Ausgabe 
15.8.1914
 
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ttttf 6cm an 6« Bahnlinie Königzzclt-Brcslcni liegenden Dominium Tarnau als Arbeiter beichäfiigt. Ter Gerichtshof sprach Stelma frei und verurteilte Mroz und Sumaez zu je 18 Jahren Zuchthaus. Tie Verirrteilten wurde» unter militärischer Bedeckung ins Zucht­haus abgefiihrt. . ,.

Kartoffelteuerung.

Nachdem in Köln die Kartoffelpreise auf 12 bis 15 Mark pro Zentner in die Höhe geschnellt waren, verfügte der Ober­bürgermeister, daß fortan alle Kartoffeln in Mengen von 1 bis zu 3 Zentnern mit 6 Mark (für kleinere Mengen bis. zu 7 Mark) bezahlt werden.

Neue Crfolge unserer Verbündete».

Von dem nördlichen Kriegsschauplatz wird amtlich ge­meldet: Tie österreichisch.ungarischen Truppen sind weiter in Russisch-Polen eingerückt. Ungefähr 700 russische Deserteure wurden nach Linz, Salzburg und Innsbruck eingebracht.

Beschlagnahme deutscher Handelsschiffe durch die Russen.

Aus Tromsö wird gemeldet, die Russen hätten deutsche Handels­schiffe in Archangelsk beschlagnahmt und ihre Besatzung an Land ge­bracht. Tie Namen der Schiffe sind nicht zu erfahren. Vier Schiffe sind bei der Hafeneinfahrt versenkt worden. Tiefe Mitteilung stammt von den, norwegischen DampferEidvold" aus Berge» und erscheint zuverlässig.

Dänische Ausfuhr »ach England.

Die dänische Ausfuhr nach England ist in begrenztem Umfang wieder ausgenommen worden. Die Route ist wegen der Minengefahr in der Nordsee nördlicher gelegt worden.

Das Frankfurter Gewerkschaftshaus als Lazarett.

Auch das Gewerkschaftshaus in Frankfurt a. M. ist, wie das Breslauer, mit allen Räumlichkeiten der Militärbehörde für Lazarettzwecke zur Verfügung gestellt. Das Gewerk­schaftshaus hat gegenwärtig 121 verfügbare Betten. In den übrigen Räumen lassen sich bequem noch 300 Betten auf- stellen, so daß etwa 150 Verwundete untergebracht werden können. Sobald die Intendantur von dem Anerbieten Ge­brauch macht, wird der Wirtschaftsbetrieb verlegt werden.

Oesterreichische Zensur gegen die Presse.

Auf behördliche Veranlassung hat unser Parteiblatt In Neichen- Vach tn Böhmen, der Vorwätrs, sein Erscheinen «instellen müssen.

Keine Einberufung von Japanern.

Das japanische Generalkonsulat in Hamburg dementiert die Meldung, daß Japaner, di« in Halle Medizin studieren, zu den Jahnen nach Japan «inberufcn worden seien.

Eine Schisfskaiastrophe.

WB. Der österreichische DampferBaron Kautsch", der gestern mittag Sussin-Grandc auf dem Wege nach Triest vcrlastcn hat, Ist aus der Fahrt gesunken. Von den 400 Personen, die sich ein­schließlich der Besatzung auf dem Dampfer befanden, find nach einer heute nachmittag eingcgangcncn Meldung 150 gerettet u»4 nach dem österreichischen Kriegshascn Pola gebracht worden.

Im Dienste des Roten Kreuzes erschossen.

Die Gräfin Luzi« Ehristalncgg in Klagenfurt hatte in ihrer Eigenschaft als AufsichtSdame des Roten Kreuzes eine Automobil­fahrt zu unternehmen. Sie wurde bei dieser Fahrt von einem Wachtposten erschossen.

Hessen ,rnd Nachbargebiete.

Bietzen und Nmyebung.

Die freien Gewerkschaften haben zur Unterstützung der durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Mitglieder sofort die umfassendsten Maßnahmen getroffen. Die Vor­stände suchen nach Kräften das Elend des Krieges zu mildern und die Familien der eingezogenen Mitglieder zu unter- stützen. In Flugblättern wird den Mitgliedern von den ge­troffenen Maßnahmen Kenntnis gegeben, zugleich aber auch aufgefordert, nach besten Kräften für Aufrechterhaltung der Organisation zu sorgen. So heißt es in dem Zirkular des Metallarbeiterverbandes:Aufrechtcrhaltung und Förderung des Verbandes bedeutet Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft jedes Einzelnen, der nicht zum Militärdienst cinge- zogen ist. Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft hat zur Vor- 'oussetzung regelmäßige und pünktliche Entrich­tung der Beiträge. Kein Mitglied entziehe sich gerade im jetzigen Augenblick dieser Verpflichtung, keiner denke, daß Kriegszeiten die Gewerkschaften uberslüssig machen oder gar ihr Bestehen in Frage stellen. Gerade in diesen ernsten und schicksalsschweren Stunden fällt den Gewerkschaften eine sehr wichtige Rolle zu." Diese Mahnungen sind für die Ange- hörigen aller Gewerkschaften angebracht.

Kinderfürsorge. Am Donnerstag abend fand im Saale des Eass Leib eine ziemlich gut besuchte Versammlung statt, in der die erschienenen Mütter über die in Aussicht ge­nommenen Maßnahmen zur Beschäftigung und Versorgung der Kinder während der Kricgszeit belehrt wurden. Viele Mütter wissen schon jetzt nicht mehr besonders sind es solche die tagsüber einem Verdienst nachgehcn müssen wie sie ihre Kinder behüten sollen. Aller nnbeanfsichftgtcn Kin­der wollen sich nach Kräften die ins Leben gerufenen Kindcr- yorte annchmen. Sie bieten auch den besten Schutz gegen die in Kricgszciten drohende Verwilderung der Jugend. Wir verweisen auf die in de. heutigen Nummer dieses Blattes erscheinende Bekanntmachung desAusschusses für Kinder- sürsorge" und empfehlen dringend, dessen Bestrebungen zu unterstützen.

Ter Bergarbeitervcrband Deutschlands blickt am 18. August aus sein fün fundzwanzigjähriges Be- st e h e n zurück. Es war beabsichtigt gewesen, diesen Tag durch ein großes Jubelfest zu begehen, was nun natürlich in­folge der Kricgswirren unterbleiben muß. Zu dieser Gedenk­feier hatten bereits 10 000 Bergleute ihr Erscheinen zugesagt und es wäre ohne Zwaisel eine imposante Feier geworden. Aber für solche Veranstaltungen ist jetzt nicht die Zeit. In ct Bergarbeiter-Zeitung, dem Organ des Verbandes, wird v»f dessen Anfänge hingewicsen. Nach dem großen Berg­arbeiterstreik von 1889 wurde am 18. August desselben ^ahres ein Delegiertentag in D o r st f e I d abgehalten, zu dem sich 200 Delegierte aus dem Ruhrrcvier, Sachsen, Wal­denburg usw. eingefunden hatten. Siegel (einer der Kaiscrdclegierten") leitete die Verhandlung, während Bunte und Schröder referierten. Der eine sprach über Aufgaben pnd Zweck der Organisation, der andere über die Wirtschafts­

lage und den Bergarbeiterschutz. Beide sprachen sehr schärf, aber durchaus nach dem Empfinden der gedrückten Berg- sklavcn. Schröder zog sich eine Anklage wegen Beleidigung der Bergbehörde zu, wurde jedoch sreigesprochen. Die Ver- sammlung stimmte einmütig für Gründung einer Berufs- organisation und nahm, um die Einigkeit nicht zu stören, den Statutenentwurf der Bochumer (Fnsangelianer) ein­stimmig an, während Schröder seinen Entwurf zurückzog, den er in Gemeinschaft mit Bunte, Siegel und dem Sozialisten­führer W. Tölckc ansgearbeitet hatte. Damit bewies die erste _ Delegierteiwersammlling, daß sie die absolute Einigkeit der Bergleute Deutschlands wünschte, und es waren gerade die Sozialisten, die An­reger, dw wirklichen und wahren Gründer der Organisation, die ihr Statut Preisgaben, um die Einigkeit zu retten. Die Verbandsgründung rief bei der gesamten Bergarbciterschaft Helle Begeisterung hervor, und zu Tausenden strömten sie in die junge Organisation. Ganze Belegschaften bis zum letzten Mann zeichneten sich in die Mitgliederlisten ein, und nach kurzem Bestehen zählte der Verband an 80 000 Mitglieder. Gleich setzte auch die Verfolgung von drei Seiten ein: von den Grubenverwaltungcn, den Behörden, der Geistlichkeit und Zentrumsprcsse. Diese Verfolgungsstürme schüttelten den jungen Baum gewaltig, und bald lagen die welken Blätter haufenweise am Boden. Die anderen, die festhieltcn am Stamm, diealte Garde", mußten enorme Opfer bringen, wurden zu Hunderten gemaßregclt und ausgesperrt, von einer Zeche zur anderen gejagt, mußten mit Weib und Kin­dern hungern, aber sie erhielten ihr selbstgeschaffenes Werk allen Feinden zum Trotz.

In feen Straßen der Stadt, die in den letzten Tagen von Reservisten und Landwehrleuten und deren Angehörigen stark belebt waren, ist cs erheblich ruhiger geworden. Auch die Singerci und Brüllerei, die vielfach zu vernehmen war und diepatriotisch" sein soll, ist verstummt. Nur selten hört man noch die bekannten Töne und Lieder, welche den Feinden den Untergang ankündigen. Manchmal mit Worten, die etwas mäßiger sein könnten.

Zahlungssristen. Von der Handelskammer wird nnS folgendes geschrieben: Der Ausbruch des Krieges bat in allen Schich­ten der Bevölkeruna eine derartige Verwirrung hcrvorgerufen, daß c» dringend notweirdig erscheint, mit allem Nachdruck immer wieder darauf hinzuweisen, daß der Krieg an der Pflicht zur Erfiillung vorher übernommener privatrechtlicher und öffentlichrechtlicher Verpflichtungen nichts ändert. Stellt sich der einzelne bewußt oder unbewußt mit den ihm obliegenden Verpflichtungen in Gegensatz, so schädigt er nicht nur sich selbst, sondern er gefährdet auch den gesamten Wirtschaftsorganismus. Wenn nun in weiten Kreisen des Handels und Verkehrs die Auffassung besteht, daß nur durch den Erlaß eines stir das ganze Reichsgebiet gellenden allgemeinen Moratoriums einer ernsten Wirtschaftskrisis vorgebeugt werden könne, so fei demgegenüber darauf hingewiesen, daß den Vorteilen eines allgemeinen Moratoriums vielleicht noch schwerer wiegende Nachteile gegeniibcrstehcn. Auf jeden Fall kann es keiner» Zweifel nitterliegen. daß von einer solchen gesetzlichen Maßregel in erster Linie der faul« und böswillige Schuldner zum Schaden des ehren­haften Kaufmanns Gewinn ziehen wird. Aus diesem und noch anderen Gründen hat denn auch die Reichsregierung sich nicht zu dem folgenschweren Schritte eines Moratoriums entschließen können. Wohl aber hat sie in Anbetracht der durch den Krieg veränderten Wirtschaftslage eine Reihe von Anordnungen getroffen, welche in ihrer Gesamiwirkung geeignet sein dürsten, die vielfach befürchtete Vernichtung zahlreicher kleiner und mtttlerer Existenzen zu ver­hindern. Die wichtigste der vom BunbeSrale getroffenen Maß­nahmen betrifft die gerichtliche Bewilligung von Zahlungsfristen. Hiernach kann das Gericht für «in« vor dem 41. Juli 1814 ent­standene Gcldforderung Zahlungsfrist von längstens 3 Monaten ge­währen, wenn die Lage des Beklagten dies rechtfertigt und die Zahlungsfrist dem Kläger nicht einen unverhältnismäßigen Nach­teil bringt. Bon nicht geringerer Bedeutung sind die vom Buiidcs- rate angeordnete Verlängerung der Fristen des Wechsel- »nd Scheck- rcchts sowie di« Suspendierung von Auslandsforderungen. Werden alle diese Anordnungen in einer den veränderten Zeitvcrhälknissen völlig Rechnung tragenden und verständnisvollen Weise durch die Behörden ausgeleat und angcwcnbet, dann darf auch gehofft werden, daß die Rcichsregierung von der Notwendigkeit des Erlasses eines allgemeinen Moratoriums, welchesleicht die Räder unseres Wirt­schaftslebens zum Stillstand bringen würde" enthoben wird. Im übrige» erklärt sich die Handelskammer, um dein Schuldner Oie An­rufung des Gerichts zu ersparen, bereit, die Erlangung einer Zahlungsfrist aus dem Wege der Vereinbarung, zu vermitteln.

Zn dem Fonds für Liebesgaben sind bei dem Oberbürgermeister weiter eingcgangcn: Von Bankdircktor A. Heichelheim 10 000 Mk., vom Tierschntzverein 500 Mk., vom technischen Verein 100 Mk., vom Verein Union 200 Mk., von Rentner E. Wasserschlebcn 5000 Mk., von Geh. Medizinalrat Professor Tr. Strahl 1000 Mk., von einem Damenkränzchen, überreicht von Frau Enzcroth und Meyer 150 Mk., von Oberlehrer a. D. Fuhr 20 Mk., von Stadlgeo-metcr Wißner 20 Mk., von Materialverwattcr Georg Fritzsch 5 Mk., von der Firma Bär & Wetterhahn 100 Mk., vom Ranchklub Friedenspfeife 25 Mk., znfamiuc.il 17120 Mk,

Profit-Patrioten. Unserem Hamburger Parleiblatte wird berichtet, bab die dortigen Grossisten der Wall waren- und Trikotag enbrairchc ihre Preise um 10 Prozent erhöbt haben, um ihre teilweise noch vollen Läger mit einem Ertraprosit abzu­stoßen. Da diese Waren hauptsächlich von den Mobilisierten gekauft ivcrde.ii müssen, läufi auch diese Preissteigerung auf «ine Bewuche­rung der Slot des Vaterlandes hinaus. Man wird sich diese Sorte von Patrioten sllr künftige Zeiten merken müssen.

Jeldpostsendungcn an die Angehörige» des Heeres und der Marine. Für F e l d p o st i« n d n n g e n in Privatangelegenheiten an die Angehörigen des vccres und der Kaiserlichen Marine gellen während des mobilen Verhältnisses nachbezeichnete Porlovergllnsti- gnngen: 1. Portofrei werden befördert: a) gewöhnliche Briefe bis zum Gewichte von 50 Gramm, b) Postkarten und c) Gcldbrirsc bis zum Gewichte von 50 Gramm und mit Wertangabe bis zu 150 Mark. 2. P o rtoermä ß ig u » ge n: Das Porto beträgt für a) gewöhnliche Briefe über 50 bis 250 Gramm schwer 20 Pfg., b> Gcldbriefe über 50 bis 250 Gramm schivcr und mit Wertangabe bis zu 15» Mark 20 Pfg.. c) Gcldbriefe bis 250 Gramm schwer mit einer Wertangabe von 150 bis 300 Mark 20 Pfg., über 300 bis 1500 Mark 40 Pfg., d) Postanweisungen über Beträge bis zu 100 Mark an die Angehörigen des Feldheeres und die Besatzungen der zu den Seestreitkräften gehörigen Kriegsschiffe usw, 10 Pfg. Zu den Angehörigen des Heeres zählt auch das auf dein Kriegsschau­platz in der srelwilligen Kraukenpfiege zur Verwendung kommende Personal a) der deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine, sowie der Ritterorden Johanniter-, Malteser-, St. Georgsritter, b) derienigcn Vereine, Gesellschaften usw., die ans Grund des Gesetzes zum Schutze des Genfer Nentralitätszeichens vom 22, März 1802 von dem zuständigen Kriegsministerium zur Unkersttitzung des KriegSianttätsdieiistes durch besondere Bescheinigungen zngelasscn sind, Sendungen, die rein gewerblich« Interessen der Absclider oder der Empfänger be­treffen, haben auf Portovergünstigung leinen Anspruch und unter­liegen daher dem gewöhnlichen tarifmäßige» Porto. Die Auf­schrift der Postsendungen muß natürlich die Nummer des bctr. Regiments und Armeekorps enthalten» deni der Adressat angchürt.

Tic Kasfccvorräte in Deutschland. Der Kon s u m an Kaffee

betrug in Deutschland bisher ettva 14 Millionen Kilogramm irrt Monat. Ta man mit einem Bestand von 120 Millionen Kilogramm in Deutschland rechnet, so würden wir also fiir eine Zeit von gut acht Monaten utisern Bedarf aus eigenen Vorräten decken können. Tie Zufuhren sind aber vorläufig noch keineswegs unterbunden: wir können über Holland und über Italien Kaste- beziehen, und! diese Möglichkeiten werden voin Handel schon mit Eifer ausgenützt, sv daß selbst die Kasteetriuker, die ohne dieses Genntzmittel nicht' glauben auskommeu zu können, vorläusig sich noch nicht an den ®ü«: danken zu gewöhnen brauchen, daß der Kaffee ausgehen werbe. Was! aber wichtiger ist, das ist der Hinweis, daß vorläufig ä« 1 einer Preiserhöhung kein Grund vorliegt. Es ist' nicht ausgeschlossen, daß die neuen Zufuhren sich verteuern werben,' aber eine Gewißheit besteht darüber noch nicht. Das auf dem! Markte befindliche Angebot ist noch so reichlich und die Gefahr einest Rückgangs der Zufuhren so gering, daß die Konsumenten einen! schweren Fehler machen würden, ivemi sie Preissteigerungen im' Detailhandel begünstigen. Man ivird die Bewegung der Kaffee- prcise an den einzelnen Orten mit Slufmerksamkeit verfolgen müssen, um jedem Auftanchen einer ungerechtfertigten Preissteigerung sofort entgegentreten zu können.

Preissturz am Getreidcmarlt. Tie Preisbewegung an de» Gctreidemäriten während der letzten Tage zeigt, wie übertrieben^ die wüsten Preissteigerungen nach dein Kriegsausbruch ivaren. Zut Beginn der neuen Woche stürzten an der Berliner Getreidebörse die Preise für W c i z e w um 15 Mk., für R o g g e n um 17 Mk. und ftir! Hafer um 28 bis 25 Mk. für die Tonne. Das Angebot hat iveseiit- lich zugenommen. Am Montag-Frühniarkt betrugen die amtlich sestgeitclltcn Preise für sofort lieferbare Ware per Tonne <28 Zentneri: Weizen inländischer 215,88 bis 223.00 ab Bahn und frei Mühle. Roggen, iuländiicher. 180 bis 185 ab Bahn frei Mühle. Hafer, märkischer, mecklenburgischer, pommerscher, preußi­scher, bosnischer uiid schlesischer alter feiner 245,00 bis 200,00, alter mittel 225,00 bis 244,00 ab Bahn und frei Wagen, neuer rollend 200,00 bis 210,00, Mais 180,00 bis 180,00 frei Wagen, Futtergerste- inländische und ausländische, 200,00 bis 215,80 ab Bahn »nd fnei Wagen. Erbsen, inländische und ausländische Fnttcrwar«, wir feine und Ta-nbenerbsen 215,80 bis 230,00 Mk,

Altcnbuscck. Am Sonnlag nachmittag Punkt %8 Uhr findet im Vereinslokal eine Mitgliederversammlung des Volksvereins statt, zu der alle Mitglieder erscheinen müssen. Es sind verschiedene wichtige Angelegenheiten zu regeln, weshalb die Anwesenheit aller erforderlich ist, Tie Versammlung beginnt pünktlich!

Wicscck. In der vorgestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst mitgeteilt, daß von Montag, 17. August, ab die Geschäfte der Bürgermeisterei von dem Beigeordneten Schäfer wahrgcnommcn werden, weil der Bürgermeister Schombcr zum Militär eiubcrufen wird. Zum Vertreter des Beigeordneten wurde das dienstültcste Gemeinderatsmitglied Becker bestimmt. Auf der Tagesordnung stand weiter: Maßnahmen zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Familien. Für diesen Zweck wird ein vorläufiger Kredit von 2080 Mark beivilligt. Doch soll die Unterstützung nicht in barem Geld«, sondern in Naturalien, Brot, Kartoffeln usw. gewährt werden. Es wird dazu eine Kommissio» gewählt, die aus dem Gemcinderechncr MöbuS, den Gemcinderais- mitglicdern Wacker, Erb. Scibert und den Bürgern Hch, Mank, Ph. Hch. Keller, Will). Hildcbrand, Leopold Löwenstein und Hermann Katz besteht.

Kreis Wetzlar.

st. Unchristlich auch im Kriegszustand. Das Organ der Christlich-

sozialen in Siegen, Das Volk, kann scheinbar auch jetzt seine un­anständige Kampfesmethodc gegen die Sozialdemokratie nicht lassen. Von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, bemüht sich die Presse aller Parteirichtungen peinlich, während des Kriegszustandes unsere, Partei nicht anzuremxeln. Man ist gezwungen, die korrekte Haltung der sozialdemokratischen Partei anzuerkennen, liian fühlt deren gc- wattige Bedeutung inmitten der breiten Volksinasscn. Dies ein- znsehen, wird dem Volk natürlich schwer, sintemalen cs selbst nur ein kleines, bedeutungsloses Parteigrüppchen vertritt. Unter Rand­bemerkungen ihres Berliner Mitarbeiters soll die Sozialdemokratie in Nummer 187 herhatten. Ta heißt es u. a.:

Genoss« Dr. L i e b k n e ch t ist in seiner Eigenschaft als Unter­offizier der Reserve zur Fahne gerufen worden. So lange er im Felde ist, wird man ihm in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt, in Leipzig den Hals wohl nicht umdrehen.

<Wie gcschmackvollü Dann kommt der Soldatenmißhandlungs­prozeß der Genossin Lureinbnrg an di« Reihe. Dazu salbadert das Volk:

Wo eigentlich sind die Zeugen der Rosa Luxemburg in diesen Tagen geblieben? Als kriegsstarke Kompagnie waren sie damals in Moabit angcrückt. Doch was will solche Kompagnie ver­ärgerter und schrullenhafter Menschen besagen gegenüber den Legionen, die jetzt Tan fiir Tag ans der Reserve zu den Fahnen zuriickgekehrt sind!O. welche Lust, Soldat zu sein!" war an3 ihrer aller Zügen zu lesen.

Sollen wir gegen den Ergnst polemisieren? Nein! Derart schmutzige Geistesvrodnkte, die zu einer Zeit erscheinen, wo der letzte Mann im Felde sein Leben einsctzt, hängt man einfach niedriger!

0, B r a n d. In der so wie so aufgeregten Zeit ertönte gestern nachmittag das Feuersigiial und bald wurde bekannt, daß in der Turmstraße Nr. 12. Ecke Bubbachcrgasse, das Haus des Aifftreicher- meisters Karl Schneider und der daranstoßcnde historischeSän- türm", in Flammen standen. Durch rasches Eingreifen der Feuer­wehr und Zivilpersonen, welche letztere allerdings recht schroff znrückgewiesen worden sein sollen für ihre freiwillige Mithilfe, wilssde cs verhütet, daß di« anstoßenden Schreinereien größeren Brandherd lieferten,

I>. Weitere wirtschaftliche Notlage, Auch die altrenomicrte hie­sige Firma Kraft u. Buß (Haarfabrik) hat ihren Betrieb eingestellt, wodurch eine ganze Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Ver­dienst jetzt sind. Die Firma Momma, Maschinenfabrik hier, läßt vorläufig ihren Betrieb 2 Tage ln der Woche ruhen.

b. Zur Nachahmung empfohlen. Der Kreisausschuß des Kreises A lt« n kl rch e n. hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Familie» der Kriegsteilnehmer einen Zuschuß aus Kreis-> mitteln zu gewähren. Familien mit mehr als 2 Kindern unter 15 Jahren, sollen 10 Mark vro Monat erhalten, mit 12 Kindern 7 Mark und solche ohne Kinder 5 Mark. Zur Deckung der ent­stehenden Kosten wird zunächst der Rechnungsüberschnß vom Jahre 1913 in Höhe von 58 080 Mark (alle Achtung! D. B.) zur Ver­fügung gestellt. Ferner wird bei der Kreissparkasse eine Anleihe von 100 000 Mark für diesen Zweck ausgenommen, und dann sollen verschiedene Stfftungsvermögen, die dem Kreis zur Verfügung stehen, für Zwecke der Kreiskrankenpflege Verwendung finden. Alle Achtung! Wo bleibt aber der Kreisausschuß in Wetzlar mit einem ähnlichen Beispiel?

Bekanntmachung.

Die Friedhöfe sind vom 18. August bis 15. Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet.

Gießen, den 13. August 1914.

Ter Oberbürgermeister:

Kel ler.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & C!«., Gießen.

Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offcnbach a. N

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