34 Psalmensprüche 5
34 Psalmensprüche
P. 305 wurde 1928 durch Prof. D. Dr. Carl Schmidt von Händlern aus Madinet el-Faijuũm erworben. Das Blatt ist 9 m hoch, 10 cm breit und ent- hält Teile einer Kolumne einer Papyrusrolle; doch möglicherweise war das Stück auch ursprünglich nicht viel größer und ist nur an den Rändern etwas zerfetzt. Uber der ersten Zeile ist ein teilweise über I cm hoher freier Rand, auf dem keine Buchstabenspuren mehr erhalten sind. Obwohl der Papyrus hier stark abgescheuert, durchlöchert und auch abgerissen ist, scheint doch der Kolumnenanfang erhalten zu sein. Links vor den Zeilen ist ebenfalls ein freier Rand(Interkolumnium?), doch von unregelmäßbiger Breite, da die Zeilenanfänge nicht senkrecht untereinander liegen. Auch die Zeilenenden sind vollständig erhalten; unten jedoch ist mindestens die eine Zeile, die das zu fordernde qbrò enthielt, verlorengegangen; denn am Ende von Z. 9 kann dies wohl kaum mehr gestanden haben. Geringe Spuren dieser verlorenen Zeile finden sich unter-οαανς On Z. 9.
Das Bruchstück enthält zwei Verse des Psalters: Ps. 111(112), 1 und 73(74), 2. Die beiden Versanfänge sind eingerückt, und am Rande steht vor jedem ein Kreuz, ein Zeichen, daß wir es mit einem Stück christ— licher, nicht etwa jüdischer Herkunft zu tun haben. Das Kreuzzeichen ist in Spuren auch am Schluß des ersten Verses(Z. 4) zu erkennen.
Daß noch mehr Sprüche auf dem Blatt standen, wäre immerhin mög- lich(die Spuren einer 10. Zeile deuten sogar darauf hin), ob aber eine ganze Rolle mit solchen beschrieben war, wäre an sich äußerst fraglich; doch könnte ein Umstand zu denken geben: Aus dem Sinn der beiden Verse läßt sich kaum ein Grund geltend machen, weshalb sie hier zu- sammenstehen; doch in beiden beginnt das erste Wort mit dem Buch— staben u: das könnte den Gedanken nahelegen, daß wir es hier mit einem Bruchstück einer ähnlich alphabetisch angelegten Sammlung zu tun hätten, wie wir sie von den Menandersprüchen her in der Profanliteratur kennen. Zwar scheint von solchen Zusammenstellungen aus dem Psalter bis jetzt nichts bekannt zu sein; immerhin sollte der Gedanke einmal aus- gesprochen werden.
Die Schrift ist äußerst unregelmäßig und ungelenk. Die Abstände zwischen den Buchstaben sind verschieden groß, obne Rücksicht etwa auf Wortabtrennung; doch sind sie im allgemeinen, wie auch die Buchstaben selbst und die Zwischenräume zwischen den Zeilen, größer in den ersten Zeilen als später. Unter den Buchstaben fällt besonders das zweimal vor- kommende ß auf, das durch seine Größe und rechtsschräge Stellung völlig aus der Reihe fällt. Trotzdem war das Bemühen des(wohl ungebildeten) Schreibers darauf gerichtet, gut zu schreiben: die Schrift bleibt, wo gut er-


