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Wenn zwei Räume wie das Großdeutsche Reich und Osteuropa in Wirtschaftsharmonie gebracht werden sollen, so soll das heißen, daß man wünscht, daß sie im Austausch ihrer Wirtschaftsgüter das größte Maß gegen— seitiger Ergänzung erreichen. Dieser harmonische Austausch kann aus dem gegenwärtigen Stand einerseits sowohl durch Lenkung des bestehenden Außen— handels erreicht werden, andererseits durch Umstellung der Erzeugung jedes der beiden Räume auf die jeweiligen Bedürfnisse des anderen. Ich möchte durch das Wort harmonisch ausdrücken, daß die wirtschaftliche Verknüpfung zweier Räume nicht so gedacht ist, daß der eine mehr der gebende, der andere mehr der nehmende Partner ist, nicht allein was die Menge der ausgetauschten Erzeugnisse angeht, sondern auch den Wert, so daß der Aus- tausch sich so vollzieht, daß er jedem der beiden Räume in seiner Eigenent— wicklung förderlich ist. Es ist also darunter kein Laufen nach dem niedersten Preis zu verstehen, keine Ausbeutung eines Schwächeren, sondern die Stär— kung des Partners, die sich immer auch zum Vorteil des anderen auswirkt.
Die Frage ist somit zuerst die: Was könnte das Großdeutsche Reich von Osteuropa beziehen, was es bislang teilweise oder ganz aus anderen Gebieten bezogen hat, und was könnte als Folge der Osten von Mittel⸗ europa erhalten, was ihm bisher andere Gebiete geliefert haben? Und des weiteren ergibt sich sofort die andere Frage: wie könnte dieser Austausch durch Mehrerzeugung oder durch Umstellung in der Erzeugung auf den spezifischen Bedarf des anderen Partners gesteigert werden?
Bevor wir zur Beantwortung dieser Fragen übergehen, müssen wir die beiden Räume in ihren natürlichen Bedingungen untersuchen, um zu wissen, welche Möglichkeiten den Staaten und Völkern, die sie einnehmen, zur Verfügung stehen. Für das Großdeutsche Reich können wir uns kürzer fassen, da uns die Gegebenheiten bekannt sind.
Für jeden Raum der Erde gilt der Satz: Geographische Lage sist Schicksal. Dieser Satz besteht unzweifelhaft zu Recht, nur darf man nicht stillschweigend daraus schließen, daß sich ein Volk mit dem Schicksal seiner geographischen Lage restlos abzufinden habe und die Hände in den Schoß legen dürfe, sondern man muß umgekehrt aufzeigen, wie ein Staat und sein Volk das Schicksal seiner Lage genützt und gemeistert hat. Erst durch diese Betrachtungen wird man sowohl den Leistungen eines Staates und seines Volkes wie auch den geographischen Bedingungen seines Lebensraumes gerecht. Die geographische Lage entschuldigt nichts, aber erklärt vieles.
Das Deutsche Reich lag zu allen Zeiten seiner Geschichte in Mittel— europa; auf jeden Fall war dieses der Lebensraum der Deutschen, dem sie in ihren biologischen Eigenschaften angepaßt waren und den sie im Laufe der Jahrhunderte in eine Kulturlandschaft umwandelten, die ein eigenes, ein deutsches Gepräge erhielt. Aber auch umgekehrt hat dieses ursprüngliche Waldland Mitteleuropas, das in den deutschen Lebensraum mit all seinen


