Einzelbild herunterladen

Hoch ansehnliche Festversammlung!

Nachdem ich Ihnen über das verflossene Lebensjahr der Ludwigsuniversität Rechenschaft abgelegt und den Sorgen und WMWäünschen für ihre Zukunft Ausdruck gegeben habe, liegt mir noch das nobile officium des Rektors ob, über mein eigenes Wissenschaftsgebiet Bekenntnis abzulegen in Rückblick, Um- schau und Ausblick.

Der Ehrenname Professor kennzeichnet den, der arten profitetur, sich zu einer Wissenschaft bekennt. Um das öffent- lich tun zu können, muß er sie mit Einsatz seiner ganzen Person erleben und aus innerem Drang lehren. Er darf aber nicht ihr blinder und hochmütiger Lobredner sein, sondern muß in selbstkritischer Abschätzung ihrer Leistungen von Zeit zu Leit prüfen, ob sie auf dem richtigen Weg ist, und wie sie sich in das ganze Gebäude der Wissenschaft einfügt.

In diesem Sinne möchte ich zu Ihnen reden über

Die Stellung der Philologie in der Universität.

Zur Rechtfertigung dafür, daß ich den altehrwürdigen Namen der Philologie ohne Zusatz für das Fach beibehalte, das man jetzt zum Unterschied von jüngeren philologischen Fächern zu eng als klassische oder zu weit als alte Philologie zu bereichnen pflegt, will ich mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Namens und des Faches beginnen.

Der griechische Name Philologia bedeutete im Altertum die Gelehrsamkeit im allgemeinen ohne Beschränkung auf eine bestimmte Wissenschaft. An der Schwelle zum Mittelalter ist der Philologia in diesem weiteren Sinn sogar die Ehre zuteil geworden, als Göttin in den Himmel versetzt zu werden. Um das Jahr 420 n. Chr. hat der Afrikaner Martianus Capella aus Madaura eine Enzyklopädie geschrieben mit dem Titel