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Weltkrieg 30 9 seiner Kriegsverluste durch Ausländer und Einbürgerungen fremder Menschen wieder aufgefüllt. Daß diese mit einigen Hunderttausend anzusetzenden Ausländer bzw. Nicht⸗Franzosen keine besonders große Neigung hatten, für Frankreich zu verbluten, hat die jüngste Vergangenheit deut— lich gezeigt. Die militärische und biologische Entwicklung hat inzwischen mit einer nicht zu verkennenden Deutlichkeit gezeigt, daß Frankreich auf viele Jahre hinaus und wahrscheinlich für immer aus seiner bis⸗ herigen Großmachtstellung ausscheiden muß, selbst für den Fall, daß die Fruchtbarkeit Frankreichs nach dem Kriege wieder ansteigen würde, was jedoch nicht zu erwarten sein dürfte. Die einzige biologische Chance für Frankreich bestand während dieses Krieges darin, daß England bereit gewesen wäre, das Risiko dieses leichtfertig vom Zaune gebrochenen Krieges auf das eigene biologische Konto zu übernehmen. Die Ereignisse des Jahres 1940 haben jedoch gezeigt, daß England gar nicht daran dachte, dieses Risiko für seinen Trabanten Frankreich zu übernehmen. Es hätte diese an sich natürlichen biologischen Opfer aber auch gar nicht zu bringen vermocht, denn 1. hat England stets andere Völker für sich kämpfen und bluten lassen, es hätte daher eine vollkommene Schwenkung in einer jahrhunderte— langen Politik vornehmen müssen;
hatte es einen Großteil seiner besten Männer nötig, um sein gewaltiges Kolonialreich aufrechtzuerhalten;
benötigte es nicht minder wehrfähige Männer, um sich der deutschen Angriffe zu erwehren, die sich im Ablauf des Krieges in immer unan⸗ genehmerer Weise direkt gegen seine Insel selbst richteten und 4. gehören zur Führung eines modernen Landkrieges Truppen, welche die
modernsten Kriegsmittel auch beherrschen.
Hierbei ist England aber mit der erst im Laufe des Krieges erfolgten Einführung einer lendenlahmen und korrupten allgemeinen Wehrpflicht sehr ins Hintertreffen geraten. Also war und blieb Frankreich im großen und ganzen auf sich selbst angewiesen.
Wie ernst man auch in Frankreich die bevölkerungspolitische Lage in den kritischen Wochen seiner Kriegsgeschichte sah, geht aus der Neujahrsbot⸗ schaft Daladiers 1940 und aus Berechnungen und Angaben hervor, die von französischen Bevölkerungspolitikern selbst angestellt und gemacht worden sind. Danach rechnet man in Frankreich vom Jahre 1940 ab mit einem Nachlassen der Geburten um 30 vo, und zwar deshalb, weil
1. fünf Millionen Soldaten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr einge— zogen waren, von denen beinahe 2 Millionen nach dem Zusammen⸗ bruch in die deutsche Kriegsgefangenschaft wanderten. Die hierdurch bedingte Störung des normalen Familienlebens muß sich zwangsläufig in einem Rückgang der Geburtenziffer äußern; 5
2. der Geburtenrückgang sich bereits besonders spürbar vom Jahre 1916 auswirkt, in dem die verlustreiche Materialschlacht an der Somme geschlagen wurde;
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