Ausgabe 
3.12.1914
 
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gebildet, um der Agitation für ben Krieg seitens der irredentifti- schen Kreise eine energische Propaganda für die Ausrechlerhaltung

der Neutralität Italiens entgegenzuscvcn. Ter neuen Liga stnd sofort eine grobe Anzahl liberaler, klerikaler und sozialistischer Deputierter beigctrcten, außerdem Senatoren, ttauslcuie, Jnbu- stricllc und Journalisten usw.

Die Beschlagnahme der Bossischen Zeitung.

\V. B. Berlin, 1. Dez. Die »off. Zeitung hat in ihrer hrutigen Abendnummer eine» Bericht über die vertrauliche Liffung der Kommission des Reichstages gebracht, der nicht autorisier, war und dem Reichskanzler Aeuherungen in den Mund legte, die dieser nich, getan hat. Die betressende Nummer der Bossischen Zeitung ist da her mit Beschlag beleg« morde». Hierzu teilt uns der Borffhendc der sreien Kominftffon des Reichstages mit, da« die Mitglieder der Kommission einstimmig die Unrichtigkeit des Berichtes der Bosff. scheu Zeitung sestgestellt habe».

Der neue Khedive will nicht mehr.

T. U. Gens, 2. Dez. Rach einer Londoner Meldung hat der neue Khedive von Aegypten sein Amt in die Hände des englischen Lberkommiffars zurüikgelcgt. Damit ist der englische Plan, einen »ahen Berwandten des Khediven gegen diesen -uszuspiclen, miß. lnngen.

Ter Kaperkrieg.

T. v. Mailand, 2. Dez. Der italienische DampferAtlantic", der Weizen geladen hatte und sich aus der Fahrt von Argentinien nach Genua befand, ist im Mittelmecr von französische» SriegS- fchisfen angehalten und nach Nizza gebracht worden. Di« Genueser Reeder haben sich an die Regierung mit der Bitte gewandt, schleu­nigst die Freilassung des Schisses zu erwirken.

T. U. Kopenhagen, 2. Dez. Dem Daily Telegraph zufolge wurde der schwedische DampferFriedmann" von einem englischen Kanonenboot »ach KirkwaU zur Unlersuchnng gebracht, Er konnte dort seine Ladung nicht lösche» und wurde deshalb mit einer eng­lischen Wache an Bord nach Shields geführt.

Die österreichische Kriegsanleihe.

W. B. Wien, 2. Dez In den letzten Tagen sind zahlreiche grobe Anmeldungen aus die Kriegsanleihe eingelausen. Die Schluhzeichnung durste die bis jetzt gezählte Summe von 1600 Millionen übersteigen.

Heften und Nachbargebiete.

«iefjen und Umgebung.

Grrcchtigteit bei Unterstützung der Kriegersainilicn!

Ter Vorsitzende des Gicßencr Gewerkschaftskartells schreibt uns: Das Gesetz, betr. die Unterstützung dc>r Familien der Kriegsteilnehmer schlecht vor, das; von Privaten gegebene Untcrstiitzungen auf die Reichsuntcrstiitzung nicht anzurrch- »en sind. Demzufolge lsaben auch jene Familien Anspruch auf die Kriegssamillenunterstiitzung, denen vielleicht der volle oder auch nur ein Teil des Gehalts wcitcrgczahlt wird. Gegen diesen Grundsatz ist auch nichts cinzuwcnden, denn die Arbeitgeber zahlen das Gehalt weiter, uni die Familien zu unterstützen, aber keineswegs, um den Staat von der Zahlungspflicht zu befreien. Man sollte nun meinen, dieser dort anerkannte Grundsatz müsse auch von den einzelnen Kommunalvcrwaltungen anerkannt werden. Aber weit ge- sehltl In Gießen ist man am Werke, allen jenen Fa­milien. die von einzelnen Arbeitgebern neben der Reichs- untcrstützung noch einige Groschen erhalten, diese aus di: städtische Unterstützung anznrechnen oder die städtische Bei­hilfe ganz einzustcllen. Ich und mehrere Arbeitgeber, mit denen ick über diese Frage zu sprechen Gelegenheit hatte, empfinden dies aber als wenig gerecht. Welch ein Wider­sinn dabei entsteht, mag an folgendem Beispiel erläutert werden: Ter Faniilie des Kriegsteilnehmers A. wird von der Firma X. ein Teil des Gehalts, pro Monat 120 Mark, weiter gezahlt. Ta diese auf die Reichsuntcrstiitzung nicht darf angcrcchnet werden (und sonst die Frage der Bedürftig­keit bejaht wurde), so bekommt die Frau A. für sich und ihr Kind pro Monat jetzt auch noch 21 Mark Rcichsuntcrstützunz. Tie Familie des Arbeiters Kriegsteilnehmers B. hat bisher von dem Arbeitgeber Z. pro Woche eine Unterstützung von 3 Mark bekommen. Weil sie diese Groschen vom sozial denkenden Arbeitgeber Z. bekommen hat, wird ihr die städtische Unterstützung entzogen. Was ist die Folge? Wie mir von Arbeitgebern bestimmt erklärt wurde, werden diese den Familien die Unterstützung entziehen, weil sie ihre lang- jährigcrz treuen Arbeiter unterstützen wollten, aber keines- tvegs der Stadt Gießen wollten eine wöchentliche Unter- stützung zahlen. Was hat die verteilende städtische Kom­mission dann erreicht? Sie hat den Familien der Kriegs­teilnehmer die Unterstützung des Arbeitgebers genommen, ohne der Stadt auch nur im geringsten einen Vorteil zu ver- schaffen. Meines Erachtens aber ist c? nicht Aufgabe der Stadt, den Familien der Kriegsteilnehmer die Unterstützung von dritter Seite zu nehmen. ES widerspricht mindestens meinen Begriffen von Gerechtigkeit. u. in.

Fürsorge und Arbcitsvcruiittluug sür die durch Kriegs verstümnieluug Erwrrbsbcschränkten. Am 27. November fand auf Veranlassung des Schriftführers der Deutschen Der- cinigung sür Krüppclsürsorgc, Professor Bicsalski-Berliu, in den Räumen der Landesvcrsicherungsanstalt zu Tannstadl eine Besprechung statt, wie für die im Kriege Verstümmelten nur noch teilweise Arbeitsfähigen gesorgt werden könne. An dieser Besprechung haben Vertreter des Großh. Ministeriums, des Landesvcreins vom Roten Kreuz, der Landesversichc- rungsanstalt Großh. Hessen, der Lazarctt-Tircktion Tarm- stadt, des Tarmsrädter städtischen Arbeitsamts, des Krüppcl- heims und des Hessischen Fürsorgevcreins sür Krüppel teil- ycnommen. Als Ergebnis der Beivrechurig wurde sestgestellt: Tie Fürsorge für die Kricgsinvalidcn muß möglichst zeitig, also schon während der Lazarcttbehandlung cintrcten, cs in daher anzustrcben, daß in den allgemeinen Reserve- und Dereinslazarcttcn den Verwundeten, die einer orthopädischen Behandlung oder Nachbehandlung bedürfen, diese auch zu Teil wird, und daß sachverständige Acrzte hierfür zugezogen werden. Stach Möglichkeit soll in Orten mit größeren Lazarett-Einrichtungen eines der Lazarette hierfür besonders ausgestattet und diesem die geeigneten Verwundeten über­wiesen werden. Ta den Kriegern, die als Folgen ihrer Ver­wundung am vollen Gebrauch ihrer Gliedmaßen behindert sind, möglichst ihre volle Arbeitsfähigkeit wiedergeacben wer­den soll, ist in ihrem Interesse eine vorzeitige Entlassung aus dem Lazarett- und dem Militärdienst zu vermeiden, und cs ist zweckmäßig, den wiederhergestcllten Mann unmittelbar

in eine Arbeitsstelle zu entlasten. Da die Verwundeten zu- meist nicht in ihren Heimatslazarcttcn verpflegt werden, ist wenigstens die Nachbehandlung in der Heimat anzustreben, um die Arbeitssuche zu erleichtern. Tie Verwundeten sind daher möglichst vor Abschluß der Behandlung einem de« Heimat nabegelcgenen Lazarett zuzusühren. Zur Arbeits­vermittlung sind keine Neueinrichtungen nötig, sondern es ist engster Anschluß an die Arbeitsnachweise und Arbeitsämter zu empfehlen. Tic in Arbeitsstellen Untergebrachten sind wenigstens in der ersten Zeit zu überwachen und sollten ich in dieser Zeit nicht selbst überlassen bleiben.

Anmeldung zur Rekruticrungsstammrollr. Eine amtliche Bekanntmachung fordert alle im Jabrc 1897, ge- borcnen Militärpflichtigen, sowie die bei der vorjährigen Musterung Zurückgestclltcn auf. sich in der Zeit vom 1. bis 10. Tezembcr zur Stammrolle zu melden. Die in Gießen Wohnenden melden sich aus dem Standesamt im alten Rat- Haus; auf dem Lande l>at die Meldung bei den Bürger­meistereien zu erfolgen. Bei Unterlassung der Meldung wird Strafe angedroht.

Gefallene des Gießener Regiments. Landwehrmann Friedrich Wahl, Gemeinde-Rechner aus Otterbach. Kreis Alsfeld. Reservist Ludwig Kraus müllcr aus Rom- rod. Offizierk-Stellvertreter Adalbert Dimmenauer, Kunstmaler aus Gießen. Reservist Karl Geißler aus Lollar.

Ausschohoorberatungen für die Londioys-Keieysioyuny Das

hessische Staaisminisierium hat die Mitglieder der Finanz- wie der Gcsetzgebungsausschüffe der deiden Ständekammern zu einer Be­sprechung mit den Mitgliedern der Regierung auf Mittwoch, den 1». Dezember, eingcladen, voraussichtlich sollen die von der Regie­rung beabsichtigten Vorlagen einer Borbesprechung unterzöge» werden.

Wahlverein Gießen. In der am Montag <it»gehalteii«z Mit» (»Iiebcn>crwi,nhnifl wurde zunächst tmem Anträge de» «ürftnniifB zu gestimmt, - - )0 Mark für die Wechuachtsfeier der Krivgstrilnelnner» Sinder zu bewilligen. Gen. Beckma-vn sprach bierwus über die hessischen Landtogswahlen. Er führte aus, das, diese bereits aus den kl. November angeietzt waran, wegen bcS Kriege» aber u»ierbliebeir. Nun sei die Anregung gegeben worden merkwür­digerweise von unserer Seite die Wahlen jetzt doch oorzunehmen. aler «inen Wachskamps zu vermeiden, die Parteien sollten sich ihren Besitzstand garantieren Bekmmelnh scheidet die HSIktr der Abge­ordneten aus, im ganzen stzih 30 Mandate zu besetzen, von denen aus di« Sozialbeniokraiie mir S entfallen Es sollten also die iihrigen 27 auf 0 Jahre den tsegnern koinpslos übcrlaffen werden. Wenn es sich darnin gehandelt hätte, einis oder zwei Mandate zu er­neuern, so könnte die» im ,pttercsse de»Bnvgsriedeizs" kampflos ge­schehen: bei Erneuerinig der halben Kammer müsie nian aber Be­denken iragcin. Ilm so mehr, als imier den 27 Wahlkreisen sich «in« Anzahl befinde», die sür um» gan.z günstig stäuben. Wir würden also, ivemi es zu einer iiiersiändigintä zwischen den Parteien komnir, die Bcnachieiliglcn sein. Deshalb wäre es wohl da» Inste, wenn di« Wahl bis noch dem Friedensschlüsse, der hossendlich bald ein- Irct«. zu verschieben. Eine Diskussion knapste sich an diese, Auv- führnngen nicht und der Porsitzeudc stellte als Willen der Bersaemn- lung fest, bah sie kampsloie Wahlen nicht wünscht, sondern für ster- togung der Wahl bi» nach dein Kriege ist. sUMerdesscn ist, wie an an-bcrcr Stell« mitgetcili. di« Verständigung gescheitert.)

TaS Friedbevgcr Bündlerblatt schreibt zu der gescheiterten Brr- handlung:Erstlich Hai der Landtag überhaupt nicht über sei»« Zu. saimncnsctzimg zu besindcu. da» kommt den Wählern zu. Wenn di« Abgeordneten selbst über die Foridaucr ihrer Mandat« zu bestim­men hätte», dann wurde da» Parlament vollständig zur Farce heiabsinken. Zum midcrn müßte, wenn wirklich kampslvse Wahlen ltaltfinden sollten, doch der Grundsatz scstslehen. daß das Uebcvein- kominen unterschiedslos ans alle Parteien und Abgeordneten audge- dehnt wird, dieser Grundsatz sollte aber nicht gewahrt werden. Zmn dritten endlich ist rS doch geradezu rücksichtslos, daß einem großen Teil der lnisischcn Wählerfchast und ivahrlich nicht dem schlech. testen den, näinlich. der gegenwärtig draußen im Feld« sicht, da» heiligste Recht des Bürgers", so heißt doch wohl der Facl:an»druck! genommen werden sollte: da er außerstand« ist. sich an den Wahlen, wenn sic mich kampflos sind, zu beteiligen- Darum ist es gut so, daß der so schön auegeionuen« Plan gescheitert ist und der Weg. den die Regierung eingeichlagrn Hai nnh allein gangbar ist, beichritten wird, die Wahle,: nämlich aus ruhiger« Zeiten hl verschieben "

Wir beklagen c» mich nicht, daß es ,zu keiner Berstänbigung kam: dock, wir stnd überzeugt. daß das Friedberger Bündlerblatt unter Umständen auch anders kötmte.

Für Gartenlicbhabee. Sion drr Stadt ivird beabsichtigt, da» Gelände an der Lichersirastc vor der Ziegen.,uchtstation zwischen dein Bahnübergang und bei» Wald« rn etwa 50 «ingesriedigl« Märten eingutrilen und zu verpachten. Ebenso sollen am Wißmarer Weg, gegenüber der Miliiär-tBadeanstalt. etwa 12 angelegt worden. Be- vor das aber gelchchrn soll, will man seststellen. ob dafür ein Be inirfni» besteht. Es fallen sich deshalb diefenigeir bis 1. Januar 1015 auf der Bürgermeisterei melden, welche sich .zur Pachtung eines der- artigen Gartens aus 5 Jahr« bereit erklären.

Warme Tage. In den letzten Tagen strcg di« Temperatur w einer Höhe, wie sie gewiß selten im Anso», Dezember zu verzeichnen ist. Etwa 1» Grad Wärme! Schoden kann da» nicht, da wird wenigstens an Kohlen gespart, di« schon wieder im Preis« gestiegen

Bortrag. Wir inache» nochmals aus den Bortrag des Geh.

Äirchenrats Pros. Dr Eck:Der Schotte Carlyle,

Deutschland und England", der heute abend 8'/- U h i in der neuen Aula der Universität stattfindet, ausmerkiam. Der Ertrag ist zum Besten von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gießcrier. . . , . .

Ttadithealcr. Um auch eine Neuheit zu bringen, wird am

kommenden Dienstag im AbonnementAls ich noch im F I ü ge 11 l e i d c", ein ftöhlichcs Spiel in 1 Auszuge» von Albert Kehn, und Mariin Frehsee, gegeben werden. Da» l>cbens- wiirdiqe Werk dürfte zurzeit das meiftgegcbene Stück auf deut­schen Bühnen sei» und wird überall sehr gut ausgenommen, wie auch aus Darmstadl berichtet wird, wo cd im Tpiclplan des Hos> theaters erschiene» ist. . _

Kreis Wetzlar.

ii "Vas Ergebnis der Stadtverordnetenwahle» wurde gestern bereits kurz mi,geieilt. Wie vorher erwartet werben konnte, voll- zogen sich die diesmalige» Wahlen ohne Kamp,. In der 3. Klaffe stimmten 345 Mäkler ab »nd es erhielten unser Genosse Auguil Beck 337. Herr Philipp Müller -Niedergirmes 233 und Herr Georg Allmcnröder 228 Stimmen. In Fricdenszeil weift die 3. Klaffe rund 2300 Wähler auf. Auch in der 2. «lasse wur- den die bisherigen Stadtväter wiedergewählt und zwar die Herren Th. Bergmann, S. Waldschmidt sZum goldenen Rings und F. Schmidt mit 81 bis -81 Stimmen. In der 1. Klaffe wurde neu- gewählt der Kreisarzt Dr «raun mit 10 und Herr O. Kellner mit 11 Stimmen wiedergewählt

ttrel* Watt>ur(tffird)h»im.

X Im Straßengraben gestorben Ein über 70 Jahre alter Mann in iViibum. der Lfenputzer Hermann, verschwand vor einigen Tagen, weil er in eine Anstalt gebracht werden sollte. Am Sonntag fand man ihn t o t in einem Graben in der Näh« des Bahnhofs.

Berftoebene. Heinrich Peter Beftrupp in Zeilbach, Sreis

Alsfeld, 88 Jahre alt.

At pitc KneüstlWU des Reichstags.

Abermals fünf Milliarden bewilligt.

Die Rede des Reichökanilers. - Tie Erklärung der Sozialdemokraten.

Es war anders als am 1. August. Tamals sah inau, >», Reichstag verkörpert, das Bild eines ganze» Volkes, das aus seiner Ruhr ansgkschreckt, der »ngehruren Gefahr sich kaiii» erst bewußt werdend, zu de» Waffe» stürzte. Vier Monate sind seitdem vergangen, vier Monate, wie sie die Erde zuvor niemals noch erlebt hatte, vier Monate, in denen wir »ns an das Nngeheure gewöhnt habe», an gewaltige Opfer und riesengroßes Leid und an Gefahren, die »ns doä, nicht schrecken köiinrn. Wir habe» die erste» Triumphe der deutschen Wasscn erlebt und dir Zeiten baiigrr Uncntschirdcu- beit vor letzte» schwrrslrn Entschridungcn. Sv hat sich die Stimmung drr Gesaßthrit, drr Entschlosirnhrit und der »n rrschüttrrlichr» Znvrrsicht, dir das ganze Volk erfüllt, auch aus drn Reichstag übertragen. Nicht in der erste» nuswalle» den Begeisterung, sondern im festen Entschluß» dis zum Aeußersten durchznhaltrn, hadrn n 11 c Parteien deö Reichstag» das zweite Füusmilliardrnopser brwilligt.

Tie Rede de« Reichskanzlers war keine SirgeSsansare vor dem Siege. Sie enthielt nichts von nationaler Seldst- iiberhcbuiig und Herabsetzung de« Feinde«, nicht« von Zer- schnierlernng und Eroberung. Aus ihr sprach rin tiefer Ernst, drr sich der ganzrn Schwere der Situation »nd seiner ganzen Verantwortung bewußt ist. Von drr ungeheuren Ucbrrmacht. drr Feinde ist in ihr die Rede und von ihrem »och unge- brochcnrn Widerstand, von der Nvlwrndigkrit, dir Ilnab hängigkeit de» Reiche« bi« zum Aeußersten zu vrrtridigrn. Ta ist kriner im drutschr» Volke, der solchen (Kedanken- gängen nicht zustimmt.

Al« rin sreies Volk soll »ach dem Gelöbnis de» Reichskanzlers das deutsche Volk ans dem Weltkrieg hervor gehen. Tasür steht er nicht allein, dasür stehen auch wir cin. Es wird, sagt der Reichskanzler, nach dem Kriege wie­der Parteien geben, und fügen wir hinzu unter diesen Parteien werden die Meinungen über da» Maß der innere» Freiheit, da« dem Volke zuzumessen ist, wahrscheinlich weis ausciaandergehen., Aber gegen d i e Partei, die da« Maß der innrrn Freiheit nach den Grundsätzen vollkommener Tcmolrattr bemessen will, wird nicht mehr drr Vorwnrs er­hoben werde» können, daß sie in ihrem Eifer, das Reich zu vcrteiüigeu, hinter irgend einer ander» z u r ü ck st e h r. Ein leerer Platz im übersüllten Hause, mit einem Kran; ewig grünender Lorberrn geschmückt, sagt darüber mehr als alle Erklärungen. Hier in Ludwig Frank« unver- geßlichem Opfer sprach nicht da« Wort, sondern dir Tat!

Mit dem Wust und Unrat, der Mißgunst und dem Miß­verstand einer öden und dumpfen Zeit soll ausgeräumt wer­den. Ter Kanzler verspricht r«, »nd als Vorbild einer glück­licheren Zukunft erscheint ihm da« weite Feld draußen, aus dem in Opfer und Gefahr einer dem andern gleich ist. Wir halten »»« nicht an diese« Versprechen de» Reichskanzler«, kein Mensch ist, aus sich allein gestellt, stark genug, cin solche« Vcrsprcchen zu ersülle». Aber wir vertraue» dem Volk» das Volk ist stark genug, um diese Verheißungen wahr zu machen, das Volk weiß, daß es nicht für die Sache eineg Herren, sondern sür seine eigene Sache kämpft und blutet.

Tic Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion, die sich, wie am 4 .August, der Rede de« Reichskanzler« anschloß. spricht über das Ziel des Kriegs, die Abwehr aller Angriftc ans dir Srlbstäiidigkei» de» deutschen Voltes, die volle Eiu- mütigkeit der Nation aus. Wir sind überzrugt, daß sie auch im ganzen Volke Zustimmung finden wird, sosrr» sie nicht nur die Freiheit des deutschcn Volkes, sondrrn auch die aller übrigen Völker als ihre grundsätzliche Forderung weit in den Vordergrund stellt. Sie unterläßt es nicht, Meinungs- vkrschirdenhciten auszusprrchrn, wo sie vorhanden sind, und Tadel zu übrn, wo sic etwas tndrlnswrrt finbet. Tao zu tun ist nicht nur das Recht, sondern auch dir P s l i ch t der Volksvcrtrrtung zu jeber Zeit. Tie Einigkeit der Gesinnung in dem, woraus cs heute vor allem nnkommt, tritt dadurch nur »och wuchligrr und wirkungsvoller in Erscheinung. Als dnnu drr Zrntrumsabgcordnrte Spahn namens aller anderrn Parteien de« Hauses eine Erklärung abgab, dir eine grwisse Unzufriedenheit darüber vrrrict, daß die Sozialdemokratie auch im gegenwärtigen Augenblick nicht daraus verzichtet, ihre Fordrrunge» im Zaterelsr de» Lolkswohlsahrt »nd der staats­bürgerlichen Freiheit geltend zu machen, suhlte man wohl, daß die alten Gegensätze, die früher die Verhandlungen de« Hause« dauernd behrrrschtcn, zwar zurückgetreten, aber nicht verschwunden sind. Tas kan» uns nur recht sein! Es kann uns nur recht sein, wenn auch im gegenwärtigen Augenblick nicht vergessen wird, daß wir in virler Beziehung nnders sind, alo die andern. Wir legen zu jeder Zeit Wert ans Unter­scheidung. Aber die Einigkeit, die dann alle Parteien in der gemeinsamen Abskinimuug über die Kriegskrcdite zusammen- führte, muß die Welt darüber brlehrrn, daß allr Spekulationen aus die vorhandenen starken Partei- und Klassengegkiisätze im Deutschen Reiche müßig sind, und müßig bleiben werden, bis das Ziel der staatlichen Sicherung nnch außen erreicht ist.

Für das ganze Volk und für die deutsche Arbeiterbeiveguuq sind die Richtlinien ihres Handelns klar vorgezeizhnet. Die Haltung der sozialdemokratischen Rcichotagssrnktion entspricht und entspringt der Stimmung der Masten, die hinter ihr stehen. Einig und grschlosicn steht die deutsche Arbeiterklasse ein für die Verteidigung der Freiheit nach außen. Einig in sich selbst und fest zusammengeschlosseu muß sie da- stehen, um sich später auch die innere Freiheit zu erobern. Tenn nur wo Einigkeit ist sei es nach außen oder nach innen, ist Kraft zum Sieg.

fsrklärung.

Ter Vorstand der sozialdemokratischen Rcicklstagssiaklion stellt fest, daß der Genost'c Karl Liebknecht entgegen dem alten