im Holdienst lebt, aufzumuntern.„Da erschien Amor dem eingeschlum— merten Priester, der über das Zudrängen dieses kleinen Unbekannten
heftig erschrackk.. Amor... schüttelte seinen Köcher und sprach also zu ihm:„... Vergib es mir, liebster Magister, daß ich hier deiner
Unthätigkeit spolte! IIast du denn nie gehört und gelesen, wie ofl die entschlossene und geschäftige Liebe Klöster gestürmt, Mauern erstiegen und sich nachgiebige Nonnen unterthan gemacht hat, die zu einem ewigen frommen Müßiggange verdammt waren; und du! du verzagtest, dem Hofe ein Mädchen zu entziehen, das von keiner eisernen Thüre verschlossen, von keiner Abtissin bewacht, und von dem Klostergelübde weil entfernt ist, eine ewige Jungfrau zu bleiben?“ Auch ein auf- merksamer Leser wird den Rokoko-Amor zu der versteckt lüsternen Slümmung des ganzen„prosaisch-komischen Gedichts“ passend und die Bezugnahme auf die Nonnen bei dem sehr antikatholisch eingestellten Aulor nicht auffallend finden. Keinesfalls aber wird er erraten, aus welchem unsprünglichen Zusammenhang die Nonnen stammen und an wessen Stelle Amor auf Anraten der Freunde Zachariae und Utz bei der strengen Durchsicht für die zweite Auflage treten mußte. In der örslen Ausgabe, die sehr schnell abgesetzt und bald aus dem Verkehr verschwunden war, hatte die Stelle gelautet:„Da erschien dem ein- geschlummerten Dorfpfarrer jener große Verfolger des Papsts, der herzhafte Doktor Martinus; lebhaft erschien er ihm, wie ihn
lür alle künftigen Zeiten Lucas Kranach gemalt hal... Und der Schatten sprach also zu dein träumenden Magister:„Lieber Herr Amts- bruder... O schäme dich nicht, mir deine keusche Liebe zu gestehen!
War ich nicht selbst der erste unter den Priestern, der es auf Paulus Verantwortung wagte, ein zärtliches Weib zu nehmen? Sollte einem Kenner der Kirchengeschichte, sollte dir unbekannt seyn, wie ich einst dem neidischen Kloster das schönste Fräulein entriß? Ach Katharina, Katharina von Bora! wie sehr beglückte deine Liebe mein einsames Leben! und du— du verzagst, dem Hofe ein Mädchen zu entziehen“ u. 8. f. wie oben. Diese Anderung zog weitere durch das ganze Gedicht mach sich, da das Motiv der Traumerscheinung sich wie ein roter Faden durchzieht. Der Tatbestand ist zu entnehmen aus A. M. von Thümmels
Sämtl. Werken, Leipzig, Göschen 1856, Bd. 7, S. 137 f. Bd. 8, S. 185.
is) In weiterem Sinn gehören hieher die groben Corpora, auf literarischem Gebiet z. B. das Corpus medicorum Graecorum und Lali- novum, der Catalogus codicum astrologorum Graecorum, auf urkund— lichem die der Inschriften und Papyri, die in dem gewaltigen jähr- lichen Zuwachs zu ersticken drohen. Dieser muß daher durch laufende Ergänzungssammlungen wie das Supplementum IEpigraphicum Graecum und das Sammelbuch der Papyri aufgefangen und durch umfangreiche Indices, Prosopographien usw. der wissenschaftlichen Verwertung zu- geführt werden.
19) E. Drerup, Aus einer alten Advokatenrepublik. Demosthenes und seine Zeit, 1916. Georges Clemenceau[der Tiger], Demosthenes. Deutsch von A. Baur, Basel 1926.


