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Herr Reichsstatthalter!
Herr Minister präsident!
Meine Herren vom Kultus ministerium! Sehr verehrte Gäste und Freunde unserer Universität!
Kollegen und Kommilitonen!
Am 326. Stiftungstage der hessischen Landesuniversität begrüße ich Sie alle in den Räumen der Alma mater Ludovi- ciana. Ich danke Ihnen, daß Sie durch Ihr Erscheinen lhre Verbundenheit mit unserer Hochschule freundlich zum Aus- druck bringen.
Nach alter Tradition hat an diesem Tage der Rektor zu- zächst einen Vortrag aus dem Gebiete der von ihm vertretenen Wissenschaft zu halten.
Ich habe als Thema dieses Vortrages gewählt:
Die Geschichte der Augenheilkunde und ihre Stellung im Rahmen der Gesamt medizin.
Das Auge als das edelste und wichtigste Sinnesorgan hat zweifellos schon in vorgeschichtlicher Zeit die besondere Be- achtung primitiver Volksmedizin gefunden. Ohne ein ausreichendes Sehvermögen war der primitive Mensch allen Gefahren ausgesetzt und nicht imstande, für sich die not- wendige fleischliche Nahrung durch die Jagd und den Fisch- fang und die pflanzliche Kost durch das Auffinden genieß— barer Wurzeln und Früchte zu beschaffen. Die Heilung von Augenverletzungen und die Beseitigung von Augenerkrankungen, die das Sehvermögen beeinträchtigen, spielt auch bei gänzlich unkultivierten Naturvölkern eine große Rolle und die bei diesen beobachteten Maßnahmen, Instrumente und Abbildungen ge- stalten wohl die Annahme, daß auch der auf ähnlicher Stufe lebende vorgeschichtliche Mensch sich ähnlicher Hilfsmittel be- dient haben dürfte.


