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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Aus diesen Versuchen geht hervor, daß nur intaktes Plasma- logen als solches resorbiert werden kann, nicht aber freies Plas- mal. Der Teil des Plasmalogens, der durch die Azidität des Ma- gens aufgespalten wurde, entzieht sich also der Resorption.

Ein sehr merkwürdiges Verhalten zeigt der jugendliche Orga- nismus unmittelbar nach der Geburt. Imhäuser(24) hatte das Blutserum verschiedener Tiere untersucht und gefunden, daß außerordentlich große Unterschiede bei den Tieren verschiedener Klassen bestehen, daß aber die Werte für ein und dieselbe Tier- klasse sehr konstante Zahlen sind. So haben Hammel nur 6-10 mg Plasmalogen im Liter Serum, Rinder aber 5070 mg. Nie wurden beim Hammel die hohen Werte des Rindes, und niemals beim Rinde die niedrigen des Hammels gefunden. Daher fiel es auf, daß Kälber(d. h. junge Rinder) nur einen Plasmalogengehalt von durchschnittlich 22 mg hatten. Diese auffallende Differenz im Plasmalogenspiegel bei Jungtieren und Ausgewachsenen gab Ver- anlassung, den Plasmalogengehalt im Serum Neugeborener zu bestimmen(40). Hierbei zeigte sich, daß unmittelbar nach der Geburt der Plasmalogengehalt des Serums so gering ist, daß er nicht bestimmt werden konnte, daß dieser Wert aber von Tag zu Tag ansteigt, bis er die Höhe der erwachsenen Tiere erreicht hat. Die Feststellung von Stepp, Feulgen und Voit(39), die in der Milch im Colostrum sogar sehr reichlich Plasmalogen fanden, legt den Gedanken an eine alimentäre Genese des neu hin zukommenden Serumplasmalogens nahe. Daneben käme als Erklärung noch eine Synthese im Organismus in Frage oder aber eine Mobilisierung aus bereits von der Mutter mitge- gebenen Plasmalogendepots in den Zellen. Zur Klärung dieser Frage haben Feulgen und Küst in noch nicht veröffentlichten Versuchen ein Kalb von der Geburt an plasmalogenfrei ernährt. Das Tier erhielt ein Getränk, das nur Wasser, Salze und Milch- zucker enthielt. Diese Ernährung wurde bis 10 Tage fortgesetzt. Hierbei ergab sich, daß der bei der Geburt schon an sich sehr niedrige Plasmalogengehalt noch weiter absank. Als dann vom 10. Tage ab gewöhnliche Milch gereicht wurde, stieg der Plasma- logenspiegel im Blute mächtig an. Das Tier entwickelte sich übri- gens später normal. Dieser Versuch deutet darauf hin, daß der vom Tage der Geburt an beobachtete Plasmalogenanstieg eine ali- mentäre Ursache hat.