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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Christian Hundeshagen. Hundeshagen zählt zu den Mitbegrün⸗ dern der Forstwissenschaft, er war der geistvollste Vertreter seiner Zeit, und wir dürfen stolz darauf sein, daß er der erste war, der in Gießen die Forstwissenschaft vertrat. Hundeshagen war der Meinung, daß es ausschließlich der Mathematik gelingen könne, die Zusammen⸗ hänge zwischen Zuwachs, wirklichem Vorrat und normalem Vorrat derart aufzuhellen, daß man hieraus den nachhaltigen Hiebssatz ableiten könne. Hundeshagen schlug deshalb das sogenannte Nutzungsprozent vor, das ist ein Quotient, der das Verhältnis des Normaletats und des Normalvorrats im idealen Wald darstellt, und der selbstverständlich bei jeder Holzart und Betriebsart und bei jeder Umtriebszeit verschieden ist, dann aber jeweils eine Konstante darstellt.

Die Verfahren von Karl Heyer und Hundeshagen sind grundlegend verschieden, da sie die Erhebung von Zuwachs und Vor rat in verschiedener Weise vornehmen. Karl Heyer geht vom Hau⸗ barkeitsdurchschnittszuwachs aus, Hundeshagen vom laufenden Zu⸗ wachs.

Die bis jetzt genannten Ertragsregelungsmethoden erkennen das Nachhaltprinzip an und sie arbeiten deduktiv, indem sie von der Idee des Normalwaldes ausgehen. In der neueren Zeit ist man nun be⸗ müht, auf der Grundlage einer naturwissenschaftlichen Denk und Ar⸗ beitsweise das deduktive Verfahren auszuschalten und ein induktives Verfahren einzuführen. Das ist die Grundidee der Kontroll⸗ methode, die ich bereits erwähnt habe. Die Kontrollmethode ist be⸗ kanntlich der Auffassung, daß der schlagweise gleichaltrige Hochwald verschwinden müsse und daß an seine Stelle der geschichtete Be⸗ stockungsaufbau des Blenderwaldes zu treten habe. Da im Blender⸗ wald eine Altersbestimmung unmöglich ist, tritt hier an die Stelle des Altersklassenverhältnisses das Stärkeklassenverhältnis. Welches Stärkeklassenverhältnis aber als normal zu gelten hat, und welches ein Maximum an Wertzuwachs nachhaltig liefert, das kann im Blenderwald nur auf dem Wege der Erfahrung und Beobachtung er kundet werden. Aus diesem Grunde will die Kontrollmethode perio⸗ dische Messungen und Vorratsaufnahmen vornehmen, um auf diese Weise die Vorratsverschiebung und den Einfluß der Hiebstechnik auf den Zuwachs zu erkunden. Da aber die Wirtschaft nicht auf das Er⸗ gebnis dieser Untersuchungen warten kann, weil sie unter Amständen einige Jahrzehnte dauern, wird man auch im Blenderwald nicht ohne