszeit, an dem die Läden bis abend? 7 Uhr geöffnet sind, ziemlich lebhaft, auch Landbewohner waren in großer Zahl hcreingckommen. Fraglich ist aller­dings, ob die Käufe in den Geschäften dementsprechend ge­wesen sind; wenigstens konnte inan in verschiedenen Läden beobachten, daß sich die Käufer durchaus nicht drängten. Es ist das ja auch ganz erklärlich, da in Tausenden von Fa­milien der Ernährer fehlt und das ganze Einkommen sich aus die paar Mark Unterstützung beschränkt.

KriegsauSkunstsstelle für Arbeiter- nnd Angestelltenversiche- rnng bei brr LandeSversicherungsanstalt Großh, Hetzen. Tie deutsche soziale Bertzcherungsgesetzgebung hat in der gegenwärtigen Zeit für die Kricgsteiincbmer. ihre Angehörigen und Hinterbliebe­nen eine besondere Bedeutung gewonnen, und es liegt geradezu im nationale» Fnterctze. dafür zu sorgen, daß in einzelnen Falle die Berechtigten möglichst bald in den Genuß der ihnen gesetzlich zustehenden Bezüge gelangen oder diese ihnen doch stchergcstellt werden. Ta aber in den einzelnen Fällen ncht immer Klarheit über die Rechtslage bestebt, da sich zudem unter den in Betracht kommenden Personen bäufia Frauen besinden, die in Rechtssachen und im Verkehr mit drn Behörden unerfahren sind, erscheint er zweckmäßig, ans dem Gebiete der Sozialversicherung für die Dauer des Krieges eine besondere Rechtsberatung zu schaffen. Ter Bor- stanü der Lanbesversichcrungsanstalt Gr. Hetzcn hat deshalb in seinem Berwaltungsgebäude in Tarmstadt. Wilhelminenstr. 34, eine Kriegsanskunstsstelle für Arbeiter- und Angestellte,wersiche- rung eingerichtet und ist bereit, allen im Großherzogtum Hrtzeii wohnenden Kriegsteilnehmern sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen kostenlos mündlich und schriftlich Auskunft in An- gelcgrnheitcn der Arbeiter. tSranken-, Unfall-, Fnvaliden- und Hinterbliebeiienverstcheruno) und «ngeftelltenversichrrung zu er­teilen. Schriftliche Anfragen wolle man an den Vorstand der Sandrsverstcherunasanstalt Großh. Hetzen in Tarmftadt, Wilhcl- minenstraßc 34. richten.

Beifeindlichen" Parteigenossen im Qnartiee Aus dem

Fclbpostbriese eines Mitglieds des Bergarbeiierverbandes teilt die Bergarbeiterzeitnng folgendes mit:Nachdem wir unser letztes

Quartier in S . . . bei L . . ., wo wir 14 Tage in einem Schlöffe lagen, verlasicn haben, sind wir seit einigen Tagen in der Stadt T. an der belgisch-französischen Grenze cinquartiert. Wir haben uns mit vier Mann bei einer Fanlllic niedcrgelesien, welche in Deutsch­land zu dem Mittelstände zu Zählen wäre. Tie Familie, weiche sich in einer verhältnismäßig guten Lebenslage befindet, besaßt sich in der Hauptsache mit Obsthandcl. während der Familienvater, welcher schon die 50er Fahre weit überschritten hat, Tertilarbeiter ist. Gestern, als die Familie, zu welcher sich eine verheiratete Tochter und deren Schwägerin gesellt haben, mit Ausnahme des Familien­vaters anwesend war, brachte ich das Gespräch auf IaureS, welcher vor dem Kriege ermordet wurde. Ta wurden die Frauen sehr lebhaft. Sin Strom von Worten stürzte aus mich ein. aus denen ich so viel entnehmen konnte, James war ein guter Mann,

ei» Sozialist, alle Sozialisten sind gute Leute, Sozialisten sind gute Kameraden und wollen keinen Krieg. Als ich ihnen begreiflich machic, daß ich auch Sozialist sei, waren sic sehr erfreut. Sie wur­de» in ihrer Unterhaltung mit mir so lebhaft, daß ich nicht mehr imstande ivar, ihnen zu folge». Aber so viel konnte ich hcraus- bvrcn. daß ich in ihrer Achtung sehr gestiegen war Kurz nachher lam der Familiciivaler wieder zurück. Er brachte »ach einen Kameraden mit. Das erste, mit ivclchcm die Franc» ihn begrüß­te», war die Mitteilung, daß ich auch Sozialist sei. Ter Alte mochte im. Anfang nicht so recht an die Sache glaube». Er sleliic ver­schiedene Frage» an mich, von bene» ich nur einen kleine» Teil ver­stand. Erst als ich idi» das sozialdciiiokratischc Bolksblatt Bochnin zeigte, war er voll überzeugt.Socialistc allema,uT,socialistc frangaise",socialistc aiiplaisc',socialistc bclgiquc", <deutsche, französische, englische, deigischc Sozialiftr»),Kameraden" hörte ich immer wieder aus seiner Rede heraus Er zeigte mir auch sei» Mitgliedsbuch vom Tertilarbeitcroerbaiid Sr lobte die deinscheu Sozialisten, daß sie so viel Berireicr i» den Reichstag schicken. Er erzählte auch viel von de» sraiizösischc» Sozialisten A» feinem Schulterzucken konnte ich merke», daß er daran lehr viel auszn» Ictzen Hane. Er rult mich seitdem immer bei meinem Vorname», den er sich von mcineiii Kaincradc» aufgeschnappi hatte. Fch glaube wohl, daß iiincrhalb der internationale »ach dem Krieg eine ge- witzc Rcservierlhcit einlreie» wird, aber daß sie ernstlichen Schaden erleidet, glaube ich nicht, weil doch der Kern der Ardciicrschast zu vcrniinslig über die Sache dciili."

Ersatz der Peiroleumiampen. In der Zeitschrift siir Bc- ikuchtiiiigsivcse» werde» die gegenwärtig durch den K>,eg iicivol- gebrachic Priroleumnot »»d die Milicl ihrer Abhilfe von Tr. Lur erörieri. Vom Slandpinikl der Bcleuchningsiechiiik begrüßt er die Pttroleiimiioi, die zu einem Ersatz der Petioleniiiiiiinpe geradezu drängt, de»» .die gewöhnliche Pclroleuiiilampe ist der uiiratioiitUste und in, Betriebe kostspieligste aller gebräuchlichen Bclciichlnngsapparate". Ihr Ersatz durch andere Beleuchtung»- arte» geht auch in Friebenszetten bereits intt Ersoig vor sich: denn die Zahl der Petroleumlampe» ist in Tciitschiand aus zirka 2t Millionen zurückgegangc», während die der inftalliertcit elek­trischen Glühlampen aus zirka 75 Millionen gestiegen ist. Trotzdem ist die Pelroiciimlanipc »och immer dasLicht de» kleine» Mannes", und bei einem Mangel an Petroleum werden große Teile der Bevölkerung o»! ganz geringiorrtige Brlruchtiiiigsmiiiel, mit Riiböl-Lanipen, Stearin- »»d Talglcrzc», angcivicsen sein. Tic Pciroieuiniampe bat gegenüber dem Gaslicht und dem »och moderneren ciettrischci, Giiihiichi den Vorzug der leichlc» u»d bequemen Transporiierbarkcit, der trotz der Gefahr, die ei» Herumhantieren mit brennender Lanipc jedesmai mit sich bringt, doch für »eine Haushaliinigen keineswegs gering geschätzi iverden darf. Tie Unabhängigkeit von einer Zcntraistcllc, die der Pctro- leumlampe ebenfalls nachgeriihmt wird, ist dagegen sicherlich ein Nachieil, denn statt eine« dequemcn Ein- und Ausschalten» oder Anzündcii» und Abschiießcns des Lichts muß die Lampe täglich gereinigt und gefüllt werden, zudem ist däS Aiizlinde» so umständ­lich, daß man sie a»ch brennen läßt, wen» der bclcnchictc Rani» kürzere und selbst längere Zeit nicht benutzt wird. Ties bedingt also eine Verschweiidiiiig de» Brcniiniatcriai». von der die Bcr- wendung von Ga» und clektrischei» Licht frei ist. Ter stärkste Konkurrent für die Petroleumlampe ist da» Gaslicht gewordc», zu­mal i» einer Reihe von Großstädten planmäßig und snsteinalisch dem Kiel,ikons,imcnte» da« Beziehen von vias durch Ansstcllling von Aiitomaie» mit unentgelllichcr ober sehr billiger ieihweiser Lieferung von Belciichlungsgegeiiftändc» erleichtert wird. Bei der acqenwärtigen Pclrolcuninol miitzc» die Gasanstalten in dieser Richtung noch mehr tun. Für sic selbst wird sich da« lohne», da sie cininal gewonnene Abnehmer wohl auch später behalte» werben: den» wer erst einmal die Vorzüge des viaslichts vor de,» Pctro- Icumlicht au» der praktischen Eifahriliig kennen gelernt hat, wirb schwerlich später wieder zum Petroieum zuriickkcbrc» Freilich sind sind in den Großstädte» bei weitem noch nicht alle Wohnungen mit Gasleitiingen versehen: in einer so modernen Tladt wie Ehar- lottenburg z. B. gibt cs nach einer in, vvrigen Jahre voigenvininc- nen Feststellung noch 10 000 solcher Wohnungen. Tie Verwaltung der städtischen Gaswerke kvinmt daher den Hausbesitzer» während der Kriegszcit bei der Einrichtung von Gasleitungen durch erheb­liche Ermäßigung de» Preises nnd Aufschub der Zahlniigsvcr- pftichtiing bis längere Zeit »ach Beendigung de» Kriege- cnlgegc». Biele kleinere Ortschaften sind aber nicht im Besitze einer Gas­anstalt: hier müßten die elektrischen llcberlandzentrale» in Akiio» trete», »m solche Orte in ihr Bcrlvrgiingsgebiet ei».,»beziehen. Ans diele Weile künnic». ivic L»r aiissiihrt. begneni drei Biertei aller noch im Betrieb befindliche» Pcirvieuniiampen durch Gas lind clck- irischc» Licht erfetzi werden.

Siaai und Bolksernährinig Die Unz,vecki»äßmkcit unseres heutigen Wirtschrstslcbens komint durch drn Kriag an scheinend selbst den ivclisrcmdesten Menschen zur» Bewußtsein. Wir l><rben schon wiederholt Vorschläge von Narioivolükoiumien und Gelehrten er- wähnt, die nichts anderes bezweckten, als eine B es c i t i g » » g d c r kapitalistischen Wirtschostsordiiung wenigstens ftir das von de» einzelne,, speziell lnhandeile Gebiet. Jetzt tritt ein neuer Gelehrter, der Prager Hofrat Professor Tr. Julius Slollafa. auf den Plan. F» einen, Borrrage rn der Wiener Urania wie» er darauf hin, daß die Höchstvnrise für lzelveidc. Kortosseln und andere Nahrungsmittel in der Praris ivahrschciiiiich airf Schwierigkeiten stoße» werden und daß zur Beftehung dieser Schwierigkkile» dir Emftihiung eines Staaisnionopois nötig fei. Der Staat müsse Wetze», Roggen^ Gerste, Mais, Hafer. Kartosseln oder Mehl lausen und unter SKiatslonIiolle Boot aus einem geeigneten Gemisch her stelle» laffoir und ivomigltch Trocknungdanl-agr:, für Kariosfeln enirichtcn, wie sie in Driitstbland bereiis »ristieren Es wäre er­freulich, wenn der Krieg recht vieieir die Tugen üfftrcn würde über die private Proiidgier, die sich zun Friedens zeit genau i» zeigt, mir daß dann die Folgen nicht so vcrizängnisvoli sind, wie jetzt zur Krirgszcft.

Betrieb der Lungenheilftäiien. Bon der Londesversiäxrungo- aiiftalt wird gcfchriede»: In der Bevölkerung scheint vielfach die Meinung verbreitet zu sein, die L u n g< n h ci l st ä tte » hätte» aus Anlaß des Krieges ihren Betrieb ei>i»gcstcllt. Die» ist aber nicht der Fall. Dir hessischen Heilstätten iErnst Ludivig-Heilstätte bei Sand­bach i. L., Eleonoren»Hr istätlc bei Lindcnsels i. O und b.c Gütt- inairnschc Heilstätte i» Reichclsheui,. ferner die beiden Kinder­stalionen n, Hirschhorn nnd Lampertheini) halten ihren Betrieb auch während des Krieges aufrecht rmb können Kranke lBerstchcrt: wie Nichtversichrrte) jlderzeit aufgenominrn werde». Bcrsi<i?er>r stellen ihre Anträge bei der zuständigen Krankenkasie. Nichlocrsiche.tr. di« in die Ernst Ludmig-Heilslätte oder rn die Göttmagnsche Heiistälte ausgenommen sein wollen, ivciidcn sich an diese selbst, während Anj- nahmegeftnhe von Nichtvcrsicherten für dir Eleonsren-Heilstätte nnd die beiden Kinderstationen an don Borstand des HlrlstättenverccuS in Darrnftadt zu richten stich. Daß Winter kuren von, ärztlichen Standpunkt aus besonders wertvoll sind, ioll bei dftler 0>elrgcni>:it dervorg«hoben werde». Auch die LupuSheilftätie in Gießen arbeit« rnhtg weiter.

Liebesgaben a» österreichische Truppe». Den seit einiger Zeii zug«Iosiene Wäschesendungen an österreichisch-un­garische Hcercspftichrige können auch kleine Li ober gaben sSchoko- ladc l^w.) in kleinen Mengen bergcpacki werden.

Kreis Wetzlar.

y. Tod auf den Sästenen. In Arfurt bei Weitbuvg wurde der PostaNeni Pfeiffer, aus Seellioch am Tonnersiag v o m Zuge überfahren und sofort getötet. Pfcifser wollte in der Station die Gleise überschreiten, als «r vom Zuge erfaßt wurde.

y. Vom Zuge übersaheeue Landstür,nrr. Am Donnerstag wur­den zwei Landfnrvmleute, die Steinbrecher L ö w uiid I. Schnei­der, beide aus Billmar, im dortigen Tunnel, wo sie Bahmvache hatie», von einem Zuge erfaßt. Löw wurde sofort geiötet, Schnei­der schwer verletzt in das Limburger Krankenhaus gebracht, wo er nach kurzer Zeit ebenfalls st a r b. Es waren gleichzeitig zwei Züge rn entgegengesetzter R-chtung durch den Tunnel gefahren und die