e Hochansehnliche Versammlung!
Die hohen und weiten Forderungen, die ich für das wissen- schaftliche Rüstzeug der Forscher auf allen Gebieten der Altertumswissenschaft aufgestellt habe, ergeben sich zwangs- läufig aus der Fülle antiken Lebens, die uns aus dem Boden der alten Kulturstätten immer reicher zuströmt. Dabei wird natürlich der Mittelpunkt für jeden ein verschiedener sein, für den Philologen die Literatur, für den Archäologen die Werke der Kunst in weitestem Sinn, für den alten Historiker die Staatengeschichte, aber in den Zwischengebieten werden sich die Forscher aus den verschiedenen Lagern treffen.
Fragen wir aber nach dem Nachwuchs für die For- schung und nach dem akademischen Unterricht, so er- heben sich schwere Sorgen. Denn je höher die Forderungen der Altertumswissenschaft werden, desto geringer wird die Vorbildung ihrer Jünger. Für die Philologen ist der Nol- stand noch am wenigsten drohend, denn sie werden uns vom humanistischen Gymnasium zugeführt und ersetzen bei Liebe und Fleib zu dem von ihnen gewählten Studium die unge- nügende Vorbildung, die auch sie jetzt in den alten Sprachen mitbringen. Schlimmer steht es mit den Studierenden der alten Geschichte, Archäologie, Theologie und Jurisprudenz, die für den geschichtlichen Teil ihrer Wissenschaften die Fähigkeit quellenmäßigen Studiums mitbringen müßten und krüher auch mitbrachten, es jetzt aber nur noch zum Teil tun. Es ist klar, dals die durch diese Verhältnisse erzwungene Rücksichtnahme auf die der Quellensprache Unkundigen die strenge Ausbildung der Methode aufs schwerste hindert 2). Wenn wir noch in der Periode der Altertums wissenschaft wären, wo der Kreis der antiken Schriftquellen als im wesentlichen ab- geschlossen galt, so könnte man sich vielleicht denken, daß dieser begrenzte, seit langen Zeiten durchgearbeitete Stoff auch in zuverlässiger Ubersetzung und Erläuterung dem Unterricht oder gar der Forschung zugrunde gelegt werden könnte. Da er nun aber beständig durch neues Rohmaterial erweitert und dadurch anscheinend feststehende Ergebnisse der Forschung in Frage gestellt werden, so muß der Forscher und der Adept der Forschung, sei er Philologe, Linguist, Archäologe, Histo- riker, Theologe oder Jurist, diesen neuen Quellen mit scharfem


