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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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In einem recht komplizierten Verfahren geht die Wald rententheorie vor. Sie stellt einen Betriebsplan auf für die Dauer der ganzen Umtriebszeit und ermittelt dann aus der Summe aller Nutzungswerte, die als aufhörende jährliche Renten betrachtet wer den, den jeweiligen Vorwert. Aus der Reihe der möglichen Betriebs⸗ pläne wird dann derjenige ausgewählt, dessen Vorwert ein Maximum darstellt. Bezeichnen wir diesen Vorwert mit We, dann ist We. O0 p die nachhaltig beziehbare höchste Waldrente. Schwankungen im Er⸗ trag will das Waldrentenverfahren mit Hilfe eines Geldreservefonds ausgleichen, der zwar dem Waldeigentümer die Stetigkeit der Ein⸗ nahme verbürgt, der aber die Bedarfsdeckung außer acht läßt. Beide Verfahren sind typische Beispiele einer liberalistischen Verirrung, die als volkswirtschaftsfeindlich bezeichnet werden müssen und darum ab⸗ zulehnen sind.

Der Forstwirt, der dem deutschen Volke verantwortlich dafür ist, daß die deutsche Nationalwirtschaft fortlaufend mit gleichhohen Holz- massen versorgt wird, muß den Wald mit den kritischen Maßstäben des Verstandes messen. Mit dem Herz allein können wir den Bestand der Forstwirtschaft nicht sicherstellen.

Zum Schluß möchte ich nicht verfehlen darauf hinzuweisen, welchen bedeutenden Anteil die Universität Gießen und das Land Hessen an dem Aufbau und der Fortbildung der modernen Forstwissenschaft überhaupt besitzen. Von den drei Begründern der modernen Forstwissenschaft gehören zwei der hessischen Heimat an, Georg Ludwig Hartig und Johann Christian Hundes- hagen. Das kleine Hessen hat im Jahre 1825 mit der Eingliederung des forstlichen Unterrichts in die Universität Gießen einen Schritt von ungeheuerer Bedeutung getan. Das Gießener Forstinstitut ist dab älteste Forstinstitut der Welt, und seine Gründung wurde Vor bild für die anderen, die diesen Schritt zum Teil aber erst Jahrzehnte später vollzogen. Bis zum Jahre 1890 war Gießen auf vielen Ge bieten unseres Faches geradezu führend. Und ich möchte auch nicht versäumen, bei dieser Gelegenheit auf die rege geistige Mitarbeit der hessischen Forstbeamten hinzuweisen. Wer die ältere forstliche Literatur aufschlägt, ist geradezu erstaunt, in welchem Ausmaße sich die hessischen Forstbeamten an den wissenschaftlichen Problemen be teiligten und zu ihrer Förderung beitrugen. Männer wie Gg. W. Frei⸗ herr von Wedekind, E. Braun, K. Urich, H. L. Bose, August Draudt, M. Faustmann, G. F. Schnittspahn,