Einzelbild herunterladen

36 Friedrich Maurer: Ein neues deutsches Evangelienbruchstück usw.

entspricht es, daß auf einer Karte des Sprachatlasses in Marburg statt der Form von sagen im Thüringischen auffälligerweise gegen die Vorlage in dem betreffenden Wenkersatz die Form von rechen auftritt. Die Grenze zwischen Samstag und Sonmnubend läuft heute etwa in der Höhe von Gießgen-Wetzlar.! Beheim müßte nördlich dieser Linie, FP im südlichen Gebiet liegen. Nach Süden hin gegen das Alemannische wird das Fragment abgegrenzt durch die e-Formen von gen und sten. Ein besonders zu besprechender Fall ist die Verkleinerung ZichelnZicklein 15,29; das Diminutivsuffix, das ein enthält, pflegt man heute als Kennzeichen zu benutzen, um eine Mundart dem Oberdeutschen zuzuweisen2. Wie in der älteren Zeit die Dinge lagen, ist besonders in diesem Falle nicht zu sagen; vgl. H. Paul a a. O. Nehmen wir einmal an, daß die Grenzen in älterer Zeit ungefähr so gelaufen sind, wie wir es heute beobachten, So liegt zwar Lorsch nördlicher als das allgemeine J-Gebiet; aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß die südlichen Teile Starkenburgs, die im allgemeinen zum Mitteldeutschen gehören, in gewissen Wör tern die Verkleinerung mit J-Suffix bilden; die oben erwähnte Arbeit über das Lorsch benachbarte Biblis gibt ebensolche Formen: das Diminutiv zu gs(Geige) lautet ges( zicklein)!

Wenn auch die heutigen Grenzlinien dieser einzelnen Er scheinungen, das betone ich nochmals, durchaus nicht mit denen der früheren Jahrhunderte übereinzustimmen brauchen, So darf nach dem Gesagten doch angenommen werden, daß die Abschrift, aus der hier ein Bruchstück veröffentlicht und behandelt worden ist in Lorsch oder nicht weit davon entfernt entstanden ist.

*

Die Wortkarten, die in Marburg zum Hessen-Nassauischen Wb. ge- zeichnet sind, sagen das; für den weiteren Verlauf der Grenze fehlen leider die Unterlagen.

VI. O. Behaghel, Gesch. d. dtsch. Spr. 51; H. Paul, Dtsch. Gr. V, 50 ff. Uber die genaueren Zustände Vgl. F. Wrede, Deutsche Dialekt geogr. I, 1908. ö

Da auch Beheims Evangelienbuch die Form zichlein bietet, in Halle aber heute diese Form nicht herrscht, könnte man sie als Fingerzeig für die Heimat des Originals verwerten(und jedenfalls gegen Halle als Ent- stehungsort der Ubersetzung); aber hier ist größte Vorsicht anzuwenden.