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der seine Pflicht tut und kämpft nach Fehderecht. Keinem deutschen Sol— daten oder MG.-Schützen fiele ein, zu schießen auf einen Piloten im Fall⸗ schirm. Denn der Meuchelmord ist ihm fremd, wider seine Natur und mili— tärische Erziehung. Er hält auf Waffenehre, männlich und ritterlich, kennt nur militärische und kriegswichtige Ziele. Es stellt sich aber heraus, daß diese Begriffe jenem Gegner gar nicht selbstverständlich sind, daß dort eine schäbige Auffassung vorherrscht, daß Heckenschützen in britischem Sold dem Spiel der Waffen ein unehrliches Gepräge geben, das zur Entartung des Krieges führt. Also bleibt auf deutscher Seite„eine Arbeit mehr“ zu leisten, die unsagbar schwer ist: dem Feind eine halbwegs anständige Fecht— weise abzunötigen und die Rücksicht davor einzuflößen.
Zu seinem Rüstzeug gehört die Tarnung. Er blendet und erscheint anders, als er wirklich ist. Alte Brauchstücke, die der Bauernfängerei dienten, sind bekannt. Noch tritt er auf im Bilde John Bulls, diesem Inbegriff übertriebener Harmlosigkeiten, in der Rolle des Biedermannes und Freun— des der Völker. Geschickt wird auch das Blendwerk vom Gentleman vorgemalt; es soll Törichte täuschen. Wie es in Wirklichkeit damit steht, darüber wären die Männer der Altmark berufen, Auskunft zu geben, die Besatzungen der Seenotschiffe oder Seenotflugzeuge: wie allem Völkerrecht zum Hohne Feuerüberfälle geschehen auf Unbewaffnete, die im Wasser schwimmenn, oder Verwundete, die versuchen, sich auf Eis zu retten. Selbst Franzosen sind heute bereit, Aussage zu machen über die vielberufene gentleness oder fairness ehemaliger Bundesgenossen. Unversehens fallen sie aus der Rolle, und es kommt das Gegenteil des Anstandes heraus, auch der vornehmen Zurückhaltung in Wort und Rede. Unbeherrscht äußern sie sich, von Chamberlain bis Neville Henderson. Diese Gentlemen des Scheines rauben ohne Schicklichkeit, legen schwarze Listen an, sperren Konten, vernichten Existenzen, untersagen jede Hilfe an Hungernde; ohne eine Spur menschlichen Rührens nehmen sie das Brot und werfen es vor die Hunde. Das ist nicht fein. Zwar gehen sie in die Kirche und beten um Frieden; aber Störungsfeuer wird gelegt auf jede Brücke, wo eine Verständigung der Völker sich anbahnen will. Noch setzen sie die ganze Welt in Unruhe und fahren fort, den Frieden zu hintertreiben. Ihr„biedermännisches“ oder „edelmännisches“ Gebaren ist nur Maske nach außen; daheim unter sich sind sie einig:„big lies and a little bit honesty is the best policy“ so heißt der englische Grundsatz im Sprichwort:„faustdicke Lügen und ein klein bißchen Anstand als Deckmantel, das ist beste Politik“.
Groß ist die Zahl solcher Trugbilder, darauf berechnet, Eindruck zu machen und im Kriege das Feld zu vernebeln, womöglich den Angriffs⸗ und Siegeswillen des Gegners zu lähmen. An das„meer- und weltbe—⸗ herrschende Albion“ soll noch geglaubt werden; es ist eine Sage. Dazu kommt die Legende von dem„reichen England“, mit dem Überfluß aller Rohstoffe, unerschöpflich an Hilfsmitteln; schon seine Finanzkraft ist heute erschöpft. Von dem Mythus ihrer„Erwähltheit“ oder„Gottwohlgefällig⸗ keit“ gar nicht zu sprechen! Aber sie schützen eine Redensart vor, könnten sich gestatten, alle Schlachten zu verlieren, um schließlich doch den Krieg zu gewinnen; das ist ein Spruch. Auch liebäugeln sie mit der Unempfindlichkeit
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