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süröiekvangelische
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Nr. 21.
Gießen, Pfingsten, 31. Mai 1914. 3. Jahrgang.
Pfingsten.
Brief des flpoftels Paulus an die Römer 8, 14. Welche der
(Beijt Lottes treibt, die find Lottes Rinder.
6ls unser Herr und Meister noch auf Lrden bei seinen Jüngern weilte, redete er öfters zu ihnen von feinem nahen Scheiden. Da wurden sie stets traurig,- er aber tröstete sie, indem er ihnen die Verheißung gab: „Ich will euch einen anderen Tröster senden, den Geist der Wahrheit, der wird bei euch bleiben ewiglich." Diese Verheißung wurde am Pfingstfest herrlich erfüllt. Pfingsten bildet einen Markstein in der Geschichte der christlichen Kirche, von da an beginnt ihr Siegeslauf auf Lrden, und das ist die Wirkung des Gottesgeistes, dessen wunderbares Eingehen in die Welt wir heute schauen dürfen. Was ist der Geist Gottes? Wir versagen es uns hier, Definitionen zu geben, die doch unzulänglich sind, weil sie nicht an die Hoheit und Größe des Gegenstandes heranreichen. Wir wollen uns lieber an die Wirkungen des heiligen Geistes halten, und diese liegen offen vor aller Rügen.
Was hat der Geist Gottes aus den Jüngern des Herrn gemacht? Ls ist wunderbar, welche Verwandlung mit ihnen vor sich ging, vorher verzagte Seelen, schwache Werkzeuge der göttlichen Gnade, und nun Männer voll heiligen Feuers und voll Geistes,- vorher so voller Hngft vor einer feindlichen Welt, daß sie sich hinter verschlossenen Türen verbargen, und nun gehen sie mutig und fröhlich hinaus und predigen das Wort von Thristo mit einem Feuer, mit einer Begeisterung, die ihres Eindrucks nicht verfehlen kann. Die Gründung der großen Pfingstgemeinde war die Frucht ihres Zeugnisses. Das sind Tatsachen, die sicher bezeugt sind.
Und der Geist des Herrn tut auch weiterhin das Seine in dieser argen Welt. Wie er die Rpostel trieb, so befähigte er auch die späteren Zeugen, dem Befehl ihres Herrn und Meisters mit Eifer und Erfolg nachzukommen: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker." Zwar lehnt sich das Reich der Finsternis mächtig auf gegen das Licht in Thristo, die Thristenverfvlgungen der ersten drei Jahrhunderte sind schreckliche Zeugnisse davon. Über die Rechte des Herrn behält den Sieg, der Geist des Herrn, der in seinen Getreuen lebt, überwindet alle Feinde. Es ist ein gewaltiger
Kamps, ein beispielloses Ringen zwischen Licht und Finsternis, aber das Ende ist: „Galiläer, du hast gesiegt", wie Julian, der Rbtrünnige, resigniert bekannte. Er hat gesiegt, weil der Geist des h^rrn die Seinen getrieben hat, weil sie seine Kinder waren.
Und doch ist diese in den ersten Jahrhunderten so herrlich blühende, morgenländische Kirche nachmals untergegangen, eine Beute des Islam geworden! Der Geist Gottes war von ihr gewichen. Nach der Zeit der Verfolgungen waren heidnische Unterströmungen von allen Leiten in die christliche Kirche eingedrungen, so daß Gottes Geist nicht mehr in ihr das Regiment führte. Darum mußte sie fallen.
Ruch die verweltlichte, abendländische Kirche des Mittelalters stand in großer innerer Gefahr. Die Reformation ward ihre Rettung. Sie ist ein Werk des heiligen Geistes. Wenn je ein Mensch so wie Luther getragen und getrieben vom heiligen Geist; wie hätte es sonst der einfache Mönch wagen können, einen Papst, eine ganze widerstrebende Welt in die Schranken zu fordern und sich gegen sie zu behaupten. Unsere evangelische Kirche, mag sie auch noch in manchen Stücken eines besseren Rusbaus bedürfen, ist in ganz besonderem. Sinne ein Werk des heiligen Geistes. Und so lange er in ihr lebt und sein Werk in ihr treibt, wird sie bestehen und ihren Segen entfalten.
Und wie in der Kirche im ganzen, so muß der heilige Geist in jedem einzelnen Glied der Kirche leben, sein Wesen haben und sein Werk treiben. Uur die, welche der Geist Gottes treibt, sind seine Kinder. Ich kann nicht recht gedeihen, ich kann meines Lebens nicht wahrhaft froh werden, ich kann meine Berufspflichten nicht gewissenhaft erfüllen, ich kann für meiner Seele Heil und Frieden nicht recht sorgen, ich kann nicht recht glauben und beten, wenn der Geist Gottes nicht mit mir ist, wenn er mich nicht treibt. Der gnädige Gott will aber seinen Geist in Fülle denen geben, die ihn herzlich und demütig darum bitten.
Was wollen wir uns darum am hohen pfingstfeste wünschen? Was wollen wir von unserem himmlischen Vater erbitten? Einmütig dringe unser herzinniges Gebet und Flehen zu 'Gott empor: „Herr gib uns deinen heiligen Geist! Laß deinen Geist uns treiben, daß wir deine Kinder sein und bleiben." F. S.


