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reger mit dem des osteuropäischen Schlammfiebers identisch oder zu— mindest artverwandt ist.
Eine auf rein klinischen Methoden basierende Seuchenerfas— sung könnte die Krankheits verbreitung nur in ganz unzulänglicher Weise wiedergeben. Die induktive Methode würde zwar die klinisch manifesten Fälle, die leichteren oder abortiben Fälle zum Teil, nicht aber die latenten Fälle erfassen, die ausschließlich der Arsachenforschung vorbehalten bleiben. Die Seuchenverbreitung ist aber letzten Endes eine Frage der stattgehabten Infektionen, nicht deren Auswirkung in Form unter- oder oberschwelliger Erkrankung. Die Zahl der Keim⸗ oder Virusträger übersteigt die der Erkrankten vielfach ganz bedeu⸗ tend, in endemischen Gebieten sind, wie beim Gelbfieber, manifeste Erkrankungen mitunter kaum aufzufinden. An Kinderlähmung soll von 500 Menschen, die nie manifest erkrankt waren, nur einer in typischer Weise erkranken, und auf einen typischen treffen etwa 20 abortive Fälle. Die weite Verbreitung des Virus ist in Affenver— suchen von amerikanischen Forschern nachgewiesen, die zu Epidemie⸗ zeiten bei der Hälfte aller untersuchten Personen spezifische Schutz— stosfe im Serum fanden.
Der Erregernachweis bei klinisch Gesunden bedarf noch der Anamnese und der weiteren Beobachtung des Untersuchten, um Ba— zillenträger von Dauerausscheidern und Inkubationsbazillenträgern zu trennen. Der positive Befund erlaubt einen gewissen Rückschluß auf den Zeitpunkt der Keimaufnahme. Beim Nachweis von Immun⸗ stoffen ist dies nur innerhalb weiterer Grenzen und in einer individuell unterschiedlichen Weise der Fall, auch ist mit der Fehlerquelle über— greifender Reaktionen zu rechnen. Unter Berücksichtigung der Alters⸗ klassenbefunde einer größeren Population läßt sich mit Hilfe sero⸗ logischer Reaktionen jedoch auch der zurückliegende Seuchenfall rekon— struieren. Beim Gelbfieber, dessen sporadische und abortive Fälle nur schwer zu diagnostizieren sind, besteht in unklaren Fällen die Mög⸗ lichkeit der Viszerotomie bei der Leiche. Zur Auffindung der epide⸗ miologisch so bedeutsamen stummen Gelbfiebergebiete dient der Mäuse⸗ schutzversuch. Er beruht auf der Tatsache, daß das Blut von Men— schen, die Gelbfieber überstanden, Schutzstoffe enthält, die das Gelb⸗ fiebervirus neutralisieren. In Afrika und im Innern Brasiliens war die Reaktion in Gegenden positiv, die lange keinen klinischen Fall zu verzeichnen hatten, aber doch als erhebliche Gefahrenquelle zu betrachten sind. In anderen Gegenden ist das allmähliche Erlöschen des Gelbfiebers einwandfrei festzustellen. Auf verschiedenen west⸗


