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Der Krieg hal Aufregung nicht nur unter der Schuljugend h.rvorgcrufen. Truppendurchmärsche, Transporte von ver- mundeten, sonstige militärische Dorgänge haben die Kinder aus die Straßen gelockt, vielfach ist der Dater eingezogen, und die Mutter hat die Kinder nicht mehr ganz in der Gewalt. Im Gegensatz zu den Dörfern sind die meisten Kinder in unserer Stadt außerhalb der Schulzeit unbeschäftigt und kommen infolgedessen zu leicht in Versuchung, auf der Straße Unfug zu treiben. Daß sie auf der Straße lärmen, kann man ihnen nicht ohne weiteres übelnehmen, sie haben das ja von den Studenten gelernt. Seit Ausbruch des Krieges singen die Schulknaben nicht mehr auf der Straße, nein, sie brüllen, daß es in die Ohren gellt, besonders schlimm soll der Lärm in der Wolkengasse sein. In einem Dorfe könnte das überhaupt nicht Vorkommen. Ts liegt unseren Schulknaben auch nicht das Geringste daran, ihren Lärm in der Nähe der Lazarette zu verüben, und oft muß man sie, wenn Gottesdienst ist, erst aus der Nachbarschaft der Kirchen wegtreiben, damit die Andocht nicht gestört wird.
Unsere Schulen sind sich in dieser ernsten Zeit ihrer Aufgabe bewußt, sie betonen, daß jetzt die Schule mehr Er- zichungsschule als Lehrschule sein muß. Aber die Schulen allein können nicht alles machen. Die Eltern müssen helfen, sie müssen ihren Kindern streng das Lärmen auf den Straßen verbieten und dafür sorgen, daß die Kinder sich mit Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf der Straße umhertreiben. Es ist sehr schön, wenn man jetzt patriotische Lieder singt, aber wenn Schulknaben jetzt ohne Aufhören wild in die Well hinausschmettern: „Deutsche Infanteristen haben hohen Mut", so sollte solcher Betätigung doch Einhalt geboten werden. Wenn sich die Erwachsenen nicht fürchten, gelegentlich einen ungezogenen Knaben auf der Straße zurechtzuweisen, so werden die Klagen über die Verwahrlosung unserer Schuljugend bald verstummen. Wir sind es unserer Jugend schuldig, sie jetzt nicht der Verwahrlosung anheimfallen zu lassen.
Die Lehrlinge, vornehmlich die Bäcker- und Metzger- lehrlinge sowie die jugendlichen Ausläufer, die besonder; Sonntags in den frühen Morgenstunden, radelnd, brüllend und pfeifend die Straßen durchziehen, werden ja erst mit Beginn de; Fortbildungsschulunterrichtes zu einem gesitteten Benehmen angeleitet werden können. Einstweilen haben diese Herrschaften auf unseren Straßen noch unbestritten das Ne- giment.
Worte zum Nachdenken in der Ariegszeit.
Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Eoang. Matth. 28, 20.
Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Jeremia 29,11.
Mag auch die Liebe weinen,
Es kommt ein Tag des Herrn:
Es muß ein Morgenstern Uach dunkler Nacht erscheinen.
Mag auch der Glaube zagen,
Ein Tag des Lichtes naht:
Zur Heimat führt sein Pfad,
Aus Dämm'rung muß es tagen.
Mag Hoffnung auch erschrecken,
Mag jauchzen Grab und Tod:
Es muß ein Morgenrot
Die Schlummernden einst wecken.
Friedrich Adolf Krummacher.
Wie darf denn der Krieg sein in der Welt?
Du Törichter, geh hin und frage Gott und seine Geschichte und Offenbarung, und sie werden dir antworten: frage das Leben und die Erfahrung des Lebens, und sie werden dir die Worte deuten.
Du sollst den Frieden begehren, aber die Welt begehret den Krieg: du sollst den Frieden Neben, aber die Welt hasset die Buhe. Darum ist Krieg.
Durch Unglück und Uot sollen wir lernen zum Himmel aufschauen und bedenken, daß hienieden nicht unser; Bleibens ist, sondern daß wir das Unvergängliche suchen sollen.
Durch Unglück und Not werden unsere Kräfte geübt, daß wir Gott nicht vergessen und nicht in eitler Faulheit und Wollust vergehen.
Weil wir so böse sind, darum ist Krieg, und weil wir so nichtig sind, darum ist das Nebel. Wehe aber dem Manne, der nach unschuldigem Blute dürstet, der unschuldige Völker zu unterdrücken trachtet! Seine Bosheit fällt auf seinen Kopf zurück, und Gott im Himmel wird den Wüterich strafen.
Ernst Moritz Arndt,
Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 4. Oktober, 17. nach Trinitatis. Erntedankfest.
Kollekte für die Erbauung einer deutschen evangelischen Kirche in Nom.
Gottesdienst.
In der Stadttirche.
vormittags 9'k Uhr: Professor D. 5 chian.
vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst, verbunden mit der Feier des heiligen Abendmahls für die demnächst ins Feld ausrückenden Mannschaften, sowie deren Angehörige. Pfarrer Schwabe.
Nachm. 2'/* Uhr: Kinderkirche für die Natthäusgemeinde. Pfarrer v. Schlosser.
Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbet- stunde. Pfarrer v. Schlosser.
In der Johanneskirche.
vormittags 9'/- Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Jo- hannesgemeinde gemeinsam. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.


