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aber im Magen eine starke saure Reaktion, und es ergab sich von selbst die Frage: wird das Plasmalogen im Magen aufgespalten, so daß Plasmal frei wird? kann freies Plasmal auch resorbiert werden? und gibt es eine Plasmalämie neben einer Plasmalogen- ämie? K. Voit(38) hat nachgewiesen, daß bei normaler Azidität im Magen ein Teil des Plasmalogens zersetzt wird, daß aber bei Hyperazidität innerhalb von drei Stunden alles Plasmal frei ge- macht werden kann. Gerade der Umstand, daß unter normalen Verhältnissen im Magen nur ein Teil des Plasmalogens sich zer- setzt, der Rest aber nicht, brachte eine solche Unsicherheit hinein. daß wir den Magen umgehen mußten. Zu diesem Zweck injizierten wir bei einem Hammel nach Eröffnung der Bauchhöhle in das Jejunum einmal eine plasmalogenhaltige Phosphatidemulsion, das andere Mal die gleiche Emulsion, bei der vorher durch Salzsäure alles Plasmal aus dem Plasmalogen abgespalten worden war. Aber lediglich die genuine, d. h. plasmalogenhaltige Emulsion rief einen mächtigen Abstieg des Serumplasmalogens hervor, die plasmal- haltige jedoch nicht. Nach diesem Befund war zu erwarten, daß wir nach Verfütterung der beiden Emulsionen per os genau die gleichen Resultate erzielen konnten: die plasmalogenhaltige Emulsion mußte dabei eine Plasmalogenämie hervorrufen, die plasmalhaltige dagegen nicht. Die Versuche fielen der Erwartung gemäß aus.
Es ergab sich jetzt die Frage, worauf das unterschiedliche Ver- halten des Plasmals und Plasmalogens bei der Resorption zurück- zuführen ist. Wird freies Plasmal überhaupt nicht resorbiert, oder wird es zwar resorbiert, aber gleich wieder aus dem Blufkreislauf entfernt? Um diese Frage zu beantworten, verglichen wir das Ver- halten von freiem, intravenös injiziertem Plasmal mit dem des Plasmalogens. Die Tatsache, daß Plasmal im Körper noch niemals frei, sondern nur in Form von Plasmalogen gefunden worden ist, ließ uns vermuten, daß die Aldehydgruppe sogleich weiter ver- ändert wird. In der Tat, als wir eine plasmalogenhaltige Emul- sion injizierten, war eine Plasmalogenämie noch stundenlang nach der Injektion zu beobachten, während nach der Injektion einer plasmalhaltigen Phosphatidemulsion eine Plasmalämie überhaupt nicht beobachtet werden konnte, woraus folgt, daß freies Plas- mal sich im Blutkreislauf oder in den Organen überhaupt nicht halten kann, sondern gleich weiter verändert wird.


