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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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denke nur an die Intensivierung des Zuckerrübenbaues, des Hackfrucht⸗ und Olfrucht⸗Anbaues, ferner an den Zwischenfruchtbau mit seiner Forderung, innerhalb zweier Jahre dreimal zu ernten können nur erfüllt werden, wenn in Zukunft die Anwendung der Handelsdünger immer mehr gesteigert wird. Die gewaltige Entwicklung der Industrie der modernen Handels⸗ dünger, die wesentlich dazu beigetragen hat, unsere Ernährung vom Aus⸗ land unabhängig zu machen, hat ihren Ausgang letzten Endes von den Lehren Liebigs genommen, und darum ist sein vor hundert Jahren erschienenes Buch nicht nur ein Markstein in der Entwicklung der Agrikulturchemie in dem Sinne, daß von ihm ab erst die moderne Geschichte dieser Wissenschaft ihren Anfang nimmt, sondern es ist gleichzeitig Anstoß für eine gewaltige ernährungspolitische Entwicklung geworden, die ihre Krönung in der voll⸗ ständigen Unabhängigkeit Großdeutschlands hinsichtlich seiner Ernährung fin⸗ den wird. 5

Die Übersicht 1 zeigt uns, wie der Verbrauch an Handelsdüngemitteln im Laufe der letzten Jahrzehnte angestiegen ist. Aus der Übersicht 2 ist zu entnehmen, in welchem Umfange die Ernten in Deutschland seit der An⸗ wendung der Mineraldüngung gestiegen sind.

Die Übersicht 2 lehrt uns somit, daß in den letzten fünfzig Jahren die Hektar⸗Erträge für Kartoffeln um etwa 100 oo, für Getreide um un⸗ gefähr 80 0% gestiegen sind.

Immerhin sind wir noch weit davon entfernt von jenen Ernteerträgen, die bei entsprechender Düngung aus unseren Böden herausgeholt werden könnten. Aus der Übersicht 3 ist zu entnehmen, daß die bisher im Reichs⸗ durchschnitt erreichten Erträge lange nicht an jene Ertragszahlen heran⸗ reichen, die bei intensiver Düngung leicht zu erzielen wären. Die in Über⸗ sicht 3 angewandteVolldüngung bestand aus 40 kg N, 80 kg EO und 60 kg PzOs je Hektar im gesamten Durchschnitt, bei Rüben aus 60 kg N, loo kg KO und loo kg P2O5/ha. Diese Zahlen sind aus Versuchen ent⸗ nommen, die Gericke durchgeführt hat(28).

Im Jahre 1936/37 wurde im Gesamtdurchschnitt in Deutschland je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche angewandt: 17, kg N, 22,1 kg PzOzʒ und 33 kg KO. Es kann angenommen werden, daß in den mehr intensiv betriebenen Wirtschaften des Reiches im großen Durchschnitt je Hektar im Jahr etwa 3040 kg N, 3040 kg PzOs und 60-90 kg KzO in Form von Handelsdüngern zur Anwendung gelangten. Dazu sei bemerkt, daß nach Remy(29) folgende Düngungsmengen erstrebenswert wären: bei Erwartung mittlerer Ernten: 30 kg N, 40 kg P2Ozß, 94 kg K2O/ha. bei Erwartung hoher Ernten: 50 kg N, 60 kg PzOs, 144 kg K2 O/ha.

Zweifelsohne ist es daher ohne weiteres möglich, durch intensivere Düngung nicht nur die Erträge im Getreidebau, sondern insbesondere im Hackfruchtbau und in den Grünlandbetrieben wesentlich zu steigern. Von welcher Bedeutung eine richtige Nährstoffzufuhr z. B. für den Kartoffelbau ist, hat vor kurzem erst Gericke(30) gezeigt, und über die Steigerungs⸗ möglichkeiten im Ertrag auf Grünland hat Schmitt(31) in seinen Ar⸗ beiten bewiesen, daß durch entsprechende Düngung unserer Wiesen ein Viel⸗ faches des jetzigen Reichsdurchschnittes erzielt werden könnte(32).