In die Stadt selbst fiele» wenige Granate», hnuptsächlich in die Nähe des Kommcmdogcbändes. Tic Bevölkerung verhielt sich miö- q^jchnet und hob durch ihr Verhalte» den Geist der Besatzung, sofern dies noch möglich war.
Bon der Heftigkeit der Angrisse hat num ei» Bild, wenn man -äs Leichen selb vor den Werken sieht, Jn der Hindcrniszon« sind meterhohe Leichenbcrgc aufgetürnit. Viele Leichen hüngen an Drahtgeflecht«,,. (Die 8!»ssen benützten leurr Sturm sehr praktische Trahtschcercn, die am Gewehr und Bajonett angebracht sind.) Der Angriff kostete die Rusien wenigstens vierzigtausend Tote und Verwundete und zahlreiche Gefangene. Die Gefangenen muffen nun die Leichen bestatten, während „och drausieu die Kanonen donnern. Cs sind das die Scheidegrüßc der abziehenden Ruffenarmee.
Die Gefangenen wurden hauptsächlich bei Miseren Ausfällen ge- ,nacht. Merkwürdigerivcise sind viele von ihnen wahnsinnig. Ti« Forts haben garmcht gelitten. In ein Fort schlugen 250 Volltreffer «in, sie blieben aber ganz wirkungslos. Jn einen entlegenen, schwach besetzten Infanterie-Stützpunkt waren Russen cin- gedrinigen. Unsere Besatzung, etwa hundert Mann, wehrte sich verzweifelt mit Bajonetten und Gcivehrkolbcn, bis Hilfe kam. Sämtliche Russen, sofern sie noch nicht niedergemacht waren, wurden gefangen.
Tie Belagerungsarniee zählt« siius Korps, zumeist Truppen, die hauptsächlich ans den Aelagerungskampf gedrillt sind. Am 8. Oktober ließ die Heftigkeit der Angriffe nach. Die Truppen wurden zurückgezogen, aber von den Nuferen energisch verfolgt. Ter Rückzug vieler russischer Abteilungen geschah sluchtartig. Die Lsfensiv« unserer Hauptarnice war so wirksam, dass Przemysl nunmehr entsetzt ist. Rirr an der Lstfroni demoitstrieren noch russische Gruppen, wahrscheinlich um den Abzug zu verschleiern und zu decken.
Die Gelagerima von Verdun.
Der Londoner Daily Telegraph meldet aus Tt. Louis, dort sei ei» drahtloses deutsches Tilegromi» eingctrosscn. wonach die Belagerung von Verdun gute Fortschritte inachr. Verschiedene Forts seien bereits genommen, die übrigen stünden vor der Ucbergabc. Diese Meldung findet aber in Cnglnnd und Frankreich keine» Glauben. Ter Rottcrdamcr Korrespondent der Daily Mail meldet, die Deutschen entsalten an der May große Atlivität.
Die deutschen „Verschwörer" in Marokko.
Berlin, 22. Okt. sW. B. Amtlich.) Durch amtliche Erniittluu- g«n ist di« Nachricht bestätigt worden, daß ein« Anzahl von in Marokko lebenden Deutschen in Casablanca wegen angeblicher Verschwörung gegen das französisch« Protektorat vor ein Kriegsgericht gestellt wurden. Es handelt sich um folgende Deutsche: Karl Ficke, Kratc, Brandt, Mar Witt, Waetgcn, Foennics Seyfert, Rehkorn, Mohn, Grundier, Geysen, Dobbcrt, Bazlen. Tic Vertretung der deutschen Fntercffen in Marokko nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika wahr. Speziell in Casablanca vertritt sie mangels eines ourerikanischeu Lstrussboantten der dortige italienische Konsul. Die amerikanischen und italiemschen Behörden treten nachdrücklich für unfeve bedrohten Landsleute ein. Ti« deutsche Negierung hat alle Schritte getan, um den Sachverhalt cnrfzuklären und den rn französischer Gewalt befindliche» Deutschen jede irgendivie mögliche Unterstützung zukommen zu lasten. Die französische Regierung ist davon in Kenntnis gesetzt worden, das, die deutsche Regierung für jedes widerrechtliche Vorgehen gegen die aitgeschnidlgteii Deutschen inderrjicksichislosesten Weise Rechen schaftforüern werde.
Repressalien gegen Frankreich nnd England auch in Oesterreich-Ungarn.
Budapest, 22. Okt. (Ctr. Frkft.) Um den feindseligen Akten Frankreichs und Englands gegen das reichsdentsche und österreichisch-ungarische Kapital, soweit dasselbe in Eng- land oder Frankreich investiert oder von dort abhängig ist, zu begegnen, wurde in einer gestern abgehaltenen Minister- bcsprcchung über die gegen Frankreich und England zu ergreifenden Wirtschafts- und finanzpolitischen Retorsionen beschlossen, entsprechende Repressalien demnächst im Verord- pungswege in Kraft treten zu lassen.
Eine gute Antwort.
Das Rcuterschc Bureau meldet aus Konsianiinopcl vom 19. Oktober: Auf die britische Vorstellung über die fortgesetzte Anwesenheit deutscher M a n n s ch a f t c n auf türkischen Kriegsschiffen hat die Pforte end- züliig erwidert, das, dies eine innere Angelegenheit sei.
Unruhen in Portugal.
Halbamtlich wirb gemeldet: In der letzten Nacht erlitten Ciscn- Mtm und Telegraphen Verbindungen durch Sabotage eine zeilwcilige SjjMwfl. Sie wurden aber bald wieder lwrgcstcllt Augen- oncknch herrscht wieder Ordnung, außer in Braganza und Mafra.
Erhebmigen »ersucht wurden, die aber schnell untcrdriickt wur- Ein« Bande Ausständischer, die von Masra auszog, wird jetzt von Trupps verfolgt. Der sriihere Oberst Adrian» Bcca sckzeint «w Haupt der mißlungenen Erhebung zu sei». Er wurde in braganza sespgenommen.
Tven Hedin über Deutschla»«d.
Der schwedische Forschungsreiscnde Sven Hedin, der sich an der Deutschen Front iin Westen befindet, sendete am 5. d. einem Freunde einen Brief, den das Sydcvenska Tagbladct veröffentlicht. Hedin schreibt, daß er vom ersten Tage an nicht einen Augenblick an dem Ausgang des Krieges zweifelte. Nachdem er mit eigenen Augen so viel gesehen und sich ganz nn Mittelpunkt der Geschehnisse befinde, verstehe er klarer als jemals, das; das deutsche Volk, das für seine Existenz kämpft, siegen mutz. Es finde eine Völkerwanderung der Germanen, die für das eigene Dasein, ihre Zukunft und ihre Grötzc kämpfen, gegen Westen statt, wie sie die Welt nie gesehen hat. Von der entgegengesetzten Richtung, von der Front gegen Deutschland, gehe auch ein gewaltiger Strom, das seien die Verwundeten und auch die Gefangenen. Er habe gesehen, wie die Gefangenen behandelt werden, und habe mit mehreren hundert französischen Gefangenen gesprochen. Diese sprechen ausnahmslos mit Dankbarkeit von der milden und humanen Behandlung, die sie geniesten. Tic erhalten die gleiche kräftige warme Nahrung wie die Deutschen. Hedin lebt das ritterliche Verhalten der Deutschen hervor. Teutsch- mnd würde nicht eine Kugel über die Grenze gesendet haben. Den» es nicht gegen seinen Willen dazu gezwungen worden Hedin rät den neutralen Staaten, die Zcitungs- Meldungen kritisch zu lesen, da die Welt nie so ungeheure i-"gen gesehen, wie sie jetzt über Deutschland verbreitet wer- den. Hedin könne bei seiner Ehre beteuern, datz der Kaiser
z»m Aenherstcn alle Mitel anwcndcte, um den Krieg zu vermeiden.
Amerikanischer Protest ftegen England.
Washington, 22. Okt. (SB. B. Nichtamtlich.) Die Presse erörtert lebhaft die Beschlagnahme des Standard-Oil-Schiffes
„Brindilla" durch einen britischen Kreuzer. — Tie'Ncwhorker Zeitung American spricht von der Wahrscheinlichkeit eines heftigen Protestes. — Tie Washington Post schreibt: Ti neutrale Schiffahrt der Unionstaaten, die Ladungen der uei. trc-len Staaten übermittelt, ist nach dem Völkerrecht ein Liecht der Neutralen und von der Untersuchung nnd Beschlagnahme befreit. Ta die Unionstaaten mit allen Nationen Freundschaft halten, würde nian Geduld üben, wenn fremde Kriegsschiffe versehentlich amerikanische Rechte beeinträchtigen. Aber wir können nicht dulden, wenn irgend eine Nation das Recht beansprucht, Schiffe mit Cargos für neutrale Häsen ohne Verbindung mit den kriegfübrcndcn Nationen 311 bc lästigen, zu durchsuchen und zu beschlagnahmen.
tSfjina und Japan.
Zürich, 22. Okt. (Ctr. Frfii.) Die chinesische Regierung verharrt auf den, Standpunkt, datz die Besetzung der Scharr tung- ba h n durch Japa n und di« Beschlagnahme d-es gesainten deutschen Eigentums m der Provinz Schantung eine schwere Verletzung der Neutralität Ehinas bedeute. Tie Nachricht aus Washington, daß A ni crika diesen Standpunkt teile, i*u in Japan Eindruck geinacht. Japan verflicht, die anrerikanischc Regierung zu überzeugen, das; die Station W ei sie» der Schau tu ngbahn ein« Proviantbasts der Deutschen sei. Viele Amerikaner sind Miteigentümer der von den Japanern besetzten Bergwerke jn Schap-
tltNg.
Im Hause des Jammers.
In dem Gebäude der Kriegsschule in Berlin hat das Kriegs Ministerium die Zentralstelle für Auskünfte über Verwundete und Vermißte unlcrgcbracht. Die langen Fronte» des roten Ziegel- banes sind mit Verlustlisten beklebt, deren Lektüre unausgesetzt eine dichtgedrängte Menge sich angelegen sei» läßt. Fast Tag für Tag dieselben Gesichter — mit airgstcrslllltcn Mienen werden die langen Listen studiert, man will wissen, ob der Gatte, der Vater, der Bruder nicht etwa verwundet, vermißt oder gar ein Opfer des Todes auf dem Schlachtfeld geworden ist. Mau sicht nur tiefernste bekümmerte Gesichter und auch der tcilirahmlosc Straßcnpassant wird ernst, wenn er durch diese Mcnschenmasscn sich durchdrangcn mutz.
Aber ernster noch wird bas Bild, wenn man in das Gebäude eingctrcteu ist und die prächtige Freitreppe erklommen Hai. Papp- tafcln mit der Aufschrift: „Zur AnskunftSstellc" zeigen den Weg, der in einen großen Saal mündet, der sonst wohl bestimmt ist, Lehrzwcckcii zu dienen. Hier sind lange Tafeln anernander- gcschobcn, hinter denen Beamte des Kriegsministeriums ihres Amtes wallen. Nicht wie sonst: preußisch-schneidig, sondern teilnehmend-gefühlvoll. Vor diesen Tischen drängt sich unausgesetzt eine dichte Menge. In halblautem Tone werden die Anfragen gestellt, auf eine» Zettel geschrieben imd zur Fcstftcllung weiterge- gcbcn. Ein Stabsarzt erkundigt sich nach dem Schicksal seines Bruders, ein junges blondes Weib, in deren Antlitz Schmerz und Kummer deutliche Spuren gezogen haben, will wissen, wo ihr vor vier Wochen als verwundet gemeldeter Mann geblieben ist. Neugierig ängstlich um sich blickend, schmiegen sich zwei Kinder an die Mutter an. Des Fragens ist kein Ende. Bange Erwartung, Furcht und Hosfnnng spiegeln sich in den Gesichtern derer, die, aus lange» Stuhlreihen sitzend, der Antwort harren. Die Minuten werden zur Ewigkeit — diese bange Qual der Ungewißheit! Endlich werden Namen aufgcrufeu. Tie Frau mit den beiden Kindern tritt vor, ihre Augen leuchten auf vor Freude, ihr Mann lebt, er liegt schwerverwuudet in einem ihr näher bezeichnctcn Lazarett. Instinktiv, wie zu Gebet, falten die Kinder die Hände und die Gruppe drängt dem Ausgang zu.
Plötzlich gellt ein Aufschrei durch den Saal. Hilfsbereite Hände stutzen eine Frau, sic erhielt die Auskunft, ihr Mann sei tot. Man geleitet sic sorgsam nach einem Stuhl, Diener stürzen herbei sie bringen Wasser. „Mein armer Mann", „meine armen Kinder" — schluchzend stößt es die bedauernswerte Frau hervor. Tief ergriffen sind die Umstehenden, kein Auge bleibt trocken. — Auf einer der hintersten Stuhlrcihen sitzt ein altes bäuerliches Ehepaar. Ter Mann hält die Hand der Fron in der seinigen. Tie beiden alten Leute weinen still vor sich hin, den Sohn, der ihnen eine Stütze sein soll, haben sic verloren. Kaleidoskopartig wechseln die Bilder. Tie meisten Besucher verlassen enttäuscht nnd doch noch von einem Hoffnungsstrahl beseelt die Halle: „Das Regiment hat noch nichts gemeldet." Auch uns ward eine negative Auskunft, und erschüttert kehrten wir diesem zum grause des Jammers gewordenen Gebäude den Rücken.
Die deutschen Unterseeboote.
Die Tut des deutschen Untersceboctcs, das das englische chiff „Gliira" vor der norwegischen Küste versenkt hat, er- regt in der Presse großes Aufsehen. Ter norwegische Admiral Börrisscn schreibt in; Morgcnbladet:
Es ist, als befinde sich alles in einer Verwandlung. Jn London erörtert man ernsthaft die Notwendigkeit, sich auf den Schutz gegen deutsche Luftbataillone über London vor- zuberciten. Die Taten des deutschen Kreuzers „Emden" sind groß, stellen aber nicht eine neue Methode dar. Alle alten Begriffe geraten ins Wanken. Welche Fernblicke eröffnet nicht die Tat des deutschen Unterseeboots? Die Kreuzer müssen mit Volldampf verschwinden, sobald er aufschnellt. Das Unterseeboot war 60(1 Tonnen groß. Es würde keine Schwierigkeiten machen, viel größere mit einem größeren Aktionsradius zu bauen. Wie können die englischen Kreuzer Englands Handel und Verbindungen über See gegen diele „Pest", wie die Times sie nennen, beschützen?
Die Times erhalten ein Telegramm über Angriffe zweier deutscher Unterseeboote auf zwei britische Kanonenboote, die in ein Gefecht mit deutschen KUstcnbattcricn an der französischen Küste verwickelt waren. Englische Torpcdooboote kamen zu Hilfe, sodaß die deutschen Unterseeboote sich znrückziehen mußten.
Dcntschenverfolgttna in England.
W. 15. London, 23. Okt. (Nichtanitlich.) Tie Polizei hat gestern 120 Deutsche und Oesterreicher verhaftet und sie in das Militärlager gebracht. Jn Brighton forderte die Polizei die anwesenden Deutschen und Ocsterrcicher ans, die Stadt binnen einiger Tage zu verlassen. Infolge der Campagne der Jingopresse hat eine große Anzahl bekannter Hotels alle deutschen und österreichischen Angestellten ent- lassen, darunter den Stellvertreter und Geschäftsführer des Hotels Earlton Ritz.
Tie Beute von Taunenberg.
Rotterdam. 23 Okt. Der Kriegsberichterstatter des Nieuwe Rotierdaidsche Courant, der das Schlachtfeld in Ostpreußen besucht hat, schreibt, daß die Beute von Tairncnbcrg so gewaltig gewesen sei, daß die Deutschen 1820 Güterwagen brauchten, «m sic sorizu- schasfen.
Amerikanischer Protest gegen England.
Aus Washington lvird über London telegraphiert: Der Staatssekretär des Auswärtigen, Brqan, teilt mit, daß die Bereinigten Staaten gegen die von einem englischen Kriegsschiss vorgenommene
Beschlagnabrne des ainerckanischeu Petwscuindampsers „I. T. Rocke« scllcr" Protest eingelegt haben.
Tie Presse zur Landtagssitznng.
Zu der gestrigen preußischen KricgStagung sagt das Berliner Tageblatt: lieber die praktisch« Seit« der Tagung
hinaus ragt die «inmiitig« Bekrutdung zum Siege. Jn beide.» Häusern fand sic ein stürmisches Echo. Als im Abgeordnetenhaus« der Präsident zum Schluß seiner Anssprache das Volk in Waisen und seinen Kriegsherrn lwchlcbcn ließ, dnrchbranstc vielleicht zmn erstrnmole im preußischen Parl.rrnem ein donnerndes Hurra das ganze Haus, dem sich auch die äußerste Linke nicht verschloß.
Im Berliner Lokalanzciger heißt es: Wie am
!. August im Reichstage, so ist gestern in, preußischen Landtage vor aller Welt dargekan worden, daß Volk nnd Volksvertretung geschlossen hinter der Regierung stehen und daß wir bereit sind, ohne «in Wimpcrnzuckcn auä> die größten Opfer zu bringen, um die Feinde ringsum nicdcrzuringcn und dann weiter, um die Wunden, zu hcileit, die der Krieg geschlagen hat.
Jn der Vossi scheu Zeitung schreibt der Abgeordnete Pachnrckc: Von neuem hat sich deutscher Opfermut nnd Sicgesnülle glänzend offenbart. Gcn>attig nur die Summe, die das Staatö- ministerium forderte, unge,vöhnlich die Vollmacht, die es beanspruchte. Aber die Volksvertretung gewährt« beides in dcr Ueber- zcngitng von dcr dringerrden Notwendigkeit, hier im großeli Etil« zu Helsen.
Die Tägliche Nuitdschau wünscht, das; di« Krast tmier- ländischcr Gesinnung auch bei der im nächsten Jahre notivcndigen, vielleicht längeren Tagung des Parlaments anhAt und selbst bei dcr Erörtcrirng von Einzel fragen eine verftündni sbeveite Vcrkehrs- fvrm zwischen den einzelnen Parteien zeitigt, iiccf) der sich der bessere Teil des Volkes von jeher gesehnt habe. Ob die Beknndnng dcr Eozialdeniokraten an, Platze gewesen sei, darüber könne man streiten. Jedenfalls seien die sozialdemokrakisck»eri Wünsche leidenschaftlos und in sachlicher Form vor- gctragen ivordcn. Andererseits iväre die Wirkung dcr Sitzung ohne das Sonüerverhaldeir der Sozialdemokraten ,mch außen hin von poch größerer, moralischer Durchschlagskraft gewesen.
In der Post liest man: Die Wünsche der Genossen, die, wem, sic ernstlich zur Erörterung gestanden lchtten, nur geeignet' gewesen wären, den heiligen Burgfrieden unter den Parteien zu gefährden, ivurdcn vom Hause mit eisigem Schweigen eurdgiegengewo-mmeu.
Tie N cu c st e u Nachrichten äußern: Wiederum kommt der Treitwnnngsstrich, die Brrrchstclle, die Scheidelinie: die Sozialdemokratie. Ganz sicher ist gcstcrn kein Aula ß Vorstände» geivcsen, daß die Sozialdemokratie sich gegen die Gesamtheit der bürgerlichen Parteien zu stellen, oder stimm» ngsmocheird von ihr abzumeicheil nötig gehabt hätte.
Revisioi« der Geiioisin Luxemburg vertvorfcn.
Vor dem Reichsgericht in Leipzig wurde cm Donnerstag über die Revision verhandelt, die Genossin Luxemburg gegen das auf ein Jahr Gefängnis lautende Urteil der Frankfurter Strafkammer eingelegt hatte. Die Revision wurde verworfen und damit ist das Urteil, das so großes Aufsehen erregt hatte, rechtskräftig geworden.
Bleibt Portugal neutral?
W. R. London, 23. Okt. Daily Chronicle meldet: Tie kürzlich umlaufenden Gerüchte von einer bevorstehenden Einmischung Portugals in die kriegerischen Ereignisse sind unbegründet.
Die Schlacht bei Nieupoort.
W. R Amsterdam, 23. Oki. Tklcgraaf meldet aus Sluid vom 21. Oktober: Viele Häuser in Ronssclaer siche» in Brand. Ei» Teil der Einwohner ist gcflllchtrt. Tic Dcuischc» beschießen Nicn- poort, das von den Verbündeten bcseßt ist, von Mariakccrkcn bei Ostende aus. Tie Verbündete» aniworien 00 m Lande und von den englischen Kriegsschiffen aus, die bisher aus dcr Höhe von Nicu- poori stehend, sich jetzt Ostende genähert haben. Vom Damme bei Ostende aus kann man den Geschützkampf beobachten.
Takatschio das Opfer eines deutschen Torpedo.
T. U. Berlin, 23. Oki. AuS Shanghai wird über Rotterdam gemeldet: Sicherem Vernehmen nach ist der japanische Kreuzer „Takatschio" vor Tsingtau nicht ans eine Mine gelaufen, sondern durch den Angriff des deutschcii Torpedobootes „8 !M>" vernichtet worden. Das Torpedoboot wurde nach dem Angriff 60 Seemeilen südlich von Tsingtau auf den Strand gesetzt nnd gesprengt. Die Mannschaft ist gerettet.
!lizesbttilht lies Grche» SllHtliUrtierS.
Erfolgreiche deutsche Angriffe im Westen. Nnsffsche Angriffe im Osten abgewiesen.
W. B. Großes Haiipiquariier, 23. Oki, vormitiagS. sAmilich.) Ap> N s c r k a n a l wurden gestern Erfolge errungen. Südlich D! x m u i d c n sind unsere Truppen vorgcgangen.
Westlich Lille waren unsere Angriffe erfolgreich. Wir sctzien uns in den Besitz mehrerer Orischasicn.
Auf der übrigen Front des Westhecres herrschte im wesentlichen Ruhe.
Im O st c n wurden russische Angriffe In der Gegend von A u g u st 0 w zurückgeschlagcn und dabei mehrere Maschinengewehre erbeutet.
Vom südöstlichen Kriegsschauplätze liegen »och keine abschließenden Meldungen vor.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.
Verlag von Krumm & Eie., Gießen.
Druck: Verlag Osscnbachcr Abendblatt, E. m. b.H., Ofsenbach a.M.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.
Es können eingestellt werden:
a) Sei hiesigen Arbeitgebern:
2 Bauschlosser, 1 Schmied, 1 Küfer, 1 Müller, 1 Bäcker, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 1 Fnhrknccht, landwirtschaftliche Arbeiter, 2 Dienstmädchen.
b> bei auswärtigen Arbeitgebern:
5 Eüendrcher, 1 Müller, 1 Metzger, 1 Glaser, 1 Schuhmacher, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Drainagcarbeitcr, Erdarbeiter, Maurer. Zimmcrleute, Bctonarbciter, Taglöhner. Lehrlinge: 1 Schuhmachcrlehrling.
Es suchen Arbeit:
2 Schmiede, 1 Installateur, 8 Schlosser, 2 Spengler, 3 Bnch- binder, 3 Polsterer und Tapezierer, 7 Schreiner, 1 Glaser, 2 Schuhmacher, 3 Schneider. 3 Weißbinder und Lackierer, 1 Stukkateur 5 Kaufleutc, Schreiber, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglöhner. Kellner, Hausburschcn, Putz-, Wasch- und Lauffrauen: Mädchen zur Erlernung der Haushaltung.
Lehrlinge: 1 Schloffcrlchrling, 1 Glaserlchrliinv_
Reichb-iIsigeS Lager in Gold- und Silberware«.
Lieierant de» Konsum - Bnein» Gseßen » Uuig. und des Eisenbahn-Konsumverein?.
— Man verlange Rabattmarken.,
I.Kllliliiikli.Gietzeis
Marktplatz II.
Uhrmacher und Golbarbeiter.


