Hoch ansehnliche Festversammlung! /
Liebe Kommilitonen!
Wiederum neigt sich ein akademisches Jahr dem Ende zu, es ist das 319. seit Gründung der Landesuniversität, und wir gedenken dabei des Gründers und des letzten Rector magni— licentissimus in Dankbarkeit und Treue. Es gilt nun Rückschau iu halten auf das, was das vergangene jahr der Universität ge- bracht hat, aber auch Mittel und Wege für eine gedeihliche Weiterentwicklung in der Zukunft zu bezeichnen.
Das Fundament, auf dem die deutschen Universitäten ge- gründet sind, hat sich im vergangenen wie auch in den vorher— gehenden Jahren als festgefügt erwiesen, die politischen Stürme haben es nicht zu erschüttern vermocht, und es ist dies auch verständlich, denn Wissenschaft, das den Universitäten anvertraute heilige Gut, hat nichts mit der Politik des Tages zu tun, Wissen— schaft ist auch mehr als Priestertum und Königswürde, wie schon im Talmud steht, ihr Endzweck ist nach G. E. Lessing die Wahrheit. Auch der neue Staat hat sich der Macht dieser Tat- sachen nicht entziehen können und hat den Universitäten in der Hauptsache gelassen, was den Universitäten war, die Selbstver- waltung. Ihrer bedarf aber auch die Landesuniversität, wenn sie in edlem Wettstreit mit den Schwesternuniversitäten die welt— lichen und göttlichen Dinge zu erforschen, wissenschaftlichen Geist in weite Schichten des Volkes zu verbreiten und damit die mensch- lichen Verhältnisse zu bessern sucht.
Regierung und Volksvertretung haben auch in dem zu Ende gehenden akademischen Jahr trotz schwerer finanzieller Bedräng- nis des Landes viel getan, um die Landesuniversität mit dem nötigen wissenschaftlichen Rüstzeug für ihre Aufgaben zu ver—


