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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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ungewöhnlich und in der Biochemie ohne Vorbild. Die Berech- tigung aber, eine solche Ubersicht im Rahmen dieser Schriften- reihe zu bringen, erblicke ich darin, daß fast alle grundlegenden Arbeiten auf diesen Gebieten, die unlängst von der Reindarstellung des Plasmalogens und der Erforschung seiner chemischen Kon- stitution gekrönt wurden, an unserer Universität ausgeführt wor- den sind.

A. DIE NUCLEALFARBUNG.

Der ganze hier zu behandelnde Fragenkomplex hat seinen Ur- sprung in der Biochemie des Zellkerns. Chemische Un- tersuchungen an Zellkernen waren erst möglich nach ihrer prä- parativen Darstellung; denn wenn man ein komplexes G e webe direkt verarbeitet, hat man ja keinerlei Gewähr, daß Stoffe, die man aus den Organen dargestellt hat, und in denen man Nuclein- stoffe vermutet, auch wirklich in den Zellkernen vorkommen. Eine präparative Darstellung von Zellkernen in größeren Mengen war früher nur an drei bevorzugten Objekten möglich und verwirklicht worden, nämlich am Eiter, an kernhaltigen roten Blutkörperchen und an Spermien von Fischen. Diese grundlegenden Experimente Waren schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Laboratorium von Felix Hoppe- Seyler in Tübingen von Mie- scher ausgeführt worden. Aus dem Eiter wurden die Eiterzellen durch Absitzenlassen oder Zentrifugieren abgetrennt, das Proto- plasma der Eiterzellen mit künstlichem Magensaft(Pepsin-Salz- säure) durch Verdauung aufgelöst, wobei die Zellkerne zurück- blieben. Kernhaltige rote Blutkörperchen kommen bei Vögeln, Amphibien und Reptilien vor, sie werden aus dem Blut abgetrennt und in destilliertem Wasser suspendiert: die Hüllen der roten Blutkörperchen(Stromata) platzen, das die Zellen ausfüllende Hämoglobin vermischt sich mit dem Wasser, und als einzige kor- puskuläre Elemente sind dann nur noch die Zellkerne und die Stromata vorhanden. Letztere machen nur einen ganz geringen Bruchteil der Masse aus und können zudem durch Pepsin-Salz- säure aufgelöst werden. Fischspermien wurden von Miescher in großen Mengen bei Basel im Rahmen der Lachszucht gewon- nen(Lachsmilch). Nach Ansäuren mit Essigsäure lösen sich die Schwänze der Spermien auf, während die Köpfe zurückbleiben.