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lichen Gesamtverluste gewinnen können, wie sie im Gefolge der Tierseuchen sich ergeben.
Gehe ich nach dieser Vorbemerkung auf das mir gestellte Thema über, so darf ich erwähnen, daß die Geschichte der Seuchen und der Seuchenforschung eng verbunden ist mit der Kulturgeschichte und daß auch in ihr der Geist der Zeiten sich widerspiegelt.
Abergläubisch und phantastisch waren die Vorstellungen, verschwommen und nebelhaft die Ansichten, viel- und doch nichtssagend die Begriffe, die sich mit dem Ursprung und Wesen, mit dem Werden und Vergehen der Menschen- und Tierseuchen, mit den Mitteln zu ihrer Verhütung und Unterdrückung von den frühesten Zeiten an verbanden und sich zum Teil bis ins 18. und 19. Jahrhundert fortschleppten.
Ubernatürliche Einflüsse, dämonische Gewalten, göttliche Schickung und den Ausfluß göttlichen Zornes sah man zu den ältesten Zeiten in dem verheerenden Auftreten der Menschen- und Tierseuchen. Widrige Konstellationen der Gestirne, Uber- schwemmungen und Mißernten, Zauberkünste und Hexenspuk wurden später für ihr verderbliches Umsichgreifen verantwort- lich gemacht.
Zurück bis zur hippokratischen Schule reicht die Vorstel- lung, die bis heute noch in Laienkreisen ihre Vertreter findet, von dem krankmachenden Einfluß der faulen Luft, des krank- haften Sekretes in der Luft, des Mias mas, das als verderb- liches Gas von faulenden Kadavern ausgehen, das aus Sümpfen oder aus fauligen Prozessen oder aus dem Inneren der Erde auf- steigen, die Luft verpesten, den Eingang in den Körper des Men- schen oder der Tiere finden und Krankheiten auslösen sollte. Die „Constitutio epidemica“ und der„Genius epidemicus“ als der unbestimmte und unklare Inbegriff von klimatischen, kosmischen und tellurischen Faktoren wurden verantwortlich gemacht in Fällen, wo das Miasma als Ursache der Seuchen seinen Dienst versagte.
Max von Pettenkofer umschrieb gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts die miasmatischen Krankheiten einerseits und die kontagiösen andererseits des näheren und bezeichnete als abgrenzendes Merkmal der erstgenannten ihre Entwicklung in der Außenwelt, ihr Eindringen von außen in den Körper,— wäh- rend als kontagiöse diejenigen Krankheiten angesprochen wur-


