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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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ein Gesinnungswandel ist im Vollzug, seit auch das britische Volk begonnen hat, seine Lage in ihrem ganzen Ernst zu begreifen. Amerika aber hält lange hin und erwägt, was noch zu wagen sei zugunsten Englands oder zurRet⸗ tung der Demokratie. Indessen ist das Blendwerk englischer Schutzherrschaft über die Welt verflogen.

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Eine andere Gruppe von Traum- und Wahngebilden gemeint ist die Bevormundungssucht hat Wurzel- und Ausgangspunkt in G. J. Caesars Werk De bello Gallico VI. Geflissentlich erinnern britische Gelehrte an die Kapitel 13 20, wo der römische Feldherr und Staatsmann von dem Orden der Druiden erzählt, von jener geistlichen Führerkaste, mit dem Richteramt versehen, die alle Streitigkeiten schlichtet, der die Jugend zuläuft zwecks Unterricht in Geheimwissenschaften, die, frei von Abgaben und Kriegs⸗ dienst, das Bannrecht ausübt, Opfer darbringt, Auskunft erteilt in Sachen der Religion. Neben denRittern(equites) seien sie hoch angesehen bei allen Stämmen Galliens, die, unbeschadet sonstiger Parteiung, eine gemein same Verehrung verbinde für den Stand der Druiden.

Auf ihre Lehre sei nicht näher eingegangen, nur gefragt, warum man in England so gern auf Caesar hinweist, so eifrig an diese Stelle erinnert. Weil er berichtet, daß ihre Schulung aus Britannien stamme und von dort nach Gallien verpflanzt worden sei. Caesar fügt hinzu, daß auch jetzt noch alle, die eine Sache gründlich erlernen wollen, sich zu ihrer Ausbildung nach, Britannien begeben. Der Abschnitt klingt wie Musik in englischen Ohren: Disciplina in Britannia reperta atque inde in Galliam translata esse existimatur, et nuno qui diligentius eam rem cognoscere volunt, plerumque illo discendi causa profioiscuntur.(Kap. 13.)

War es ein Wunder, wenn die englische Regierung Herrn Reynaud lobte, daß er nach London kam, um sich Instruktion zu holen, oderbe festigt zu werden in plutokratischer Logik, daß sie auf die Seite de Gaulles trat und Partei nahm gegen Marschall Pétain? Der Präzedenzfall ist ja bei Caesar verzeichnet; er sollte Gewohnheitsrecht werden, und alles wäre nach Wunsch. So hätten sie es auch in Zukunft gerne: laßt euch beraten von uns, leiten, seid hörig, folgsam, holt euch immer Anweisung, Bescheid und Genehmigung aus England! Das wäre ihnen recht und sie gefielen sich weiter in der Würde von Ratsherrn der Welt. Jedermann sei willkommen, der vor diesem Mythus sich verneige und in unterwürfiger Bewunderung ent⸗ sprechende Gebärden macht. Was sie für selbstverständlich halten, ist jedoch ein erkünsteltes Stück gelehrter Bauernschläue, ein Wahnbild aus Caesar errafft und erschlichen. Das Erbe der Druiden, die England zu einer Hochburg der Weisheit gemacht, habe Kaiser Konstantin angetreten, der Engländer(2) ge⸗ wesen und Christ geworden seil Dann hätten angelsächsische Sendboten den Glauben nach dem Festland getragen. Am Hof und im Reich Karls des Großen habe der Brite Alkuin das Bildungs- und Erziehungswesen eingerichtet, England wiederum, bereits im Mittelalter den Reformator der Religion in Wiclif besessen, neben Denkern wie Eriugena und Duns Scotus. Der Dichter Milton, ein Zeitgenosse Cromwells, hat solche Betrachtungen ange⸗ stellt und daraus gefolgert, stets habe Gott Pläne und Absichten enthüllt