Ausgabe 
5.10.1914
 
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Serben sich ju überzeugen wiederholt die Gelegenheit hatten, in bester Verfassung in der Eefechtsfront und hat ebenso wie bei Vizcgrad auch in den Kämpfen der lebten Woche rühmlichst teil- genommen. Potiorek, Fcldzeugmcister.

l^ine russische Unverschämtheit.

Sofia, I. Okt. Der hiesige russische Gesandte hat namens seiner Regierung um die Bedingungen zur Durchfuhr von Aricgs material sür Serbien über Bulgarien ersucht. Der Rinisterrat beschloß, dieses Ersuchen mit Berufung aus Artikel 2 -er Haager Konvention a b z u w e i s e n . sowie auch ans dem Grunde, weil die Regierung auch weiterhin strenge Neutralität be­wahre» wolle. Die russischen Sendungen von Kriegsmaterial gingen bisher mit Schissen aus der Dona», wogegen niemand Gin­spruch erheben konnte, da die Donau neutral ist.

Bulgarien und Serbien.

Der bulgarische Geschäftsträger in Nisch überreichte nach einer Meldung aus Sofia dein serbischen Kabinett eine Note, in der die Ordnung der mazedonischen Zustände niit Rücksicht auf die Gefahr eines bulgarischenVolks- aufstandes gefordert wird.

Wirkung »et Dardanellknsperre itt Nuhland.

Tie Tardancllensperre rust nach dem B. T. in russischen Handels- und Jndustrickrcisen große Erregung hervor. Die Börsenkomitees von Odessa, Cherson, Nikolajew und Rostow trachten im Verein mit dem Petersburger Börsenkomitee eine Aktion cinzulciten, um die verhängnisvolle Wirkung der Dardancllenspcrre aus die wirtschaftliche Lage Rußlands zu ver­hüten. In Odcssacr Handclskrciscn klagt man über das egoistische Vorgehe» Englands, das die Sperre verschuldete.

Die Lage in Aegypten.

Tic Lombardia in Mailand berichtet der Nationalzeit- tung zufolge:

Tie Lage in Aeghpten steht unmittelbar vor der Krisis. Tas Ministerium weigert sich, die RcgicrungS- gcwalt des englischen Kommandanten anzuerkcnncn und seine bisherigen Verfügungen zu veröffentlichen. Ter Mi­nisterpräsident, der sich nach Konstantinopcl eingeschisst hatte, wurde von Bord des Schiffes zurückgcholt. Ter englische Kommandant liest alle öffentlichen Gebäude militärisch be­setzen. Aus dem Palast des Ähcdivc ist die englische National- slaggc aufgezogen, neben der vorläufig noch belassenen tür- fischen Fahne. (Ctr. Bln.)

Das norwegische Moratorium.

WB, Ehristiania, 3. Oft. Das Moratorium für AuSlands- forderungen wird wahrscheinlich um einen Monat verlängert werden.

Russische Niederlagen in Südost.

W. B. Wien, 3. Okt. Tic Neue Freie Presse meldet aus Budapest, dast die Russen unter sehr schweren Lcrlnstcn über Osiog hinausgctricbeu worden sind.

W. B. Wien, 3. Okt. Rach einem Bericht der Süd- slavischen Korrespondenz sind die Spitäler und Kasernen in Odessa mit Schwervcrwundeten überfüllt. Nach Mitteilungen von russischer militärischer Seite hat die österreichisch- ungarische Artillerie wahre Verwüstungen unter den Russen angcrichtet.

WB. Budapest, 3. Okt. Das Ungar. Korr.-Bur. meldet: Unserc Truppen haben in der Gegend von Ockocrmczoe die In siegreichen Kämpfen bei Maramaroser eingebrochcne» Russen geschlagen. In der Gegend von Toewesmezoc haben unsere Truppe» gleichfalls den Kamps mit den Russen aufgcnommcn, deren Versagung binnen kurzem erfolgen wird.

Vor Paris nichts Neues.

W. B. Großes Hauptquartier, 3. Oktober abends. Auf dem französischen Kriegsschauplatz sind heute keine wesentlichen Aendemngen eingetreten.

Die Dardanellen bleiben gesperrt!

Konstantinopel, 3. Oktober. (Ctr. Frankfurt.) Alle Versuche der Ententemächte, die Türkei zur Oeffnung der Dardanellen zu bewegen, sind gescheitert.

Hessen nnd Nachbargebiete.

Giessen und Umgebung.

Sorgt sür Verbreitung Eurer Zeitung! Noch niemals durjtrn wohl die Zeitungen mit grösserem Interesse verlangt und gelesen worden sein, als in der gegenwärtigen Zeit. Tas trlsjt besonders auch auf die Arbeiterfamilien zu. Kein Wunder. Ihre Männer, ihre Söhne und ihre kruder sind es, die in Masse nnd in erster Linie den schweren Kriegsdienst verrichten müssen. Ta must man wissen, was dlitusten vorgcht. In den kommenden Woche» und Monaten wird sich dieses Interesse nach mehr steigern. Tic Zeitung >ir die direkte Vermittlerin zwischen Heim nnd Außenwelt.

Parteifreunde! Es ist richtig, dast jetzt in vielen Fa- inillen das Geld rar ist und nur sür das 'Nötigste nusgcgcbc» werden lau». Euere Zeitung gehört aber zu diesem Nötig­sten. Haltet sic und werbt neue Leser!

Gefallene des Gicstcncr Negimcnts. Vom Jnfantcrie- ^stüncnt Nr. 116 werden als gefallen weiter gemeldet: Einsährig-Gefreiter Heinrich Har res aus Ober-Glecn, Kreis Alsfeld. Am 8. September Wehrniann Phil. B u ch - tolcck aus Grosscn-Vuseck. Am 15. September Offizier- Stellvertreter Tr. phil. Ludwig Hoffman n aus Giessen.

Am 18. September Feldwebel Heinrich Hüttcnberger aus Giessen. Am 24. September Wehrmann Karl Stein, Kaufmann aus Gießen. Gefreicr d. R. Heinrich Rome r aus Lollar. Am 25. Sept. Unteroffizier Heinrich Klein aus Treis a. d. Lumda. Unteroffizier Hermann Dörr, Hornist Heinrich Martin aus Aßlar. Rescrv. Ferdinand ° un 9 aus Heuchclheim (gest. 2. 10. in Betzdorf). Wehr- '"arm Karl Haas aus Wiescck. Leutnant d. R. Tr. Christel Bär, Lehramtsasscssor, aus Nidda.

Gefallene aus Lbcrhcsscn und den Nachbargcbietcn: Hauptniann der Landwehr Adolf Moritz aus Wcilburg. ^^'Aegt. Nr. 81. Musketier Hermann Ikler aus bi- Unteroffizier Louis Deibel aus Staufenberg. -lUsketier Theodor Neeb aus Hopfmannsfelü, Kr. Lauter- oach. Musketier Hch. Flach aus Oberau, Kr. Büdingen.

Musketier Joh. Haas 1. aus Ober-Seemen, Kr. Schotten. ~ Reservist Peter König aus Lber-Mörleu, Kr. Friedberg. Reservist Otto Kratz aus Nidda. Reservist August Rieß aus Wölfersheim, Kr. Friedberg. Musketier Wilhelm

2^ kh aus Wcitcrshain. Reservist Kötter aus Niedcr-

erlenbach. Kr. Friedberg-, sämtlich vom Jnf.-Regt. Ist. 168 rn Butzbach und Fricdberg. Wchrmann Ludwig Sauer aus Stangenrod. Kr. Giessen. Jns.-Regt. Nr. 81, Frankfurt.

Reservist Ludwig Schneider aus Vetzberg. Reservist Karl Pfaff aus Wetzlar, Jägcrbataillon Nr. 11. Reservist -vraugott Hart mann, Jnf.-Regt. 81. Leutnant d. R. Wi!h. Heß, Rcgieriingsbaumeistcr aus Leihgestern, Jnf.- Regt. Nr. 81. Reservist Ludwig Zahrt aus Hausen, Tragoner-Regiment Nr. -1.

- Aus den neueste» Verlustlisten. (Nur Tchwerver- wundcte und Vermißte aus Oberhessen »nd Nachbargebieten.k Wehrmann Christ. Günzler aus Giessen, vermißt. Wehr- nraun Karl Hcrth aus Eckartsborn, Kr. Friedberg, vermisst.

Wehrmann Ludwig Rahn aus Ulrichstein, vermisst. Gefreiter Ottomar Krug aus Stcinbach, Tillkreis, schwer verwundet. Unteroffizier Hch. Ullrich aus Lautcrbach, schwer verwundet. Unteroffizier Heinrich Wagner aus Nicderohmcn, schwer verwundet. Gefreiter Friedrich Reuter aus Niederweisel, Kr. Fricdberg, vermißt. (Vor- stehende beim Jnf.-Regt. Nr. 81.) Gefreiter Karl Lust ans Bermutshain, Kr. Lauterbach, vermisst. Musketier Hein­rich Schmidt I aus Nainrod, Kr. Alsfeld, schwer verwundet.

Musketier Gustav Schäfer aus Büdesheim, Kr. Friedberg, verwundet. Cinj.-Freiw. Unteroffizier Hans Theis aus Butzbach, schwer venvundet. Bataillons-Tambour Kart Schäfer aus Steinberg, Kr. Giessen, schwer verwundet. Reservist Wilhelm Gorr aus Münzenberg, vernrisst. Re- servist Philipp Schmück aus Büdingen, vennisst. Unter- ossizicr d. R. Albert Kraft aus Ortende^, schwer verwunder.

Reservist Otto Erck aus Estoldcrbach, Kr. Büdingen, ver­misst. Gefreiter d. R. Richard Stork aus Berstadt, ver­misst. Reservist Friedr. Zimmer aus Nieder-Mörlen, ver­misst. Gefreiter d. R. Ludwig Richter aus Nicderweisel, Kr. Friedberg, schwer verwundet. Reservist Hch. Michel auS Steinfurth, Kr. Friedberg, verntißt. Reservist Wilh. Dallwitz aus Steinbcrg, Kr. Schotten, schwer verwundet. Reservist R. Wilh. Stübs aus Assenheim, Kr. Friedberg, ver­mißt. Reservist Russland aus Niederwöllstadt, verniisst. Vrzefcldwcbcl d. N. Schaab auS Butzbach, schwer verwllndet.

Reservist Henscl aus Dortelweil, schwer verwundet. Re­servist Ernst Klehm aus Münster, Kr. Friedberg, schwer ver­wundet. Gefreiter der R. Grieb aus Gambach, vermisst.

Reservist Bücher aus Bingenheim, vermisst. Reservist Meyer II. aus Kirchgöns, vermißt: sämtlich vom Jnf.-Regt. Nr. 168 in Butzbach. Musketier Karl Becker ans Wetzlar- Niedergirmes, vermisst: Jnf.-Regt. Nr. 81. Reservist Wil­helm Pfeiffer aus Niedergirmes, vermisst.

Sozialdemokraten im Kriege. Vom Frankfurter Sozialdemokratischen Verein sind nicht weniger als 3003 Ge­nossen in den Krieg gezogen. Darunter sind 2 Vorstands­mitglieder, 18 Mitglieder der Distriktsleitungen, 92 Wahl­bezirksführer.

Antisemitische Redereien im Lichte der Tatsachen. UnS

wirb geschrieben: In einer früheren Nummer der Oberh. Volks­zeitung wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Angriffe, die Abgeordneter Werner gegen die jüdischen Soldaten erhob, sich an­gesichts des jetzigen, geradezu erdrückenden Tatsachenmaterials als Verleumdungen erwiesen haben. Die neueste Nummer des Ham­burger Familicnblattes bringt wieder eine ganze Reihe amtlich bestätigter Fälle, in denen jüdische Soldaten sich durch Ausdauer, Tapferkeit, Mut und Geistesgegenwart ausgezeichnet haben. Ein junger österreichischer Artillerieoffizier, Oskar Singer, leistete so­gar ganz Hervorragendes. Leider wurde e r, dem alle Blätter und seine Vorgesetzten eine glänzende Laufbahn voraussagten, ähnlich wie Frank-Mannheim bei einem Ansturm tödlich getroffen. Auch i» der deutschen Armee wurde neuerdings wieder eine stattliche Anzahl jüdischer Soldaten mit dem eisernen Kreuz aus­gezeichnet. Die Fälle verdienten keine besonderen Erwähnung: denn die Leute haben eben wie jeder andere Deutsche ihre Pflicht getan. Aber im Wahlkreis Gicßcn-Grünbcrg-Nidda liegt die Sache anders. Hier weht noch immer bas antisemitische Banner und ein Schandblatt wie die Deutsch-Sozialen Blätter entblöben sich nicht, auch jetzt noch die antisemitische Hetze fortzusctzc». Ta überdies Abgeordneter Werner-Gießen seinerzeit höhnisch darauf hinwics, ivie cs käme, daß bei dem Luftschiffahrtswese» keine Juden zu finden wären, sei aus der Fülle des uns vorlicgen- Materials der folgende gleichfalls amtlich bestätigte Spezialsall herausgegriffcn:Mar Elias, Sohn des Herrn David Elias in Hannover, Ingenieur bei dem Luftschiff Zeppelintz, hat am 20. September das Eiserne Kreuz erhalten." Soeben kommt die Nachricht, daß auch ein G i c ß e n c r, einer von den drei am Feldzug teilnehmenden Söhnen des Herrn Jakob L ö b, Steinstraße 15, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.

Straßenraub »m zehn Pfennige! Zwei noch sehr jugend­liche Sünder saßen am Samstag vor dem Kießener Schwur­gericht auf der Anklagebank, der eine hat eben das 18. Lebens­jahr überschritten, der andere hats noch gar nicht erreicht. Auf sic ist der hier gebräuchliche AusdruckNichtsnutzer" anwendbar: sie kamen trotz ihrer Jugend schon mehrfach mit dem Gericht in Kon­flikt, wenn auch kleinere Vergehen halber. Beiden macht die Ar­beit keine rechte Freude, weshalb sic ihr möglichst weit aus den, Wege gehen, wobei sie aber auf Abwege geraten, wie das in solchen Fällen immer geht. So gings auch am 8. Mai dieses Jahres. Die beide» Angeklagten, nämlich der Hausbursche Hch. 6 a m c l und der Taglöhner Karl Kipper unternahmen an die­sem Tage einen Ausflug nach dem Schisfenberger Wald,^ zwei ihrer Freunde waren noch mit von der Partie. Auf der Straße nach Hausen begegnete» ihnen zwei Schuljunge», die Brüder Stumpf aus Hausen, die in der Stadt Maiblumen vertäust hatte». Tic wurden von H. gefragt, was die Maiblumen kosteten, und auf die Antwort:10 Pfennige" erwiderte er mit einer unanständigen Redensart. Darauf liefen die Jungen fort, die vier Burschen ihnen nach, Hamel faßte den kleinen Stumpf am Arm und forderte unter Bedrohungen mit dem Messer 10 Psg. von ihm, die er schließlich auch erhielt. Durch entsprechende Gebärden wurde Hamel dabei von dem Klipper unterstützt. Angsterfüllt kanien die Jungen nach Hause und erzählten, was ihnen zugestohen war. Ter Oberstaatsanwalt meint, daß trotz der Bagatelle, die von den Burschen erobert worden sei, ein schwerer Eingriff in die öffentliche Sicherheit vorliege, der Tatbestand der räuberischen Er­pressung sei erfüllt. Er ersucht, die hierauf gestellte Tchuldfragc bezüglich acs Hamel zu bejahen und den Kipper der Mittäterschaft schuldig zu sprechen. In Bezug auf de» letzteren, der noch nicht 18 Jahre alt ist, war die Frage gestellt, ob er die erforderliche Ein­sicht in die Strafbarkeit seiner Handlungsweise besessen habe: der Staatsanwalt zweifelt nicht daran und will auch diese Frage be­jaht wissen, zugleich will er beiden Angeklagten mildernde Um­stände zubilligen. Rechtsanwalt Dr. Spohr als Verteidiger des Hamel hält die ganze Sache für einen unüberlegten Jugendstreich, kann zwar bei dem vorliegenden Eingeständnis nicht für nicht- schuldig eintrctcn, möchte aber mildernde Umstände im weitesten Umfange zucrkannt wissen. Rechtsanwalt Aaron tritt für Freisprechung seines Klienten Kipper ein, dessen Beteiligung an­der Tat nicht nachgewiesen sei. Die Geschworenen bejahten die Schnldsrage bei Hamel und billigten ihm mildernde Umstände zu:

bei Kipper wurde die Schnldsrage ebenfalls bejaht, doch die Frag)

nach der erforderlichen Einsicht in die Strafbarkeit seiner Tat wurde verneint. Letzterer erzielte infolgedessen Freisprech­ung, während Hamel zu 6 Monaten Gefängnis ver­urteilt wurde.

Dreimal zum Tode vcrueieilt. Das im Ried (Proo. Starken-

burg) geleg-:,,e Dörfchen Hofhein, wurde am Morgen des 13. Fun« durch Feueralarm aus dein Sä,lose geschreckt. Aus dein Haus« des Bäckermeisters Back drang dicker Rauch. Als sich die Fcuerivehr Eingang verschafft hatte, bvt sich ein grauenvoller Anblick dar. In der Schlafstube lagen erschlagen die Bäckerscheieut« Back und ihre' zwei erwachsenen Töchter. Di« Leiche der Frau war vollständig ver-> kohlt, die des Mannes halbvcvbrannt: die beiden schwer verletzte»! Mädchen gaben »ach Lebenszeichen von sich, das älteste erlag aber bald im Krankenhaus seine» Verletzungen. Der Verdacht lenkte sich sofort auf den bei Back bed ien steten Bäckcrbursehen PH. Flörsch,: der flüchtig gegangen war. Es gelang auch schon an, gleichen Nach miitag, de» Verbrecher in dessen Heimatsort Monzernheim (Rhein- hesscn) festzmiehme». Flörsch, ein schwächlicher Mensch mit Glatze und blonde.» Schnurrbart, 30 Jatrre alt, leugnete anfangs entsche- den. Er erzählte, mit dem Meister oft Krach wegen zuviel Bruch ge­habt und dann,, gekündigt zu haben. Am fraglichen Abend sei ev nach Worms zun, Bäckerball gegangen. Unterwegs habe er einen- thm unbekannten Kollegen getroffen, der ihin zugesagt hatte, ihn an, Morgen am Backofen in Hofheim zu vertreten. Das müsse der Täter sein. Inzwischen aber hatte man ermittelt, daß Flörsch bei seinen in Westhofen und Alzen wohnenden Angehörigen Bemerkungen lmtte fallen lassen: er habe tn Hofhein, alles z-usaminrngeschlagen und alles Geld mitgenommen, das sie sich im Kornackcr holen könnten.! Numnehr bcguemte er sich zu einein Bekenntnis des scheußlichen Ver­brechens. Mit einem Beil erschlug er nacheinander die vier Per­sonen, dann schleppie «r den Bäckerincistcr vom Backosen zu den an­deren ins Schlafzimmer, iibergoß dort die Betten mit Pettoieum und zündete sie an. Da in Ooshcim elektrisches Licht eingeführt ist. brauchte di« Familie Back ,n,r wenig Pettoieum. Am Donners,ag vor der Tat hotte Flörsch beini benachbarten Händler eigens dt« Pclroleiimkanne füllen lassen, die sich dann unter einen, -er Stetten vorsand. Er gab iveiter an. das gesamte Geld, etwa 2000 Mark, in einem Kornfeld zwischen den rheinhcsstichcn Orten Herrnsheim und: Abenheim versteckt zu haben. Als der Verbrecher an den Tatort ge-! führt wurde, mutzte die erregte Mensch-eimien« mit der blanken' Waffe zurnckgehallen werden: nichtsdestoweniger bekam Flörsch

dabei einige Schläge ab. Das Geld fand sich am bezeichncten Orte. Am Donnerstag begannen die Verhandlungen gegen Flörsch vor dem Schwurgericht in Tarmstadt. Tie Anklage vertrat Oberstaats­anwalt Dr. Schwarz. die Vcrieiiigung fi'ihrte Rechtsanwalt Earnier. Am Samstag wurde die Verhandlung zu Ende gesiihrt. Flörsch wurde wegen Mordes an der Fannl-ie Back drrima l zum Tode, wegen des M or dv c r s n chS an der Anna Back zu l-ebenslängttcheni Zucht Haus, wegen Brandstiftung zu 15 Jahren Zuchthaus sowie zum Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte ,md zu Polizei<r»i- sicht verurteilt. Flörschahm die Straf« an.

Neue Sieae im Westen!

Durchbruch des Anttverpener Aortsgürlels.

W. B. Grosses Hauptquartier, 3. Oktober abends. Zm Angriff auf Antwerpen fielen auch die Forts Lierre, Waelhem, Koningshoyckt und die zwischenliegenden Re­douten. 2n den Zwischenstellungen wurden 30 Geschütze erobert. Die in den äusseren Fortsgürtel gebrochene Lücke gestattet, den Angriff gegen die innere Fortslinie und die Stadt vorzutragen. (Amtlich.)

Grosses Hauptgliartier, 4. Okt., abends (W. B. Amtlich.) Ans dem westlichen Kriegsschauplatz geht der Kampf am rech- icn Hccrcsslügcl nnd in den Argonnen crsolgreich vorwärts» Tie Operationen vor Antwerpen nnd auf dem östlichen Kriegsschauplatz vollzogen sich planmäßignd ohne Kampf.

Zu den AntwerpenerErfolgen wird der Franks. Zeitung aus Amsterdam telegraphiert:

Ter Korrespondent des Handelsblad bestätigt, dass der gesamte Sektor von Waelhem bis Lier sich in den> Händen der Deutschen befindet. Die Forts sind voll­ständig zusammengeschosscn mit Ausnahme von Waelhem. Die eroberten Forts sind durchaus von modernster Kon- struktion, sie übertrafen die zum Teil 20 und 30 Jahre alten Forts von Lüttich nnd Naniur um ein bedeutendes. Im Jahre 1908 erst wurde aus Betreiben Leopolds II. die An­lage des riesigen neuen Fortgürtels nach langem Wider- streben der Kammer durchgesetzt und zwei Jahre später mit dem Ban begonnen. Leopold II. dachte damals daran, Antwerpen zu einer gegen England gerichteten Kanone zu machen, das ihm wegen des Kongostaats viel zu schaffen machte. Tie Deutschen hoben nun den festesten Teil der Position in Händen, sodass üher den Fortgang der Operation kein Zweifel sein kann.

Tie eroberten Forts sind: die sehr starken Forts. Waelhem mit St. Kathcrine, die Rcdouten Dorp- veld und Bo schb eek, Fort Konrnghoyckt, die Rcdoute Tallaert, das starke Fort Lier und wahr­scheinlich auch die etwas weiter zurückgelcgene Schanze an der Eisenbahn bei Dussel, von der die Belgier sagen, daß sie durch die Deutschen stark beschossen wurde. Da die Belgier ferner sagen, die Deutschen seien von Lier vertrieben und nach Ressel abniarschicrt, so heisst das für den, der die bel­gische Ausdruckswcise verstehen gelernt hat: Nachdem die

Deutschen Lier zusammengcschossen haben, beginnen sie ihre' Arbeit bet Fort Ressel.

Cmcschwer eNiederlagederRusien

3000 Russen gesungen!

W. B. Grosses Hauptquartier, 3. Oktober abends, m Osten sind das 3. sibirische und Teile des 22. Ar- leckorps, welches sich auf dem linken Flügel der über en Njemen vordringenden russischen Armeen befinden, ach zweitägigem erbitterten Kampfe bei Augustow ge- hlagen worden. Ueber 2000 unverwundete Gefangene nd eine Anzahl Geschütze und Maschinengewehre sind cbeutet worden.

Königsberg, 4. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Tas stell- crtrctcnde Generalkommando i» Königsberg hat van dem iencralkommando die Ermächtigung erhalten, über die crcits gemeldeten Kämpfe bei Augustow solgcndc cr- iinzendc Meldung in die Presse zu bringen: Die Russen nd in zweitägigen Kämpfen bei Suwalki am 1. »nd 2. Ok- ,ber geschlagen worden. Sie verloren 3 00 0 Ge- a u g e n e, 18 Geschütze, darunter eine schwere Batterie, ielc Maschinengewehre, Fahrzeuge und Pferde.

Verantwottlichcr Redakteur: F. Beiter«, Gießen.

Verlaa von Krumm & Cie., Gießen. _

nick: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. st.