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herrschender wird der Einfluß dieser Faktoren. Manche Tropenkrank⸗ heiten, wie das Gelbfieber und die Schlafkrankheit, sind Beispiele dieser Art. Wenn sich die Vielheit der Faktoren auch schwerlich in eine Formel fassen läßt, so hat Beobachtung und ätiologische Forschung doch gewisse Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt, welche die Intensitäts⸗ schwankungen solcher und ähnlicher Seuchen von Jahr zu Jahr in ihrer Abhängigkeit von Boden und Klima beleuchten. So folgt einem regenreichen Frühling in den subtropischen Zonen ein fieberreicher Sommer, da für die zweite und dritte Anophelenbrut hinreichend Wasser vorhanden ist. In früherer Zeit begünstigten im Norden Deutschlands die warmen, im Süden die feuchten Jahre das Auf⸗ flammen der Malaria. Es fehlte im Norden weder an Brutplätzen noch an Fiebermücken, aber mitunter an der zur Plasmodienentwick⸗ lung erforderlichen Wärme. Dieser Faktor gibt den Ausschlag in kühleren Regionen, ähnlich wie für Düngung und Bodenertrag das Gesetz des Minimums seine Gültigkeit hat.
Die räumliche und zeitliche Ausdehnung einer Epidemie bzw.
Endemie ist bestimmt durch den Modus der Infektion, den Grad der
Kontagiosität bzw. der Infektionswahrscheinlichkeit, die Wanderungs⸗ geschwindigkeit der Seuchen und endlich jene Momente, die zu einer zeitlichen Unterbrechung oder Schwächung des Seuchenganges oder zu seinem Erlöschen führen. Die zeitliche und räumliche Registrierung der Krankenzugänge bei Wasserepidemien läßt einen Schluß auf den wahrscheinlichen Infektionsmodus zu. Der hohe und steile Anstieg der Explosipkurve deutet unter Berücksichtigung der relativen Empfäng⸗ lichkeit auf die gleichzeitige Aufnahme von Infektionserregern durch viele Tausende von Menschen hin. Das plötzliche Schwinden der In⸗ fektionsmöglichkeit hat den ebenso steilen Abstieg zur Folge. Nur die anschließenden Kontaktinfektionen, die Vrsache eines nur allmählichen Verebbens der Seuche, unterbrechen das Ende des Steilabfalls, vor⸗ ausgesetzt, daß eine Kontaktübertragung nach Art des Erregers nicht ausgeschlossen ist. Cholera⸗, Typhus⸗ und Paratyphus-Epidemien im Anschluß an die Verseuchung zentraler Wasserversorgungsanlagen, wie die großen Nachkriegsepidemien in Pforzheim, in Rostow und Hannover, zeigen alle übereinstimmend dasselbe graphische Bild. Die Lissabonner, durch Weilspirochäten hervorgerufene Trinkwasserepide⸗ mie weist allerdings nur 126 Fälle auf. Das Wasser kann als Krank- heitsvermittler jedoch nur beschuldigt werden, wenn auf Grund der Feststellung des Wasserbezuges für jeden Erkrankungsfall die Aber⸗ einstimmung von Epidemie und Wasserfeld gesichert und jede andere
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