Ausgabe 
26.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargcbiete.

LterbesÜIcb» Volks,eitun, erscheint leben Werktag Abend in <jea Der AbonnemenUvrei» beträgt wöchentlich 15 Psg monatlieb ifg. etnlchl. löringerlobn. Durch die Polt bezogen vierkeljäbrl.lLVMl,

Redaktion und Ervedition Glelien, Babndolltralie 23. Ecke Löwenaafie. Delevbon 2008.

Inserate kosten die 6 mal geipalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei grösseren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man b>» abends? Kd ii für die folgende Nummer in der Expedition ausgeden.

Nr. 248

Gießen, Montag, den 26. Oktober 1914

9. Jahrgang

Der Krieg.

ng!?e rilsjische cplkiiiiifritticpi Kriege

JKP ' I Bandervelde, der belgische Minister und Vorsitzende des Hnter- -asv tUlrmalen Tozialistisclzen Bureaus, richtete vor kurzem einen

ter Voll- 11

ÄS

Ml

thiidlitli, rkend. -

7. Koigem

et

wfstr. 5)

lisch«

:ttcn

cn 5 1 'cf an die russische Sozialdemokratie, durch den er deren rstlltz in sür den Krieg zu erwarten bosfte, Dieseroffene f* nu r telegraphisch der gesamten russischen Presse zugegangen, dem ichon einzelne hervorragende russische Parteigenossen sich il r Auslandspreffe (ihre eigene Presse ist von denVerteidigern M dt C Demokratie" unterdrückt und viele ihrer Führer sind einge- rg " 4 rts gegen den Vanderveldeschen Ausruf geivandt haben, ver I tllcht derVorstand der Sozialdemokratischen Partei Rutz-

--if (der sogenannten Majorttätsgruppe) eine Erklärung au

!»lervelde, die lvon uns im Auszuge gebracht) in wörtlicher »rfetzung wie folgt lautet:

Werter Genosse Bandervelde!

I Durch russische Zeitungen ist der Inhalt Ihrer Depesche uns

I int geworden und wir sehen es als unsere Pflicht an. Ihnen uf folgendes zu antworten: Tie russische Soz,-Dem, Arbeiter- :i kann dem Riesenkonflikt gegenüber, der die grösiten zivili- n Nationen gegencinander aufgebracht hat und der eine direkte e deo Weltimperialismus ist, nicht gleichgültig gegenüberstehen. wisien, dasi dieser Krieg anss tiefste das Interesse der Welt- kralie berührt, indein er einerseits die französische Republik, iclgische und die englische Demokratie dem deutschen seiidalen tarismus ansliefert und andererseits dazu beiträgt, in Ruß- die politische Macht der Romanoivschen Dynastie zu stärken ihre despotische Monarchie zu festigen, Gleichzeitig damit, daß russische Sozialdemokraten unser Augenmerk aus den anlidemo- schen Charakter einer prensiischen Hegemonie richten, dürfen auch nicht den anderen Feind der Arbeiterklaffe vergesien und der ganzen Demokratie: den russischen Ab so lut is- i. Dieser bleibt in seiner inneren Politik unverändert, In and herrscht dieselbe schonungslose llnterdrückung und dieselbe zeitlose Ausbeutung, Sogar jetzt während des Krieges, da hätte erwarten können, das; der Absolutismus vorsichtiger und grosimütiger hätte handeln miisieu, ist er seiner wahren Natur geblieben, denn er verfolgt wie vorher und iibt denselben 1 ans die Demokratie, aus die verschiedenen Nationalitäten lands und vor allem auf die Arbeiterklasse aus. Alle iazia- che» Zeitungen sind unterdrückt, alle Arbeiterorganisationen eiöst: Verhaftungen und Verbanuungeu ohne Untersuchung ohne gerichtliches Urteil finden inimer noä> statt, lind sollte Krieg mit einem vollständigen Sieg der russischen reaktionären termig schliche», ohne das; gleichzeitig eine Temokratisicrung _politischen Macht stattfändc, so wird diese Regierung auch nach

n luh des Krieges ihre volksfeindliche Politik sowohl innerhalb auch auherhalb Ruhlands sortsctzcn, In diesem Falle kann sie Mittelpunkt und der Herd der weltpolitischen Reaktion werden.

l»s diesem Grunde kann das russische Proletariat aus keinen > »ud unter keinen llmständcn auch mir einen kürzeren Wassen- klaiid ms, der russischen Regierung abschltehen, sondern sie muh

I cr legliche »nterstiitzung versagen. Bei »ns kann davon keine 'e iein, die Lonaiiiät zu brechen, Fm Gegenteil, auch wir sehen ^"lcic Ausgabe an, den unversöhnlichen Kamps gegen die 'UM Regierung sortzusetze», vom Standpunkte der alten For- tugcn ans, die das russische Proletariat während der reoo enarcn Bewegung 1905 in so grohcr Einigkeit ausstellte und ii der Rassenbewegung der letzten 2 Jahre erneuerte,

liniere Ausgabe mährend dieses Krieges, der Millionen von lern und Arbeitern in Anspruch nimmt, kann nur den Eindruck . * t 'i c dazu zu nützen, teils die Klasfcnorgauisation der ciicr und die Demokratie weiter zu entwickeln und zu stärken, ' llanze Volk aufzuklären, wodurch unsere Forderungen * ' f, d)tct verwirklicht werden könne». Unsere Losung . bisher die Einberufung einer souveränen nationalen lammlung, eines Kongresses. Auf dieses Ziel arbeiten bim eben um das Interesse der Demokratie, von dem Sic in :r Depesche reden,, zu verteidigen. Tic russische Sozialdemo- c nimmt einen bedeutenden Platz in der Wcltdcmokralie ein; tc für die Ideale und für die Fntcresien der Demokratie t>t. so tragt »e also ach dazu bei, deren Macht und Unterbau tarkeu, o.'tr glauben daher, gerade im Interesse der Welt- 'kratie, das uns so sehr am Herzen liegt, handeln zu sollen, in Rußland herrschende Absolutismus ist eine Stütze des lonären Militarismus in Europa: er ist cs. der die Hegemonie lchlands ermöglicht hat und er ist der schlimmste, drohendste d der Demokratie. Auch die Zukunft unserer sozialistischen cgnng müssen wir im Auge halten. Nach dem Tchlnh des ges kommt eine Zeit, da die demokratischen Kräfte rasch ent-

lt lUCtÖCll ntiiffcn. PlPV illft hrtttn mirS Sie% vonfttn'inrP 'liCr

dp-ktbriä

\c 5

. 23.

werden muffen. Aber just dann wird die reaktionäre Rc- >ng Ruhlands, wenn sie siegreich vor uns steht, mit gesteigerter t und Ansehen das größte Hindernis siir eine demokratische oialung darstellen, Wir scheu cs deshalb als unsere Pilichi er tetzsgen Stellungnahme der russischen Regierung im Fn- «n. H i.i c r 1 1 * 11 f f i i 4 c it Freiheit cntgcgcuzutreten Zn * i p"ch der ganzeu Aeltdemokratie förderlich sein,

^ ^ "pfst uns ebensosehr am Herzen wicallcn anderen

öiir* i Arbeiter-Internationale, Dieses Fntcreffc kann W ? a8 . russische Zarentum gefördert werden, sondern nur

> uig! 0a H öic demokratischen Kräfte Rußlands gesteigert und L> (ir ,,S et ° en : Aus allen hier genannten Gründen scheu wir , 1 historische Ausgabe an, gegen das herrschende Re- na di i und für die Verwirklichung der revolutionären «ragen zu kämpfen. Nur durch eine solche Haltung

P|, ' , ' .»LU flu luiuy |LII. »tut VlUU) mit IVIUJt - "

srrw r Arbeiterklaffe Rußlands, der Wcltdeinokraiic und

'.".Internationale dienlich sein. Air sind fest davon hi /'in J bas Ergebnis dieses Krieges ein solches sein wird, 'Auwl und Bedeutung der sozialistischen Internationale &enn 6ie uoch übrig bleibende Bevölkerung wird getrieben werden, die einzige Rettung aus dem Schrecken des

Militarismus und Kapitalismus in der Verwirklichung unserer sozialistischen Ideale zu juchen,

Ter Vorst, d, ruff, soziakist, Arbeiterpartei sMaiorilätsgruppej,"

Diese treffliche Erklärung sollte besonders von vielen Draus- gängcrn des neutralen Auslandes beherzigt werden. Sie spricht für sich selbst.

Tie Taten derEmden".

Englischer?lergcr.

Der Erchsn.ic Tolegraph meldet ans E o l o m b o: Der Schaden, den dieEmden" der englischen, Kaussahrteislottc lxibrachlc, wird aus ungefähr zwei Millionen Psund geschätzt (10 Millionen Mark),

Tie Tätigkeit derEmden" erweckt, obwohl sie äußerst ärgerlich ist, bei dem englischen Volke eine gewiffc Beivnndtrung, insbesondere da de:r Kominemdant. deffcn Tapserkeit und Uner­schrockenheit unbcziveisclbar ist, bei jeder Gelegenheit Menschlichkeit und Riitterlichkeit bewiesen hat. Jedoch herrscht in der ganzau biitischcn Marine das allgiemeiti« Gesichl, daß die Zeit nahe sei, ivo ivirksani« Maßnahmen sür die Aegnahm« dr-s Schisses getroffen ivcrdcii.

Die Times schreibt: Der kühne deutsche kleine KreuzerEmden" ist wieder erschienen, dieses Mal in der Arabischen Tee, und hat eine gute Bcute gemacht, die au Touuciig.halt den Aert der vorn derEmden" in der Bucht von Btiigaheu gemachten Beute nach übertrisst. DieEin den" versenkte diesmal f ii in f Schiffe, daruntier ein ganz ncues der British East Fndia Eompann, ein großes, mit Kautischuk und Zinn beladcnies S«l>isf der Holt-Lini« und ein ircrivolles Baggerschiif, Tie beschlagnahmte ferner das mit Kohle beladene SchilfLrsord", um ein verloretpeS Kohienichisf zu ersetzen. Das britische Publikum ivar bisher ge­neigt, die Kranz fahrt derEmden" mit ^kminsement und Toleranz zu betrachten, besonders, weil die Lkstziere sich wiadetchott alsso gute Sportsloutc" erwiesen haben, Die Zeit ist aber gekommen, die Admiralität zu sragen, ivann sie beabsichtigt, der kecken Laus­bahn des KreuzersEmden" ein Ende zu machen. Sein Austreten an der Küste von Eovomandel hat Birma abgcschnitten und den Handel Kalkuttas gelähmt, cs hat England über ctutc Million Pfund Sterling gekostet. Das Aiedererscheinan des Kreuzers bedeutet den direkten Verlust eiucr zweiten Million, so daß wir in wenigen Wochen nahezu den Preis für einen Dread­nought verloren l>abcn. DieEmden" ist sernar vcrantwottlich für die gegenivärtige hohe Versich.ernngsratc sür Rouden nach dem Orient. Sie kann uns eventuell den indischen Postdianst unter- brechen. Air wünschen nicht, die gegenwärtig« Tendenz mitzu- inachen und hör,gestellte Seeleute anzuarcifen. aber mir müssen ein« wachsende Unzufriedenheit mit den Maßiiahnicn der Admiealt- tät rerteichnien. Es besteht allgemein das Emptindcn, daß die Ad- niiraliiät den Anforderungen aus der hohen See nicht genügend« Aufmerksamikrit schenkt. Eine 'atmphibische Krisgssührung mag An- ziikhungskrrst besitzen, aber wir ziehen es vor, daß die Flotte sich vor allen Dingen mit dem Ozean beschäftigt. Die Nation ist gleich­zeitig nt i ß g c st t m in t, zu sehen, daß so viel« deutsch« Kreuzer noch ungestört di« M « e r e d u r ch t a h r c n , und daß das nt.it fo nie! Reklame geschaffen« Pünenseld das Erscheinen feind- l j ch c r Unterseeboote bei Ostende nicht verhindert hat. Die Nation fürchtet, daß bei der Admiralität die Tendenz herrscht, ihre Tätigkeit zu sehr zu zersplittern, und sie würde den Nachweis begrüßen, daß di: Admiralität sich ausschließlicher aus ihre ctgeirt- lichen Aufgaben konzentriert.

Was soll Nilkttätlie,, tun?

Tie Haltung Rumäniens im gegenwärtigen Weltkrieg ist von nicht geringer Bedeutung: wie in Bulgarien, läßt Rußland des­halb auch Rumänien reichlich die Rubel rolle», um Rumänien zum Anschluß an den deutschfeindlichen Bund zu bewegen. Die Regie­rung des verstorbenei, Königs entschied sich für Neutralität und in den ersten Regicrnngstnndgcbuiigen unter dem neuen König wurde versichert, daß man an der alten Politik fcsthaltcn ivolle. Aber in gcwiffcn rumänifchcn Kreisen vcrfcblk das russische Liebcswerbcn und der russische Rubel seine Wirkung doch nicht. Ein ungenannter rumäuischcr Politiker hat daher vor einigen Wochen ein Schriftchen erscheinen lasieutWas soll Rumänien tun?" fSoeben in deutscher llcbcrsctzuug bei Karl Curtius, Berlin \V. ;}5, erschienen), in dem er dringend vor dem Anschinsi an Rußland warnt. Er faßt seine Tarlegungeit im Schlußlapitel wie folgt zufammen:

Aus diesem Kriege wird ohne Zweifel eine neue Grup­pierung der europäischen Staaten erfolgen, und zwar:

Entweder wird Rußland besiegt, und dann wird ihm die Einbruchsstraße zu uns und zum Mittelländische» Meere für lange Zeit sweii» »ickü für immer) versperrt: oder Rußland wird Sieger bleibe», und daun werden alle Länder und Völker Euro­pas die in dieslawische Zone" bis zum Adriatischcu Meere, Tirol und de» dcutschcn Grenzen fallen unter den Einfluß Rußlands kommen, welchem bald die russische Herrschaft folgen wird.

Im ersten Falle wird das Rumänentum nicht nur im Besitze seines heimatlichen von den Urvätern geerbten Bodens bleiben, sondern auch seine historische Mission von zwei Jahrtausenden bewahren: eine wiedcrerwachte lateinische, von der slawischen Nebcvflutuna gerettete Kultur zu entwickeln, einerömische Schild,vache" der abendländischen Kultur in den Karpathen, am Tnjestr und an, Schwarzen Meere gegen den Uebcrfall der asiatische» Barbarei sein.

Im zweiten Fall wird über kurz oder lang alles über­schwemmt werden, und kan» alles verschwinden: geschichtliche

Mission, römische Schildwachc, lateinische Kultur und der rumänische Volkstamm.

Der Sieg Rußlands im Name» des Panilawismus und an der Spitze der -asiatischen Volksschwärme bedeutet die nahende Todesgefahr des rumänischen Volksstammes. . . .

Mögen wir mit ihm gehe», mögen wir ihm noch soviel Hilfe leisten, möge cs uns nach dem Siege noch soviel Lohn versprechen oder geben alles wäre von kurzer Dauer, alles würbe von seinen besonderen Trieben und von seiner und seiner Völker Feindschaft gegen die ganze abendländische Kultur ans romani», scher, lateinischer Grundlage, vcrnichlet werden,

Deutschland, das mit starkem Herzen und gestählter Brust, vor diesem asiatischen Einsall in neuer Form steht, erfüllt den riesenhaften Berus des Verteidigers der europäischen Zivtli. salion, . . .

Es ist eine große Sünde, cs ist ein sllrchtcrlichcs Verhäng­nis, daß dieser Einfall sdcr Ruffcn) von einer so gebildeten, reichen und edlen Nation, wie die französische, nnterstiitzt wird, die vom Siege, siir den sie jetzt alle ihre Kräfte an Menschen und Rcichinin cinsetzi, nur große und schwere Verluste in einer sehr nahen Zukunft zu erwarten hat, , , .

Tic Riimänen sind nickst fähig, einen solchen Fehler zu be­gehen. Wir wissen, wer die Russen sind. Wir haben sic des öfteren in unserem Lande gehabt, das sie alsProtektoren" be­setzt halten: wir haben sic als Nachbarn: wir haben sic alsVer­bündete" gehabt, und wir haben sic sogar aus großer Not mit unserem Blute gerettet: wir hatten eine große und schöne Pro­vinz, die sic »ns genommen und seit einem Jahrhundert be­herrschen, Wir kennen sie, wir wiffen, ivie sic sind, aber die Franzosen kennen sie nicht. Tie haben jetzt mit ihnen eine vor­übergehende Verbindung, die sic viel, sehr viel kostet, aber sic können cs bczalstcn. Wir aber können den Sieg ihres Biindniffcs nicht mit der Zukunft und mit dem Leben unseres Volksstammes bezahlen. Das verstellt nickst nur jeder ßlumänc, sondern jeder richtig urteilende Mensch, Nein! Rumänien kann nicht mit Rußland gehen, um Deutschland nicderzuwcrsen,"

Runräilien bleibt neutral!

Bukarest, 23. Zit. Wie bei dem Regierungsantritl:

eines nouen Königs üblich, hat der Ministerpräsident dem .stönig die Demission des gesamten Kabinetts angeboten. Ter König hat darauf mit den Präsidenten beider Kammern Beratungen gepflogen und sodann die Dentission abgclehnt^ sodas; das Ministerium Bratianu in der bisherigen Zu», sammensehung weiter am Ruder bleibt. Das will besagen^ daß die bisherige auswärtige Politik der loyalen Neutralität auch weiter fortgesetzt wird. Diese Politik ist auch bisherj unter der Ministcrpräsidentschaft Bratianus mit aller Festig­keit und gegen gegnerische Ströinungen in der Presse und öffentlichen Meinung, die auch von einigen Politikern ge­nährt werden, auf das entschiedenste durchgeführt worden. Sie ist nunmehr erleichtert durch die neue Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz.

Eikke persische Note au Rusiland.

Zürich, 23. £ft. (titr. Frkft.) Tie persische Regierung überreichte der russischen Gesandtschaft in Teheran eine Note. Persien verspricht darin strenge Neutralität, fordert abcr^ ffitthland aus, die russischen Truppen aus der militärisch be» setzten Provinz Aserbeidschan znrückzuziehen.

Ucber die österreichisch-ungarische Heeres- * organisation

bestehen in Dentsehland einige weit verbreitete Jrrtiimcr, die noch dadurch vergrößert werden, daß gewisse Ausdrücke und Bezeich-^ uungcn in beiden Ländern eine durchaus verschiedene Bedeutung haben, Tics trifft vor allem auf die Landwehr zu. In Deutsch­land ist die Landwehr die Zusamniciifaffung der älteren Jahr­gänge gedienter Maiinschgftcn, die aus der Reserve in die Land­wehr überircien. Während also in Deutschland der Landwehr nur Leute angehörcn können, die mindestens einige 30 Jghre alt sind und während cs hier im Frieden Landwehrtruppcnverbändc nicht gibt, ist in Oesterreich die Landwehr und in Ungarn die Sonved eine aktive Armee mit allen drei Hauptwasfcn, Trüben gab eS auch im Frieden stets aktive Landwehr- und Honvcdrcgi- mcnter und alljährlicki bei der Affenticrung lMusterung) wurde das gesetzlich festgestellte Kontingent genau so wie zurLinie", zur ge­meinsamen österreichisch-ungarischen Armee, auch zu den beiden Landwehren ausgchoben und in sie eingereiht. Bei den Land­wehren war die zweijährige Dienstzeit schon seither eingesühri als bei dem Heere, Dieses führte in allen seinen Teilen die Bezeich­nungKaiserlich und Königlich", abgekürztK. u. k," wie übri­gens alle Oesterreich und Ungarn gemeinsamcii Einrichtungen und Behörden auch, z, B, das Reichskriegsministerium, das Miiiistcrium des Aeußeru und des Kaiserlichen Hauses und das Lieichs-Finanz- iiiinisterium, dem auch die Verwaltung Bosniens und der Herzego­wina untersteht. Die österreichische Landwehr dagegen ist, wie alle Institutionen der zisleithanischcn Hälfte des ReichesKaiserlich­königlich". abgekürztK. k," ohne dasu" dazwischen. Die Honved, die ungarische Landwehr, istKöniglich-ungarisch", oder in der ungarischen abgekürzten SchreibweiseMag, Kir," Die Kommando- und Ticnstsvrachc ist in der Armee und Marine und in der Landwehr deutsch, in der Honved magyarisch. Der Generalstab in Wien ist für die gesamte bewaffnete Macht zu­ständig, also auch für die beiden Landwehren, die aber im Frieden jede ihren eigenen Oberkommandanien haben und direkt nicht dem Kriegs,ninistcrium. sondern den beiden LaudesvertcidiguugSmini- sterien unterstehen. Die Landwehren und der Landsturm können nach dem Gesetz nur mit Zustimmung des Parlgments ihrer Reichs- häiftc anßcrbalb ihres Landes verwendet werden. Diesmal hat eine Kaiserliche Verordnung die Zustimmung des österreichischen Reichsrats ersetzt, Tie Landsturmpflicht geht bis zum 42, Jahre, die Pfiicht zu Kricgsleistniigen bis zum 50.