Ausgabe 
17.10.1914
 
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prgaiiisatioiie» aufgelöst worden. Verhaftungen und Ausweisungen ohne Urteil finden andauernd statt. Deshalb kann das russische Proletariat aus keinen Fall und unter keinen Umständen einen Waffenstillstand mit der russischen Regierung schließen, sondern muh ihr jede Unter stiihui'ä verweise ru. Bei uns kann keine Rede von einem Bruch der Treue sein. Umgekehrt halten wir es jetzt sür unsere Pflicht, vom Standpunkt der alten Forderungen, die das russische Proletariat einmütig während der letzten revolutionären Bewegung ausgestellt hat, den unversöhnlichste» Kampf A e fl c n d i e Regierung s o r t z u setzen. Wir halten es für unsere Pflicht, die jetzige Lage der russischen Regierung jm Interesse der russischen Freiheit auszu nützen.

Japanannektiert" in Elsina. '

Ter Londoner Daily Telegraph erfährt ans Peking, daß die Avantgarde der Japaner, die aus zwei Kompanien be­stand, Tsinanfu, die Endstation der Schantungbahn, besetzt hat. Sie haben sich ohne Zwischenfall des gesamten dort an- gcsammclten rollenden Materials bemächtigt. Tie 5. chine­sische Division, die in der Nähe lagerte, ist in Bcobachtungs- stcllung geblieben. Zwar sind fortwährend Zwischenfälle vor- gekommen, ober den japanischen Truppen ist kein energischer Widerstand entgegengesetzt worden.

Ins eigene Fleisch geschnitten.

London, 15. Ott. (Nichtamtlich.) Tailn Telegraph zufolge hat di« Regierung neu« strenge Bestimmung über die Ausfuhr von Wolle und Wollivarcu erlassen. Dadurch wird die Ausfuhr von Wolle und Wollgarn, von ollem wollenen Tuch, das für Unisormen brauchbar ist, sowie die Ausfuhr von ans Merinowolle hergcftcllter Ware und eine Menge wollener Kleidungsstücke nach allen auslän­dischen Bestimmungsorten au her den britischen Besitzungen ver­boten. Die Folge wird eine wesentliche Einschränkung des Handels auf den bedeutenden neutralen Märkten sein.

Reick,stagswaftlen ohne Partcikämpfe.

Drei Reichstagswahlen werden in den nächsten Tagen ohne Kampf vor sich gel>cn. In Heidelberg sind dem nationalliberalcn Kandidaten Obkirchner keine Gegenkandidaten ausgestellt worden. In Anrich ist Dr. Stresemann von den Rationallibcralcu und in Mannheim Dr. Geck von den Sozialdemokraten als einziger Kandi­dat ausgestellt worden.

Keine Einberufnng des sächsischen Landtags.

Tie sozialdemokratisch« Fraktion des sächsischen Landtages er- ^suchte die Regierung, einen auhcrord-entlicknm Landtag zur Be­schaffung von Mitteln sür die Kriegshilsc und die Regelung der Ar­beitslosenunterstützung cnizilberufe». Die Rcgierrmg beabsichtigt jedoch, die Einberufung erst Anfang kommenden Jahres vorzu- nehmcn.

Schiffahrt ans dem Nhein-Rhonckanal.

Die Tchsssahrt auf dem Rhcin-Rhonekanal zwischen Ttraßburg Nnd Mülhausen sowie aus dem Rhern-Marnekanal von Strasiburg bis Gondrerena und darüber hinaus über den Saarkohlenkanal bis Saarbrücken ist wieder freigegeben worden.

Liegreiche tsicfechte in Ungarn.

W. B. Wien, 16. Okt. iRichtamtlich.) Aus dem Kriegspresse- guartier wird vom 15. d. M. amtlich gemeldet: Die Vertreibung der Rnffcn aus dem Marmaroser Komitat ersolgtc nach einer Reihe siegreicher einzelner Gefechte. An diesen Aktionen hatten auch Mitglieder der polnischen und ukrainischen Legionen hervor­ragenden Anteil. Ihre Angehörigen haben sich durch mutiges Verhalten ausgezeichnet.

TlilMrilht des Wiojicuöflujifquaiticis.

\V. B. Großes Hauptquartier, l(i. Cft., mittags. Die Ruhen versuchte» am 14. Oktober sich wieder in den Besitz von Lyck zu setzen. Ter Angriff wurde zurückgewiescu. fSOO Gcfaiiqcnc, eilt Geschütz und !j Maschinengewehre fielen in unsere Hände.

Brügge wurde am 14. Oktober, Ostende am 15. Oktober von unseren Truppen besetzt.

Hestigc Angriffe der Franzose» in der Gegend nordwest­lich von R c i in S sind nbgcwiesc» worden.

Tic Franzosen melde» in ihren amtliche» Bckannt- Nochungen, das; sie an verschiedenen Stelle» der Front, z. B. bei Berry an Bac nordwestlich Reims merkliche Fortschritte gemacht hättcu. Diese Meldung entspricht in keiner Weise den Tatsachen.

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Telegramme.

Ostendes Fa ».

Mit Ostende ist der wichtigste Hnfenplotz Belgiens an der Nordsee, einer der Stützpunkte der englischen Erpedition und eine ihrer Zufuhrslinien in deutsche Hände gefallen. Ant­werpen ist ungleich bedeutender, aber es ist nnsrei wegen des holländischen Mündungsgebiets der Schelde, und Ostende ift lwhcr der englische» Küste. Deutsche Truppen haben von feindlichem Boden aus am 15. Oktober wohl nicht zum ersten Mal die Nordsee vor sich liegen jxhcn. Schon niancher Reiter mag bis zur Küste gestreift sein und im Nordwesten Frank­reichs zogen sich ja die Reitcrgefechte bis fast zum Meere hin. Aber zum ersten Mal hat an der Nordsee eine siegreiche deutsche Armee Fuß gefaßt. Wir wollen nichts prophozeicn, nichts von den mannigsachcn Befürchtungen und Phantasien reden mögen sic grundlos sein oder nicht, die London in diesen Tagen erschrecken mögen. Aber man wird sich diese Sorgen nicht groß genug denken können, denn England weiß, daß dieser Krieg an seine Kehle greift. Ter nächste Zweck der Besetzung der Küste gilt zwar nicht dem nahen Jnselrcich, denn die deutschen Truppen haben im Nordwesten wohl eine Aufgabe, die sic mehr südwestlich, längs dem Meere, slihren wird, aber die deutsche Streitmacht sitzt dort fest und ist eine unablässige Drohung. (Frankstr. Ztg.)

Holländische Berichte.

Ainstervam, 18. Okt. (Etr Frist., Der Nicnive Rottcrdamschc Courant berichtet aus Maastricht: Die Reste des belgische n Heeres aus Antwerpen, das sich aus der Umgegend von Ostende in der Richtung nach Dünkirchen zurückzicht, werde» bei ihren, vollständig desorganisierten Abmarsch zwischen Dimuiüc» und Routers durch französische Marinctriippcn und einige Kavallerieabteilungen geschützt, die i» dieser Gegend Bcr- schanzungen nuswarscn. Heute Donnerstag nachmittag um zwei Uhr wurden diese Stellungen durch starke deutsche Streit- k r ä s t e aus allen Waffengattungen angcgrisfen. Wenn cs den Deutschen, was sehr wahrscheinlich ist, gelingt, die sranzöfischcn Kräfte zurückzudrängen, dann werden die deutschen Truppen rasch vor Dünkirchen erscheinen, das durch die verbündeten Armeen verstärkt worden ist. Die belgische Be­völkerung fluchtet in der Richtung nach Dünkirchen und Boulogne und vermehrt dort die Unordnung auf den Landstrasicn. Da der große Verbindungsweg Brüggc-Osteiide-Ricuwpoort sich in deut­schen Händen befindet, so sind in der Umgebung von Dünkirchen und Boulogne in nächster Zeit ernste Kämpfe z» er­warten.

Amsterdam, 16. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Tic Zeitung Nieuws van den Dag meldet aus Brügge vom 15. Oktober: 20 000 Deutsche befinden sich in Maldeghem. Tie Englän- der ziehen sich andauernd zurück. Belgische Soldaten überschreiten fortgesetzt die Grenze.

Ter französische Bericht.

Paris, 16. Okt. (Etr. Frkft.) Das Hauptinteresse d.'S Publikums ist jetzt nach Norden gerichtet, >vo sich i n Bel­gien Entscheidungen vorzubereiten scheinen. Wegen der ebenen Beschaffenheit des Geländes können die Kämpfe dort nicht wie in Frankreich den Charakter eines langen Fest­ungskrieges annehmen. Man glaubt, daß die Deutschen be­absichtigen, den linken Flügel der Verbündeten zu u m - fassen und die Küste entlang über Dünkirchen nach B o » - l o g n e vorzugehcn, mn von dort den Vormarsch auf Paris zu versuchen. Demgegenüber haben die Verbündeten starke Kräfte zwischen der Nordsee und dem Flüßchen Lys zusam- mengezogen. Tie Verbindung des belgischen Heeres mit den Verbündeten soll bereits vollzogen sein.

Wie es die Engländer berichten.

London, 16. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Die Morning Post schreibt über die Kämpfe in Frankreich: In der letzten Woche machten die Deutschen heftige An­griffe, um das Zentrum der Verbündeten zu durch-

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brechen, sie wurden jedoch zucückgeschlagen, aber dis Käinpfe waren sehr ernst. Es gab Zette», wo die Deutschen" Terrain zu gewinnen schienen, aber im ganzen blieben die Stellungen die gleichen. In der lebten Nacht sah ich, berichtet der Korrespondent der Morning Post, wie 10000 Man» französischer Infanterie auf schnellen Motorwagen von einem Flügel nach dem anderen gesandt wurden. Auf der ganzen Linie wird der Kampf fortgesetzt, aber nicht gleich intensiv. Größtenteils scheinen sich die Parteien dainit zu begnügen, den Feind an ihre Anwesenheit in ihren Stellungen zu er­innern. Sobald Jnfanteriebewegungen beobachtet werden, treten die Geschütze in Tätigkeit, besonders abends, wenn die Ablösungen in den Schützengräben stattfinden. An manchen Stellen liegen die feindlichen Schützengräben nur wenige hitndcrt Meter von einander entfernt. Zn Zeiten sicht es aus, als ob inan gegenseitig übcrcingckommcn sei, eine Kampfpause z» machen. Man schläft, spielt Karten, spielt- und singt.

Der deutsche Tieg in Polen.

Wien, 16. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Die Blätter ver­zeichnen mit lebhafter Genugtuung die Zurückwcrfung von acht russische» Armeekorps in der Linic Jtvnngorod Warschau durch die deutschen Truppen, »ud das Erscheinen der Deutschen v v r W a r s ch a «. Das Deutsche Volksblntt sagt: Das ist nach Lage der Sache ei» ungeheurer Erfolg, der dir gemeinsamen Opera tionen unserer und der dcutschcu Armeen in anßerordcntlich günstigem Sinne beeinflusse» muß. Ter sicggekrviitc General, oberst v. Hindcnbnrg hat sich mit diesen neuen aus einer außerordentlich nlisgcdchiitc» Front mit beiden Herren er- rungencn Siegen einen neuen »»vcrwclkbarcn Lorbeer »m die Hcldenstirnc gewunden.

Portugals Kriegsvorbereitlmg.

London, 10. Okt. (Etr. Frkft.) Der Erchkmge Tele- graph meldet ans Lissabon: Ter deutsche Gesandte und die deutsche Kolonie bereiten sich vor, nach Ma­drid a b z n reisen.

Wien, 16. Okt. kW. B. Nichtamtlich.) Aus Lissabon wird gemeldet: Dem Vernehmen nach soll im Laufe der näch­sten Woche ein Kongreß einberufcn werden, um sich über die Frage der Entsendung eines Expeditionskorps nach Frankreich schlüssig zu werden. Es heißt, daß nur die republikanische Partei dafür, die Bevölkerung aber dagegen sei.

Tan Giuliano gestorben!

Der italienische Minister des Aeußern Marchese Di San Giuliano ist gestern gestorben. Der Ministerrat hat bc- schlossen, San Giuliano ans Staatskosten beerdigen zu lassen.

Die Leiche Di San Giulianos wird übermorgen nach Catania übergeführt werden. Die Blätter geben der Trauer über den Tod Ti San Giulianos beredten Ausdruck und heben feine hingcbende Tätigkeit nnd feine große Vater- landsliebe hervor.

Partei-Nachrichten.

Eine ausikrordentliche Parteikonferenz siir das Herzogtum Sachsen-Altenburg

beschäftigte sich mit der gcflcivwärtigcn Situation. ES wurde fcstgcstcllt, daß di« Lage in den cin,zclne» Vereine» wohl gedrückt, nicht aber so schlimm sei, da« die soziale Tätigkeit jetzt nicht wieder ausgenommen ivcrdcn könnte. Vor allem seien Anstrengungen ge­macht worden, in den Gemeinten die Arbcitslvscnfürsvrg« vorwärts zu bringen. In vielen Gemeinden hat man unseren Anregungen stattgegebem. Viele Vorstandsmitglieder sind zum Kriegsdienst cln- gezogcn; mir vereinzelt konnte der Verlust nicht wieder ausgeglichen werden. Das Vcrsaimnlungsleben beginnt, sich zu beleben. Ber- «inS-be-iträgc werden vielfach gestundet. Dir Presse hat nicht den Verlust erlitten, den man ursprünglich amiahni. _

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetter-, Gießen.

Verlag von Krumm & Cie.. Gießen.

Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt. G. m. b. H.,Offenhach a. M.

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