s-ssene Adresie: „An unsere Brüder in der zivilisierte» Welt" ab. Wir stellen fest, daß non sozialdemokratischer Leite nichts derartiges veröfientlicht wurde.
Keine Verhandlungen zwischen österreichischen und deutschen Sozialdemokraten.
Tagens Nyheder wird aus Göteborg berichtet, datz nach einer Mitteilung des Berliner Korrespondenten der Götc- horger Handelszeitung Genosse Tr. Adler-Wien in den letzten Lagen in Berlin mit deutschen Sozialistenfiihrcrn über die Lage in Oesterreich verhandelt habe. Tie in diesem Blatte gemachten Angaben über den Inhalt der Unterredung mit Gen. Dr. Adler sind falsch.
Ein Fischkutter gesunken.
Rotterdam, 25. Sept. Nach einer Meldung aus London ist der Fischkutter „Kimarak" in der Nordsee anf eine Mine gelaufen und gesunken. Von der Besatzung kamen sechs Mann um, drei wurden gerettet. sBerl. Tagcbl.)
Das indische Expeditionskorps kommt nicht nach Aegypten.
IV. London, 25. Sept. Die Truppen, die aus Indien für Aegypten versprochen waren, sind wegen der Cholera nicht ein- getroffen.
Hefieu nnd Nachbargebiete.
«fetzen u,,v Umgebung.
Sorgt für Verbreitung Eurer Zeitung! Noch niemals dürften wohl die Zeitungen mit größerem Interesse verlangt und gelesen worden sein, als in der gegenwärtigen Zeit. Das trifft besonders auch auf die Arbeiterfamilien zu. Kein Wunder. Ihre Männer, ihre Söhne und ihre Brüder sind cs, die in Masse und in erster Linie den schweren Kriegsdienst verrichten müssen. Da must man wissen, was brausten vorgcht. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich dieses Interesse noch mehr steigern. Die Zeitung ist die direkte Vermittlerin zwischen Heim nnd Austenwelt.
Parteifreunde! Es ist richtig, dast jetzt in vielen Familien das- Geld rar ist und nur für das Nötigste ausgegcben werden kann. Euere Zeitung gehört aber zu diesem Notigsten. Haltet sie und werbt neue Leser!
— Verteuerung der Lebensmittel. Die Preistreiberei zur Verteuerung der Lebensmittel wird ganz systematisch fortgesetzt. Für die Produzenten in der Lebensmittelindustrie gibt es, wie es scheint, nur ein Ziel und Bestreben: die Zeit des Krieges auszunutzen, um so viel wie möglich Profit ein- zuhcimsen. Die gemeingefährlichen Treibereien der Getreideproduzenten und Mühlcnfabriken sind schon öfter gekennzeichnet worden. Jetzt wird vom Frankfurter Fruchtmarkt am Mittwoch berichtet, daß eine weitere nicht unerhebliche Steigerung der Getreidepreise zu verzeichnen gewesen sei. Der Weizen erfuhr einen Prcissprung auf 26 bis 26.50 Mark, Roggen einen solchen auf 22.60 bis 23 Mk. Die Preissteigerung beruht nach dem Urteil Sachverständiger in dem Mitzverhältnis Zwischen Angebot und Nachfrage infolge des Ausbleibens ausländischer Zufuhren. Infolge dieses Preissprunges haben auch die Mühlen eine weitere Erhöhung des Preises für Weizenmehl 0 um 50 Pfennig, auf 40 Mark für 100 Kilogramm (2 Zentner) eintreten lassen, nachdem sie erst am 18. September eine Erhöhung um 50 Pfennig anf 39.60 Mark bekanntgegcben haben. Es wird zwarmngekündigt, dass die Rcichsregierung Höchstpreise für Getreide und Mehl fcst- zusehcn im Begriffe sei: aber die Regierung nimmt sich zu dieser Entschließung offenbar sehr lange Zeit. — Wo soll das noch hinführen? Es ist klar, daß diese fortgesetzte Preis- trcioerci eine weitere Steigerung der ohnehin schon hohen Brotpreise zur Folge haben muß. Was hat es für einen Wert, wenn die Preise festgesetzt werden, wenn die ganze Ernte zu hohem Preise verkauft ist? Geht es so fort, dann muß das Volk hungern, während sich die Agrarier die Taschen füllen!
— Gefallene aus Obcrhcssen und Nächbargcbictcu: Unterossizier Georg Schiefer st ein aus Ober-Bessingen; Inf.- Ngt. Nr. 83.— Unteroffizier Otto Becker ausMufchcnheim; Jnf.-Rcgt. Nr. 83. — Gefreiter Wilhelm Loh aus Dutenhofen, Kr. Wetzlar. — Gefreiter d. Reserve Moses L ö b aus Berstadt; beide Jnf.-Reg. Nr. 88. — Reservist Adolf Drescher aus Krofdorf: Jnf.-Rcgt. Nr. 174. — Wilhelm
Hagener aus Berzhausen. — Reservist Martin Jung. Lehrer aus Edingen; Rcs.-Regt. Nr. 81. — Konrad Becker aus Ober-Ofleiden.
— Berichtigung. Infolge Druckfehlers war der Name des im Krage gefallenen Unteroffiziers Tigi Hiepc in Wetzlar (Sohn des t. Beigeordneten! in unserem Blatte falsch wiedcrgegeben.
— Gefährliche Jugend-KriegSspicle. Ueberall steht man setzt die Schuljugend mit Helm, Säbel nnd Gewehr herumziehen nnd einander „Schlachten" Ikefern. Diese Spiele mögen der Fugend Spatz machen, vom erzieherischen Standpunkte aus sind ste jedenfalls nicht zu befürworten, in dieser Richtung üben sie keinen günstigen Einfluß aus. Das haben wir an dieser Stelle schon öfters ausgesprochen. Aber auch sonst sind diese sogenannten Spiele nicht ungefährlich und cs hat dabei schon manche Wunde abgelebt. So lesen wir in unseren, Frankfurter Parleiblalt darüber: Es bleibt nicht mehr beim blotzen Hurraschreien und lustigen .Klappern mit den Holzschwertern; jetzt knallen sogar schon die richtigen Pistolen, wirkliche Mcster nnd Degen in der Luft, und man geht ,nit dem Feinde schon nach russischer Methode um; auch wirkliche Verwundete lätzt man schon aus der Walstatt. Auf der Ginnhcimer Höhe fand an, Donnerstag,,ach,nittag zwischen den „Tchwälmcr- strätzern" nnd den „Tosiensträtzern" eine Schlacht statt, an der Hunderte von Fungen beteiligt waren, die aber schlictzlich in verwerfliche Roheiten ausartctc. Rücksichtslos zerbrach man den „Besiegten", lauter kleinen Bube», die hübschen Fahnen, band ihnen die Hände ,,„d Fütze und fesselte sie schließlich an den Bäumen so fest, datz sie vor Schmerze» laut aufschrien und durch Erwachsene befreit werden mutzten. Andere wurden in ärgster Weise mit de» Säbeln geschlagen, zum Teil sogar blutig. F» de» Händen der „Führer" blitzten wirkliche Piftojen, aus denen glücklicherweise bis jetzt in die Luft geschosfen wurde. Ein Bürschchen von 5 Fahren erhielt durch einen „Schwerterschlag" eine klaffende Kopfwunde und »intzte einem wirklichen Arzt zugeführt werden. Gegen derartige Auswüchse froher Jugendspiele sollte baldigst eingeschritten werden.
— Agrarische Preistreiberei. W^' aus Frankfurt berichtet inird, beabsichtigten die Vereinigten Landwirte von Frankfurt und Umgebung den M i l ch p r e i s zu steigern, sie wollen von den Händlern 18 Psg. fiir den Liter haben. Und das jetzt, wo erstens das Futter in überaus reichlicher Menge vorhanden ist und zweitens die Löhne der Arbeiter und das Einkonimen der meisten Geschäftsleute zur Hälfte bis Dreiviertel weniger geworden, bei manchen sogar ganz iveggefallen ist. Unter diesen Umständen würde eine Erhöhung des Milchpreises ein unerhörtes Attentat auf die Milchkonsumenten bedeuten. Und selbstverständlich würde die Volksgesundheit damit ganz empfindlich geschädigt. Es mutz noch darauf hingewiesen iverdeu, datz die Preiserhöhung der Milch von 1911 mit dem damaligen Futtermangel bcgriindet, es ist aber den Landwirten garnicht eingefallen, den Preis in de» folgenden Fahren wieder herabznsetzcn.
— Konsumverein Gieße». Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des .Konsumvereins Gießen nnd Umgegend ist auf Sonntag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr festgesetzt. Sic sinket wiederum im großen Saale des Gewerkschattshanses statt.
— Tchwurgerichtsverhandlungen. Vor dem Schwurgericht, dessen
Sitzungsperiode fiir das 3. Quartal nächsten Montag beginnt, gelangen folgende Fälle zur Aburteilung: 1. Montag, 28. September, 9% Uhr: Wilhelm Müller ln Ruppertsburg wegen Notzuchtsver- such, Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hofmonn. Verteidiger: Justiz, rat Tr. Jung. 2. Dienstag. 29. Sept., 81t- Uhr: Johannes Mar» chewka ivegen Notzucht, Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Jnftizrat Metz. 3. Mittwoch, 30. Sept., 8'/o Uhr: Ehriftian M ll n ch in Harbach wegen Meineid: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Rcchtanwalt Römhelü. — 4. Donnerstag, 1. Oktober, 8% Uhr: Kathar. Götz ln Gießen wegen Kindestöimig; Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hosnian», Bert.: Rechtanrvalt Engisch. 5. Freitag, 2. Oktober. 8!ü Uhr: Karl Heinrich Schneider in Obermörlen wegen Meineid: Siaatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Justizrat Katz. — 6. Samstag, 3. Oktober, 8% Uhr gegen Heinrich Hamel und Karl Ripper in Gießen ivegen Raub: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Vert.: Rechtsanwälte Dr. Spohr nnd Dr. Aron. — 7. Montag, 5. Oktober, 8!4 Uhr: gegen Wilhelm Weller in Klein linden wegen Rotzuchtsversuch: Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hofmann, Verteidiger Rechts
anwalt Kochs. — 8. Dienstag, de» 0. Oktober. 8% Uhr gegen. Ehefrau Schmitt, Christian Noll und Ehefrau in Gießen wegen Meineid nnd Verleitung zum Meineid: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Dr. Eckert, Vert.: Fusttzrat Katz und Rechtsanwalt Homberger. — 9. Mittwoch, 7. Oktober, 8% Uhr: gegen Ludwig Fnrmanski aus Raczice wegen Totschlag: Staatsanivalt: Gerichts-Assessor Tr. Eckert, Bert.: Rechttzanwalt Leun.
Feldpostbriefe mit Wertangabe. In der letzten Zeit werden bei den Postanstalten zahlreiche Feldpostbriefe mit Wertangabe auf- geliesert, die nach ihrem Inhalt tWaren usw.) nicht als Eleldbriefe im Sinne der Feldpostdlcn-stvrdnung gelten können. Ti« Zulassung von Geldbriefen hat nur einer tatsächlichen Geldiibermittelnng dienen sollen, namentlich von höheren Beträgen, die durch Postanweisungen infolge Beschränkung deren Höchstbetrages oder aus anderen Gründen nicht übermittelt werden können. Die Verwendung dieser Versendungsform für Zigarren, Schokolade u. dgl. bedeutet «inen Mißbrauch, unter dem der Feldpostbetrieb stark leidet. Die Postanstalten haben deshalb angewiesen iverden muffen, künftig alle hiernach unzulässigen Feldpostbriefe mit Wertangabe unbedingt zurnckzuwcisen.
— Liebesgaben für die 118er. Ter Aufruf zur Stiftung von Liebesgaben für unsere im Felde kämpfenden Krieger hat bei der hiesigen Bürgerschaft lebhaften Widerhall gefunden, wie dies die bereits gestifteten zahlreichen Gaben erkennen lasien. Im besonderen sei hierdurch nochmals ans die Stiftung warmer Unterkleider hingewiesen. Wollene Hemden, Unterhosen, Strümpfe, Leibbinden und Pulswärmer sind bei der jetzt einsetzcndcn kalten Jahreszeit die begehrtesten Artikel. Davon kann »le zuviel herbei» geschafft werden. Die Sachen brauchen zwar nicht neu zu sei», sie müsien sich andererseits allerdings in einem Zustande befinden, um den gedachten Zweck erfüllen zu können. So könne» z. B. Puls»; wärmer durch Abschneibeu der Füße ohne weiteres aus abgängigen oder zu klein gewordenen Kindcrstrümpfcn hergcstellt werden. Ke-, brauchte Leinen- oder Flanellappen können mit wenig Mühe und Kosten zu Leibbinden, Ohrenschützern oder Fußlappen verarbeitet werde». Tie letztere» sind im Felde fast ebenso begehrt, wie Strümpfe oder Socke» und sind — da ungesäumt — viel schneller und billiger hcrzustellen als Strümpfe. Wenn es ermöglicht werden soll, den größten Teil unserer 118er — also mehrere 1000 Mann zu bedenke», dann ist sehr viel nötig. Säume daher keiner, sein Scherflei,i alsbald beizulrage», auch die kleinste Gabe wird danken!» angenommen.
— Nächtliche Ruhe. Früher mußte öfter Klage geführt werde» über den Lärm, der in de» Straßen Gießens vielfach nachts verübt wurde. Bis lange nach Mitternacht ertönte gar nicht selten „Gesang" in den Wirtschafte» und anf den Straßen, zum nicht geringen Verdruß derjenigen, die die Nacht znm Schlafe benutzen wollten, wozu sic ja eigentlich auch da ist. Das hat jevt gründlich anfgehüri. Schon bald nach elf sind die Straßen menschenleer, hier nnd da eilt noch einer nach Hause. Fast unheimliche Ruhe herrscht! Es ist, als wenn ein schwerer Druck auf allen lastete, was ja irt der Tat auch der Fall ist. Viele Wirtschaften sind leer und schließen frühzeitig. An sich ist ja die Ruhe ganz gut, ein Zeichen von Solidität — aber, wenn man auch noch so sehr nächtlichem Lärm abgeneigt ist — man wollte ihn lieber in Kaus nehmen, wenn der jetzige Zustand aufhörie und die Leute wieder ihrer Arbeit nach-i gehen nnd sich ihres Lebens freuen könnten! Hosscntlich ist daSi Völkerringen und die Masienvernichtung von Menschen bald zip Ende, das uns alle mit schwerer Sorge bedrückt.
— Die Fassadcnmaiier der früher Friede! und Asprionschen Brauerei in der Fohannessiraße wird gegenwärtig abgebrochen. Das Grundstück wurde bekanntlich von dem Verein sür Armen- und! Krankenpslege ersteigert.
«rei» Wetzlar.
'X Tod durch llnvorsichiiglcit. Von einem Militärzug stürzte
zwischen Ems und Niederlahnslcin ei» Unteroffizier ab und wurde sofort getötet. Ter Mann hatte sich trotz der Warnungen der Bahnbeamten auf der Plattform aufgehalten und wurde beim Durchfahren einer Kurve hcruntcrgcschleudert. Uebrigens sqh man bei den Militärzügen vielfach, daß die Leute auf den Dächern der Wagen hernmkletterien, ivobei mehrere Nnglücksälle vorgckommci» sind.
Telegramme.
Wieder cttt Sperrfort genommen.
IVB. Großes Hauptquartier, 25. Sept., abends. (Amtlich.) Ter Fortgang der Operationen hat aus unserem äußersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen geführt, in denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen ist. In der Mitte der Schlacht- front ist heute, von einzelnen Vorstößen beider Parteien abgesehen, nichts geschehen. Als erstes der Sprrrforts südlich von Verdun ist heute Camp-des-Romains bei St. Mihicl gefallen. TaS bayerische Regiment „non der Tann" hat ans dem Fort die deutsche Fahne gehißt und unsere Truppest haben dort die Maas überschritten.
Im übeigen weder im Westen noch im Osten irgend'^ welche Veränderungen.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gietzen.
Verlaa von Krumm & Cie., Gießen.
Druck: Verlag Osfenbachcr Abendblatt, G. m. b. H.. Offenbach a. M.
Kartoffelpreise.
Die bihcrigen Vcrkaussprcise sür Kartossel» stehen, in einen, starken Mißverhältnis zu der überaus reichen Ernte. Nach Ansicht Sachverständiger ist ei» VerkanfsprorS von 3,5 Pfg. im Kleinhandel schon überaus hoch.
Ich ivrise darauf hin, daß ich genötigt bin. Höchstpreise für die Kartosscl» sestznfetzen, wenn von jetzt ab »och höhere Preise als 3,5 Pscnnig fiir das Pfund im Kleinhandel beansprucht werden.
Gießen, den 25. September 1914.
Ter Oberbürgermeister:
Keller.
D.Klimiikii, Achen
Marktplatz II.
Uhrmacher und Goldarbeiter.
Reichhaltiges Lager 7» Uh««», Gold- und Silderwart».
Lieferant de» Konsum - Vereins Gießen u. Umg. and der Eisenbahn-Konsumoeieins.
— Man vertange Rabattmarken. —-
Feldpost-Pakete
an Soltlaten dos 18. Armeekorps
sind erlaubt
in vorschriftsmässigen Kistchen mit wasserdichter Wachstuchhülle versandfertig
laungfenschützer Kniewärmer Leibbinden Kopfschützer ' e r ' a d ü
Grosse Mengen.
Socken
Strümpfe
Hosenträger
Taschentücher
Normal-Hemden Normal-Hosen Unter-Wämse Wollene Sweaters
Nur prima Sachen. — Zum grossen Teil an Angehörige des Regiments geliefert.
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Bahnhofstr. 14 Kaufhaus Katz, Giessen, Bahnhofstr. 14
Schriftliche Bestellungen werden prompt ausgeführt.
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