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Unlersuchungsmethoden der verschiedenen Organe beherrscht und ihre Ergebnisse entsprechend würdigen kann. Auf diese Ergebnisse darf aber nicht verzichtet werden, da sie für das Gesamtbild von größter Bedeutung sein können. Schon aus diesem Grunde ist bei der Kompliziertheit der Untersuchungs- methoden einzelner Organe und der notwendigen Ubung und Erfahrung der Spezialist erforderlich. Es kommt hinzu, daß das Gleiche, was hier für die Diagnose gesagt ist, ebenso für die Therapie gilt. Auch Behandlungsmethoden erfordern Er- fahrung, Technik, spezialistisches Können. Bei aller Anerken- nung des Speꝛzialistentums, das sich heute nicht mehr weg- denken läßt, muß aber doch auf eine Gefahr hingewiesen werden; sie war früher noch größer als heute, aber auch heute noch ist sie nicht zu unterschätzen, weil ihr mancher Fach- arzt unterliegt. Ich meine, der Uberblick über das Gesamtbild der kranken Persönlichkeit darf auch dem Facharzt nicht ver- loren gehen. Der Spezialist muß selbst soweit allgemeiner Arzt sein, daß er nicht Einzelsymptome aus seinem Spezial- gebiet überwertet, sondern diese Symptome richtig abzuschätzen und einzuordnen weiß in das Gesamtkrankheitsbild des Pa- tienten. Die richtige Synthese der einzelnen Untersuchungsergeb— nisse ist kür die Gesamtdiagnose von allergrößter Bedeutung, und hier wird gewiß oft gefehlt. Zuviel der Analyse und zu wenig der Synthese ist für den Patienten schließlich ebenso schädlich, wie zu wenig Analyse der Symptome.
Der heute neu angefachte Kampf für die Einheit der Medizin wird niemals zu einer Abschaffung des Spezialisten- lums führen, er hat aber schon jetzt das Gute zuwege ge- bracht, daß der Spezialist sich darüber klar wird, daß auch er den Kranken, der ihn aufsucht, als ganzen Menschen behandeln muß und nicht nur das einzelne Organ seines Spezialfaches. Wird das Spezialistentum so aufgefaßt, so hat es nicht eine Verschlechterung ärztlicher Leistungen zur Folge, sondern kann nur eine Verbesserung bedeuten.
Für jeden Spezialisten ist darum eine gute medizinische Allgemeinbildung von allergrößter Bedeutung; sie ist, wie ich glaube, ebenso wichtig, wie seine Spezialausbildung. Es sollte deshalb gefordert werden, daß nur der Mediziner Spezialist oder Facharzt für ein bestimmtes Gebiet der Heilkunde werden


