tpcr werde jetzt „Das Lebe» für bc» Zaren" aufgcführt, aber mit gewissen Acndcrungen, die verhindern sollten, das, das Stück die Gefühle der Polen verletze. Einige Tage hindurch habe infolge der Kunde vom Hcranrückcn deutscher Truppen in Warschau eine 'sörm- liche Panik geherrscht: Flüchtlinge aus Mlawa hätten die allgemeine Unruhe noch erhöht. Einige Bahnzüge aus der Warschau-Wiener Linie seien eingestellt worden und der Sturm auf die Lebens- m i t t e l b e st ä n d c sei so wild gewesen, das, vor vielen Geschäften die Polizei habe einschreite,i müssen. Auch jetzt sei wieder eine beträchtliche Steigerung aller Lebcnsmittelpreise zu verzeichnen, zumal sich bei einzelnen Produkten bereits großer Mangel zeige. Es heiße, daß die S t a d t b e h ö r d e n die Regelung des Ver- proviantiernngswcsens durch neue Verfügungen festsctzcn werden. An? verschiedenen Gefängnisse» würden Unruhen der Insassen gemeldet. Tie Zensur arbeite mit rücksichtsloser Strenge und die Bestrafungen aus a d m i n i st r a t i v c m Wege erreichte» eine selbst sür Rußland ungewöhnlich hohe Ziffer.
König Knrol von Rumänien gestorben!
König Karol ist Samstag früh gestorben. König Karol tvar trotz allen Jntriguen und allen Angriffen der Freund Deutschlands und er hat gerade in den letzten Wochen den- jenigen Parteien in Rumänien, die einen Anschluß an Rußland, Frankreich und England forderten, energisch Widerstand geleistet. König Karol hat ein Alter von 75 Jahren erreicht. Seit einiger Zeit hieß es, das; er leidend sei.
Tic Regierung hat folgende nicht ganz bestimmte Proklamation erlassen:
Rumänien hat den großen König Karol, den Gründer des Königreichs, verloren, Fast ein halbes Jahrhundert weihte der König alle seine Kräfte dem Wöhle des Landes. Ter Tod allein setzte seiner »ncrmiidlichcn Arbeit ein Ende. Ein glänzendes Muster in seiner Hingebung für da? Volk, in seinem Pflichtbewusstsein, in seinen Tugenden, sägte der König in die Geschichte ein ruhmvolles Blatt ein. Seine Tapferkeit aus dem Schlachtfelds ließ den Ruhm der Vorfahren wieder erstehen. Seine Weisheit sicherte die Beständigkeit der Organisation und die ununterbrochene Hebung des Staates. Tas Vaterland wird ewig dankbar sein für die Wohltaten seiner Regierung. Tas Wirken König Karols knüpfte ein unauflösliches Band zwischen Tnnastie und Volk. An diesem Tage der Trauer scharen sich alle Rumänen um den geliebten Thronfolger, der sicher ist. in der Liebe und den, Vertrauen seines Volkes nicht nur Trost in dem von allen Rumänen geteilten Schmerz, sondern auch Kraft zu finden, um die großen Schwierigkeiten der Mission zu crsüllen. zu der er heute berufen worden ist. Beseelt von denselben Gefühlen wie sein ruhmreicher Oheim, ivird der neue König das Werk der Erfüllung der Geschicke der Nation sortsetzen. Tiefe Proklamtion ist von sämtlichen Ministern gezeichnet.
Die Pariser Blätter messen deni Tod König Karols große Bedcntung bei, enthalten sich jedoch eines Kommentars über die mutmaßliche Haltung des Thronfolgers.
Die Sozialisten Amerikas imd der Krieg«
Die eben ei ii getroffenen amerikanischen Parteiblätter enthalten u. a. einen Bericht über eine Versammlung in Newyork, di« sich mit dem Weltkrieg beschäftigt«. Tie Versammlung tagte am 21. September und war von ungefähr 6000 Männern und Frauen verschiedener Nationalität besucht, di« gemeinsam den Nus nach dem Frieden erheben wollten. Genosse Cahan sprach >m Namen der russischen Juden und forderte zur Sammlung von Gelder,, zur Unterstützung der Opfer der zairischen Despotie au' sssenosse I n g e r ui a ii n . der im Namen der Grupp« russischer Sozialdemokraten in Neivnork das Wort ergriff, legte den Versammelten bar, wie die Stellung der französischen Sozial!- st c n durch das Bestreben diktiert ist, ihre Kultur und ihren sozialen Fortschritt gegen den ein dringenden Lanbesseind zu verteidigen, ebenso wie die deutschen Sozialdemokraten sich zusam- n, enge sch lassen gegen den Einfall der Kosaken. Für die deutschen Gruppen sprach Ludwig Lore. Auch der imgorischc Redner. Genosse Pc n na cs ko, trat eifrig für die Internationale ein.
Nach ihm gelangte Genosse H i l l g u i t als Vertreter der amerikanischen Sozialistischen Partei zum Worte, der zunächst mit Nachdruck darauf hinwies, daß der Kapitalismus selbst verantwortlich fei für die Katastrophe Europas. Denn bas dem Kapitol innewohnende Ausdchnungsbedürsnis habe di« kapitalistischen Staaten von Jahr zu Jahr in immer stärkeren Gegensatz gebracht und so zum Krieg« geführt. Es sei unbillig, die Sozialisten Europas dafür verantwortlich zu niache». das, sic den Krieg nicht verhindert haben. Berechtigt iväre «in solcher Vorwurf nur dann, wenn die Sozialisten in den Parlamenten Europas nicht Minoritäten mären, sondern die Macht in Händen hätten. Wären wir aber schpn k« weit, dann wäre es sicherlich nicht zum Krieg« gekommen.
»Ter Geist internationaler sozialistischer Solidarität, schloß villquit, „ist durch den Krieg nicht getötet worden. Di« Reihen des organisierten Sozialismus sind sür den Augenblick durchbrochen, die Sthitm« der sozialistischen Propaganda ist M'rläusig in den kriegführenden Ländern e r st i ck t. Aber der Sozialismus wird ans diesem allgemeinen europäischen Zusammen- bruch stärker hervorgchcn als er jemals war — als dir Asig« soziale Macht. die imstande und entschlossen ist. die tiefen Gegensätze, die die Menschheit durchziehen, zu iiberwindeu. Er lebt nt intf ollen, hier und in Europa, und selbst, wenn dieser Krieg be- 'ein wird, wirb er wieder sein Haupt erheben und die -samsienden der ganzen Welt zu höherem menschlichen Glück bc- llElstern. Es lcbe die sozialistische Bewegung!"
Noch eingehender als von den Rednern dieser Versammlung riuifbc b«r Standpunkt der sozialistischen Parteien in den krieg« lull re »den Staaten vom Genossen Algernon Lee dargclcgt, der so- ■H. fS 8 ^" Tül>a zurückkchrte. wo er die Zeit des Kriegsausbruchs miterlebt „nd mit den führenden Genossen in den wichttgstcn der am Krieg l>eteiligtcn Länder gesprochen hatte. Deshalb sind seine .lusnibrungen. die in der Nummer des Newport Eall vom 20. September ivicdergegcben sind, auch sür uns von großem I n- te reise. Nach ausführlicher Besprechung des Standpunktes und -"Haltung der deutschen Sozialdemokratie betonte Genosse v e r mit Nachdruck, daß seiner lleberzengniig nach die Masse dco deutichen Volkes den Krieg nicht wollte und von der Ilebcrzeugimg durckckrnngen ist, in gerechter Abwehr zu stchcu Auch er sieht im kapitalistischen Sn ft cm selbst die Ursache des Krieges. Er meinte aber, wenn irgendeine Griinve von Menschen kür dessen Ausbruch mehr verantwortlich zu macben lei als die andere, io sei es die englische Regierung, die vor 7 Jahren ein Bündnis mit Rußland schloß. Ein großer Teil des englischen Volkes fei deshalb auch entschieden gegen den Krieg, was besonders in Aenßcriingen von Arbeiterführern. Geist- nchcn und Prosessoren klar zum Ausdruck komme. Lee alaubt. der Krieg wäre vermieden worden, wenn dem west- und mitteleuropäischen Sozialismus nur 3 oder 4 Jahre länger Zeit gelassen worden wäre die vier großen zivilisierten Länder England. Frankreich. Tcitt,chlanb und Italien zu einem großen Verteidigungsbimd genc» russische Barbarentum zu vereinen.
Auch Lee glaubt n i ch t an den Zusammenbruch der I n- lErnati anale und wies besonders darauf hin, daß auch die "anzösischcu Parteigenossen, die mit der Regierung ihres Landes gemeinsame Sache gcniacht haben zur Verteidiaung ihrer "nnot, ihre Pslichtc,, der Jnternationalilät dock, nickst vergessen vaven. Tenn auch jetzt noch bekämpfen sie aus allen Kräften ® aß gegen das be» tschc Volk. „In kindrinalichen und t n Kundgebungen", erzählte Lee. „hat die französische Pattes "chi-^sischen Volke dargclegt. daß nicht das deutt'chc Volk der nmyr« Feind ist. sondern der Kapitalismus."
Attsfenbcros Verab chicst««n,i.
... ^ar österreichische Feldherr Freiherr v. Ausfcnbcrg ist rcrab- lmiedct worden, wie es amtlich heißt, seines Gcsundheits- Auslandes wegen.
«träfe sür einen Freund des Friedens.
Ter liberale bayerische Landtagsabgeordnete Dr. Ouiddc versendet von Haag ans einen Brief, in dem er für den Frie- den cintritt. Tas veranlaßt den auch liberalen Abg. Dr. Goldschmidt, ein Schreiben an die Münchener Zeitung zu richten, in welchem er die Ausscheidung Tr. Ouiddcs aus jeder politischen Organisation und aus der liberalen Fraktion des bayerischen Landtages fordert.
Die Beschickung von Pap,etc.
stV. B. Nichtamtlich.s Marineininister Augagneur hat von dem Gouverneur von Französisch-Lceanicii die B estätig u ng der Nachricht von der Beschießung P a p c e t e s durch die deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und „Gnciscnau" erhalten. Die OrtSbehorden verbrannten, um eine Verproviantierung des Feindes zu verhindern, die Kohlciivorrätc und machte» durch verschiedene Maßnahmen die Etnsahrt der Kreuzer tn den Hafen unmöglich. Tie Deutschen konnten nur das vorher cntwaffnete Kanonenboot „Zclee" versenken. Sic gaben 156 Schüsse aus die Stabt ab, durch die das Handclsvicrtcl in Brand geriet: es ist nur Materialschaden angerichtet worden.
Bericht der cnglischeil Admiralität.
London, 12. Ott. (W. T. B.) In einer Bekanntmachung der Admiralität heißt es: Ans Ersuchen der belgischen Regierung wurden in der letzten Woche Marinetruppen abgeschickt, um an der Ver- teidigung Antwerpens teilzunehmen. Sie bestanden aus einer Brigade Soldaten, zwei Brigaden Matrosen und einer geringen Anzahl Schiffsgeschütze. Tie Belgier und eine Marinebrigadc verteidigten di« Nethc-Linie erfolgreich bis zum 5. Oktober. Am Dienstag abend wurden di« Belgier auf dem rechten Flügel und die Seesoldaten zum Zurückwcichcn genötigt. Die Verteidigung zog sich aus die inneren Forts zurück. Dadurch kam der Feind m die Lage. Batterie aufzustellen und die Stadt zu beschießen. Tie Briten verloren dank dem Schutz durch di« Laufgräben kein« 300 Mann von 8000. Di« Verteidigung hätte länger fortgesetzt werden können, aber sodoch nicht solang«, bis bedeutende Verstärkungen hätten herankommen können. Durch die Uebermacht wurden die Belgier ständig zurückgedrängt. Unter diesen Umständen beschlossen der belgische und englische Befehlshaber, di« Stadt zu räumen. Die Engländer erboten sich, den Rückzug zu decken. General de Guts« wünschte aber, daß sie vor der letzten belgischenDlvision abmarschier- tcn. Nach etneni langen Nachckmarsch kamen zwei von drei Brigaden in Ostende an. Der größte Teil der ersten Matrosenbrigade wurde von den Deutschen nördlich von Lookeren angeschnitten. Die Mann- schasten erreichten dt« niederländische Grenze bei Httlst, wo sic die Waffen niederlegten. Di« Panzerzüg« und di« schweren Marinekanonen wurden sämtlich nach Ostend« gebracht.
Ein Gefecht in der Nordsee?
Rotterdam, 12. Okt. (Etr. Bin.) An der Nordsee westlich der Schelde hat man heute Nacht schweren Kanonendonner vernommen.
Keine Versenkung der Schiffe in Antwerpen.
Die Rheinisch-Westf. Ztg. hatte durch Extrablatt gemeldet, daß tm Hafen von Anttverpcn 32 deutsche Schisse versenkt worden seien. Anscheinend beruht diese Melduna nicht auf Wahrheit, denn der Nieuwc Rotterdomsch« Courant meldet: „Wie wir vernehmen, ist brr Bericht von den 32 deutt'chcn Handelsschiffen, di« ans der Schelde In die Luft gesprengt worden sein sollen, sehr übertrieben. In der Tat scheint man die Gneiienau im Hafen versenkt zu haben, von den anderen Schiffen sind jedoch nur di« Maschinen unbrauchbar gcniacht worden, das muß aber schon tn der vorigen Woche geschehen sein. Tie Ursache dieses Vorgehkns wird wohl die Sorg« gewesen sein, daß die Schiss« nickst in brauchboreni Zustand« den Deutschen tti di« Hände fallen sollten, falls sie in di« Festung hineinkommen sollten."
Rumäniens Neutralität gesichert!
Mailand, 12. Okt. Tie Unionc meldet aus Bukarest: Dercucuc König lehnte die Demission des Ministeriums ab und sprach in einem Handschreiben an den Ministerpräsidenten seinen Entschluß zur strikten Einhaltung der bisherigen Neutralitätspolitik Rumäniens ans.
Tückische Vorbereitungen.
WB. Paris, 11. Okt. (Nichtamtlich.) Die Zeitungen melden ans Athen, daß die Türkei in Syrien, Palästina und Nordarabicn eine lebhafte Tätigkeit entfalte. Sie ziehe dort Truppen zusammen und befestige bestimmte Punkte.
?fc Stimmung in Serbien.
Wien, 12. Okt. (Etr. Bln.) Ein aus Risch am 3. Oktober ob- gereistcr Herr berichtet, daß der Kronprinz Alexander leicht und sein Bruder. Prinz Georg lebensgesährlich verwundet sind. Die Stimmung in Risch ist sehr gedrückt. Tie Kirchen. Schuten nnd Tpitäler sind überiiiül mit Verwundeten, die fast ganz ohne ärztliche Pfleg« sind. Die Sterblichkeit ist deshalb außerordentlich groß. Viele Ruhrfälle kommen vor. Die Verwundeten erzählen, die Armee fei moralisch gebrochen. In den serbischen Blättern machen sich starke antirussische Bewegungen geltend, ohne daß die Regierung diesen entgegentritt. '
Japan besetzt Tschinansu.
London, 11. Okt. Der Daily Telegraph meldet aus Peking: Die japanische Vorhut besetzte am Mittwoch Tschinanfu, die Endstation der Schantungbahn. Die Japaner beschlagnahniten alles rollende Material.
Tie Deutschen in Indien.
Bern, 12. Okt. Ein in der Schweiz wohnender Deutscher, der in Indien eine Niederlassung hat. erhielt von dortigen Geschäftsreisenden am 3. September eine Nachricht, wonach in Indien alle Deutsche im Alter von 23 bis 39 Jahren nach Alinanagar östlich von Bombay gebracht worden seien. Keine Heraln'ehiina der Frachten flir Futtermittel.
Der preußische Eisenbahnmmister hat auf ein Ersuchen der Handelskammer zu Detmold um Ermäßigung der Frachten für Futtergetrcide geantwortet, daß durch derartig« Maßnahmen die Preis« des Futtergetrcides n-cht bceinslußt würden. Am Schluss« des Bescheides heißt cs: „Auch die jetzt besonders geboten« vorsorgliche Behandlung der Staats fl nanzen nötigt mich zur Zurückhaltung."
Lnnvtassöwahl in Karlsruhe.
Bei der am Samstag tm Landtagswahlkreis« Karlsruhe-Ov für den sseiallcnen Genossen Dr. Frank vollzogenen Ersatzwahl ist Genosse Dr. Marum mit 625 Stimmen gewählt worden. Di« Zahl der Wahlberechtigten betrug 7200: die Gegner halten keinen Kandidaten ausgestellt.
Gedrückte Stimmung in Paris.
IV. B. Kopenhagen, 12. Okt. Berlinski Tidendc meldet aus Paris: Ter Fall Antwerpens hat hier einen sehr schmerzlichen Eindruck gemacht. Die Stimmung ist die gleiche wie Anfangs September, als deutsche Ulanen sich dicht vor Paris hatten sehen lassen.
Steht der Fall von Reims bevor?
W. B. Paris, 12. Okt. Der Tcmps bespricht die Möglichkeit des Falles der Festung Reims und meint, daß dieser Fall keinen Einfluß auf die Gesamtlage haben werbe.
Hessen nnb Nachbargebiete.
Gietzen u„v Umgebung.
Tic deutschen Gewerkschaften im Kriegsdienste.
Die gewcrkfclsttstlichen Zcntralvcrbändc, die der General- ko.nmifsion angcschlossen sind, haben sich sofort bemüht, durch Erhebungen bei den örtlichen Bcrbandsfilialen die genauen Zahlen aller zunt jetzigen Heeresdienst einberufcnen Mir- gltcder sestziistellcn. Tie Umfrage wurde im September vor- genommen und als Erhcbungsdatum der 7. September an- gcjeht. Es fehlen meistenteils ans den Zwcigvereinen der Ärenzbezirkc die Berichte. Nach den Angaben der Bcrbands- vorslände sind 569 755 Gewerkschaftsmitglieder bis Anfang September zum Heere eingezogen. Die Zahl der tatsächlich Eliigczogenen dürfte wesentlich höher sein, denn bei dem Verband der Fabrikarbeiter sind z. B. nur 69,5 Prozent der Mitglieder von der Erhebung erfaßt. Die absolute Zahl der zum Kriegsdienst eingezogcnen Mitglieder betrug in den Verbänden:
Metallarbeiter 131 891, Bauarbeiter 109 000, Transportarbeiter 61 247, Fabrikarbeiter 44 429, Holzarbeiter 44 060, Bergarbeiter 25 446, Zimmerer 19 776, Gemeindearbeiter 13 856, Buchdrucker 12 714, Textilarbeiter 12165, Brauerei- imd Mühlcnarbcitcr 11 594, Schneider 10 823, Maler 9781. Bäcker und Konditoren 8211, Steinarbeiter 6705, Schuhmacher 6500, Maschinisten und Heizer 6421, Glasarbeiter 3383, Fleischer 3634, Landarbeiter 3354, Lithographen und Steindrucker 3454, Lederarbeiter und Handschuhmacher 3190, Sattler und Porteseuiller 3189/ Gastwirtsgehilfen 2871, Porzellanarbcitcr 2700, Buchbinder 2701, Dachdecker 2584, Steinsetzer 2505, Tapezierer 2493, Töpfer 2476, Gärtner 2040, Böttcher 1925, Handlungsgehilfen 1705, Tabakarbeitcr 1589, Kupferschmiede 1421, Hutmachcr 1220, Glaser 1277, Vuchdruckerei-Hilssarbeitcr 4100, Bureauangestellte 1013, Schisfszimmerer 945, Bildhauer 760, Kürschner 495, Zivilmusiker 370, Friseure 359, Asphalteure 244, Lylographerr 72, Notenstecher 67.
Prozentual gestaltet sich das Ergebnis etwas anders. Danach stellen die Fleisckzer (Metzger) den höchsten Prozentsatz mit 56,5; den niedrigsten die Tabakarbeiter mit 11,3 Prozent ihrer Mitglieder. Von den Bauarbeitern sind 39,0, den Transportarbeitern 29,6, den Metallarbeitern »nd Brauern 27,4 Prozent, von den Holzarbeitern 23,9 Prozent, den Buchdruckern 18,4 Prozent zum Kriegsdienst eingezogcn.
— Gefallene des Gießen» Regiments. Laiiöivehrmaim Jakob
Haas aus Stelubach. — Rknskeiier Wilhelm Müller ans Stiehl» linden. — Reservist Heinrich Weiter ans Gießen. — Reservist Karl Jakob aus Muschenheim. — Reservist Karl Langohr ans Wettlaufen. »
— Gefallene ans Obcrhesse» und Nachbargebieten. Musketier Karl Wend landaus Oberohmen, Jnf.-Reg. Nr. 168 (Butzbach). Musk. Heinrich Scharm ann aus Oberohmen. Jnf.-Reg. Nr. 88.
— Neserv. Wilhelm N i« b ch, aus Krofdorf, Jnf.-Reg. Nr. 81. —- Mnsk. Rudolf Schneider aus Gießen, Jnf.-Reg. Nr. 115.
— Verwüstete Fluren. In einem Feldpostbriefe eines Frankfurter Parteigenossen, der in der Boiksfttmm« verössenilicht wurde, heißt cs u. a.: „Mein Urteil über den Krieg selbst ist das gleich« geblieben, es ist ein Morden und Schlachten, und es ist siir mich beut« noch unbegreiflich, daß sich die Menschheit im zwanzigsten Jahrhundert in ein« solche Schlachterei begeben konnte. Wie es Bertha v. Suttner und der Lehrer Lamszuö in ihren Schriften „Die Massen nieder" und „Das Menfchenschlachthaus" schildern, genau so ist der gegenwärtig« Krieg EingroßesJammertal wird dtc Welt nach di«s«ni Kriege sein. Di« Ernte, ii« die Natur schenkte, verfault in Frankreich und Belgien auf dam Felde, das Vieh läuft in Massen herrenlos umher und wird krapicren. wenn cs nicht von unserer Heeresverwaltung zusammengetrieben wird. Viel« Dörfer und Stadt« sind Trümmerhaufen."
Sollte angesichts solch grauenhafter Verwüstung, wozu noch unsägliches Laib sür Millionen Menschen kommt, die Menschlzcit nicht zur Vernunft kommen ?
— Mörderische Maschinen. „Dies ist kein Krieg von Menschen, es ist der Krieg der Maschinem", so erklärie ei» verwundeter englischer Offizier dom Korrespondenten der Tail» Mail, Hamilton Fifc. Ein bitteres Lächeln umspielte dabei sein« Lippen, war doch über die Hälfte des Bataillons, das er führt«, unter seinen Augen von den ftirchterlichen Pdaschin>engewelyxn dahingerasst worden wie das Gras unter der Senfe. „Es ist einfach u n m «ii s ch l i ch . man stell« sich vor: ein Mann dreht den Handgriff des kleinen unscheinbaren Apparats, und heraus fliegt der Tod, nicht ein Tod, nein, tausend Tode zugleich. Was diese Schlacht wirklich bedeutet — die Schlachten an der Marne und an der Aisne bilden tatsächlich nur eine einzige Schlacht — das kann sich niemand vor stellen, der nicht dabet gewesen ist. Menschen würden nie imstande sein, ihresgleichen zu Hunderten auf einmal abzufchlachten. Von Entsetzen ge- lähnit, müßte ihr« Hand erstarren. Nur ausgeklügelt«, seelenlose Maschinen sind imstande. Menschen zu töten wie einen Schwarm von Heuschrecken, der auf ein fruchtbares Land eingefallen ist. ... O, dieses Sätlachtseld an der Marne! d!ic und nirgends hat ein Krieg so furchtbare Bilder geschaffen. Frankreich muß bereits beginnen, einem einzigen großen Hospital zu gleichen." Der Korrespondent fügt hinzu: „Ich habe es selbst gesehen, ich bin von der Atlanlischen Küste durch das Herz von Frankreich gereist, überall wimmelt es von Verwundeten. An Betten beginnt bereits Mangel zu sein, wenn auch die Leichtverwundeten schnell genesen und anderen Opscni Platz machen können. Eine Vorstellung von dem unerhört entsetzlichen Ringen beginnt aufzudämmern, wenn nian sieht, wie sehe Schul«, sedes Kloster, sebes össenlliche Gebäude, die meisten Bahnhöfe in überfüllte Hospitäler verwandelt sind, um von den Tausenden von Privatwohnungcn, die zu Lazarcttzwecken zur Verfügung gestellt sind, ganz zu schweigen. Und noch immer geht der furchtbar« Kampf an der Marne, an der Weichsel, an der Save und aus dem Meere weiter . . ."
— Ter Konsumverein Gießen hält nächsten Sonntag, 18. Okt., nachmittags 3 Uhr seine Generalversammlung im Saal« des Ge- imrkschastshaufes ab. Nächste Woche beginnt die Auszahlung der Rückvergütung an die Mitglieder. In diesem Jahre gelangen rund 35 606 Mark an Rückvergütung zur Äuszahlnng.
— Ein Durchbrenner. Eine Anzahl Sträflinge der Zellenstraf- anftalt ln Butzbach war bei der Zuckerrübenernte beschäftigt. Am Samstag entfloh einer von den Gefangenen, der nur noch eine kurze Strafzeit zu verbüßen hatte. Man konnte den Flüchttgen noch nicht wieder erwischen.
Krci< Wcßlar.
X Aus der Verlustliste des Reserve-Jnsanterie-Regiments
Nr. 81. 16. Kompagnie: Res. Wilh. Schubccker, Krosdors. lvw.
— Res. Lndw. Wagner, Krofdorf, lvw. — Gesr. Hoch. Medenbach, Bonbadcn, lvw. — Sanitätsnntcroffizier Henkel, Gleiberg, lvw. — U utero ff. Christ. Jäger, Krofdorf, lvw. — Unterosl. Alb. Hcrrmann, Hirzenhain, lvw. — Res. Jak. Schmidt, Burgsolms, lvw. — Hornist Konr. Weil. Bctzlierg, lvw. — Re,. Friedr. Lenz, Lützellinden, lvw. — Krankenträger Hrch. Lang.


